Interpretation: Die Mumie – Warum ich den Film trotz allem mag

mumie plakat
© Universal

Filmdaten:
Genre:
Action/Abenteuer/Horror
Mit:
Sofia Boutella, Tom Cruise
Jahr:
2017
Land:
USA
Regie:
Alex Kurtzman
Länge:
110 min
OT:
The Mummy

Hallo Filmfreunde,

nachdem ich im ersten Teil dieser Besprechung beleuchtet habe warum „Die Mumie“ an den Kinokassen gefloppt ist und warum Tom Cruise daran nicht die alleinige Schuld trägt, möchte ich heute erörtern warum ich den Film trotz der aufgezeigten Schwächen eigentlich gar nicht so schlecht fand. Denn im Grunde ist „Die Mumie“ tiefgründiger als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten würde. Dazu muss ich ein einigen Stellen auf explizite Handlungselemente eingehen, werde aber keine wesentlichen Wendungen oder Überraschungen verraten.

Warum freut man sich auf ein Remake eines Horrorklassikers wie „Die Mumie“? Als Fan der alten Monsterklassiker hatte ich große Hoffnungen in das Dark Universe gesetzt. Zum einen natürlich wegen des fortgeschrittenen technischen Standards, der den Filmemachern heute ganz andere gestalterische Möglichkeiten bietet als es noch bei den knapp 90 Jahre alten Originalen der Fall war. Zum anderen hatte ich gehofft, dass das Dark Universe die alten Filme nicht einfach nur kopiert und visuell aufpoliert, sondern gewissermaßen auch den aktuellen Zeitgeist einfängt, indem es Ängste und Probleme der heutigen Zeit aufgreift und thematisiert.

Erstaunlicherweise macht „Die Mumie“ genau das. Oder zumindest glaube ich zu erkennen, dass sie das wollte, bevor das Ganze aus dem Ruder gelaufen ist und zu viele Ideen den sprichwörtlichen Brei verdorben haben. Trotzdem finde zumindest ich, dass eine sehr gute Grundidee nach wie vor erkennbar ist, sodass ich den Film bei weitem nicht so schlecht erlebt habe wie viele andere.

Eine der größten Ängste unserer Zeit ist wohl die Angst vor (islamistischem) Terror. Quasi jede Woche erschüttert ein neuer Terroranschlag irgendwo auf der Welt den aufmerksamen Nachrichtengucker. Der internationale Kampf gegen den Terrror ist omnipräsent. Und genau darum geht es meiner Meinung nach in „Die Mumie“.

Sofia Boutellas Mumie ist nicht wie Karloffs Original eine tragische Figur, die aus guten oder menschlichen Motiven heraus handelt. Sie ist in ihrem Wesen grundsätzlich böse. Das war sie zu Lebzeiten und ist sie auch nach ihrer Erweckung. Machtbesessenheit ist ihre Antriebsfeder. Sie will herrschen und gefürchtet werden. Eine spirituelle Verbindung zu den Göttern ist Teil ihrer Mission. Die Mumie ist gewissermaßen der personifizierte Terror, eine Allegorie des Schreckens.

Schaut man sich den Film unter dieser Prämisse an, fallen einem relativ schnell ein paar offensichtliche Hinweise ins Auge. So beginnt der Film beispielsweise im Irak und nicht wie man vermuten würde in Ägypten. An einer Stelle wird dieser Umstand sogar direkt angesprochen. Eine ägyptische Mumie mitten Irak? Sehr seltsam. Zu seltsam als dass uns das nicht etwas sagen soll. Als nächstes lernen wir den Helden des Films kennen. Tom Cruise. Ein amerikanischer Soldat, der sich nebenbei als Schmuggler und Plünderer betätigt. „Kein Schmuggler, sondern ein Befreier wertvoller Reliquien, die nicht dem Feind in die Hände fallen sollen“, stellt er selbst im Film richtig. Worum es sich genau bei diesen wertvollen Reliquien handeln soll bleibt offen. Gold oder Öl wären hier naheliegende Vermutungen. Wir befinden uns also mit Tom Cruise mitten im Kriegseinsatz im Irak, wo es zu einem Gefecht kommt, bei dem eher zufällig das Grabmal der Mumie freigelegt wird. Durch eine Mischung aus Habgier und unglaublicher Gleichgültigkeit entfesselt Cruise in der Folge den Fluch der Mumie, der damit auf die (westliche) Welt losgelassen wird. Es wird hier deutlich, dass die amerikanische Armee, personifiziert durch Cruise, durch ihr Handeln im Irak die Verbreitung des Terrors verschuldet.

Im Laufe des Filmes gelangt die Mumie dann nach London. Dort erweckt sie unentdeckte mumifizierte Leichen der alten Kreuzritter zu neuem „Leben“, die ihr quasi als Zombiearmee dienen. Ich gebe zu, das klingt jetzt ziemlich absurd und abgedreht, macht aber auf den zweiten Blick durchaus Sinn. Klar, die Kreuzritter haben mit dem alten Ägypten zunächst so viel zu tun wie Tom Cruise mit… Ach lassen wir das. Jedenfalls gibt es zwischen Kreuzrittern und den heutigen Jihadisten des islamischen Staates einige Parallelen. Beide Gruppen führten/führen religiös motivierte Kriege gegen Andersgläubige. Die Kreuzritter vor über 1000 Jahren im Namen des Christentums. Die Jihadisten heute im Namen des Islams. Die Mumie „erweckt“ ihre todbringende Armee aus ihrem Schlaf, damit sie auf Kommando tötet. Wenn wir über islamischen Terror sprechen, sind natürlich auch die sog. Schläfer ein Thema. Ähnlich wie die Mumien der Kreuzritter befinden sich Schläfer über Jahre hinweg unbemerkt an einem Ort wie eben z.B. London, um dann auf ein aktivierendes Kommando zu Gotteskriegern zu werden, die Tod und Verderben bringen. Dass der Film hier auf Kreuzritter zurückgreift, kann man ihm natürlich als historischen Blödsinn auslegen und vorwerfen. Allerdings hätten es sich die Verantworllichen im Film auch leicht machen können und beliebige Leichen nehmen können, die dann als Zombies ihrer Königin dienen. Ich denke jedoch, dass die Wahl der Kreuzritter zum einen den Aspekt der Gotteskrieger unterstreichen soll. Zum anderen wird durch sie auch darauf hingewiesen, dass Kriege und Morde im Namen der Religion keineswegs ein exklusiv muslimisches Konzept sind.

Und was will der Film uns nun eigentlich sagen? Wenn es um die Botschaft des Films geht, spielt Russell Crowes Firgur eine wichtige Rolle. An ihr wird deutlich, dass jeder Mensch sowohl eine gute, als auch eine böse Seite in sich trägt. Im Film kommt es zu dem moralischen Konflikt, ob man selbst zu einem Monster werden muss, um ein anderes Monster zu bekämpfen. Ist es zum Beispiel in Ordnung einen Menschen zu opfern, um eine bestehende Bedrohung zu bekämpfen? Ist es legitim im Krieg gegen das Monster des internationalen Terrors eigene Prinzipien der Menschlichkeit über Bord zu werfen und mit allen Mitteln zurückzuschlagen? Diese Fragen wirft „Die Mumie“ auf. Allerdings sorgt der Film selbst durch zu viel Action und Humor dafür, dass die meisten Zuschauer diese überhaupt nicht hören. So bleibt die eigentliche Bedeutung und inhaltliche Relevanz des Films leider auf der Strecke und das Dark Universe, das mit dieser Idee eigentlich auf einem sehr guten Weg war, ist aller Voraussicht nach schon wieder Geschichte. Vielleicht schaut ihr euch den Film aber nach diesem Beitrag doch noch mal an und seht „Die Mumie“ dann mit anderen Augen. Vielleicht interpretiere ich aber auch einfach zu viel in den Film hinein und er ist letztendlich wirklich so schlecht wie alle sagen. Wer weiß? 🙂

5 Kommentare zu „Interpretation: Die Mumie – Warum ich den Film trotz allem mag

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  1. Drei Probleme:

    1) Die Action ist dermaßen lahm, uninspiriert und einfach nur Mittel zum Zweck, dass man besser komplett darauf verzichtet hätte.
    2) Die dadurch gesparte Zeit hätte man nutzen können, um der Mumie sowas wie Charakter zu geben. Wie du schon richtig sagst, ist die Mumie hier einfach böse und das wars dann auch. Damit gewinnt man heute einfach keinen Blumenpott mehr. Genau so wenig, wie mit rein guten Helden, was die Schreiber scheinbar auch verstanden haben, denn Cruise ist hier ja nicht die Reinheit in Alufolie, sondern generell erstmal auf sein Wohl und Reichtum bedacht. Warum macht man dann ausgerechnet bei der Antagonistin genau diesen Fehler und nimmt somit jede Fallhöhe aus der Geschichte?
    3) Und das wichtigste: Dieses gewollte Universe-Building ist einfach die reinste Seuche und sorgt dafür, dass die Fokussierung komplett im Arsch ist und das Pacing zusätzlich extrem darunter leidet. Wenn man ein oder zwei erfolgreiche Filme hat, kann man dann gerne langsam anfangen, daraus was Größeres zu machen, aber dieses Vollgestopfe führt nur zum Overkill und Zusammengestückel wie es hier der Fall ist. Mumie, Cruise, Hyde, Handlanger und Buddys müssen alle irgendwie in die knapp 2 Stunden gequetscht werden und dann müsste man eigentlich noch eine interessante Geschichte erzählen. Wie man sieht: Hollywoodautoren kriegen das nicht gebacken. Selbst wirklich fähige Leute hätten da Probleme.

    Die von dir angesprochenen Punkte sind interessante Ansätze, aber täuschen eben nicht darüber hinweg, dass der Film halbgare Grütze ist, wenn man es einigermaßen positiv formulieren will.
    Schade, finde ich es nebenbei auch, denn hier hätte ich durchaus Lust auf eine Art universum gehabt. Aber eben nicht auf so einen lahmen Actionkrampf, bei dem jegliche Horroratmosphäre im Keim erstickt wird.
    Vielleicht war die Mumie als so offensichtliche Nummer aber auch eine schlechte Wahl. Neben Dracula bietet die halt auch irgendwie am wenigsten, was man nicht schon tausendmal gesehen hat. Da wäre wohl alles andere zumindest interessanter gewesen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Da sagst du eine Menge Richtiges. Wobei ich, wie im Beitrag hoffentlich klar wird, das mit der halbgaren Grütze etwas anders sehe 😉

      Ein Problem ist meines Erachtens auch, dass man sich bei Universal zu sehr am MCU orientiert hat. Diese Formel mag bei bunten Supereldenfilmen funktionieren. In einem Dark Universe aber eben nicht. Außerdem finde ich, dass bei einem Universum nicht zwangsläufig jeder Film mit jedem zusammenhängen muss. Im Grunde macht es da das Conjuring Universum deutlich besser, da hier die Einzelfilme zwar offensichtlich im selben Universum spielen. Aber jeder Film für sich alleine steht und gesehen werden kann. Dass dann die Filme zum Teil scheiße sind ist dann wieder ein ganz anderes Thema 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Dieser Universumszwang ist ohnehin Käse. Nur weil es bei Marvel funktioniert, muss das noch nix heißen. Hat ja auch DC erfahren, mit ihrem Müll. Hier war der Ansatz halt ähnlich banane. Anstatt sich die Dinge entwickeln zu lassen immer diese von 0 auf 100 Nummer. Damals in den 30ern hat man dochb sicher auch nicht gesagt: „So, wir machen jetzt tausend Monsterfilme, weil die Leute da bestimmt mega Bock drauf haben.“ Nein, man hatte einen erfolgreichen Film und dann einen weiteren und daraus entwickelte sich dann eben diese Reihe. Kann doch eigentlich echt nicht sein, dass die Studiobosse in den 30ern mehr in der Birne hatten, als die Affen, die da heute sitzen und alles übers Knie brechen müssen. Obwohl … vielleicht doch.

        Gefällt 1 Person

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