Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Der beste Film des Jahres?

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Hallo Filmfreunde,

am 25. Januar kommt mit Martin McDonaghs dritten Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ein Film in die Kinos, der mit ordentlich Vorschusslorbeeren ausgestattet ist. Vier Preise, die der Film bzw. dessen Schauspieler bei den diesjährigen Golden Globes abräumen konnte, können auf dem Filmplakat nun verzeichnet werden. Damit ist „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ auch ein heißer Kandidat bei der diesjährigen Oscar-Verleihung. Gäbe es dort einen Preis in der Kategorie sperrigster Filmtitel des Jahres, hätte „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ vermutlich sehr gute Chancen. Wie ich hingegen Martin McDonaghs Chancen auf einen oder mehrere der begehrten Goldjungen einschätze und wie mir persönlich der Film gefallen hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung.

Worum geht es in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“? Sprechen wir zunächst kurz über die Handlung des Films und was es mit dem etwas speziellen Titel auf sich hat. Frances McDormand spielt Mildred Hayes, eine Frau, deren Tochter vergewaltigt und ermordert wurde. Da der Fall nach über einem Jahr noch immer nicht aufgeklärt wurde, ist Mildred davon überzeugt, dass die Polizei kein Interesse an der Aufklärung hat und ihre Arbeit nicht vernünftig macht. Kurzerhand mietet sie drei Werbetafeln, auf englisch die titelgebenden Billboards, auf die sie für jeden Vorbeifahrenden sichtbar eine provokante Nachricht für Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) drucken lässt. Da Willoughby auf seinem Revier und in weiten Teilen der Bevölkerung sehr beliebt ist, muss Mildred gegen einige Widerstände kämpfen. Ziemlich schnell eskaliert die Situation und stellt das Leben aller Beteiligten auf den Kopf.

 

Um es vorweg zu nehmen: Ich mochte „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ sehr. Ich bin mir schon jetzt ziemlich sicher, dass der Film auf einigen Best-Of 2018 Listen zu finden sein wird. Meiner eigenen vermutlich eingeschlossen. Trotzdem bin ich sehr überrascht, dass der Film in der diesjährigen Award Season so hoch im Kurs steht. Denn auch wenn McDonaghs Film offensichtlich einige Stärken hat, beinhaltet er auch einige Aspekte, die gerade für die Academy eher unvorteilhaft erscheinen.

Bei der Golden Globes Verleihung 2018 wurde „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“ unter anderem in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ ausgezeichnet. Auch ich denke, dass hier die große Stärke des Films liegt. Die Handlung und die Entwicklung der Figuren, sowie deren Konstellation zueinander ist unvorhersehbar und oft komplexer als man zunächst glaubt. Die Dialoge sind hier und da ein wenig skurril aber an einigen Stellen so getränkt von dunkelschwarzem Humor, dass es eine wahre Freude ist. Vorausgesetzt man kann etwas mit politisch unkorrektem und vulgärem Humor anfangen. Was die Bissigkeit und Direktheit des Humors anbelangt, hat Martin McDonagh im Verleich zu seinen ersten beiden Filmen „Brügge sehen… und sterben?“ und „7 Psychos“ auf jeden Fall noch mal ein bis zwei Schippen drauf gepackt. Genau das jedoch glaube ich wird bei den Oscars das Problem des Films sein. Ich glaube nicht, dass die Academy in Zeiten, in denen politische Korrektheit in Amerika nicht gerade groß geschrieben wird, einen Film sehen will oder gutheißen wird, der eben dieses Element mitbringt. Aber warten wir es ab.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt des Films sind die Darsteller, die allesamt einen mindestens guten Auftritt abliefern. Bei den Golden Globes wurde zum Beispiel Sam Rockwell als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Im Film spielt er den infantilen, bildungsfernen und gewaltbereiten Police Officer Dixon, seineszeichens homophober Rassist aus Überzeugung. Rockwells Figur ist im Film der wohl wichtigste Träger des angesprochenen schwarzen Humors. Dass die Figur dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt, liegt meiner Meinung nach jedoch weniger an Rockwells Schauspielkunst, als viel mehr an dem guten Drehbuch und seinen Dialogen. Von daher kann ich Rockwells Auszeichnung in seiner Kategorie nur bedingt nachvollziehen. Anders sieht es da bei Frances McDormand aus, die in der Kategorie „Beste weibliche Hauptdarstellerin (Drama)“ erfolgreich war. Als Hauptfigur des Films bestimmt sie die Handlung und zeigt in ihrer Rolle dabei eine sehr große Bandbreite an Emotionen. An der Figur der Miranda Hayes merkt der Zuschauer sehr schnell, dass er mit einem einfachen schwarz-weiß Denken in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ nicht weit kommen wird.

Bleibt zum Abschluss die Königsdisziplin „Bester Film“. Hat „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ tatsächlich das Zeug zum besten Film des Jahres? Auch wenn ich den Film bereits jetzt für ein echtes Highlight des Kinojahres 2018 halte (nominiert ist er Aufgrund des US-Starts für das Jahr 2017), ist er für mich eher nicht der beste Film. Auch glaube ich nicht, dass er bei den Oscars neben den anderen möglichen Kandidaten eine echte Chance haben wird, wenn er denn überhaupt nominiert sein wird. Vor allem „Lady Bird“, der bei den Golden Globes übrigens als bester Film im Bereich Komödie/Musical ausgezeichnet wurde, traue ich da deutlich mehr zu.

Aber wen interessieren schon die Oscars? Gut, das sind schon einige Leute. Aber wie viele tolle Filme haben bei den vergangenen Preisverleihungen nichts gewonnen oder wurden nicht mal nominiert? Von daher Awards hin oder her. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist ein erstes Highlight meines jungen Kinojahres, das Lust auf mehr gemacht hat. Ein spannendes Drama mit viel schwarzem Humor, das ein bisschen an eine Mischung aus „Fargo“ und „Brügge sehen… und sterben“ erinnert. Viel Spaß im Kino!

Habt ihr den Film schon gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr die bisherigen Filme von Martin McDonagh? Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare.

Euer Ma-Go

 

Weitere Meinungen zum Film:

Die singende Lehrerin (10/10)

Adoring Audience (9,5/10)

Der Filmkürbis (8/10)

Going to the movies (8/10)

Der Stigler

Audio\Visuell (4/6)

Eccehomo42 (10/10)

Privatkino (7/10)

Ulrike tratscht Kino

Shalimas Filmweltenkritik (9/10)

Apokalypse Film (8,5/10)

Filmlöwin

Der Filmkritiker (9/10)

Kultur Tagebuch

Popkulturelle Differenzen

Filmaffe (9/10)

Minorherba

Verfilmt & Zerlesen

Umblaetternd

Advertisements

39 Kommentare zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Der beste Film des Jahres?

Gib deinen ab

  1. Den Film will ich unbedingt sehen, erstens, weil er einer der großen Favoriten in der Awardseason ist und zweitens, weil er unglaublich vielversprechend klingt. Mit Frances McDormand und Woody Harrelson sind zwei unglaublich begabte Hauptdarsteller an Board. Brügge sehen und sterben fand ich stark. Ich bin mir auch seiner Chancen nicht sicher. Allerdings glaube ich nicht, dass er von Lady Bird geschlagen werden kann, auch wenn dies aktuell der Top-Favorit scheint

    Gefällt 1 Person

  2. Also, „Three Billboards“ ist definitiv auch einer meiner Top Ten-Filme. Dass er für den Oscar als Bester Film nominiert wird, gilt als sicher. Die Gewerkschaft der Produzenten hat ihn als einen ihrer 11 und – was noch viel wichtiger ist – die Gewerkschaft der Schauspieler (die größte AMPAS-Gruppe bilden die Schauspieler) hat ihn auch als einen ihrer fünf Besten Filme (Best Ensemble) nominiert. Das ist ein sehr wichtiger Indikator für die Oscars. Die Golden Globes sind Preise von Journalisten, interessant, aber nie so wichtig wie die Preise (und Nominierungen) innerhalb der Filmindustrie. Ich setze ja seit September darauf, dass „Three Billboards“ den Oscar als Bester Film gewinnen kann. Bisher wurde ich noch nicht davon überzeugt, dass ein anderer Film ihm den Oscar streitig machen kann. Jetzt mit den GGs haben wir endlich ein Oscar-Rennen, beispiellos spät in irgendeiner Oscar-Saison, an die ich mich erinnere. Der Oscar Bester Film wird durch ein preferential voting ermittelt, das darf man nie vergessen. Wenn die Academy-Mitglieder sich nicht von vornherein auf einen Film einigen können (wie man bei scheinbar so vielen Favoriten-Filmen davon ausgehen kann), geht die Auszählung in die zweite Runde, dann zählen die Filme, der Academy-Mitglieder, die sie auf Platz 2 und 3 gesetzt haben. „Three Billboards“ ist ein Film, den ich bei vielen Mitgliedern der neuen Academy!!!!, nicht nur auf Platz 1, sondern auch auf Platz 2 oder 3 sehe, dasselbe gilt aber auch für „Lady Bird“. Letztlich gewinnt immer der Film, auf den sich alle Academy-Mitglieder irgendwie einigen können. In diesem Jahr, das im Zeichen der sexuellen Belästigung und des Machtmissbrauchs durch Männer in Hollywood steht, kann ich mir nur vorstellen, dass ein Film mit einer Frau in der Hauptrolle den Oscar gewinnt. Damit wären wir wieder bei „Three Billboards“, „Lady Bird“ (und evtl. Shape of Water, The Post – letzteren habe ich gestern gesehen, kann ich mir nicht vorstellen). „Get Out“ (auch von der Schauspiel-Gilde nominiert) sehe ich derzeit als möglichen Oscar-Gewinner-Film auch weiter vorne, dieser Film thematisiert Rassismus, hat aber keine zentrale Frauenrolle.

    Welcher Film wäre für Dich denn der beste Film, bzw. der Film, der am meisten Chancen auf einen Oscar hat?

    Gefällt 2 Personen

    1. Sehr interessante Erläuterungen, jeder der genannten Filme hat für mich mindestens ein disqualifizierendes No-Go. Daher ist es dieses Jahr auch so spannend. Ob die neue Academy so anders votet als die alte bezweiele ich allerdings. Da ich bisher keinen der Favoriten gesehen habe, habe ich keinen persönlichen Favoriten. Mich würde es einfach freuen, wenn der beste Film gewinnt. Einer der anspruchsvoll und unterhaltsam ist. Egal, ob starke Frauenrolle oder gegen Rassismus oder was weiß ich.
      Ich glaube aktuell, dass Three Billboards gewinnen wird.

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich bin mir noch nicht sicher, es kann noch so viel passieren. Wenn ich alleine sehe, was von meiner ersten Prognose bis jetzt alles ans Tageslicht gekommen ist. In dem Moment, in dem „Three Billboards“ oder „Lady Bird“ offiziell als Oscar-Favoriten ausgerufen werden, beginnen die ganzen Schmutzkampagnen (auch wenn Harvey Weinstein nicht mehr da ist). Die alte Academy hätte große Kinoproduktionen wie „The Post“, „Dunkirk“ oder Biopics wie „Darkest Hour“ bevorzugt, das ist mit der neuen Academy anders, denke ich, sie geben auch kleineren Produktionen wie „Spotlight“ und „Moonlight“ den Oscar – die hätten es ohne das preferential voting auch nie geschafft. Außerdem glaube ich, dass AMPAS – mehr als früher – den Zeitgeist treffen will.

        Gefällt 1 Person

        1. Das sehe ich leicht anders. Dunkirk hätte noch weniger Chancen und generell glaube ich, dass die Oscars dieses Jahr eigentlich einen Film, der auch das Publikum zufriedenstellt, gewinnen lassen muss. Deswegen wären The Post und Get Out Favoriten. Spotlight hätte glaube ich immer den Oscar gewonnen, erstens, weil ich ihn für einen grandiosen Film handelt und zweitens, weil er in die Reihe der gesellschaftlich Relevanten Filme gehört. Moonlight hätte meiner Meinung nach nicht gewinnen dürfen. Das war das nachträgliche Wir sind nicht Homophob auszeichnen…

          Gefällt 2 Personen

          1. Ich glaube, dass ist AMPAS schnurz, was das Publikum über den Film denkt. Oder anders, die Filme, die nominiert werden, sind meistens alle beim Publikum beliebt, der eine mehr, der andere weniger. Sie wählen ja auch nicht in einer Sitzung, die Wahl ist geheim. Jeder macht sein Kreuz (bzw. wählt seine Lieblinge). Keiner weiß wirklich, was die anderen wählen. Im „Spotlight“-Jahr waren „The Big Short“ und „The Revenant“ auch im Rennen, die beiden letztgenannten mochten viele, aber einige auch nicht. „Spotlight“ war der einzige Film auf den sich alle einigen konnten. Er hatte auch eine gesellschaftliche Relevanz (wie Du sagst), wie auch „Moonlight“, insbesondere bei einem, gerade frisch vereidigten, rassistischen Präsidenten, das ist dieses Jahr dann eher „Get Out“, in wesentlich subtilerem Maße „Three Billboards“. „Lady Bird“ hat das nicht, aber es ist zum Beispiel ein Film, den irgendwie alle gut finden und keiner hasst. Ich quatsch mich selber gerade eher in einen Oscar-Gewinn für „Get Out“ oder „Lady Bird“ rein. :))

            Gefällt 2 Personen

          2. Bei Lady Bird kann ich mir das nicht vorstellen, vielleicht hab ich auch eine zu starke Abneigung gegen Gretha Gerwig. Get Out wäre bestimmt ein guter Sieger, ich muss gucken, dass ich ihn irgendwie sehe, sollte er tatsächlich nominiert werden.

            Gefällt 2 Personen

          3. Ich mag Greta Gerwig auch nicht als Schauspielerin. Habe sie aber mittlerweile in vielen Interviews gesehen, da kommt sie sehr sympathisch rüber, es war auch m.E. eine gute Entscheidung, dass sie in ihrem Film selbst nicht mitspielt. Du hast „Get Out“ noch nicht geschaut? Ich habe ihn erst letztens zum dritten Mal geguckt – na oberflächlich ist diese Horrorkomödie, die im Februar ins Kino gekommen ist, wohl ein sehr ungewöhnlicher Favorit für die Oscars.

            Gefällt 1 Person

          4. Ich mag diese Attitüde, die sie hat, nicht. Dieses sie ist moralisch, sie ist revolutionär, sie gerecht etc. Sie ist einer dieser Menschen, die sich als ganz besonderes sehen und immer im Mittelpunkt sein wollen. Daher sagt mir ihr Film, eine verkappte Pseudobiografie erstmal nicht zu und ich werde ihn mir nur bei einem BP-Sieg ansehen…

            Gefällt 1 Person

          5. „„Lady Bird“ hat das nicht, aber es ist zum Beispiel ein Film, den irgendwie alle gut finden und keiner hasst. “

            Und es spielt eine Frau die Hauptrolle. Eine süße, goldige noch dazu. Perfekt. Und genau deswegen wird der Film gewinnen. Mikro fällt. 😉

            Gefällt 1 Person

    2. Hi!

      „In diesem Jahr, das im Zeichen der sexuellen Belästigung und des Machtmissbrauchs durch Männer in Hollywood steht, kann ich mir nur vorstellen, dass ein Film mit einer Frau in der Hauptrolle den Oscar gewinnt.“

      Genau das erwarte ich auch. Nur muss man leider zwischen „Frau“ und „Hollywood Frau“ unterscheiden. Und McDormand gehört sicher nicht zur zweiten Kategorie. Das ist nicht meine Meinung. Aber mir fehlt der Glaube daran, dass ausgerechnet ein Film mit einer „Nichthollywoodkompatiblen“ gewinnen wird. Verdiet hätte McDormand (und Three Billboards) es ohne Frage.

      „Get Out“ (auch von der Schauspiel-Gilde nominiert) sehe ich derzeit als möglichen Oscar-Gewinner-Film auch weiter vorne, dieser Film thematisiert Rassismus, hat aber keine zentrale Frauenrolle.“

      Ja, die Rassismus-Karte wurde letztes Jahr ausgespielt. Dieses Jahr sind die Frauen dran. Hinzu kommt, dass Get Out dem falschen Genre angehört. Oder hat schon mal ein Horror-Thriller gewonnen? Ich kann es mir nicht vorstellen.

      „Welcher Film wäre für Dich denn der beste Film, bzw. der Film, der am meisten Chancen auf einen Oscar hat?“

      Von den Filmen, die im Gespräch sind und/oder die bei den GG nominiert waren und ausgezeichnet wurden, habe ich nur The Disaster Artist gesehen. Von daher kann ich nicht sagen, welches für mich der beste Film ist. Vielleicht Blade Runer? Zumindest bei den Effekten und der Regie sehe ich persönlich weit vorne. Aber darum geht es nicht. Bei meiem diesjährigen Tippspiel setze ich auf Lady Bird als besten Film.

      Gefällt 1 Person

      1. Die #metoo-Bewegung hat ja schon längst weitere Kreise gezogen, erst war es Hollywood, dann die gesamte Entertainmentbranche (einige sehr bekannte Moderatoren mussten ihren Hut nehmen) und schließlich auch andere, normalere Arbeitsfelder. Also, habe ich mich falsch ausgedrückt, Hollywood vordergründig, aber diese Bewegung ging und geht um die Welt.

        Was ist eine Frau und was ist eine Hollywood-Frau? Ich frage ernsthaft.
        Frances McDormand ist hochrespektiert in Hollywood, das hat man auch am Sonntag gesehen als sie gewonnen hat. Sie hat einen Oscar, das sehe ich derzeit als einzigen Nachteil was ihre Person und die Auszeichnung mit ihrem zweiten Oscar angeht. Was „Three Billboards“ angeht, der letzte Film, der den Oscar mit einer Frau in der Hauptrolle gewonnen hat, war „Million Dollar Baby“ im Jahr 2004. Hilary Swank hat seinerzeit eine Frau aus der Unterschicht gespielt. Nachdem sie einige Jahre zuvor für ihre famose Transgender-Rolle in dem exzellenten „Boys Don´t Cry“ den Oscar gewonnen hat, wurde sie für „MDB“ mit ihrem zweiten Oscar ausgezeichnet. Ich weiss ja nicht wirklich was Du unter Hollywood-Frau verstehst, aber Hilary Swank ist auch keine glamouröse Hollywood-Schönheit.

        Ich glaube nicht, dass mit der Auszeichnung von „Moonlight“ das Rassismus-Problem bei den Oscars, aber mehr in Hollywood gelöst und vergessen ist. Auch glaube ich mittlerweile, dass es kein falsches Genre bei den Oscars mehr gibt. Der einzige Film des Thriller/Horror-Genres, der jemals den Oscar gewann, ist „The Silence of the Lambs“ im Jahr 1991. Aber die Zeiten ändern sich. Es hat auch nie ein Fantasy-Film gewonnen, bis „Lord of the Rings“ gewann. Es hat übrigens auch noch nie ein Coming-of-Age-Film den Oscar gewonnen und jetzt haben wir „Lady Bird“, der evtl. den Oscar gewinnen könnte und auf den Du setzen willst. „Lady Bird“ ist aber gesellschaftlich irrelevant. „Three Billboards“ ist da relevanter, eine wütende Mutter, die es nicht ertragen kann, dass die Polizei – sich in ihren Augen – einen Scheiss darum kümmert, den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter zu finden und der Rassismus innerhalb der Polizei. Der Film ist viel subtiler in seiner Botschaft, aber ein Drama mit einer guten Portion Humor. Gestern sind die BAFTA-Nominierungen (die britischen Oscar-Nominierungen) herausgekommen. Sehr viele Briten sind Academy-Mitglieder und sie haben bei den BAFTAS „Lady Bird“ nicht als einen ihrer fünf besten Filme nominiert, „Three Billboards“ sehr wohl. Wie gesagt, ich bin selbst noch unschlüssig. „The Shape of Water“ würde ich auch nicht ausschließen, obwohl er keine SAG-Nominierungen (Bester Film) hat.

        Gefällt 1 Person

        1. „Was ist eine Frau und was ist eine Hollywood-Frau? Ich frage ernsthaft.“

          Das war suboptimal ausgedrückt. Was ich damit sagen wollte war, dass McDormand weder in ihrem Auftreten wie eine klassiche Hollywood Diva Auftritt, noch sich medienwirksam verkauft. Das sage ich jetzt vollkommen wertfrei. Übrigens fand ich ihre Rolle in Fargo weder sonderlich gut, noch als richtige Hauptrolle. Aber das ist ein anderes Thema.

          „der letzte Film, der den Oscar mit einer Frau in der Hauptrolle gewonnen hat, war „Million Dollar Baby“ im Jahr 2004. Hilary Swank hat seinerzeit eine Frau aus der Unterschicht gespielt. “

          In Million Dollar Baby geht es aber um eine Frau, die ihren Traum lebt und die an etwas glaubt. Die Amerikaner lieben Underdog Geschichten. Noch dazu, wenn eine etwas kitschige Vater-Tochter-Beziehung zum grummeligen Clint Eastwood entsteht. Eine „Hollywood-Frau“ ist bei aller Toughness immer noch goldig und liebenswert. Wie eben Swank in MDB.

          Kristen Stewart zum Beispiel ist keine „Hollywood-Frau“. Wie gesagt der Begriff war von mir nicht gut gewählt, weil ich selbst keine passende Definition dafür habe.

          Warten wir einfach ab was die Verleihung bringt.

          Gefällt 1 Person

          1. Okay, Frances McDormand verkauft sich sicherlich nicht medienwirksam. Daran hat sie überhaupt kein Interesse, bei ihr steht die Arbeit im Vordergrund und letztlich sollte immer die Arbeit im Vordergrund stehen, wenn es um irgendwelche Preisverleihungen, insbesondere die Oscars, geht. Mir ist natürlich klar, dass wir mittlerweile in einer anderen Zeit leben, jeder versucht sich bestmöglich zu verkaufen. Dieses Jahr haben wir aber nun mal zwei Schauspieler der alten Schule (Frances McDormand und Gary Oldman), die wirklich kein Interesse an PR haben, sie wollen – wenn überhaupt – nur, dass ihre Arbeit anerkannt wird. Ob das in der heutigen Zeit reicht, wird man am Ende sehen.

            Die Frage ist natürlich auch, ob man den Charakter, den die Schauspielerin portraitiert wirklich sympathisch und liebenswert finden muss. Reicht es nicht aus, authentisch zu sein? Frauen werden immer anders bewertet als Männer, möglichst – wie Du auch sagst – sollen Frauen goldig und liebenswert sein, Männer werden gerne für den Macher, ihre fiese Rolle oder den augenzwinkernden Bösewicht ausgezeichnet. Ist das nicht sexistisch?

            Kristen Stewart finde ich persönlich ziemlich hübsch und auch talentiert. Sie ist aber für Hollywood-Verhältnisse unangepasst und hat im Gegensatz zu vielen anderen in ihrem Alter keine Lust, sich glamourös zu präsentieren. Mir ist das sehr sympathisch, sie will für ihre Arbeit ernstgenommen werden.

            Natürlich kann man die Verleihung abwarten. Für mich ist das blinde Raten aber langweilig, im Nachhinein könnte ich einen zehnseitigen Beitrag darüber schreiben, warum der oder der Film gewonnen hat. Die Spekulation, das Abwägen der Statistiken, das Hineinversetzen in die Academy, das Erkennen des Zeitgeistes ist für mich das Interessante.

            Gefällt 1 Person

          2. „Ist das nicht sexistisch?“
            Doch. Aber es ist die Realität, oder?

            Kristen Stewart nehme ich genauso wahr wie du. Aber ihr Ruf (auch unter Filmfans) ist nicht gerade gut.

            „Die Spekulation, das Abwägen der Statistiken, das Hineinversetzen in die Academy, das Erkennen des Zeitgeistes ist für mich das Interessante. “

            Ja das Gefühl habe ich auch 🙂 Finde ich auch gut. Ich persönlich rate auch nicht einfach nur ins Blaue hinein. Ich habe ja erklärt,warum Lady Bird gewinnen wird 😛

            Gefällt 1 Person

  3. Love It. McDonaghs bester Film. Es wäre beinahe mein Film des Jahres geworden im letzten Jahr.
    Die Nominierungen für das Drehbuch sind ziemlich offensichtlich. Die für Frances McDormand eigentlich auch, weil es nicht so viele starke Rollen für Frauen gibt.

    Gefällt mir

  4. Ich gebe hier auch mal meinen Senf dazu!

    Guter Beitrag!Sehe ich auch so,überzeugendes Drehbuch,frei von der Leber weg inszeniert, mit tollen Darstellern bis in die kleinsten Nebenrollen,eine wunderbare Aneinanderreihung von Tabubrüchen und verbalen Entgleisungen, drastisch,frech und erfrischend zugleich, so wie der Schnabel gewachsen ist.

    Ich habe mich hervorragend unterhalten,im Prinzip ist mir daher auch egal, ob ein Film hier oder da Preise gewinnt. Da bin ich ein wenig egoistisch eingestellt!

    Gefällt 1 Person

  5. servus. zum ersten mal auf deiner seite. vl schaust du auch mal auf meinen filmblog. zum film: ich war sehr überrascht über den großen erfolg bei den Globes, war ja doch ein „outsider“. ich habe ihn noch nicht gesehen, werd ich aber vl. noch

    Gefällt 1 Person

Ja, hier darfst du gerne etwas schreiben. Trau dich! :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: