Halloween Spezial: 31 Blogger’s Gruselstories (27) – Dieser Film, in dem Catherine Deneuve schreit

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Ein Text der lieben Miss Booleana:

Als ich Kind wollte ich alles sehen, was ich nicht sehen darf. Vor Allem das, was ich nicht sehen darf. Meine Eltern gehören zu den verantwortungsbewussten Menschen, die bei blutigen Stellen ihrem Kind die Augen zuhielten. Vielleicht kam daher mein Drang es unbedingt sehen zu wollen und eigenem Fernseher sei Dank hört es dann auch irgendwann auf mit den Händen vor den Augen. Aber man will immer, das was man nicht haben kann. Leben für den Kick, für den Augenblick und so 😉

Ich war als Kind und Teenager scheinbar immer auf der Suche nach dem gruseligsten Film. Aber leider auch darauf angewiesen, was so im Fernsehen lief. Demzufolge bestand das Filmfan-Dasein v.A. aus Warten, Zappen und manchmal leider irgendwas gucken. Appetit gemacht haben mir Kino-Sendungen. Wer kann sich noch daran erinnern? Ja, früher gab es sowas! Sendungen, in denen Trailer, Interviews und Set-Berichte zu aktuellen Kinofilmen gezeigt wurden, mein Gott, echter Kino-Journalismus im Fernsehen! Und da lief ein Filmtipp. Ein Vampirfilm sollte es sein, ich erinnerte mich jahrelang nur noch an Catherine Deneuves Schreie und entsetztes Gesicht in dem Clip. Um sie herum schienen Geister, Leichen, Vampire zu sein!?! Ein Film, von dem ich noch nie gehört habe! Den muss ich sehen!!!

Tada: Titel nicht gemerkt, Film nie gesehen und so zogen die Jahre dahin. Aber irgendwie war die Erinnerung immer da an Catherine Deneuve und das was sie so in Schrecken versetzte. Was mochte das sein? Sie ist ja nun wirklich keine Scream Queen. Was ist das für ein Film, was für ein Thema, das ihr so zusetzte? Viele Jahre später gab es da mich, den Blog und den Horrorctober. Und eine gewisse Ratlosigkeit. Was im Zuge der Filmchallenge schauen? Da fiel mir wieder dieser Film ein und siehe da, was ich als Kind nicht rausbekam, war jetzt ein Klacks. Eine Suchmaschinenanfrage! Eine!!! Und die Antwort lag auf der Hand: Der Film mit Catherine Deneuve ist The Hunger aus dem Jahr 1983 und in Deutschland unter dem Titel Begierde veröffentlich worden. Leih-DVD geholt, Film geschaut und schnell gemerkt: als Kind hätte ich den auch nicht wertschätzen können. Als Endzwanzigerin dann schon eher. Der Film wurde sofort einer meiner ungeschlagenen Lieblingsfilme. Als hätte ich als Kind zumindest schon gefühlt, dass das ein besonderer Film ist.

Gruselig war er aber übrigens nicht. Das ist nicht so sehr der Punkt. Der Film handelt von Miriam und John Blaylock (Catherine Deneuve, David Bowie), die sich vom Blut von Menschen ernähren. Der Begriff Vampir ist hier unnötig. Es ist nicht klar, was sie sind. Sie sind unsterblich, das ist das einzige was wir wissen. Und insbesondere Miriam scheint schon lange zu leben und hatte einige Begleiter und Begleiterinnen, von denen ihr nicht alle geblieben sind. Denn hier haben die Vampire ein Ablaufdatum. Als John eines Tages nicht mehr schlafen kann und altert, ahnt er, dass seine Zeit vorüber ist. Er sucht die Forscherin Dr. Sarah Roberts (Susan Sarandon) auf, die sich mit der inneren Uhr und dem Thema Unsterblichkeit beschäftigt und hofft auf Rettung. Es gibt eine Szene in der David Bowie als John Blayblock diese Ärztin aufsucht und sie ihn vertröstet und in ihr Wartezimmer setzt. Der dahinsiechende Vampir altert in rasantem Tempo. Wer hatte nicht schon mal das Gefühl, seine Lebenszeit in einem Wartezimmer an sich vorbeiziehen zu sehen? Blaylock geschieht das wortwörtlich. Bittere Ironie. Die Ärztin, zu deren Forschung er der Schlüssel wäre, die ihn aber vergessen hat und nicht glaubt, sorgt letzten Endes vielleicht dafür, dass von ihm dort nur noch ein Häufchen Asche übrig bleibt? Am liebsten hätte ich mir in dieser ungruseligen Szene die Hand vor Augen gehalten als er augenscheinlich zehn, zwanzig, dreißig Jahre verliert und hilfesuchend auf die Uhr schaut. Das kann man kaum mit ansehen.

Zu der Zeit als ich den Film sah, hatte ich gerade eine kleine medizinische Tortur hinter mir. Einen regelrechten Ärztemarathon bis eine Behandlung gefunden war. Nichts schlimmes, keine Bange. Aber zu sehen wie die Ärzte (mal mit mehr, mal mit weniger Empathie) mit einem umgehen und von A nach B schicken, war schon bitter und kam mir in Erinnerung. Stunden im Wartezimmer, wenige Ergebnisse, herumexperimentieren mit meiner Gesundheit und vielleicht sogar vergessen werden. Das weckt Erinnerungen. Aber The Hunger war allgemein eine Wucht von einem Film, der schonungslos in satten Bildern und grausam schön komponierten Szenen die Themen Lebenshunger und Vergänglichkeit adressiert. Bowie bringt es so gut rüber: die bittere Erkenntnis über das eigene, nahende Ende und die nicht zu stillende Lust nach, nein nicht nach Blut, nach Leben. Nach Liebe. Jugend, Ausschweifungen. Ich war tief bewegt. Und das gruseligste ist wohl, dass wir alle dem Moment irgendwann begegnen werden. Warum denke ich jetzt schon, dass mir wieder Szenen aus diesem Film in Erinnerungen kommen werden? Übrigens sah ich auch die Szene von damals aus der Kino-Sendung – wie sollte es anders sein? Aber sie hatte eine ganz andere bewegende und bittere Note und Deneuves Schreie und Entsetzen hatte mehr mit ihrer eigenen (Un)Menschlichkeit zutun als der vermeintlicher Vampire um sie herum. Es ist schon interessant wie man später von ganz anderen Impulsen bewegt wird als dem schieren jump scare.

Wenn Stefanie nicht gerade als Miss Booleana über Filme und Literatur bloggt oder zeichnet, dann schaut sie immer noch Gruselfilme. Davon kann man sich in den in den letzten sieben Jahren angehäuften Besprechungen auf ihrem Blog überzeugen. Und ihre Eltern halten ihr auch nicht mehr bei blutigen Szenen die Hand vor die Augen. Das kann sie jetzt alleine, denn sie ist schon groß. 🙂

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6 Kommentare zu „Halloween Spezial: 31 Blogger’s Gruselstories (27) – Dieser Film, in dem Catherine Deneuve schreit

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  1. So ging es mir mit „Landhaus der toten Seelen“ (Burnt Offerings). Den hatte ich als Kind/Jugendlicher mal gesehen, dann aber das Ende verpasst, weil ich ins Bett geschickt worden bin. Dann brannte ich jahrelang darauf, den Film endlich zu Ende zu schauen, wusste aber natürlich nicht wie er heißt. Als es dann irgendwann Internet gab, war das Problem dann leicht gelöst, weil ich mich daran erinnerte, dass Oliver Reed, den ich aus meinen heißgeliebten Musketierfilmen kannte, die Hauptrolle spielte. Ich glaube, dass ich das Ende dann leider etwas enttäuschend fand.

    Ich bin gerade im Catherine Deneuve-Fieber, hatte diesen Film aber noch gar nicht auf dem Schirm. Vor wenigen Tagen habe ich noch einmal „Belle de Jour“ gesehen und wohl auch zum ersten Mal verstanden, da ich beim ersten Mal vermutlich etwas zu jung war (s.o.).

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