Film: Black Swan – Ein Interview mit der Schwanenkönigin Nina Sayers

Black Swan
© Fox Searchlight

Filmdaten:
Genre:
Mystery/Drama
Mit:
Natalie Portman
Jahr:
2010
Land:
USA
Regie:
Darren Aronofsky
Länge:
108 min
OT:
Black Swan

Hallo Filmfreunde,

heute habe ich ein ganz besonderes Schmankerl für euch vorbereitet. Und zwar gibt es dieses mal keine einfache Filmbesprechung zu Darren Aronofskys tollem Film „Black Swan“. Stattdessen habe ich mich mit keiner geringeren als Nina Sayers, der Hauptfigur des Films und einzig wahren Schwanenkönigin getroffen und ihr ein paar heikle Fragen gestellt. Viel Spaß!

Frau Sayers, ihr letzter großer Auftritt liegt nun acht Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es sehr gut. Vielen Dank. Nach dem Vorfall bei der Schwanensee Premiere lag ich zunächst für einige Tage im Koma. Doch die Ärzte haben großartige Arbeit geleistet und mir das Leben gerettet. Seitdem bin ich dankbar für jeden neuen Tag.

Sie haben den Vorfall vor acht Jahren angesprochen. Können Sie uns genauer beschreiben was Ihnen damals passiert ist?

In einer der Pausen zwischen den Akten hatte ich einen kleinen Unfall in meiner Garderobe, bei dem sich eine Glasscherbe in meinen Bauch bohrte. Ich hatte der Verletzung keine weitere Beachtung geschenkt und wollte unbedingt die Vorstellung zu Ende bringen. Ich spürte, dass ich im Begriff war eins mit der Schwanenkönigin zu werden und die Rolle meines Lebens spielen würde. Das war letztendlich auch so. Doch leider war die Verletzung schwerwiegender als gedacht. Durch den Blutverlust kollabierte mein Kreislauf und mein Herz hörte auf zu schlagen. Wie gesagt, ich hatte großes Glück. Aber die Ärzte haben mich gerettet.

Aus Kreisen ihrer Kolleginnen und Kollegen wurden nach Ihrem Unfall Stimmen laut, dass Sie zu jener Zeit mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten. Stimmt das?

Was wissen die schon? Keine meiner sogenannten Kolleginnen weiß wie es ist der große Star des Stücks zu sein. Welche Opfer es bedarf, um an den Punkt zu gelangen, an dem ich damals war. Die harte Arbeit und der Druck den perfekten Tanz hinlegen zu müssen. Klar stand ich daher damals unter Druck. Zudem hatte ich mit ein paar privaten Konflikten zu kämpfen. Von psychischen Problemen zu sprechen halte ich in dem Zusammenhang jedoch für übertrieben.

Meinen Sie mit privaten Konflikten das Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie schon sehr früh intensiv gefördert hat? In einigen Interviews war zu lesen, dass Ihre Mutter-Tochter-Beziehung sehr angespannt ist, seit Sie die Rolle der Schwanenkönigin angeboten bekamen.

Die Interviews meiner Mutter sind der verzweifelte Versuch einer gescheiterten alten Frau die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie immer wollte. Sie selbst hat es auf der Ballettbühne nie so weit gebracht wie ich. Wahrscheinlich hatte sie im Gegensatz zu mir nicht den Ehrgeiz oder das Talent, das dafür nötig gewesen wäre. Statt sich das einzugestehen behauptet sie, sie hätte ihre nie vorhandene Karriere geopfert, um mir eine gute Mutter zu sein. Ich denke sie belügt sich selbst.

Hatte Ihre Mutter ein Problem damit, dass Sie als Primaballerina eng mit Thomas Leroy, dem berühmten Direktor des Ensembles, zusammenarbeiteten?

Ich denke als meiner Mutter klar wurde, dass ich als Schwanenkönigin und Primaballerina eines angesehenen Ensembles ihre eigene Karriere noch unbedeutender erscheinen ließ als sie ohnehin schon war, hatte sie generell ein Problem mit meiner Arbeit. Dieser Neid äußerste sich auch in Abneigung gegenüber Thomas.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Thomas Leroy beschreiben?

Thomas und ich standen uns zu der Zeit sehr nahe. Er nannte mich als Zeichen seiner Wertschätzung seine „kleine Prinzessin“. Er ist großartig in seinem Job und ein toller Mann.

Thomas Leroy hat aber auch einen gewissen Ruf. Man sagt ihm nach in der Vergangenheit seine leitende Position ausgenutzt zu haben, um Frauen seines Ensembles sexuell näher zu kommen. Von Nötigung und sexuellen Übergriffen ist sogar die Rede. Haben Sie während Ihrer Zeit, in der Sie für ihn arbeiteten Erfahrungen dieser Art gemacht?

Nein. Thomas ist ein phantastischer Mann, der es gar nicht nötig hat sich an mir oder anderen Kolleginnen zu vergreifen. Alles was zwischen mir und Thomas passiert ist, war stets einvernehmlich und von größter Professionalität geprägt. Er hat mich nicht nur als Tänzerin sondern auch als Mensch gefördert und geprägt. Durch Ihn habe ich gewissermaßen gelernt, die perfekte Version meiner selbst zu sein.

Klingt so als hätte Sie charakterlich die Arbeit am Schwanensee nachhaltig verändert?

Ja, das hat es. Bevor mich Thomas zur Schwanenkönigin machte, war ich eine schüchterne und ängstliche Frau, die immer brav tat was man von ihr wollte. Diese Schwäche stand meiner Karriere lange im Weg. Erst als ich mich der Rolle des schwarzen Schwans öffnete, lernte ich mich fallen zu lassen und für meine Wünsche und Ziele einzustehen. Ich habe erkannt, dass nur die wenigsten Menschen in der Lage sind wahre Perfektion zu erreichen. Ich bin eine der wenigen, die das kann.

Tanzen Sie heute noch und haben Sie Pläne irgendwann auf die Bühne zurückzukehren?

Nein. Ich hatte meinen perfekten Auftritt und habe der Welt bewiesen wozu ich als Künstlerin in der Lage bin. Dieser Erfolg ist unmöglich zu toppen und nur sehr schwer zu wiederholen. Außerdem bin ich mittlerweile schon fast dreißig Jahre alt. In dem Alter wird es verständlicherweise schwer eine angemessene Rolle zu bekommen. Stattdessen habe ich vor kurzem meine eigene Ballettschule eröffnet. Dort arbeite ich mit kleinen Mädchen und Jungen und bringe Ihnen bei was es braucht, um irgendwann auch meinen Erfolg zu haben. Die Kinder lernen von mir was es heißt makellos zu sein, seine eigene Schwäche zu bezwingen und nach nichts al Perfektion zu streben. Das ist mein Ziel.

Nina Sayers, ich bedanke mich für dieses interessante Gespräch.

 

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18 Kommentare zu „Film: Black Swan – Ein Interview mit der Schwanenkönigin Nina Sayers

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  1. Du hast eine etwas andere Interpretation des Endes als ich, wenn ich das so rauslese. Das schöne offene Ende… was hast du getan 😛

    Aber unter uns: hast du dich an sie rangeschmissen nach dem Interview?

    Und ich bezweifle (hoffe nicht), dass so jemand eine Ballettschule führen darf 😛

    Gefällt 1 Person

    1. „Du hast eine etwas andere Interpretation des Endes als ich,“

      Dass meine Interpretation und meine Gedanken zum Film in diesem Format überhaupt raus kommen, zeigt mir dass das Format auf jeden Fall sinnvoll sein kann 🙂

      „hast du dich an sie rangeschmissen nach dem Interview“

      Nein. Nina ist nicht so mein Typ. Ich steh mehr so auf Padme, Prinzessin von Theed. Da gab es aber Stress mit ihrem Macker, diesem Milchbubi Anakin.

      „Und ich bezweifle (hoffe nicht), dass so jemand eine Ballettschule führen darf“

      Wenn ich mir so anschaue wer alles (vor allem in Amerika) Lehrer werden darf, würde ich das zumindest nicht ausschließen. 😉

      Gefällt 1 Person

          1. Ja, habe ich. Da kam nur eine recht eindeutige Bandansagen, die ich hier unmöglich wiederholen kann. Für einen intellektuellen Austausch vollkommen ungeeignet. Ich hab die Nummer aber auf jeden Fall mal beiseite gelegt…. man weiss ja schließlich nie….

            Gefällt 1 Person

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