Film: Die Verlegering – Ein Hoch auf die Pressefreiheit

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Quelle: imdb.com

 

Hallo Filmfreunde,

neulich war ich endlich mal wieder im Kino und habe mir im Rahmen der Filmreise Challenge Stephen Spielbergs Film „Die Verlegerin“ angesehen, der seines Zeichens bei den Oscars 2018 als bester Film nominiert war. Ähnlich wie beim Oscarfilm 2017 „Spotlight“ geht es auch hier um Bedeutung und Macht der Medien und um die Wichtigkeit der Pressefereiheit. Ob mich „Die Verlegerin“ genauso packen konnte wie „Spotlight“ erfahrt ihr in meiner Besprechung zum Film:

Kurzinhalt und Trailer:

In den 1970er Jahren gelangen die New York Times und die Washington Post in Besitz brisanter Regierungsdokumente. Aus diesen geht hervor, dass die Regierung über Jahre im Hinblick auf Ziel und Verlauf des Vietnam-Krieges gelogen und unzählige Soldaten wissentlich in den Tod geschickt hat. Nachdem die Journalisten Auszüge dieser sogenannten Pentagon Papers veröffentlichen, stehen sie als Verräter und Gefahr der inneren Sicherheit selbst vor Gericht.

 

Ein Problem, das ich mit „Die Verlegerin“ hatte, war der Titel des Films. Dieser legt dem uninformierten Zuschauer (wie mir) nahe, dass es im Film in erster Linie um die titelgebende Verlegerin Kay Graham (Maryl Streep) geht, die sich als Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft in einer Krisensituation behaupten muss. Tatsächlich wird dieser Aspekt im Film zwar auch angerissen. Allerdings stehen andere Fragen und Inhalte viel deutlicher im Mittelpunkt. So hat Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) gefühlt doppelt so viel Screen Time wie Maryl Streep. Übrigens halte ich Streeps Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin in dieser Rolle eher für eine Art Running Gag, als das verdiente Ergebnis einer guten Darbietung. Aber das nur am Rande.

Der Originaltitel „The Post“ zeigt da meiner Meinung nach schon deutlich klarer, worum es in dem Film wirklich geht. Nämlich eben nicht um die Verlegerin Kay Graham, sondern um die Zeitung, namentlich die Washington Post, die sich, unter Führung Grahams, ihrer Verantwortung bewusst wird und sich von der staatlichen Autorität nicht zensieren lässt. Allerdings sehe ich ein, dass der englische Titel „The Post“ beim deutschen Publikum möglicherweise für Verwirrung gesorgt und im schlimmsten Fall für leere Kinosäle gesorgt hätte. Denn wer will schon einen Film über die Post sehen?

Ursprünglich hatte ich vor, „Die Verlegerin“ für die Filmreise Challenge Aufgabe „Schaue ein Biopic über eine weibliche Person“ zu schauen. Da dies aber aus genannten Gründen nicht so richtig passt, nehme ich den Film stattdessen für die Aufgabe „Schaue einen Film, in dem es um ein historisches Ereignis geht“. Das historische Ereignis, das in „Die Verlegerin“ behandelt wird, ist die wichtige Gerichtsverhandlung, in der der Oberste Gerichtshof der USA entschied, dass die Pressefreiheit über dem staatlichen Interesse der Geheimhaltung steht. Wie im Film gezeigt wird, hatte die US Regierung, im Besonderen unter der Präsidentschaft Nixons, im Vorfeld massiv versucht die Presse zu manipulieren und indirekt mitzuentscheiden was veröffentlicht werden darf und was nicht. Insofern ist „Die Verlegerin“ auf jeden Fall als so etwas wie ein Plädoyer für die Pressefreiheit zu sehen. Journalismus soll wie es im Film genannt wird Regierungen kontrollieren und die Bevölkerung unabhängig und auf Fakten basierend über Missstände informieren. Dieser beispielhafte Fall der Pentagon Papers, der letztendlich auch zur Aufdeckung der unrühmlichen Watergate Affäre führte, war demnach ein Meilenstein auf dem Weg zur Pressefreiheit, die wir heute genießen dürfen. Auch wenn man sich in Zeiten von Fake News und den Berichterstattungen einiger Medien manchmal etwas mehr Kontrolle über das Verbreiten von Meldungen wünschen würde.

Das gemeinsame Thema Pressefreiheit und investigativer Journalismus führt dazu, dass „Die Verlegerin“ häufig mit dem Oscar-Siegerfilm „Spotlight“ verglichen wird. Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass dieser Vergleich etwas hinkt. In „Spotlight“ geht es darum wie investigative Journalisten arbeiten, wie sie sich in zum Teil gefährliche Gefilde vorwagen und wie aufwändig und intensiv die Recherche auf der Suche nach der Wahrheit ist. In „Die Verlegerin“ ist der Teil der Faktenrecherche bereits abgeschlossen. Die Dokumente liegen vor und es stellt sich nicht die Frage was wahr ist und wie man es beweisen kann. Hier geht viel mehr darum, ob eine Zeitung zur damaligen Zeit, in der die Pressefreiheit bei weitem nicht so gefestigt war wie heute, diese Fakten veröffentlichen darf und was diese im Zweifelsfall unrechtmäßige Veröffentlichung für die Mitarbeiter und verantwortlichen Personen bedeuten würde. Insofern sind beide Filme unbedingt sehenswert, wenngleich sie sich nur schwer miteinander vergleichen lassen.

 

Den Film habe ich im Rahmen der großen Filmreise Challenge gesehen. Aufgabe 51 – Schaue einen Film, in dem es um ein historisches Ereignis geht. Für weitere Informationen mögen Interessierte einfach auf das hübsche Banner klicken.

Filmreise-Banner1

 

Weitere Meinungen zum Film:

Der Filmkürbis

W wie Wehrfrank

Ulrike tratscht Kino

The Forestmaster

Flightattendantlovesmovies

Audio\visuell

12 Kommentare zu „Film: Die Verlegering – Ein Hoch auf die Pressefreiheit

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  1. Komplett und zu 100% deiner Meinung. Damit das nicht nur so ein Bestätigungs-Kommentar wird:

    Wer will denn keinen Film über die Post sehen?!? „Das unheimliche Paket der dritten Art“, „Pappa ante Porto“ oder das DHL-Mafia-Drama „Der Bote“. Also ich sehe da rießiges Potenzial für ein Franchise. Und alle lieben Franchise!

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  2. Stimme auch zu, unbedingt sehenswert. Ich fand Streep sehr stark, sehe ihre Rolle aber auch nicht als Hauptrolle, man hätte sie besser in der Nebendarstellerkategorie nominieren soll. Die Darstellerrige ist stark, der Film war spannend erzählt. Für mich jetzt schon eines der Highlights des Kinojahres.

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  3. Mhh, also ein Film, der sich mit einem verlogenen Präsidenten, der sich als Gegner der Presse positioniert und gleichzeitig einer staatlichen Untersuchung unterzogen wird, beschäftigt? Also so’n Geschichtsschinken ohne jeglichen Gegenwartsbezug… 😉

    Den habe ich auch auf der Liste, aber nicht fürs Kino. Vor allem weil er so gemacht sein soll, dass der großartige ‚Die Unbestechlichen‘ quasi als Fortsetzung funktioniert – wenn da auch Kay Graham mit keinem Wort erwähnt wird.

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    1. Man könnte wirklich meinen, Spielberg hätte sich beim Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films etwas gedacht… Ich meine das Thema hätte man auch schon vor 5 Jahren verfilmen können. Und mit Ready Player One wäre er ja eigentlich auch ausgelastet gewesen…

      Die Verbindung zu den Unbestechlichen kann man eventuell schon sehen. Wenn man die Augen offen hat und bemerkt, dass sie einem ins Gesicht springt 😉

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  4. Es ist letztlich ein ziemlich durchschaubares Vehikel für Streep und Hanks, pathetischer Botschaft und vieles nicht: intelligent, kein (Polit-)Thriller, kein formal ansprechendes Meisterwerk. Und vor allem im Vergleich zum hervorragenden Spotlight: kein Film über Journalisten und ihre Arbeit. Das ist alles verzeihbar, aber selbst für ein Portrait Grahames zu dünn.

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    1. Intelligent vielleicht nicht.
      Polit-Thriller würde ich schon sagen.
      Kein formal ansprechendes Meisterwerk –> stimme ich zu.
      Und den Vergleich zu Spotlight habe ich ja auch genauso getroffen 🙂
      Insgesamt bin ich also in einigen Punkten deiner Meinung, wobei der Film insgessamt bei mir dann doch etwas besser wegkommst.

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