Streng geheime Filmtipps: Folge 10

Jack

Jack

Filmdaten:

Genre: Drama

Mit: Ivo Pietzcker

Jahr: 2014

Land: Deutschland

Regie: Edward Berger

Länge: 103 min

OT: Jack
Kurzinhalt und Trailer:

Jack ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner jungen Mutter und seinem kleinen Bruder in einer kleiner Wohnung in Berlin. Jacks Mutter vernachlässigt ihre Kinder, sodass Jack sehr früh lernen muss eigenständig zu sein und für seinen Bruder zu sorgen. Eines Tages brennt Jacks Mutter mit ihrer neuen Flamme durch und lässt ihre Kinder zurück. Hungrig und alleine irren die beiden Jungen durch die Stadt, um ihre Mutter zu suchen.

 

Nun hat es doch tatsächlich auch ein deutscher Film in diese Reihe geschafft. 2014 lief der Film im Rahmen des Festivals des deutschen Films, auf dem ich mich jedes Jahr emsig herumtreibe.

Jack“ ist ein ausgesprochen merkwürdiger Film. Auf der einen Seite ist er auf Grund seiner Lebensnähe und ernsten Thematik unfassbar deprimierend. Der Zuschauer fühlt mit den mutterlosen Jungen, die hungrig und verloren durch die Großstadt streifen. Mit zunehmender Filmdauer entwickelt sich ein regelrchter Zorn über die Gleichgültigkeit der jungen Mutter, die sich lieber ihrem frivolen Partyleben hingibt anstatt sich um ihre Kinder zu kümmern.

Auf der anderen Seite ist der Film aber auch nicht realistisch genug, da die Folgen der Vernachlässigung zu keiner Zeit wirklich sichtbar werden. Jack ist ein Zehnjähriger wie ihn sich die meisten Eltern wünschen würden. Er ist selbstständig, höflich, fürsorglich und einfühlsam. Man könnte also sagen, die unfähige Mutter hat in ihrer Erziehung vieles richtig gemacht.

Leider entwickeln sich jedoch die wenigsten Kinder, die Opfer von Vernachlässigung werden, so positiv wie Jack und dessen kleiner Bruder Manuel. Wenn ich durch die Stadt gehe sehe ich häufig Kinder, die sich gegenseitig bespucken, prügeln, respektloses Verhalten gegenüber Erwachsener zeigen oder gar mutwillig Sachen kaputt machen. Natürlich werden nicht alle davon vernachlässigt. Aber zumindes scheint in der Erziehung der kleinen Rotzgören irgendetwas schief zu laufen. Genau dieser Aspekt fehlt meiner Meinung nach in Edward Bergers Film komplett. Der Zuschauer schüttelt zwar den Kopf, ist aber gleichzeitig froh dass Jack allen Widrigkeit seiner Kindheit trotzt und seinen Weg geht.

Trotzdem ist „Jack“ auf jeden Fall ein sehenswerter Film, da er nicht nur die Probleme des (deutschen) Jugendamts aufzeigt, sondern auch das Verhalten der Erwachsenen kritisch beleuchtet. Neben Jacks Mutter scheinen auch alle anderen Erwachsenen sich überhaupt nicht dafür zu interessieren, dass mitten in der Nacht zwei Grundschüler mit einem Schlafsack unter dem Arm durch die Gegend streifen, anstatt in ihrem Bett zu liegen. Wie realistisch dies wiederum ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. In jedem Fall vermittelt der Film das bedrückende Gefühl, dass die meisten Kinder zwar robuster sind als mancher erwarten würde, oftmals aber hilflos in der Welt der Erwachsenen umherirren, in der sich keiner für ihre Kinderprobleme interessiert.

Na, Interesse geweckt? Werdet ihr euch den Film ansehen oder kennt ihr ihn schon?

Schreibt mir eure Meinungen dazu in die Kommentare.

Lust auf noch mehr streng geheime Filmtipps? Dann ist ja vielleicht unter den bisherigen Folgen der Serie etwas für euch dabei…

1. Spurlos – Die Entführung der Alice Creed

2. Inhale – Um jeden Atemzug

3. Everybody’s fine

4. Trust – Die Spur führt ins Netz

5. The Returned – Weder Mensch noch Zombie

6. Retreat

7. Them

8. Rabbit Hole

9. The Sessions

 

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7 Antworten zu “Streng geheime Filmtipps: Folge 10

  1. Wie ist denn die schauspielerische Leistung von Ivo Pietzcker?
    Ich habe ihn in „Nebel im August“ gesehen und war wirklich begeistert.

    Gefällt 2 Personen

    • Ich bin immer schnell von Kinderschauspielern genervt. Häufig ist es ja im Alltag so, dass Kinder etwas machen und man als Erwachsener denkt: „Oh… schön ist anders. Aber für das Alter wohl ganz in Ordnung.“ So gehte s mir bei den jungen Schauspielern oft. In Pietzckers Fall muss ich jedoch sagen, dass er seine Rolle WIRKLICH glaubwürdig und authentisch spielt. Insofern kann ich deinen Eindruck eigentlich nur bestätigen 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Ich konnte diesen Film bisher noch nicht sehen, kann diesen Kommentar aber mit reinen Gewissen bestätigen. Ich sah Ivo Pietzcker in „Nebel im August“ und bin sofort von seiner Darbietung begeistert gewesen. Auch die Interviews zum Film, die er im Making-Of gab, zeugten von einer hohen Glaubwürdigkeit und Reife. Da darf man wohl auf jeden Fall auf „Jack“ gespannt sein.

        Gefällt 1 Person

  2. Sollte mir der Film unter kommen werde ich ihn mir auf jeden Fall dank diese Geheimtipss anschauen ;-)!
    Find übrigens die ganze Idee und das Format total spannend und interessant ;-)!

    Mir geht es mit Kinderschauspielern ähnlich. Aber ich hab erst letztens ein Beispiel für eine wirklich hervorragende Schauspielleistung eines Kindes gesehen und zwar in „Begabt“ – ein Film den ich empfehlen kann.
    Die Rezension findet ihr hier:
    https://mediaffinblog.wordpress.com/2017/06/13/begabt-die-gleichung-eines-lebens-filmrezension/

    Gefällt 1 Person

  3. Ah, der kam mir doch gleich so bekannt vor: Ivo Pietzcker. Hatte letztens Nebel im August gesehen. Bin gespannt, wohin sein Weg in nächster Zeit so führt. Thematisch passt Jack zu ihm, Pietzcker wirkt ein bisschen schüchtern-rebellisch.

    Gefällt 1 Person

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