Film: Toni Erdmann

Hallo Filmfreunde,

nachdem der liebe Zack, seines Zeichens Initiator der September-Challenge, nach meinem letzten Beitrag einen Shitstorm gewaltigen Ausmaßes gegen mich losgetreten hatte, habe ich mir fest vorgenommen beim nächsten Artikel wieder mehr Sorgfalt walten zu lassen.

Im vierten Teil der Challenge soll es nun um einen Film gehen, der mit dem Buchstaben „T“ beginnt. Die Auswahl war dieses Mal erstaunlich groß. Doch letztendlich fiel meine Wahl auf diesen Film:

Toni Erdmann

TE
Quelle: http://www.imdb.com/title/tt4048272/?ref_=ttmi_tt

Toni Erdmann“ war 2017 als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert und wurde von vielen Seiten überschwänglich gelobt. Ich hatte im Rahmen der Oscar-Verleihung ein wenig über den Film gelesen und mir war anhand der Kritiken sehr unsicher, ob mir Maren Ades Vater-Tochter-Drama gefallen könnte oder nicht. Eine Sache sei vorweg genommen. Nach der Sichtung bin ich diesbezüglich so schlau als wie zuvor.

Toni Erdmann“ ist ein sehr merkwürdiger Film. Nach den ersten Minuten und der Szene mit dem Paketboten und dem Schulauftritt konnte ich mich eines Gedanken nicht erwehren: „Na das können ja lange 160 Minuten werden…“

Nach etwa einer halben Stunde war ich dann emotional voll im Film drin und folgte mit einer Mischung aus Neugier und Traurigkeit den kläglichen Interaktionsversuchen zweier Menschen, die sich eigentlich nahe stehen sollten.

Peter Simonischek spielt den schrulligen Vater Winfried, der unangekündigt seine Tochter Ines (Sandra Hüller) in Rumänien besucht, wo diese arbeitet. Es stellt sich heraus, dass Ines in ihrem Job und mit ihrem Leben sehr unzufrieden und unglücklich ist, wovon der entfremdete Vater nicht das Geringste wusste. Darauf schlüpft Winfried in die Rolle des schrägen Life-Coachs Toni Erdmann, um seiner Tochter zu zeigen, was es eigentlich bedeutet zu leben und was die wichtigen Dinge im Leben sind.

 

Ich muss sagen, dass die humoristischen Elemente des Films bei mir überhaupt nicht funktioniert haben. Die emotionalen hingegen sehr wohl. Die Dialoge waren an machen Stellen recht hölzern und teilweise auch unglaubwürdig vorgetragen. Dafür waren die sprachlosen Momente, in denen Hüller und Simonischek ihre Figuren mit Gefühl und Leben füllen umso besser.

Auf Grund der doch recht langen Laufzeit merkte ich dann, wie nach etwa 100 Minuten eine gewisse Ermüdung bei mir einsetzte, nachdem ich das Gefühl hatte verstanden zu haben, wie die beiden Protagonisten ticken und fühlen. Hier hätten einige Szenen getrost weggelassen werden können. Erstaunlicherweise bekommt der Film dann in der letzten halben Stunde die Kurve doch noch und ich war wieder vollumfänglich involviert und auch nach dem Abspann noch gedanklich mit dem Gesehenen beschäftigt.

Was lässt sich also abschließend über „Toni Erdmann“ sagen? Der Film ist sicher einiges: zu lang, ergreifend, nachdenklich, unlustig, schräg und ganz sicher keine einfache Kinounterhaltung. Vielleicht hängt die Frage, ob man den Film als gut oder schlecht bewertet damit zusammen, wie glücklich man selbst mit dem eigenen Leben und den geknüpften Beziehungen darin ist. Ich persönlich bin was den Film angeht noch sehr unentschlossen und bin daher auf eure Meinungen zum Film gespannt. Habt ihr ihn gesehen? Wie fandet ihr ihn? Schreibt es mir in die Kommentare.

Meine bisherigen Filme der September-Challenge:

S —> Slumdog Millionär

E —> Enemy

P → Pulp Fiction

T → Toni Erdmann

 

Weitere Teilnehmer der Challenge:

Zacksmovie → „T“ wie Toni Erdmann

Hotaru –> „T“ wie Tremors – Im Land der Raketenwürmer

Shalima – „T“ wie Trumbo

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15 Kommentare zu „Film: Toni Erdmann

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  1. Toni Erdmann ist so gut, dass er weder Goldene Palme noch Oscar braucht. Der beste deutsche Film der letzten zehn Jahre.
    „Maren Ades dritter Langfilm ist eine tiefgründige Tragikkomödie, die handwerklich hervorragend ist und mit zwei starken Hauptdarstellern überzeugt.“

    Gefällt 1 Person

  2. Kann verstehen, dass man sich mit dem Humor schwertut, der bei mir auch erst hinterher gewirkt hat, dafür aber richtig. Wenn ich in einer größeren Runde auf der Arbeit sitze und man bei allen Ermüdungserscheinungen beobachtet, man eigentlich nichts zu sagen hat, dann wünsche ich mir oft den Toni herbei, der uns wieder Leben einhaucht.

    Gefällt 1 Person

  3. Zwei wunderbar agierende Hauptfiguren. Einige seltsam skurrile Szenen (der Anfang, die Party, die Gesangseinlage) und viel Gesagtes im Nichtgesagten. „Toni Erdmann“ versteht es die Zwischentöne zum Hauptdarsteller zu machen. Die kleinen Gesten, die kurzen Dialoge, die Bilder ohne irgendeine tiefere Bedeutung avancieren zu den eigentlich wichtigen Merkmalen dieses Films, weil sie die agierenden Personen so offenbar bloßstellen und ihnen die emotionale Gleichgültigkeit direkt vors Gesicht halten. „Toni Erdmann“ ist nicht nur die Geschichte zweier verlorener Menschen auf der Suche nach dem Sinn, sondern ganz unbedingt auch eine Parabel auf eine egoistisch-oberflächliche Businesswelt voller automatisierter Zombies.

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