Filmposter: Von Marketingkunst zum lustlosen Klischee

Hallo Filmfreunde,

heute möchte ich ein paar Worte zum Thema Filmplakate verlieren. Als ich mir nämlich neulich die Kinostarts* der nächsten Wochen zu Gemüte führte, wurde ich auf ein für mein Empfinden sehr hübsches Filmposter aufmerksam.

Endless
© Meteor Film

*[Anmerkung: „The Endless“ erscheint wohl in Deutschland direkt auf DVD/BD]

Von dem Film „The Endless“ hatte ich zuvor noch überhaupt nichts gehört. Aber das Poster hat mich visuell sofort angesprochen und fasziniert. Ich weiß nicht genau woran das liegt und ob es euch genauso geht. Aber irgendwie war für mich klar, dass ich über diesen Film mehr erfahren wollte. Und genau das sollen doch (gute) Filmposter erreichen. Den möglichen Zuschauer auf einen Film aufmerksam machen und ins Kino locken.

Nun ist es jedoch so, dass das Poster eines Films in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich an Bedeutung verloren hat. Während vor allem in den 1930ern bis 1950ern, einer Zeit in der das Fernsehen noch keine große Rolle spielte und das Internet noch nicht erfunden war, Plakate der effektivste Weg waren möglichst viele Menschen zu erreichen und auf einen neuen Film aufmerksam zu machen, gibt es heute natürlich ganz andere Möglichkeiten. Zu jener Zeit mussten sich die Studios jedoch ganz genau überlegen wie sie ihr Produkt, den anlaufenden Film, bewerben wollen, um das Interesse der Laufkundschaft zu wecken. In dieser Zeit entstanden einige sehr ansprechende Filmplakate, die mit Sicherheit eine große Wirkung auf das Publikum gehabt haben muss.

Schaut man sich die Poster zu zeitgenössischen Filmen an, kommt es zumindest mir so vor als würde man sich bei der Gestaltung der Plakate heute deutlich weniger Mühe geben als noch vor ein paar Jahrzehnten. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich das gut nachvollziehen. Heute kommen pro Woche deutlich mehr Filme ins Kino als es früher der Fall war. Selbst wenn nur die großen Blockbuster hauptsächlich mit Werbeplakaten auf sich aufmerksam machen würden, wäre die Landschaft vollgepflastert mit Postern und selbst der größte Film würde in der Masse untergehen. Hinzu kommt, dass sich mittels Trailer und Teaser, die sich über soziale Netzwerke verbreiten, eine noch größere Konsumentengruppe erreichen lässt. Um es einfach auszudrücken: Wer nach einer medialen Werbeoffensive noch nichts von Film X gehört hat, den wird man auch durch ein geniales Poster nicht erreichen.

Und dennoch finde ich es schade, wie wenig Mühe sich die Verantwortlichen bei der Gestaltung ihrer Filmplakate geben. Oftmals verkommt das Poster zu einer beinahe willkürlichen Vorlage, auf der lediglich Gesichter der Darsteller und der jeweilige Filmtitel ausgetauscht werden. Hier noch ein bisschen an der Farbmodulation drehen und fertig ist das total austauschbare Filmplakat. Als kleinen Schabernack habe ich euch mal fünf Kategorien von modernen Filmpostern zusammengefasst, auf die in letzter Zeit häufig zurückgegriffen wurde.

Kategorie 1: Das Passbild + Filmtitel

Passbild

 

Kategorie 2: Von hinten, Baby!

Von hinten

 

Kategorie 3: Das halbe Gesicht

Halbes Gesicht

 

Kategorie 4: Rücken an Rücken

Rücken

 

Kategorie 5: Alle, die mehr als 5 Zeilen Text haben, stellen sich bitte zum Foto auf!

Alle.jpg

 

Selbstverständlich gibt es auch ein zahlreiche Beispiele, bei denen ausgesprochen hübsche Filmplakate entstanden sind. Um die wird es dann nächste Woche gehen.

Bis dahin liebe Grüße,

Euer Ma-Go

21 Kommentare zu „Filmposter: Von Marketingkunst zum lustlosen Klischee

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  1. Die Gestaltung von The Endless finde ich auch sehr ansprechend, ich habe direkt Lust, mir den Film anzuschauen 🙂
    Die Übersichten sind irgendwie witzig. Mir ist so etwas noch nicht aufgefallen, aber da gibt es ja wirklich einige, die sich, was das Format betrifft, ähneln.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    1. Danke.
      Bei „The endless“ habe ich noch nicht ganz verstanden, ob der nun im Kino läuft oder nicht. Auf der Verleihseite steht er würde bereits seit Anfang August laufen (hab aber kein Kino gefunden wo das der Fall wäre) und ab Ende August auf DVD/BD rauskommen. Komisch

      Gefällt 1 Person

  2. Ist leider eine Entwicklung, die sich nicht nur auf den Filmmarkt beschränkt. Guck dir mal Buchcover in den Genres Thriller oder Urban Fantasy an. Da sieht auch oft alles gleich aus.

    Nebenbei finde ich allerdings, dass es selbst bei den gängigen Posen durchaus gute Vertreter gibt, die sich eben durch den Stil abheben. Von den hier genannten Beispielen finde ich „Walk The Line“ oder „The Revenant“ eigentlich ganz gut, weil sie zwar das gleiche Schema nutzen, aber eben doch noch eigenständig wirken.

    Gefällt 2 Personen

      1. Revenant ist jetzt nicht der Knaller vom Poster her, aber es hebt sich halt schon noch etwas von den anderen ab. Generell bin ich aber auch kein Fan moderner Poster. Billig-Photoshop wo man hinsieht. Ich würde mir da viel mehr Kreativität wünschen, wo auch mal handgezeichnete Stile und ähnliches genutzt werden. Posen gibt es ja nun auch nicht unendlich, da kann man das Rad schlecht immer neu erfinden. Aber Stile gibt es jede Menge, die man mal nutzen könnte, anstatt immer nur „einfarbiger Hintergrund und jetzt guckt mal in die Kamera“.

        Gefällt 1 Person

  3. Gerade die „Rücken an Rücken“ Kategorie transportiert aber immerhin noch ein Genre. Wenn man so ein Poster sieht ist klar, RomCom ist angesagt (gilt oben nicht für 21 Jump Street, aber das ist halt ein Parodieposter).

    Das Poster, das mir in letzter Zeit am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist ein frühes für „It Comes At Night“. Sieht aus wie ein Schnappschuss von einem angeleinten, weißen Hund, der intensiv in die Dunkelheit im Rest des Posters starrt. Ich weiß nichtmal warum das so stark auf mich wirkt. Den Film habe ich trotzdem (noch) nicht gesehen. 😉

    Gefällt 1 Person

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