Film: The Shape of water – Oder der Schrecken vom Amazonas 2.0

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© 20th Century Fox

Filmdaten:
Genre: Fantasy-Romanze
Mit: Sally Hawkins, Michael Shannon
Jahr: 2017
Land: USA
Regie: Guillermo del Toro
Länge: 123 min
OT: The Shape of water

Hallo Filmfreunde,

in der heutigen Besprechung geht es um Guillermo del Toros „The Shape of Water“, oder die inoffizielle Fortsetzung des Klassikers „Der Schrecken vom Amazonas“. Das stimmt zwar so natürlich nicht. Trotzdem habe ich lange keinen Film gesehen, dessen Inspirationsquelle so offensichtlich ist, der mich aber dennoch durch Kreativität und Einzigartigkeit begeistern konnte.

Grob zusammengefasst geht es im Film um eine stumme Reinigungskraft Elisa, die in einem geheimen Forschungslabor auf ein amphibienartige Kreatur trifft, die dort zu Forschungszwecken festgehalten wird. Es stellt sich heraus, dass der Gill-Man, so wird das Monster im erwähnten „Der Schrecken vom Amazonas“ gemeinhin bezeichnet, ausgeprägtere menschliche Züge aufweist als so mancher unter Elisas Mitmenschen. In der Folge entwickelt sich dann eine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Kreatur.

Der Gill-Man selbst sieht del Toros Wasserwesen ziemlich ähnlich und auch die beschriebene Liebesgeschichte wurde bereits im 1954er „Der Schrecken vom Amazonas“ thematisiert. Dort entwickelt der Gill-Man romantsiche Gefühle für eine der Wissenschaftlerinnen, die ihn und seinen Lebensraum erforschen wollen. Diese Liebe bleibt hier allerdings, wie beispielsweise in „King Kong und die weiße Frau“ auch, unerwidert und mündet in eine Entführung, an deren Ende die Frau von den heldenhaften Abenteuren aus den Fängen des Monsters gerettet wird.

In „The Shape of water“ greift del Toro nun diese Geschichte auf und geht noch einen Schritt weiter. Hier ist es nicht die Frau, die aus den Fängen des fremdartigen Wesens gerettet werden wuss. Viel mehr ist es Elisa, die ihrerseits Gefühle für den Gill-Man entwickelt und diesen aus den Fängen einer staatlichen Forschungseinrichtung, personifiziert durch Michael Shannon, befreit.

In del Toros Film wird die Kreatur zum passiven Nebendarsteller und der Mensch zum wahren Monster. Michael Shannons Figur ist vulgär, skrupel- und gefühllos. Er kennt nur seine Mission, das Monster studieren und dann zu vernichten, bevor es den verfeindeten Russen in die Hände fällt, und ordnet alles seinem persönlichen Erfolg unter. Die Angst vor einem möglichen Scheitern verdrängt jeden Hauch der Menschlichkeit. Shanons Figur ist derart abstoßend, dass nicht die recht offen angedeutete Sexszene zwischen Elisa und dem Gill-Man, sondern die zwischen eben Shannon und dessen Frau zur unappetitlichsten Szenen des gesamten Films wird.

Ironischerweise wäre Shannons Figur warscheinlich der Held der Geschichte, wäre „The Shape of water“ zu der Zeit erschienen, in der die Handlung spielt. Nämlich in den frühern 1960er Jahren mitten im Kalten Krieg. Stattdessen ist „The Shape of water“ nicht nur ein romantisches Creature-Feature sondern quasi eine Ode auf das Anderssein und die Menschlichkeit.

The Shape of water“ gehört gemessen an den zahllosen Preisen, die der Film gewonnen hat, zweifellos zu den erfolgreichsten Filmen der letzten Jahre. Alleine bei der Oscarverleihung 2018 war der Film in 13 Kategorien nominiert und konnte sich letztendlich vier Goldjungen auf das Filmplakat drucken. Darunter auch den wichtigsten als „Bester Film“. Auch wenn dieser Preis unter Filmfans kontrovers diskutiert wurde, halte ich „The Shape of water“ in Anbetracht der nominierten Konkurrenz definitiv für einen würdigen Gewinner. Lediglich der ebenfalls starke „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ wäre hier eine ernsthafte Alternative gewesen.

Auch dass del Torr nicht den Preis für das beste Originaldrehbuch gewonnen hat, kann ich voll und ganz nachvollziehen (Es gewann Jordan Peeles „Get Out“). Immerhin liegen hier für mich die einzigen Schwächen des Films. So sind einige der Nebenfiguren doch sehr stereotyp und für die Handlung nicht so wichtig wie es ihre Präsenz vermuten lassen würde. Außerdem plätschert der Film an einigen Stellen inhaltlich wie das titelgebende Wasser vor sich hin, ohne dass die Handlung wirklich voranschreitet. Dass der Film in diesen Phasen dennoch nicht langweilig wird, liegt vor allem an der kreativen und liebevollen visuellen Gestaltung des Films, die auch vollkommen zurecht mit dem Oscar für das beste Szenenbild belohnt wurde.

Einen weiterer Oscar erhielt zudem Alexandre Desplat, der die Filmmusik zu „The Shape of water“ komponierte und damit wunderbar die von del Toro inszenierte Visualität der einzelnen Szenen untermalt und das Motiv des Wassers betont. Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass ich die Musical-Szene im letzten Drittel des Films zu den wahrscheinlich unpassendsten Filmmomenten der jüngeren Vergangenheit zähle. Trotzdem ist „The Shape of Water“ für mich ein absolutes Highlight, das ich unbedingt weiter empfehlen kann.

The Shape of waterhabe ich im Rahmen der großen Filmreise-Challenge gesehen.

Aufgabe 41 – Schaue einen Film aus dem 21. Jahrhundert, der für seine Filmmusik einen Oscar bekommen hat .

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10 Kommentare zu „Film: The Shape of water – Oder der Schrecken vom Amazonas 2.0

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  1. Puh, hatte schon Angst, dass hier eine harte Kritik folgt auf einen Film den ich sehr in meinem Herzen aufgenommen habe 😀 Ich fand den einfach magisch zum einen durch die visuelle Strahlkraft und zum anderen durch seine bezaubernde Musik. Konnte auch gut mit den Figuren fühlen und del Toro hat es mal wieder nach Pan’s Labyrinth geschafft, ein starkes Märchen für Erwachsene zu erzählen. Wobei ich letzteren dir auch nur wärmstens ans Herz legen kann, der ist vielleicht sogar noch ein Stück weit persönlicher. Ansonsten schöne Kritik 🙂

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    1. Vielen Dank. Pans Labyrinth steht tatsächlich gefühlt seit 10 Jahren auf meiner Liste. Vielleicht sind es sogar wirklich 10 Jahre. Wann kam der denn raus?

      Hast du den Schrecken vom Amazonas gesehen?

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      1. Krass anscheinend schon 2006. Der ist deutlich düsterer und auch phantastischer als Shape of Water

        Ne, aber den wollt ich mal laufen lassen, falls der mal im Fernsehen läuft oder so 🙂 aber tatsächlich hat erst Shape of Water mein Interesse dafür geweckt

        Gefällt 1 Person

  2. Del Toro gehört mit Werken wie Pan’s Labyrinth, Devil’s Backbone, Cronos und Pacific Rim zu meinen Lieblingsregisseuren. The Shape of Water hat mich aber (emotional) nur bedingt abgeholt. Aber vielleicht bekommt er noch mal eine Chance. 😉

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          1. Ich finde aber auch einfach, dass der Film im Rahmen dessen, was er ist oder wofür er steht, wunderbar funktioniert. Aber das ist natürlich auch ein gutes stückweit von den eigenen filmischen Präferenzen abhängig. 😁

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  3. Hmm, ich bin ja bekanntlich alles andere als begeistert von diesem Film. Ich mochte kaum was, prägnant im Kopf hab ich die paar richtig guten Szenen und die für mich abstoßenden Sexszenen bzw die Masturbationsszene. Ich mochte sehr die Szenen von ihrem Nachbar im Cafe oder die mit Michael Shannon und Michael Stuhlbarg. So hätte ich lieber einen Politthriller mit den beiden als Hauptfigur oder ein Drama mit Richard Jenkins in der Hauptrolle gesehen als diese Fabel, die mich überhaupt nicht eingenommen hat.

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