Film: Like Father Like Son (Streng geheime Filmtipps #20)

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©Film Kino Text

Filmdaten:
Genre: Drama
Mit: Masaharu Fukuyama,
Jahr: 2013
Land: Japan
Regie: Hirokazu Koreeda
Länge: 121 min

 

Hallo Filmfreunde,

heute habe ich mit „Like Father Like Son“ einen streng geheimen Filmtipp aus Japan für euch. Als ich vor ein paar Wochen gerade an diesem Artikel gearbeitet habe, erschien auf der Filmlichtung die Besprechung eines ebenfalls japanischen Films mit dem Titel „Shoplifters“. Der Film war 2019 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert und könnte daher dem einen oder anderen ein Begriff sein. Als ich jedenfalls die Besprechung laß, war ich sehr überrascht. Denn vieles was der Kollege über „Shoplifters“ zu sagen hatte, entsprach ziemlich genau meinen Notizen zu „Like Father like Son“. So heißt es dort zum Beispiel:

 

Eingangs habe ich ihn „Koreedas Blick darauf, was eine Familie ausmacht“ genannt und das trifft es auch sehr gut. Das lässt den Film nun aber nach einem reinen Essay-Film klingen, in dem die Figuren reine Chiffren sind, die die unterschiedlichen Ansätze vortragen. Nichts könnte aber weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Figuren sind absolut glaubwürdig und aufrichtig geschrieben und gespielt. Koreeda erzählt ruhig und einfühlsam eine Geschichte […] Seine Antwort auf die Frage, was denn nun eine Familie ausmache ist denn auch eine durchaus komplexe. Blut, sprich Biologie allein reicht ihm als Antwort ganz offensichtlich nicht aus. […] Japan, so scheint es zumindest mir als weit entferntem Kommentator, scheint eine Gesellschaft, die sehr auf das Funktionieren des Individuums im großen Ganzen ausgelegt ist. Die Familie als Einheit scheint darunter besonders zu leiden und so ist das Thema der dysfunktionalen Familie und daraus erwachsend einer neu gewählten familiären Einheit kein ganz seltenes in der Kunst.“

 

Da mich die Besprechung des Kollegen neugierig gemacht hatte, machte ich mich umgehend an die Recherche, nur um dann herauszufinden, dass „Shoplifters“ und „Like Father Like Son“ doch tatsächlich vom selben Regiesseur sind. Verrückter Zufall, oder? Nun aber genug aus dem Nähkästchen geplaudert und ran an den Film, den ich euch eigentlich ans Herz legen will.

In „Like Father Like Son“ geht es um einen ehrgeizigen und erfolgreichen Geschäftsmann namens Ryota, dem seine Arbeit wichtiger ist als seine Familie. Er vernachlässigt nicht nur seine Frau, sondern auch seinen Sohn Keita, der nur wenig mit seinem Vater gemein zu haben scheint. Ryota bemängelt den Mangel an Ehrgeiz seines Sohnes und ärgert sich darüber, dass der kleine Keita nicht über die Maßen talentiert ist. Dementsprechend distanziert ist die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Eines Tages erfahren Ryota und dessen Frau, dass Keita gar nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern dass bei der Geburt im Krankenhaus zwei Babys vertauscht wurden. Ein DNA-Test im Krankenhaus bestätigt dies. Nun stehen die betroffenen Familien vor der Frage, ob sie die Kinder, die sie immerhin die ersten Jahre ihres Lebens aufgezogen und zu denen sie eine starke emotionale Bindung aufgebaut haben, behalten oder einen Austausch vornehmen wollen. Biologie oder Emotionale Bande? Blut oder Liebe?

Die beiden Paare treffen sich, um die verlorenen Söhne und sich gegenseitig kennenzulernen. Dabei wird klar, dass beide Familien unterschiedlicher nicht sein könnten. Ruysei, Ryotas leiblicher Sohn, ist Teil einer in einfachen Verhältnissen lebenden Familie, scheint dort aber glücklich zu sein und ein sehr liebevolles Verhältnis zu seinem Vater zu haben. Nach einigen Treffen beschließen die beiden Familien die Kinder auszutauschen, woraus sich der eigentliche Konflikt des Films entwickelt. Denn obwohl Ruysei Ryotas leiblicher Sohn ist, gelingt es ihm nicht emotional zu ihm durchzudringen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

Hier wirft der Film Frage auf, was Familie eigentlich ausmacht und was Kinder wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Dabei bleibt Regisseur Koreeda, trotz der auch hier ruhigen Inszenierung, keineswegs neutral und gibt durch die fein gezeichneten Gefühle und Handlungen seiner Figuren recht klare Antworten. Gleichzeitig lässt sich zwischen den Zeilen auch einiges an Kritik am japanischen Wertesystem und den gesellschaftlichen Anforderungen erkennen. Das alles macht „Like Father Like Son“ zu einem durchweg gelungenen Film, den ich jedem Filmfan empfehlen kann. Ähnlich wie der eingangs erwähnte „Shoplifters“ konnte auch „Like Father Like Son“ auf diversen Festivals einige Preise gewinnen. Wobei Koreeda außerhalb Japans nicht die öffentliche Anerkennung fand wie nun nach seiner Oscarnominierung. Vielleicht wird ja nun ein breiteres Publikum auf den Film aufmerksam.

9 Kommentare zu „Film: Like Father Like Son (Streng geheime Filmtipps #20)

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          1. Echt? Ich hätte jetzt gesagt, dass ich schon viel abseits des Mainstreams unterwegs ist. Aber gut, jedenfalls sind wir uns einig

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          2. Sehr mainstreaming, mit dem Bestreben, immer aktuelle Filme zu besprechen, die gerade im Gespräch sind oder kürzlich waren. Auch im Klassikerbereich ziemlich Mainstream mit Psycho, Shining ect.

            Was nicht schlecht sein muss, so kann man deine Bewertungen immerhin ohne Probleme nachvollziehen, da die Filme in der Regel bekannt sind.

            Like father, like son fällt komplett aus dem Raster.

            Wie ist deine Einschätzung über mich?

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          3. Hm schwer zu sagen. Ich habe jetzt nicht nachgezählt. Aber ich würde sagen, dass du einen Schwerpunkt auf Klassiker/Oldies legst. Sagen wir mal Filme vor 1980.
            Ansonsten würde ich sagen schaust du was dir vor die Flinte kommt.

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