Film: M (Tolle Filme, die noch älter sind als ich #26)

m

 

Filmdaten:
Genre: Thriller
Mit: Peter Lorre
Jahr: 1931
Land: Deutschland
Regie: Fritz Lang
Länge: 117 min
OT: M – Ein Stadt sucht einen Mörder

 

Hallo Filmfreunde,

in dieser Beitragsreihe möchte ich euch nach wie vor Filme vorstellen, die trotz ihres hohen Alters sehr unterhaltsam und liebenswert sind. So wie ich eben. Vielleicht fühlt sich der Eine oder Andere beim Lesen ja weniger alt, wenn er sieht was für tolle Filme es gibt, die auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Heute geht es mal wieder um einen echten Klassiker und tatsächlich den ersten deutschen Film im Rahmen dieser Reihe. „M – Ein Stadt sucht einen Mörder“ ist 56 Jahre älter als ich und damit selbst für diese Beitragsreihe ziemlich alt.

Im Film verbreitet ein Kindermörder in einer namenlosen Millionenstadt Angst und Schrecken. Durch die Medien angeheizt entsteht eine regelrechte Massenhysterie, die in einer wahren Menschenjagd auf den triebgesteuerten Täter mündet. Die Polizei arbeitet auf Hochtouren, kommt aber mangels brauchbarer Indizien und Spuren nur schleppend vorwärts. Auch die kriminelle Unterwelt macht sich, in ihrer Verbrecherehre gekränkt und von der erhöhten Polizeipräsenz genervt, auf die Jagd nach dem Mörder.

Nun ist es durchaus so, dass der Film aus heutiger Sicht wahrlich nicht mehr den aktuellen Sehgewohnheiten entspricht. Vor allem technisch stecken einige Sachen noch in den cineastischen Kinderschuhen. Trotzdem ist der Film ungemein spannend und besticht durch eine erdrückende Atmosphäre der aufgeladenen Großstadt in der Weimarer Republik. Doch auch inhaltlich bietet der Film einiges an Schauwerten und Ansatzpunkte, über die man auch heute noch (oder gerade wieder) sprechen kann.

Es geht um Moral und Gerechtigkeit, um Vertrauen in den Rechtsstaat in Anbetracht eines abscheulichen Verbrechens. Der Film zeigt wie die Medien Ängste schüren und die Menschen zum Handeln aufstacheln. In der legendären Schlussszene, in der Peter Lorre als Serienmörder Hans Beckert vor dem Gangster-Gericht über seine Taten spricht, wirft der Film zudem die Frage nach dem richtigen Umgang mit psychischen Krankheiten auf. Zusätzlich kann der Film auch als Warnung vor dem aufkommenden Nationalsozialismus interpretiert werden.

Hans Beckert basiert übrigens auf der realen Person Peter Kürten, der unter dem Namen „Der Vampir von Düsseldorf“ als einer der bekanntesten Serienmörder in die deutsche Kriminalgeschichte einging. Den Namen erhielt er, nachdem er in der Öffentlichkeit einen Schwan getötet und dessen Blut getrunken hatte. Gleiches soll er auch bei einigen seiner menschlichen Opfern getan haben. Eine Prüfung des Geisteszustandes Kürtens in einer Heilanstalt ergab jedoch, dass keinerlei psychische Störungen vorlagen. Ist klar. Nachdem Kürten ob seiner Verbrechen zum Tode verurteilt und das Urteil vollstreckt worden war, untersuchte man das Gehirn des Mörders vorsichtshalber trotzdem auf eventuelle Anomalien. Heute ist der mumifizierte Kopf Kürtens übrigens in einem amerikanischen Kuriositätenkabinett ausgestellt, was ich persönlich für ziemlich pervers und pietätlos halte.

Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, war ich sehr überrascht, als ich mitbekam, dass RTL und der ORF gemeinsam an einem Remake des Films in Form einer Mini-Serie arbeiten. Die Serie soll 2019 anlaufen. Wo ist meines Wissens noch unklar. Allerdings soll ich die Ausstrahlung zunächst auf den Pay-TV Sender RTL Crime beschränken, was aus meiner Sicht echt schade wäre. Denn in den richtigen Händen könnte man Langs Klassiker in der Tat ein paar moderne Perspektiven hinzufügen und das Werk technisch etwas aufpolieren. Ich wäre jedenfalls sehr interessiert wie das Projekt umgesetzt wurde. Mit dabei sind übrigens u.a. Moritz Bleibtreu, Udo Kier, Bela B. und Lars Eidinger. Für mehr Infos zur Serie habe ich euch mal hier ein paar Links zusammengestellt.

https://www.dwdl.de/magazin/66263/mremake_auf_augenhhe_mit_netflix_und_amazon/

 

https://www.goldenekamera.de/news/article212743059/Remake-von-M-Eine-Stadt-sucht-einen-Moerder.html

https://www.kino.de/serie/m-eine-stadt-sucht-einen-moerder/news/m-eine-stadt-sucht-einen-moerder-mit-bela-b.-bleibtreu-startet-auf-tv-now/

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21 Kommentare zu „Film: M (Tolle Filme, die noch älter sind als ich #26)

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    1. Das kann man auf jeden Fall so stehen lassen. Generell finde ich es immer wieder faszinierend wie viele Elemente dieser alten Filme auch heute noch funktionieren. Wie im Beitrag erwähnt sind das natürlich nicht alle. Einiges wirkt heute überholt und zum Teil echt unbeholfen.

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  1. Moin!

    Auch ich finde, dass es ein großartiger Film ist.
    Damals wurde noch ganz anders gearbeitet, und man merkt diesem Film seine Nähe zur Stummfilm-Ära an. Es gab keine „Special Effects“ sondern man kreierte die Stimmung/ Spannung mit Kameraeinstellung, Perspektive und mit der Wirkung von Licht und Schatten!

    Gruß
    Andreas

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    1. Hallo Andreas,

      “ diesem Film seine Nähe zur Stummfilm-Ära an“
      In der Tat. Allerdings ist das eine Stärke und eine Schwäche gleichermaßen. Macnhe Szenen wirken hier und da ein wenig unbeholfen, wenn einfach über Minuten nichts gesagt wird und einfach nichts zu hören ist.
      Trotzdem bietet der Film, wie viele andere Klassiker auch, einiges was auch heute noch funktioniert und gemacht wird.

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  2. Ich hab den Film mal spätabends auf ONE gesehen, er war meisterhaft gut. Schade, dass Langs Spätwerk eher trivial ist. Eine Adaption könnte richtig gut werden und die Schauspieler klingen auch nach einem richtig guten Projekt.

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  3. Und ganz nebenbei erfindet Lang hier die Idee des musikalischen Charakterthemas mit „in der Halle des Bergkönigs“ für Beckert (so wie wir es heute kennen, Laurel Und Hardy etwa hatten ja auch schon „ihr“ Lied), was umso mehr auffällt, weil Musik sonst eher spärlich ist.

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      1. Ganz sicher bin ich natürlich nicht. habe ja auch schon Laurel und Hardy erwähnt, die Ihr Dance of the Cuckoos Theme vermutlich früher hatten. Aber bei Stummfilmen war man halt meist auf die Musik angewiesen, die vor Ort gespielt wurde und es fehlte die kreative Kontrolle für die Filmemacher.

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  4. Zu Recht ein absoluter Klassiker und wie du schon sagst, zeitlos in seiner Thematik. Metropolis mag ich noch etwas mehr, aber von den wenigen Lang-Filmen die ich gesehen habe, ganz klar weit oben dabei 🙂

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  5. Unbestritten ein wegweisendes Meisterwerk der Filmgeschichte. Schade, das kurz danach so viele deutsche Filmemacher (unter ihnen auch Lang und Lorre) das Land verlassen haben/verlassen mussten. Da hätte noch ganz viel Großes entstehen können.
    Auch wenn ein Remake des Films nie an das Original heranreichen wird, könnten ich mir aufgrund der Besetzung durchaus eine gute Neuinterpretation des Stoffes vorstellen. Wobei ich da dann schon wieder skeptisch bin, weil RTL seine Finger im Spiel hat.

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  6. Den habe ich ja auch vor einiger Zeit auf meinem Blog besprochen und war genau so angetan wie du. Ich meine aber, dass der Film in Berlin spielt? Oder habe ich mir das nur eingebildet?
    Das mit dem Remake höre ich zum ersten Mal und ich verstehe ehrlich nicht, was das soll. Die Handlung ist ja nun nicht sooo herausragend eigenständig. Man könnte die also gut und gerne nochmal erzählen, aber unter anderem Namen, zumal der Titel dem großen Mainstreampublikum (oder zumindest dem von RTL) wohl nicht wirklich bekannt sein dürfte…

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    1. Ich glaube die Stadt wird nicht explizit erwähnt. Aber Berlin dürfte die einzige Großstadt sein, die in Frage kommt. Wird nicht irgendwann erwähnt, dass in der Stadt eine Million Leute leben, die alle in Panik sind? Ich könnte mir vorstellen, dass Berlin damals die einzige Stadt in Deutschland (Weimarer Republik) war, die dafür in Frage kommen könnte.

      An deiner Ausführung zum Remake ist was dran. Nur wenn sie eine Eigenständige Serie zu dem Thema machen würden, wären Leute wie wir die ersten, die rummeckern, dass die Idee bei M geklaut wurde 😉
      Warum also nicht gleich den großen Namen nutzen? 😉

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      1. Ok, da ist was dran. Wobei ich die Storygrundlage des Films – gerade heutzutage – wie gesagt nicht für derart herausragend halte, dass man wirklich von geklaut sprechen könnte. Wenn man heute eine Neuauflage produziert, werden zwangsläufig neue Ideen und Elemente mit einfließen, um sich weit genug vom Original zu entfernen. Dann könnte man auch in den Credits einen Hinweis a la „inspired by“ einfügen ^^

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  7. Super Artikel-Reihe!

    „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist ein hervorragender Beitrag aus der Weimarer Republik. Das Spiel mit Chiaroscuro-Beleuchtung ist wahnsinnig atmosphärisch und bedrückend. Gehört neben den Mabuse-Werken und „Metropolis“ zu meinen Lieblingsfilmen von Fritz Lang.

    Zur Berlin-Frage: Jupp, es ist ganz sicher Berlin. In einer Szene sieht man die Bemühungen der Polizei mittels eines Stadtplans visualisiert. Der Stadtplan zeigt die Gegend um Rummelsburg.

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    1. Oh, vielen Dank! 🙂

      Hast du die Remake-Serie gesehen? Ich habe bisher nur sehr miese Kritiken dazu gehört. Das hat mich jetzt nicht sonderlich überrascht. Aber Hoffnung hatte ich ja trotzdem ein wenig 😉

      Und danke, dass du die Berlin-Frage abschließend geklärt hast 🙂 Top!

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      1. Hab hier von dem Serien-Projekt tatsächlich erst erfahren. Ich denke, aus purer Neugier und um mir ein eigenes Urteil zu bilden, werde ich reinschauen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Aber bei solchen Unterfangen hab ich per se meist ein schlechtes Gefühl. Das einzige Mal in letzter Zeit, dass sich meine Skepsis so ganz und gar nicht bewahrheitet hat, war beim Suspiria-Remake. Das war echt hervorragend!

        Immer gerne! 🙂

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