Film: Halloween [2018]: Einordnung in ein völlig chaotisches Filmuniversum

Halloween 2018
© Universal

 

Hallo Filmfreunde,

nachdem ich im letzten Beitrag ausführlich über John Carpenters Kultslasher „Halloween“ gesprochen habe, soll es heute um die Fortsetzungen und das über die Jahre entstandene Halloween Universum gehen. Das Halloween-Franchise ist aus meiner Sicht ein perfektes Beispiel dafür, wie man ein Projekt komplett gegen die Wand fahren kann. Im Hinblick auf Kontinuität und Logik passt nämlich spätestens ab dem vierten Teil gar nichts mehr zusammen. In folgendem Beitrag möchte ich euch einen kurzen Überblick über das Gesamtkonstrukt „Halloween“ geben und erklären wo, wie und wann sich der neueste Film von David Gordon Green darin einfügt.

Halten wir zunächst ein mal fest welche Filme seit 1978 im Rahmen der Halloween-Reihe veröffentlicht wurden:

Halloween (1978)

Halloween II (1981)

Halloween III – Season of the Witch (1982)

Halloween IV – The Return of Michael Myers (1988)

Halloween V – The Revenge of Michael Myers (1989)

Halloween VI – The Curse of Michael Myers (1995)

Halloween H20 (1998)

Halloween Resurrection (2002)

Halloween (2007)

Halloween II (2009)

Halloween (2018)

 

Das sind offensichtlich eine ganze Menge. Bevor ich euch so kurz und übersichtlich wie möglich erklären möchte wie welcher Film mit den anderen zusammenhängt, sei gesagt, dass John Carpenter, Regisseur und Autor des ursprünglichen Films von 1978, mit keinem der Nachfolger etwas zu tun hat. Das nur für den Hinterkopf. Nun aber zu den einzelnen Filmen im Detail (Achtung Spoiler):

Halloween II:

Der Film setzt nahtlos am Ende des ersten Films an. Die unter Schock stehende Laurie kommt ins Krankenhaus. Michael Myers folgt ihr und tötet auf dem Weg ein paar Menschen. Es kommt raus, dass Laurie Michaels kleine Schwester ist und zum Showdown im Krankenhaus. Doktor Loomis sprengt am Ende sich und Michael in die Luft. Laurie überlebt.

 

Halloween III:

Vergesst diesen Film. Er hat außer dem Titel nichts mit dem Rest der Reihe zu tun. Kein Michael Myers, keine Laurie, kein guter Film. Auch wenn das manch einer anders sieht…

 

Halloween IV – The Return of Michael Myers

Überraschung! Michael Myers lebt. Noch größere Überraschung! Doktor Loomis auch. Dieser Film ignoriert die Ereignisse aus Halloween II und setzt den Ursprungsfilm zehn Jahre später fort. Noch eine Überraschung gefällig? Laurie Strode ist tot. Einfach so. Stattdessen geht es im Film um die kleine Jamie, Lauries Tochter. Auch wenn Halloween II nie passiert ist, setzt der Film voraus, dass Laurie und Michael Geschwister sind. Das macht Jamie zu Michaels Nichte. Michael versucht Jamie zu tötet und mordet munter durch die Gegend. Am Ende fällt Michael Myers in einen Minenschacht, der dann gesprengt wird. Am Ende setzt Jamie sich eine Maske auf und tötet ihre Adoptivmutter. Ist Jamie der neue Michael Myers?

 

Halloween V – The Revenge of Michael Myers

Schon wieder eine Überraschung. Michael Myers hat die Explosion im Minenschacht überlebt. Jamie hat neuerdings eine Art übersinnliche Verbindung zu Michael Myers. Der will Jamie weiterhin töten und macht sich auf die Suche nach ihr. Dank einer List wird Michael geschnappt und im Gefängnis eingesperrt. Dort wird er aber von einem mysteriösen Mann in schwarz befreit und entkommt.

 

Halloween VI – The Curse of Michael Myers

Sechs Jahre später. Jamie ist Schwanger. Überraschung! Der Vater ist Michael Myers. Kein Witz, das denke ich mir nicht aus. Michael tötet Jamie. Diese hat jedoch ihr Baby vorher in Sicherheit gebracht. Das Kleine wird von Tommy Doyle gefunden und aufgenommen. Tommy war der kleine Junge, auf den Laurie im ersten Teil am Halloweenabend aufpassen sollte. Michael Myers macht Jagd auf Jaimes Baby. Was dann am Ende passiert habe ich nicht ganz verstanden. Irgendwie will ein verrückter Wissenschaftler Jamies Baby nutzen, um einen eigenen Michael Myers zu züchten oder so. Ich weiß es wirklich nicht.

 

Halloween H20

Überraschung! Laurie (Jamie Lee Curtis) lebt doch wieder. Der Film ignoriert alle der oben beschriebenen Nachfolger nach Halloween II und spielt 20 Jahre nach dem Ursprungsfilm. Keine Ahnung was Michael Myers seither getrieben hat. Laurie lebt unter einem Decknamen in Kalifornien. Michael spürt sie auf und will sie töten. Im Showdown enthauptet Laurie Michael mit einer Axt.

 

Halloween Resurrection

Überraschung! Dank eines perfiden Tricks lebt Michael Myers nach dem Ende von H20 doch noch. Und tötet Laurie dirket am Anfang des Films. Ich muss zugeben, dass ich das nicht habe kommen sehen. In Michaels Elternhaus veranstalten ein paar Idioten eine Art Horror-Reality.Show. Michael findet das nicht lustig und tötet die dummen Teenager. Am Ende überlebt Michael.

 

Halloween

Nach insgesamt acht „Halloween“ Filmen war es dann Zeit für einen kompletten Neuanfang. Dachte sich zumindest Rob Zombie und drehte 2007 ein Reboot/Remake des Ursprungsfilms. Dabei handelt es sich im Grunde um den gleichen Film, den Carpenter 1978 drehte. Nur länger, blutiger und wie es sich für einen Rob Zombie Film gehört mit mehr Splatter/Gore Elementen. Inhaltlich bleibt aber alles beim Alten.

 

Halloween II

Diesen Film habe ich nicht gesehen. Es handelt sich aber um eine direkte Fortsetzung zu Zombies Remake. Soweit ich weiß stirbt Michael Myers dieses mal endgültig und Laurie wird verrückt.

Unter dem Strich macht es also keinen Sinn sich alle Halloween Filme chronologisch anzuschauen, weil es sich um mehrere verschiedene Zeitlinien handelt.

 

Linie 1: Laurie Strode Timeline

Halloween + Halloween II + Halloween H20 + Halloween Resurrection

 

Linie 2: Jamie Lloyd Timeline

Halloween + Halloween IV + Halloween V + Halloween VI

 

Linie 3: Rob Zombie Remake Timeline

Halloween (2007) + Halloween II (2009)

 

Zur Erinnerung: Halloween III spielt in keiner dieser Timelines eine Rolle und darf ignoriert werden.

Wie ich bereits mehrfach erwähnte bin ich ein großer Fan des Originals und habe auch die allermeisten der Fortsetzungen gesehen. Und diese sind schlicht und ergreifend allesamt schlecht. Am ehesten könnte ich mich noch mit dem Rob Zombie Remake Zweiteiler anfreunden. Doch auch der ist nicht wirklich sehenswert. Aus diesem Grund mache ich seit Jahren das aus meiner Sicht einzig Vernünftige, das ich auch jedem Filmfan empfehlen würde: Ignoriert alle Halloween Filme außer den ersten.

Der 2018 neu erschienene „Halloween“ von David Gordon Green scheint das genauso zu sehen und folgt meinem Rat. Er ignoriert jeden einzelnen Beitrag nach 1978. Michael Myers ist nicht Lauries Bruder. Er wurde nicht geköpft, ist in keinen Minenschacht gefallen, Laurie hat keinen Sohn, der von Josh Hartnett gespielt wird und auch keine Tochter, die von Michael Myers geschwängert wurde und es gab auch keine Explosion in einem Krankenhaus.

Halloween“ (2018) ist die Fortsetzung zu „Halloween“ (1978) und spielt 40 Jahre nach den Ereignissen in der Kleinstadt Haddonfield. Was in der Zwischenzeit mit Laurie und Michael passiert ist, wird der Zuschauer im Film erfahren. Ansonsten muss man nichts über das verworrene und viel zu oft neugestartete und -ausgerichtete Universum wissen. So einfach kann das am Ende dann manchmal sein. Übrigens handelt es sich hier um den ersten Halloween Film seit „Halloween“ (1978), an dem der Vater der Reihe, John Carpenter, wieder beteiligt ist. Wenn auch nur als Executive Producer. Aber zumindest distanziert sich Carpenter nicht von diesem Film wie er es bei den anderen Beiträgen der Reihe tat. Genau das alleine macht den Film für mich dann schon interessant und sympathisch. Oh! Und sehenswert ist der neue „Halloween“ meiner Meinung nach auf jeden Fall.

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16 Kommentare zu „Film: Halloween [2018]: Einordnung in ein völlig chaotisches Filmuniversum

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  1. Ein schöner Überblick!

    „dass John Carpenter, Regisseur und Autor des ursprünglichen Films von 1978, mit keinem der Nachfolger etwas zu tun hat“

    Hat er nicht für Halloween 2 (1981) das Drehbuch (mit-)geschrieben und Nachdrehs verantwortet?

    „Ich muss zugeben, dass ich das [Resurrection] nicht habe kommen sehen.“

    Dito.

    „Inhaltlich bleibt aber alles beim Alten [beim Remake].“

    Dadurch, dass Zombie Wert auf die Kindheitsgeschichte legt, fügt er inhaltlich durchaus ein paar Punkte hinzu (die es, wie schon gesagt, nicht gebraucht hätte)

    „Ignoriert alle Halloween Filme außer den ersten.“

    Ich muss an dieser Stelle eine Lanze für den zweiten Teil brechen (natürlich nur für die FSK-Fassung…), der für mich nach wie vor die einzig wahre Fortsetzung ist und zumindest die Spannung des ersten Teiles hinübergerettet hat (und dabei noch ein paar Blutschippen drauflegt).

    „Und sehenswert ist der neue „Halloween“ meiner Meinung nach auf jeden Fall.“

    Nö 😉

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    1. „Hat er nicht für Halloween 2 (1981) das Drehbuch (mit-)geschrieben und Nachdrehs verantwortet?“

      Ich dachte das wäre nur so ein „based on the story and characters by…“-Ding. Muss ich noch mal schauen.

      „Nö“
      Ich glaube wir drehen uns um Kreis 😀

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  2. Hör auf zu sagen, „Halloween III“ soll ignoriert werden 😉 Ich mag den und ich finde es verdammt mutig, dass Carpenter und Co. damals so eine Halloween-Anthologie lostreten wollten. Vielleicht hätten sie den Film nur einfach nicht „Halloween 3“ nennen sollen. Klar erwarten die Fans dann Michael Myers und sind verständlicherweise enttäuscht, wenn sie ihn nicht kriegen.

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  3. Interessanter Artikel. Ich kenne nur das Original, H20 und den neuen Film. Am meisten gelacht habe ich bei Deiner Zusammenfassung über „Laurie hat keinen Sohn, der von Josh Hartnett gespielt wird und auch keine Tochter, die von Michael Myers geschwängert wurde“. :)) Auch wenn Du die Fortsetzungen allesamt schlecht fandest, hätte ich mir doch eine Reihenfolge von der besten bis zur schlechtesten Verfilmung gewünscht.

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    1. Erst mal danke.
      Puh, das ist mit dem Ranking ist echt schwierig. Ganz vorne ist auf jeden Fall Hallowenn (1978) gefolgt von Halloween (2018). Dann würde ich Halloween II platzieren und dann das Zombie Remake. Der Rest ist beliebig rotierbar. Nur „Resurrection“ würde ich ganz klar auf den letzten Platz setzen.

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  4. Sehr schöne Übersicht über das vermutlich verwirrendste der drei großen Horrorfranchises. Platz 2 wäre wohl Freitag der 13te. Erinnere ich mich richtig, dass sich Myers in Halloween Resurrection einen Karatekampf mit Busta Rhymes liefert? Ich glaube, wenn man so eine Frage stellen kann, dann sagt das schon was aus über ein Horrorfranchise. 😉

    Ich teile Deine Ablehnung von Teil III nicht (und das liegt (hoffentlich) nicht nur daran, dass sich dieser verdammte Song bis ins Zentrum meines Hirns gebohrt hat!) und häte es sehr komisch gefunden, wenn Green nur den ersten und dritten für kanonisch erklärt hätte! Den zweiten Zombie habe ich auch nie gesehen, soll aber angeblich viel besser sein als der erste.

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  5. Ich liebe John Carpenters „Halloween“ (1978).
    Sehr schlicht, aber mit einer der größten Horrorgeschichten.
    Und eine tolle Umsetzung, besonders für Low-Budget-Verhältnisse.

    Carpenter schreib aber Halloween 2 (1981), was er nicht sonderlich mochte. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass er für das Drehbuch eine Ladung Budweiser brauchte. Die Geschichte endete für ihn, aber Hollywood möchte ja Geld machen.
    Ich denke auch, dass er den Score zu Halloween 3 (1982) komponiert hat.

    Die Fortsetzungen habe ich nicht alle gesehen, aber möchte es irgendwann mal.
    Es klingt so Banana x)

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    1. „Carpenter schreib aber Halloween 2 (1981), was er nicht sonderlich mochte. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass er für das Drehbuch eine Ladung Budweiser brauchte.“

      Wie ich in einem vorausgegangenen Kommentar schon sagte. Ich dachte Teil zwei würde lediglich auf „the story and characters by…“ beruhen. Kann sein, dass ich da nicht gründlich genug recherchiert habe 🙂

      Wie auch immer. Jedenfalls war Capenter mit dem Ergebnis nicht zufrieden und distanziert sich davon. Der Teil war wenigstens richtig 🙂

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