Film: Eye in the sky – Über Verantwortung und Moral

Hallo Filmfreunde,

es ist mal wieder Zeit für ein bisschen „Filmtratsch“. Bereits vor einigen Wochen habe ich mir den britischen Film „Eye in the sky“ von Gavin Hood angeschaut und war ziemlich begeistert. Darin geht es um Verantwortung und Moral im Kampf gegen Terroristen. Ein Thema, das leider sehr aktuell ist und deshalb ein Film, der es absolut wert ist geschaut zu werden.

Nach der Sichtung des Films hatte ich meinem Kollegen Filmlichter „Eye in the sky“ empfohlen und war überrascht, als ich festsstellen durfte, dass er als einer der wenigsten tatsächlich mal auf mich gehört hat. In seinem Artikel zum Film fasst er den Inhalt des Films sehr schön zusammen:

Der britischen Colonel Katherine Powell (Helen Mirren) ist es nach sechs Jahren gelungen einige hochrangige Mitglieder der al-Shabaab Milizen bei einem Treffen in Nairobi, bei dem neue Rekruten initialisiert werden sollen, zu lokalisieren. Sie und ihr britischer Stab leiten dabei ein US-amerikanisches Drohnenteam, sowie kenianische Agenten vor Ort mit dem Ziel die hochrangigen Terroristen, darunter eine britische Konvertitin, zu verhaften. Als das Treffen jedoch in ein von der Miliz kontrolliertes Viertel der Stadt verlegt wird, wird ein direkter Zugriff für die kenianischen Truppen unmöglich. Die Mission wandelt sich zu einer gezielten Tötung durch die Raketen der Drohne. Da jedoch – nicht zuletzt durch im Haus befindliche Sprengstoffe – ein erhebliches Risiko für „Kollateralschäden“ besteht, beginnt bei den britischen Politikern, die in die Mission involviert sind, ein verzweifeltes Verschieben von Kompetenzen und Verantwortung. Als sich dann auch noch ein kleines Mädchen (Aisha Takow) vor der Mauer des Gebäudes niederlässt um Brot zu verkaufen, während die Rekruten drinnen ein Märtyrer-Video drehen und sich Sprengstoffwesten anlegen, besteht ein handfestes, moralisches Dilemma.“

Dieses Dilemma stellt gewissermaßen den eigentlichen Kern des Films dar. Ist es moralisch vertretbar das Leben unschuldiger Menschen zu riskieren, um einen Terroranschlag zu verhindern, bei dem möglicherweise eine vielfaches an Opfern zu beklagen wäre? Mit dieser Frage lässt der Film den Zuschauer mehr oder weniger allein. Statt eine vorgefertigte Antwort zu präsentieren, werden wir Zeuge einer Diskussion im Hintergrund, in der politische Enscheidungsträger aus Angst vor Konsequenzen und Imageschäden die Verantwortung weitergeben. Der Außenminister muss zunächst den Premierminister konsultieren, der wiederum genaue statistische Daten braucht und die Entscheidungsgewalt an juristische Regierungsberater weiterreicht. Und das alles während sich die Terroristen bereit machen und im Begriff sind sich auf den Weg zu machen. Das alles wirkt unglaublich absurd und rational nachvollziehbar zur gleichen Zeit. Vereinzelt lassen sich hier auch satirische Elemente feststellen, wenn zum Beispiel ein Premierminister, der in mitten dieser Krisensituation nach einem schwer bekömmlichen Mittagessen mit sehr profanen Problemen zu kämpfen hat und deswegen nicht erreichbar ist.

Der Titel „Eye in the sky“ bezieht sich auf die moderne, auf Hightech ausgelegte Kriegsführung. Unzählige Satelliten und Drohnen, die titelgebenden Augen im Himmel, ermöglichen eine absolute Überwachung. Die Drohen selbst werden aus sicherer Entfernung von einem amerikanischen Stützpunkt aus gesteuert. Von dort soll dann auch der Abschuss einer Rakete erfolgen, die die militärsichen Ziele eliminieren soll. Selbst als die Terroristen sich in ein Gebäude zurückziehen, ist es dem Militär möglich, mit Hilfe winziger Käferdrohnen diese zu infiltrieren und zu beobachten. Während und nach der Sichtung des Films, musste ich darüber nachdenken, wie realistisch diese im Film eingesetzte Technik heute schon ist. Ist es möglich, dass bereits Robo-Insekten durch die Gegend fliegen, um gezielt oder willkürlich Menschen zu beobachten? Zugegebenermaßen ein etwas paranoider Gedanke. Aber so richtig überrascht wäre wohl auch niemand, wenn es tatsächlich so wäre.

Eye in the sky“ ist jedenfalls ein spannender Film mit tollen Schauspielern (neben Helen Mirren auch Alan Rickman in einer seiner letzten Rollen), der viele interessante Aspekte zum Diskutieren bietet. Er zeigt, dass selbst wenn ein Feind eindeutig identifiziert weren kann, es unglaublich schwer ist richtig und falsch zu unterscheiden und zu entscheiden, wie viel Menschlichkeit bei der Bekämpfung des Übels bewahrt werden kann und muss.

 

Filmdaten:

Genre: Thriller

Mit: Helen Mirren, Alan Rickman, Aaron Paul

Jahr: 2015

Land: GB

Regie: Gavin Hood

Länge: 102 min

OT: Eye in the sky

 

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18 Antworten zu “Film: Eye in the sky – Über Verantwortung und Moral

  1. Ganz genau, großartiger und unbedingt empfehlenswerter Film. Leider ging der im Kino völlig unter.

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  2. Mit ein bisschen Abstand gefällt er mir fast noch besser. Ich war ja in meiner Besprechung ein wenig genervt von der Reduzierung auf ein etwas simplistisches, moralisches Dilemma aber die unterschiedlichen Arten des Umgangs damit, die uns der Film vorführt machen letztlich doch wieder mehr daraus.
    Es ist sehr schade, dass der Film hier (soweit ich weiß) nicht ins Kino gekommen ist. Es ist ein Film, der zu Nachdenken und Diskussion anregt, der vermutlich in der heterogenen Gemeinschaft eines Kinopublikums noch besser funktionieren kann, als als isolierte Gruppe (mit wahrscheinlich ähnlichen Ansichten) oder Einzelner zu Hause. Ich bin mir auch sicher er hätte sein Publikum gefunden (wenn er auch sicher kein Blockbuster geworden wäre).

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  3. Klingt spannend.
    Ich werde ihn im Hinterkopf behalten.

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