Film: Before the Flood – DiCaprio vs. den Klimawandel

Flood
© 20th Century Fox

Hallo Filmfreunde,

im Rahmen der großen Filmreise Challenge habe ich mir einen Dokumentationsfilm angeschaut, den ich seit längerem schon auf meiner Festplatte rumliegen habe. In „Before the Flood“ informiert kein geringerer als Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio über die globale Erderwärmung und deren gravierende Folgen für unseren Planeten. Ob es lohnt sich genauer mit dieser Doku zu beschäftigen, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung.

 

Umwelt- und Klimaschutz sind Themen, die mich nicht nur brennend interessieren. Ich halte beides sogar für zwei der wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen der Menschheitsgeschichte. Ich bin davon überzeugt, dass die Art wie wir heute leben die Erde und damit uns Menschen in eine Katastrophe führen wird. Aus diesem Grund schätze ich DiCaprios Engagement für die Sache und seinen Versuch das Thema in den öffentlichen Fokus zu rücken. Wenn der Film es nur schafft zehn Menschen zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen, wäre das schon eine gute Sache.

Trotzdem ist „Before the Flood“ inhaltlich nicht gerade die beste Doku, die es zu diesem Thema gibt. Ganz im Gegenteil hatte ich sogar einige grundlegende Probleme mit dem Film. Wie gesagt, ich möchte auf keinen Fall den Film schlecht reden, da er grundsätzlich eine gute Absicht verfolgt und deshalb auf jeden Fall weiter zu empfehlen ist. Wer sich jedoch tiefgreifender informieren möchte, möge vielleicht lieber auf einen anderen Film zurückgreifen.

Meine Probleme mit „Before the Flood“:

1. Leonardo im Zentrum

Ich betone noch ein mal, dass es sehr löblich ist seinen großen Namen für eine wichtige Sache einzusetzen. Trotzdem haben mich die vielen Aufnahmen gestört und sogar genervt, in denen DiCaprio gedankenversunken dem Horizont entgegen starrt oder sich nachdenklich am Kinn kratzt. Wie ein Politiker im Wahlkampf schüttelt der liebe Leo armen Bauern die Hände, streichelt heimatlose Orang-Utan Babys und schubst kleine Mädchen auf der Schaukel an. In einer Szene befinden wir uns am Set zu „The Revenant“, wo eine Szene im hohen Schnee gedreht werden soll. Aufgrund der sich veränderten klimatischen Verhältnisse ist der Schnee jedoch geschmolzen. Was macht also das umweltbewusste Filmteam? Richtig! Es packt seine Sachen und fliegt mit Sack und Pack mal eben ans andere Ende der Welt, um die Szene dort zu drehen. Kurz zuvor erklärte Leo uns, welche fatalen Auswirkungen der Emissionsausstoß unserer Transportmittel wie Autos und Flugzeuge auf das Klima haben. Wer entdeckt den Fehler?

 

2. Sind das Fakten oder Meinungen?

Das Thema Klimaschutz ist sehr komplex und damit schwer in einer einzelnen Dokumentation ausführlich zu beleuchten. Als Filmemacher hat man in so einem Fall zwei Möglichkeiten. Entweder man entscheidet sich für ein bis zwei Themenschwerpunkte und arbeitet diese detailliert auf. Oder man entwirft ein eher grobes Netz an Themen und Aspekten, die alle irgendwie mit dem großen Ganzen zusammenhängen. „Before the Flood“ entscheidet sich für die zweite Variante und thematisiert die Bereiche Ernährung, Konsumverhalten, Energieversorgung, Rohstoffgewinnung und Politik. Bei dieser Themenfülle ist es schwierig einen Aspekt faktisch aufzuarbeiten, um Menschen von deren Dringlichkeit zu überzeugen. Stattdessen gibt der Film dem Zuschauer ein paar ausgewählte Fakten an die Hand, die für mich zwar plausibel für einen Klimawandelzweifler jedoch nicht unbedingt überzeugend sind. Im Film wird zudem gezeigt wie hochrangige Politiker, darunter der zu Drehzeiten noch Präsident in spe Donald Trump, die Existenz des Klimawandels anzweifeln und behaupten, dass das Verhalten der Menschen das Klima weder im Positiven noch im Negativen beeinflussen könnte. Beim Versuch diese Meinung zu widerlegen macht der Film den Fehler, Wissenschaftler zu Wort kommen zu lassen, die sich nicht auf die reinen Fakten beschränken. In einer sehr anschaulichen Simulation wird beispielsweise die Auswirkung der Polschmelze auf den Golfstrom gezeigt. Der erklärende Wissenschaftler bleibt aber nicht bei seiner Grafik, sondern stellt auch gleich eine sehr optimistische, um nicht zu sagen abenteuerliche Prognose auf. Man müsse ganz einfach nur dies und das tun und schon wird das Eis in der Arktis wieder ansteigen. Abgesehen davon dass ich bezweifle, dass sich abgeholzte Regenwälder und weggeschmolzene Gletscher mal eben so erholen, gibt es bekanntlich auf komplizierte Fragen keine einfachen Antworten. Passend dazu kommt zum Ende des Films auch noch Papst Franziskus zu Wort, der sich ebenfalls große Sorgen um unseren Planeten macht. Sein Tipp: Wir müssen vor allem beten.

 

3. Und was ist die Lösung?

Abgesehen vom päpstlichen Vorschlag wäre es natürlich auch schön ein paar eher irdische Tipps und Lösungsansätze präsentiert zu bekommen. Das macht „Before the flood“ erfreulicherweise auch, allerdings auf Grund der genannten Komplexität des Themas leider recht oberflächlich und knapp. Es ist die Rede von erneuerbaren Energien, von Ernährungsumstellungen und einer Art Super-Solarstrombaterie aus dem Hause Tesla, von denen bereits 10 Stück den Energiebedarf der gesamten Erde abdecken könnte. Das ist alles sehr interessant, bleibt aber eher halbgar im Raum stehen. Als bahnbrechendes Ereignis feiert der Film gegen Ende die Weltklimakonferenz von Paris aus dem Jahre 2015, im Rahmen derer alle UN-Mitgliedsstaaten erstmals eine internationale Klimaschutzvereinbarung unterzeichneten. Zwar stellt der Film in Frage, ob dieses Ereignis tatsächlich Früchte tragen wird, setzt jedoch gleichzeitig sehr viel Hoffnung in die verantwortlichen Politiker der jeweiligen Länder. Heute, nur drei Jahre später, wissen wir auch in Deutschland, dass die Klimaziele der Pariser Weltklimakonferenz von einigen bestenfalls als gut gemeinte Empfehlung gesehen werden und die bis 2040 angestrebten Ziele nicht mal ansatzweise erreicht werden. Hier hätte sowohl die Klimakonferenz als auch „Before the Flood“ deutlich klarere Lösungsansätze präsentieren müssen, damit sich in dieser Frage wirklich etwas ändert.

Zum Abschluss aus ehrlichem Interesse die Frage an euch: Wie ernst schätzt ihr die Gefahren des Klimawandels ein und was macht ihr, um das Klima und damit unsere Umwelt zu schützen? Ich hoffe auf einen regen Austausch und freue mich auf eure Kommentare.

Diesen Film habe ich im Rahmen der großen Filmreise Challenge gesehen. Aufgabe 53 – Schaue zwei Dokumentationsfilme zu zwei verschiedenen Themen. Für weitere Informationen mögen Interessierte einfach auf das hübsche Banner klicken.

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16 Kommentare zu „Film: Before the Flood – DiCaprio vs. den Klimawandel

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  1. * Aufgrund der sich veränderten klimatischen Verhältnisse ist der Schnee jedoch geschmolzen. Was macht also das umweltbewusste Filmteam? Richtig! Es packt seine Sachen und fliegt mit Sack und Pack mal eben ans andere Ende der Welt, um die Szene dort zu drehen. Kurz zuvor erklärte Leo uns, welche fatalen Auswirkungen der Emissionsausstoß unserer Transportmittel wie Autos und Flugzeuge auf das Klima haben. Wer entdeckt den Fehler?*

    DiCaprio ist in dem Fall auch nur ein Angestellter, ohne viel Einfluss auf die Vorgehensweise.

    Aber solche Widersprüche gibt es dauernd, auf ZeitOnline wurde auch einmal auf die Schädlichkeit von Flugreise aufmerksam gemacht, und am nächsten Tag wurde eine Austellung in Australien empfohlen, *für die sich die Reise lohnen würde*.

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  2. Ich bin da ganz bei dir. Eine nette, aber leider oberflächliche Doku.
    Das schlimmste ist wirklich, dass keiner der Klima-Wandel-Leugner hiermit umgestimmt wird. Alle anderen sind ja sowieso schon auf der Seite von DiCaprio.

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  3. Also ich hab glaub ich gar keine schlechte Klimabilanz, beim Einkaufen achte ich auf Regionalität (wenn ich nicht überhaupt gleich zum Bauernmarkt geh😉) und Bioqualität, bei Kleidung versuch ich nicht den allergrößten Mist zu kaufen (was bei meinem Budget gar nicht mal so eonfach ist) und nachdem ich kein Auto besitze halten sich auch meine Abgaswerte im Zaum😉! Allerdings finde ich das Thema bzw den ganzen dazugehörigen Themenkomplex auch sehr interessant und spannend und beobachte mit zunehmender Sorge die globale Entwicklung…hoffentlich folgt ein Umdenken bevor tatsächlich alles zu zu spät sein sollte und die Menschheit es geschafft hat sich selbst auszurotten.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Ein eigenes Auto habe ich auch nicht. Allerdings haben wir als Hausstand sehr wohl eins. In der Regel bin ich aber mehr mit Bus und Bahn unterwegs als mit dem Auto. Von daher sind unsere Abgaswerte wohl wirklich beide ok 😉

      Bauernmärkte gibt es hier zwar auch ein paar. Diese sind jedoch nicht so einfach zu erreichen. Und wenn dann eben nur mit dem Auto. Da stellt sich schon die Frage, ob es Sinn macht, wenn alle einzeln mit dem Auto zum Bauern fahren. Was das Thema Ernährung angeht, bin ich aber insgesamt auch sehr aufmerksam und kaufe bewusst ein. Vor allem aus Gründen des Klimaschutzes.

      Schön zu sehen, dass ich nicht der einzige bin, der sich Sorgen macht 😉

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  4. Den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, ist gar nicht mal so einfach. Wie viel Müll wird verursacht, nutzt man öfter auch mal das Fahrrad anstatt die Bahn und wie oft fliegt man in den Urlaub. Das sind ja alles Faktoren die da mit rein spielen. Wenn man einfach mal googelt „ökoligischer Fußabdruck“ kommt man auf eine Seite von „Brot für die Welt“ da kann man einen Test machen. Ich würde sagen, wir liegen da alle bei 5,2-5,9 gha.
    Heißt: Wenn alle so leben wie ich, benötigen wir 3,1 Planeten (oder Erden!).

    Klar, das Thema ist hochbrisant, aber manchmal fühlt es sich eben so an, als ob man gegen Windmühlen anläuft. Man predigt immer, dass jeder etwas verändern kann, aber getan wird recht wenig, vor allem im Großstadtbereich. Na schön, hier in Hamburg hat der HVV angekündigt einen neuen Bus-Prototypen zu testen, aber es ist nur ein Test. Am Ende stellt sich heraus, dass die Anschaffung eines Busses zu hoch ist, als dass es sich rentieren würde. In dem Fall sind es nur sehr kleine Schritte, die in die richtige Richtung gehen.

    Ich sehe und weiß die Gefahren des Klimawandels, aber ich glaube nicht, dass wir irgendetwas positives bewirken können, geschweige denn die Folgen abschwächen oder verhindern können. Die Aufgabe wird sein, das Überleben der Menscheheit zu sichern, denn früher oder später steht uns das Wasser bis zum Kinn, im wahrsten Sinne. Und auch andere klimatische Szenarien werden immer öfter auftreten. Stürme, Temperaturgefälle und andauernde Regenschauer werden nicht heute oder morgen, aber in 10 Jahren, zum alltäglichen Bild gehören. Wir müssen uns also bald eher Ruderboote anschaffen, anstatt neue Autos.

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    1. Ich habe den Öko-Fußabdruck-Test gerade gemacht. Ich stehe bei 3,1gha (1,8 Planeten).

      „Klar, das Thema ist hochbrisant, aber manchmal fühlt es sich eben so an, als ob man gegen Windmühlen anläuft.“

      Da hast du sicherlich Recht. Trotzdem denke ich schon, dass jeder seinen Beitrag leisten sollte und nicht die Flinte ins Korn werfen. Fakt ist aber auch, dass der kleine Mann nichts verändern kann, wenn sich in der Wirtschaft und in der Politik nichts tut. Das liegt aber wieder an uns. Deswegen sehe ich das nicht ganz so pessimistisch wie du.

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  5. Ich stimme dir zu: Der Film hat edle Absichten, die Umsetzung aber hat viele Probleme, die du bestens herausgearbeitet hast.
    Ich persönlich denke, dass der Klimawandel direkt nach der Überbevölkerung das größte Problem ist, dem sich die Menschheit aktuell gegenüber sieht. Wobei er ja im Wesentlichen auch eine Folge der Überbevölkerung ist.

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    1. Danke. Und du hast recht. Klimawandel und Überbefölkerung hängen sehr eng miteinander zusammen. Wobei ich glaube, dass wir den Klimawandel TROTZ der Überbevölkerung in den Griff bekommen könnten. In der Theorie wäre das gar nicht so schwer.

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  6. Ich denke der Film ist für die gemacht, die sich sonst keine Dokus über sowas angucken würden und Zugpferdchen DiCaprio als Arschtritt brauchen. Da ist für die, die eh im Thema drin sind eher nichts neues dabei. Außer der tolle Soundtrack.
    Ich würde mir ein bisschen wünschen dass ganz Hollywood da mal an einem Strang ziehen würden und gemeinsam eine Vorbildfunktion erfüllen würden. Ganz ehrlich, wenn die jeder ne Million dazugeben, könnten se noch den Rest Regenwald kaufen und Leo schenken. Oder so.
    Ich habe heute auch mal meinen ökologischen Fußabdruck getestet und komme auf 1,7 Erden, was ich ziemlich deprimierend finde.

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    1. Hi!
      Was die Zielgruppe angeht, hast du sicherlich recht. Trotzdem glaube ich, dass ein paar der angesprochen Kritikpunkte auch den Novizen im Thema auffallen könnten.

      Zum Fußabdruck:
      Ich stehe (fast) wie du bei 1,8 Erden. Natürlich ist das immer noch viel zu viel. Aber das liegt einfach daran, dass es schlicht und ergreifend zu viele Menschen gibt. In eine Literflasche passt nun mal 1 Liter. Vielleicht bis zum Anschlag ein wenig mehr. Wenn das Material der Flasche dehnbar ist, vielleicht noch ein bisschen. Aber irgendwann ist die Flasche voll.
      Die Berechnung finde ich zwar auf jeden Fall beachtenswert und interessant. Allerdings ist sie wohl nicht ganz genau, weil sie viele Variablen überhaupt nicht beachtet. WENN die Stromversorgung komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden würde, würde etwas ganz anderes raus kommen. WENN die E-Mobilität flächendeckender im Einsatz wäre genauso. Der Fußabdruck Rechner erfasst nur wie viele Km ich im Monat fahre. Jedoch nicht mit Benzin, Diesel oder eben Strom.
      Wenn keiner mehr (Rind)Fleisch essen würde, was ich gar nicht fordern möchte, würde sich auch einiges ändern.
      Und wenn wir in den westlichen Ländern nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen würden, wäre auch schon vielen geholfen. Wenn, wenn, wenn…
      Aber dann!

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