Film: The Cleaners (Flimmerfreundschaft #4)

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© Farbfilm Home Entertainment

Filmdaten:

Genre: Dokumentation
Über: Soziale Netzwerke
Jahr: 2018
Land: Deutschland
Regie: Hans Block und Moritz Riesewieck
Länge: 92 min
OT: The Cleaners

 

Hallo Filmfreunde,

bei dieser Beitragsreihe handelt es sich um ein Format, das ich von der lieben Friedl und dem lieben Michael übernommen habe. Bei der Flimmerfreundschaft geht es darum, dass ich mir in jeder Ausgabe eine/n Filmfreund/in einlade, der /die mir dann einen Film aussucht, den ich anschauen soll. Umgekehrt suche auch ich einen Film aus, der meinem Pendan gefallen könnte. Dazu stellen wir uns gegenseitig zehn Fragen zum Film, die es zu beantworten gilt. Die Fragen haben dann entweder direkt mit einzelnen Aspekte des Films zu tun oder sind eher persönlicher Natur und hängen nur indirekt mit dem Film zusammen.

In diesem Beitrag habe ich meinen Freund Christian von audio\visuell und dem geistlosesten Filmpodcast Deutschlands (oder wie war das noch mal?) eingeladen, der den Film „The Cleaners“ für mich ausgesucht und mir dazu folgende zehn Fragen gestellt hat. Ich selbst habe mir für ihn den Film „Enemy“ ausgesucht, den ich vor einiger Zeit hier auch vorgestellt habe. Meine Fragen dazu hat Christian dann auch ganz brav hier beantwortet.

Nun aber zu Christians Fragen an mich zu „The Cleaners“:

 

1. Wie aktiv bist du eigentlich selbst in den sozialen Netzwerken?

Das ist schwer zu sagen, da es immer davon abhängt was man als Maßstab nimmt. Im Vergleich zu meinem Vater würde ich sagen megaaktiv. Im Vergleich zu einigen Gleichaltrigen oder gar jüngeren Leuten wahrscheinlich eher weniger. Wenn man es genau nimmt, sind unsere Blogs ja auch so etwas wie ein soziales Netzwerk. Von daher bin ich da schon ziemlich aktiv. Um es aber mal konkret zu sagen: Ich bin bei Facebook, nutze es aber in erster Linie um meine eigenen Blogartikel zu teilen und mit ein paar Leuten über den Messenger zu chatten. Ein Twitterkonto habe ich auch. Allerdings logge ich mich da nur alle drei bis vier Monate mal ein. Ansonsten habe ich keine Konten bei Instagram etc.

 

2. Wie viel Hass, Gewalt und Abgründiges bekommst du dort mit? Oder anders gefragt: Machen die im Film porträtierten „Cleaners“ ihren Job richtig?

Um ehrlich zu sein bekomme ich davon recht wenig mit, da ich kaum Posts anderer Leute lese. Hin und wieder taucht mal ein Video mit geschmacklosen Inhalt auf. Das klicke ich dann aber nicht an. Ob mein Mangel an Hass- und Gewalterfahrungen im Netz jetzt an meiner Passivität oder der Gewissenhaftigeit der Cleaners liegt, lasse ich mal dahin gestellt.

 

3. Hast du vorher gewusst, wie die „Qualitätskontrolle“ der Inhalte auf Facebook und Co. abläuft?

Im Groben, ja. Ich hatte mal einen Bericht darüber gelesen. Allerdings ging es darin eher um erstellte Algorythmen, die in der Doku ja auch angesprochen werden. Ich glaube auch nach wie vor, dass wesentlich mehr über solche Algorythmen läuft als über die Cleaners.

 

4. Welche Art(en) von Dokumentationen bevorzugst du? Muss es der Blick von (ganz) außen sein oder darf es auch schon mal subjektiver zur Sache gehen? Eher aufregende oder lieber nüchterne Inszenierung? Und: Traf „The Cleaners“ deinen Geschmack?

Zunächst ein mal sei gesagt, dass ich eigentlich gar nicht so viele Dokus gucke. Wenn ich mich für ein Thema interessiere, lese ich meistens Artikel oder Sachbücher dazu. Im Großen und Ganzen traf „The Cleaners“ schon meinen Geschmack. Ob eine Doku von außen oder subjektiv gestaltet sein muss, hängt meiner Meinung nach stark vom Thema ab. Nehmen wir als Beispiel eine Doku über die Überlebenden des Holocausts. Hier ist eine subjektive Sicht natürlich vollkommen in Ordnung. Bei anderen Themen, vor allem wenn ich mich darin nicht so gut auskenne, hätte ich schon genre objektive Fakten und Pro/Contra Argumente, damit ich mir selbst ein umfassendes Bild machen kann. Allerdings muss man als Zuschauer das dann auch richtig einordnen können. Was mich bei „The Cleaners“ ein bisschen gestört hat waren die Szenen, in denen die Cleaner am Strand entlang spatzieren, ihre Babys ins Bett bringen und so weiter. Das hat es meiner Meinung nach nicht gebraucht.

 

5. Ich empfand den Film – trotz seines dringlichen Anliegens – als etwas einseitig. Es kamen kaum Menschen mit gegenteiligen Meinungen zu Wort, generell war die Doku extrem Technologie-kritisch. Stimmst du mir zu?

Nein, das sehe ich nicht ganz so. Einige der Cleaners zum Beispiel sind davon überzeugt, dass das was sie tun gut und sinnvoll ist. Außerdem wurden die Vorzüge der neuen Medien durchaus auch erwähnt. Auch Vertreter der großen Firmen wie Google oder Facebook kommen zu Wort. Dass sie dann nur Unsinn reden ist deren Problem 😉

 

6. Eine der Fragen, die die Filmemacher stellen, lautet: „Wer kontrolliert, was wir sehen und was wir denken?“ Ist das eine Frage, die sich die Menschen zu selten stellen? Und wie denkst du darüber?

Absolut. Und das würde ich nicht nur auf die sozialen Netzwerke und das Sehen beziehen. Kurz nach dem Dieselskandal tauchen plötzlich Artikel auf, die darüber berichten wie umweltschädlich E-Autos doch sind, da wegen der Produktion der benötigten Baterien riesige Mengen Lithium abgebaut werden müssen. Das ist sicherlich ein Problem. Trotzdem kann man ja mal die Frage stellen, ob vielleicht jemand ein Interesse daran hat, dass die Kunden keine E-Autos kaufen sondern lieber noch eine Weile die konventionellen Produkte fahren. Um mal den Bogen auf unsere kleine Bloggersparte zu schlagen, gilt das natürlich auch für den Bereich Kunst. Vor allem im kommerziellen Bereich wie dem Kino wird natürlich schon versucht das Publikum dahin gehend zu manipulieren, eine gewisse Art von Filmen gut zu finden. Und ich denke wenn man sich die Besucherzahlen der letzten Jahre so anschaut, scheint das auch relativ gut zu klappen. Ich persönlich versuche geistig wachsam zu bleiben und nicht alle Infos, die mir von welcher Seite auch immer zugetragen werden, für die Wahrheit zu halten. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger gut würde ich sagen.

 

7. Im Film wird der Hass gegen die Rohingya in Myanmar als Beispiel dafür angeführt, welche negativen gesellschaftlichen Dynamiken Facebook und Co. verstärken können. In Deutschland sind wir zum Glück noch nicht soweit – oder?

Zum Glück nicht, nein. Ich würde den Aufschwung der AFD beispielsweise nicht mit dem Genozid in Myanmar geichsetzen. Aber dieses politische Phänomen ist schon eines, das durch die sozialen Medien verstärkt wird. Insofern ist der Einfluss von Facebook und Co. in deutlich schwächerer Form auch hier bei uns spürbar. Ganz klar.

 

8. Ist „The Cleaners“ einer dieser Filme, der in der Schule gezeigt werden sollte? Kennst du andere Dokus, für die das gilt?

Da ich nicht so der Doku-Gucker bin, fällt mir da spontan jetzt kein konkreter Film ein, den ich nennen könnte. Generell halte ich aber wenig davon in der Schule Dokus zu zeigen und die Schüler dann mit dem Gesehenen alleine zu lassen. Viel mehr müsste in Fächern wie Sozialkunde oder Politikwissenschaft aktiv mit sozialen Medien gearbeitet werden. Wenn man „The Cleaners“ in der Schule zeigt, könnte man mit den Schülern verschiedene Projekte dazu durchführen. z.B. gezielt Content erstellen, der von Facebook gelöscht wird, obwohl er eigentlich harmlos ist. Oder gezielt vollkommen willkürliche Fake News online zu stellen und zu beobachten wie sich das Material verbreitet. Auf diese Weise würden die Schüler nicht nur sehen sondern selbst erfahren wie die sozialen Netzwerke funktionieren und wo deren Probleme liegen. Es bringt nichts einzelne Aspekte wie die Existenz der Cleaners zu kennen, wenn man die Bedeutung für einen selbst nicht greifen kann.

 

9. Wenn du einen roten Knopf vor dir hättest, mit dem du auf einen Schlag Twitter, Facebook und Instagram für immer löschen könntest, würdest du ihn drücken?

Nö. Im Film wird gezeigt, dass Facebook und Co. Unternehmen sind, die wie alle anderen Unternehmen dieser Welt auf Profit aus sind. Dass sie unsere Daten verkaufen und ihre Dienste Regierungen zur Verfügung stellen, die nicht unbedingt unserer Vorstellung von demokratisch entsprechen, ist natürlich doof. Wenn man das aber weiß, liegt es an jedem einzelnen Nutzer dementsprechend zu handeln und zu reagieren. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen meiner Meinung nach viel zu wenig Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen. Wenn ich weiß, dass Facebook bestimmte politische Führer unterstützt, dann nutze ich es eben nicht als Informationsquelle. Wenn ich weiß, dass eine gewisse Talkshow Sympathien für eine bestimmte politische Gesinnung unterstützt, dann schaue ich sie nicht. Aber dazu muss man eben selbst überlegen, nachdenken und manchmal eben den unbequemen Weg gehen.

 

10. Und, wie sieht’s nun aus? Bleibt unsere Flimmerfreundschaft erhalten? 😉

Von mir aus sehr gerne. Allerdings wäre ich dir dankbar wenn es nächstes mal nicht wieder eine Doku wird. Egal wie spannend und informativ sie auch sein mag 😉

 

Das waren meine Antworten auf Christians Fragen. Habt ihr „The Cleners“ gesehen? Wenn ja wie fandet ihr den Film? Und was hättet ihr auf die zehn Fragen des Kollegen geantwortet? Den Film könnt ihr übrigens auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos anschauen.

Ich freue mich auf eure Kommentare und lade für die nächste Ausgabe meinen Kumpel Filmlichter ein, obwohl er mich eiskalt aus seiner Blogroll gestrichen hat ;).

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24 Kommentare zu „Film: The Cleaners (Flimmerfreundschaft #4)

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  1. Vielleicht hätte ich noch die Frage stellen sollen, wie dir den Film allgemein gefallen hat – deinem Text entnehme ich, dass du ihn eher verhalten aufgenommen hast? Ich fand ihn jedenfalls ziemlich eindrücklich und war danach erstmal ziemlich fertig…

    „Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen meiner Meinung nach viel zu wenig Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen.“

    Sehr schöne Aussage, würde ich so unterschreiben, in vielen Lebensbereichen. Allerdings müssen eben auch die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Wer heutzutage nicht in sozialen Netzwerken unterwegs ist, nimmt ja in gewisser Weise nicht am öffentlichen Leben Teil, es herrscht also ein gewisser Zwang. Das ist genau so, wie wenn ich fortan kein Plastik mehr kaufen will, es im Supermarkt aber ausschließlich in Folie verpacktes Gemüse gibt – da nützt die Verantwortung des Einzelnen wenig bis nichts…

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    1. „Vielleicht hätte ich noch die Frage stellen sollen, wie dir den Film allgemein gefallen hat“

      Du hast Recht. Das kam im Text nicht ganz raus. Ich fand den Film interessant und informativ. Ich denke das ist mit das Beste, das man über eine Doku sagen kann. Allgemein hätte ich die Fakten aber lieber irgendwo nachgelesen. Das ist einfach eine Frage des bevorzugten Mediums.

      „Sehr schöne Aussage, würde ich so unterschreiben, in vielen Lebensbereichen. Allerdings müssen eben auch die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.“

      Danke für die Zustimmung. 🙂
      Auch hier hast du zumindest teilweise Recht. Allerdigs sind die Rahmenbedingungen in vielen Fällen bereits da.

      „Das ist genau so, wie wenn ich fortan kein Plastik mehr kaufen will, es im Supermarkt aber ausschließlich in Folie verpacktes Gemüse gibt“

      Genau das wäre so ein Beispiel. Man muss nicht im Supermarkt einkaufen. Es gibt in manchen Städten unverpackt Läden, Hofläden, Bioläden, die komplett ohne Plastikverpackungen auskommen. Das ist aber eben nicht so bequem wie „ein mal hin, alles drin“.

      „Wer heutzutage nicht in sozialen Netzwerken unterwegs ist, nimmt ja in gewisser Weise nicht am öffentlichen Leben Teil“

      Das sehe ich grundsätzlich anders! Gerade unsere Eltern (oder deren Generation) sind nicht, oder nur wenig – in den sozialen Medien unterwegs und sind trotzdem sozial aktiv. Gerade unter meinen Kollegen und Kolleginnen, die zwischen 5 Jahre jünger und 15 Jahre älter als ich sind, sind Facebook und Co geradezu verpönt. Zudem gibt es eine Ansage von oben, laut der wir gar nicht in sozialen Medien vertreten sein sollen. Trotzdem sind das alles sehr aktive Leute 😉

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      1. „Es gibt in manchen Städten unverpackt Läden, Hofläden, Bioläden, die komplett ohne Plastikverpackungen auskommen.“

        Aber da ist eben auch noch ganz schön Nachholbedarf – hier in Leipzig gibt es meines Wissens bisher nur einen einzigen Unverpackt-Laden. Solche Leuchtturmprojekte sind ja auch lobenswert und nötig – aber eben nicht die Lösung für das eigentliche Problem. Das ist so, wie wenn jemand mal wieder sagt, der Markt würde das schon regeln – ich war auch mal dieser Meinung, bin aber inzwischen der Überzeugung, dass es da deutlich stärkerer staatlicher Interventionen bedarf.

        „Gerade unsere Eltern (oder deren Generation) sind nicht, oder nur wenig – in den sozialen Medien unterwegs und sind trotzdem sozial aktiv.“

        Wenn natürlich deine ganze Peergroup nicht im Netz aktiv ist, ist der Druck natürlich geringer. (In meiner Familie sieht das etwas anders aus 😉 )
        Aber Fakt ist doch: Wer sich gerade in jüngeren Generationen sozialen Netzwerken verweigert, dem entgeht vieles bis alles. Ich glaube, kaum ein Schüler kann es sich heutzutage leisten, nicht bei Instagram zu sein, wenn er auf dem Schulhof nicht ausgeschlossen werden will

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        1. “ Das ist so, wie wenn jemand mal wieder sagt, der Markt würde das schon regeln – ich war auch mal dieser Meinung, bin aber inzwischen der Überzeugung, dass es da deutlich stärkerer staatlicher Interventionen bedarf.“

          Sehe ich auch so.

          “ Ich glaube, kaum ein Schüler kann es sich heutzutage leisten, nicht bei Instagram zu sein, wenn er auf dem Schulhof nicht ausgeschlossen werden will“

          Das ist glaube ich nicht so 🙂

          Gefällt 1 Person

  2. Ahoi. Was ist ne Blogroll und wie streich ich da jemanden draus…? 😉 In meiner kasernenhofartigen „Lies das!“ Kategorie tauchen immer nur die letzten soundsovielen auf, die ich abonniert habe. Ich nehme die Einladung grundsätzlich sehr gerne an, kann aber nicht versprechen wie bald ich dazu komme!

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