Halloween Spezial: 31 Blogger’s Gruselstories (23) – Hexerei mal drei

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Ein Text des lieben Marcel von Filmschrott:

Man mag es kaum glauben, aber das Horrorgenre war zu keiner Zeit mein bevorzugtes Genre und ist es auch heute nicht. Ich weiß einen guten Horrorfilm durchaus zu schätzen und hin und wieder kann ich mich auch an dem Gemetzel und Geschnetzel erfreuen, das der Splatter der von mir bevorzugten achtziger Jahre hervorbrachte, als Effekte noch praktisch waren und das Kunstblut noch in Strömen floss. Richtige Begeisterung kam und kommt bei mir dabei aber selten auf und in den meisten Fällen sind diese Fime dann eher Kandidaten für meinen Filmschrottplatz, wo der Horror natürlich eine Stammplatzgarantie innehat, durch die Masse an wunderbarem Trash, den vor allem dieses Genre nun mal hervorgebracht hat. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Stattdessen widme ich mich heute einem Sub-Genre, das alle paar Jahre mal einen Film auspackt, der mich wirklich auf die ein oder andere Art mitreißt, begeistert und manchmal sogar gruselt: Hexen Horror.

Meine erste Begegnung damit hatte ich bereits in frühen Jahren mit dem Film HEXEN HEXEN aus dem Jahr 1990. Damals war ich gerade mal 7 Jahre alt. Okay, ich schätze, ich habe den Film erst eine Weile später gesehen, als er auf VHS verfügbar war und man ihn in der Videothek ausleihen konnte oder vielleicht auch erst, als er im TV lief. Aber jung war ich dennoch und der Film war meine erste Horrorerfahrung, soweit ich mich erinnern kann. Anjelica Huston und ihre Hexenschwestern wollen mit der Hilfe von Schokoriegeln alle Kinder in Mäuse verwandeln. Klar, dass der Film genau mein Ding war. Ich meine, Schokolade. Da ist man als Kind doch direkt dabei. Gesehen habe ich den Film seit Ewigkeiten nicht mehr, aber ein Bild hat sich direkt in mein Gehirn gebrannt und wird dort wohl nie wieder verschwinden: Als die Oberhexe gegen Ende ihre Maske vom Gesicht zieht und ihr wahres Antlitz offenbart, hat mich das wohl auf zweierlei Weise fürs Leben gezeichnet: Erstens hat es mein Interesse an Hexen entfacht und zweitens liebe ich immer noch gut gemachte Masken und Make-Up in Filmen. Ich meine, guckt euch das mal an: Die sieht einfach wunderbar widerlich aus.

Es dauerte 9 Jahre, bis der nächste große Hexenfilm meine Aufmerksamkeit erregte. Wer sich noch erinnert an das Jahr 1999 und zu der Zeit etwas mit Film am Hut hatte, ist nicht an dem Film vorbeigekommen. Die Geschichte kursierte überall. Und sie war wahr: Drei Studenten drehten einen Dokumentarfilm in den Wäldern von Burkittsville und verschwanden auf unerklärliche Weise. Erst Jahre später wurden die Aufnahmen gefunden und als BLAIR WITCH PROJECT in die Kinos gebracht. Gut, heute wissen wir, dass das nicht alles ganz der Wahrheit entsprach, aber damals war das eine wirklich intelligente Vermarktung und der Film wirkte frisch und neu mit innovativen Ideen. Aus heutiger Sicht wirkt er vermutlich eher langweilig und einschläfernd, aber heute weiß ja auch niemand mehr einen atmosphärischen Horrorfilm zu schätzen. Ganz nach dem Prinzip »Die größte Gefahr ist die, die man nicht sieht« schickte der Film seine Figuren durch einen Höllentrip im Wald bis ins Hexenhaus und zog mich durch das – damals noch nicht komplett ausgelutschte – Found Footage Konzept komplett in seinen Bann. Noch heute kribbelt es bei mir, wenn ich mal zufällig in einem Wald bin und dort ein altes Haus oder eine Hütte sehe. Und wenn ich drin bin, kontrolliere ich in allen Ecken, ob da nicht zufällig jemand steht.

Springen wir in das 21. Jahrhundert. Um genauer zu sein ins Jahr 2015, als erneut ein Hexenfilm meine Aufmerksamkeit auf sich zog, alleine dadurch, dass er unter all dem immer gleichen Blockbustergetöse ein Schattendasein fristete und kaum beachtet wurde (wie auch mein Kinobesuch mit gerade mal 11 Leuten im gesamten Saal bewies). THE WITCH betitelte sich selbst eher als Märchen statt als Horrorfilm, aber wenn wir mal ehrlich sind, haben die meisten Märchen mehr Horroraspekte, als es die meisten Horrorfilme jemals hatten. Auch hier bediente man sich dem von mir bevorzugten Prinzip der unsichtbaren Gefahr und trieb eine Familie am Waldesrand an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus. Gut, das Ende hat es mir ein bisschen versaut, aber davor bot der Streifen eine tolle Atmosphäre, jede Menge schleichenden Wahnsinn und den besten Ziegenbock der Filmgschichte.

Leider spielen Hexen nach wie vor keine große Rolle neben all den Zombies und Vampiren, die gefühlt alle drei Wochen den nächsten Film unsicher machen. Aber vielleicht liegt es gerade daran, dass die Hexen auf mich nach wie vor eine besondere Faszination ausüben und alle paar Jahre wirklich für eine gruselige Stimmung sorgen, die mich mehr verstört, als es all die anderen Horrorgestalten jemals könnten. Ich warte jedenfalls schon jetzt gespannt auf den nächsten Hexenhammer. So in 10-15 Jahren dürfte es soweit sein.

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19 Kommentare zu „Halloween Spezial: 31 Blogger’s Gruselstories (23) – Hexerei mal drei

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  1. „Hexen Hexen“ war als Kind eins meiner Lieblingsbücher von meinem damaligen Lieblingsautor Roald Dahl 😍 Die Verfilmung ist unheimlich (!) gut gelungen ❤️

    „Blair Witch Project“ habe ich nie gesehen. Irgendwie hat der mich nicht mehr gereizt, nachdem ich wusste, dass der nicht echt ist.

    Und was „The Witch“ angeht … witzig, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind 😅 Ich fand den soooooo doof! Der ist sogar auf Platz 3 meiner Kinoflopliste 2016 gelandet (nur Ben Hur und Allegiant fand ich in diesem Jahr noch schlimmer). Ich denke, ich konnte mit dem christlichen Fundamentalismus der Hauptfiguren einfach null anfangen und da hat mich der Film von Anfang an auf dem falschen Fuß erwischt. Gut gemacht und gespielt ist er ja. 😊

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      1. Ja, das stimmt, das ist eigentlich auch nicht uninteressant. Aber dieser Fanatismus war schon am Anfang da, hat die Geschichte überhaupt erst ausgelöst und diese Prämisse fand ich schon so blöd. Der Typ hätte einfach nur zu sagen brauchen, na ja, haben die anderen halt ne andere Sichtweise als ich, macht nichts, wir sind ja alle Christen, Nächstenliebe, Toleranz, andere Wange hinhalten und so … dann hätte er im Dorf bleiben können und nichts wäre passiert. Den Kerl hatte ich dann von Anfang an gefressen 😄🙈 Und eigentlich war der Film für mich wohl da schon gelaufen.

        Allerdings habe ich das manchmal – auch bei diesem Film -, dass ich einen Film überhaupt nicht mag und trotzdem einsehe, dass der gut gemacht ist. 😄

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        1. Subjektiver Geschmack und Qualität sollte man ja auch durchaus trennen können. Ich finde beispielsweise „Der Pate“ einfach nur langweilig, sehe aber durchaus ein, dass das eigentlich ein Meisterwerk ist. Macht es für mich aber eben auch nicht besser.

          Und ja, die ganze Familie ist eigentlich komplett zum Kotzen. Vom nervigen Vater, über die völlig abgefuckte Mutter bis hin zu den beiden Teufels-Zwillingen, denen ich in jeder Sekunde einen grauenhaften Tod gewünscht habe. Aber die Zeit wird eben doch gut eingefangen, denke ich und ich mag halt solche atmosphärischen Horrorfilme, die sich nicht nur auf schnelle Jumpscares und Gemetzel beschränken. Da hat „The Witch“ natürlich sehr gut gepasst.

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    1. BWP hat natürlich über die Zeit etwas von seinem Reiz verloren, aber in meinen Augen ist es immer noch der beste Film des Found-Footage-Sub-Genres, da er dieses Stilmittel gekonnt für die Atmosphäre und den Aufbau nutzt. Gucke ich auch heute alle paar Jahre gerne wieder an. Aber auch nur Teil 1. Die Fortsetzung und das Reboot sind grauenhaft kacke.

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  2. Blair Witch habe – glaube ich – nach 15 Minuten ausgemacht. Diese Zappelkamera nervte mich total. Bin absolut kein Fan von diesen Wackelkamerafilmen.
    Hexen hexen… den habe ich damals auf VHS geschaut, wenn ich mich nicht irre.
    Stimmt, wenn ich so zurückdenke, gibt es kaum wirkliche Hexenfilme die auch noch etwas taugen. Die 80er Filme lasse ich mal außen vor… Das war ja doch mehr Trash als brauchbar.

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    1. Ja, wenn man mit Wackelkamera nix anfangen kann, wird es schwierig. Ich bin auch absolut kein Fan davon und mir haben nur 2-3 Filme wirklich gefallen, die das genutzt haben. BWP ist da für mich immer noch der Beste.

      Alles in den 80ern war Knaller. Vor allem der Trash. Aber selbst da waren Hexen eher selten am Start.

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  3. Der große Hype um BWP ist an mir ziemlich spurlos vorübergegangen. Ich habe den erst relativ spät als VHS ausgeliehen. Und ja, das war einer der Filme, bei denen ich schon ziemlich schnell nach Beginn so ein latentes Unwohlsein empfunden habe. Das setze sich den ganzen Film hinduch auch so fort und an einigen Stellen habe ich mich auch wirklich gegruselt wie schon ganz lange nicht mehr.
    Ja, Wackelkameras kamen da dann ja groß in Mode. Find ich aber auf Dauer auch echt nervig, wie z. B. Cloverfield. Schrecklich….

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    1. Vom Hype habe ich damals auch kaum etwas mitbekommen, bis ein Kumpel, der damals im Gegensatz zu mir, Riesen-Horrorfan war, mit dem Ding um die Ecke kam. Dann hatte ich halt auch Bock drauf, mir mal anzugucken, was da denn so dran ist, an der ganzen Nummer. Mitterweile ist Hype bei mir ja schon fast eher ein Indiz dafür, dass der Film mir nicht gefallen wird.

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  4. Empfehle The Witch von 1982..Habe ich damals in London gesehen. Ist wohl schlecht gealtert.Aber schöne Effekte! Und ich fand Albert Sal(a)mi immer klasse.Es gibt wenige Leute speziell Männer die Schnauzbärte tragen können und wirklich gut damit aussehen und auch ohne!!! Gibt auch ne Biografie über ihn-Spotlights and Shadows…Finnische Eltern und wuchs in der jezkoms finnischen „Section“ von Brooklyn auf…
    Ach ich fand ihn als Sidekick von Petrocelli(Barry Newman) einfach klasse…

    Achja man darf bei Hexen nicht die von „Charmed“ vergessen,hihi.
    Jemand hat jeweils von jeder der dreien die Todesszenen zusammen montiert!

    Barbara Steele in Black Sunday,jummi.

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