Film: Verleugnung – Über die Redefreiheit und alternative Fakten

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Hallo Filmfreunde,

es ist Zeit für ein bisschen „Kinotratsch“. Heute möchte ich ein paar Worte zu dem Gerichtsdrama „Verleugnung“ verlieren, das ich neulich im Kino gesehen habe. Darin geht es um ein in vielerei Hinsicht leider sehr aktuelles Thema: Alternative Fakten.

In „Verleugnung“ verfilmt Mick Jackson den realen Gerichtsprozess im Falle der amerikanischen Historikerin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) gegen den britischen Holocaust-Leugner und Rassisten David Irving (Timothy Spall).

Irving vertritt in seinen Publikationen die These, der Holocaust habe niemals stattgefunden und Konzentrationslager wie Auschwitz seien keine Vernichtungs-, sondern gewöhnliche Arbeitslager gewesen. Als Lipstadt ihn öffentlich als Hitleranhänger und Geschichtsfälscher bezeichnet, sieht sich Irving als Opfer und reicht am High Court of London eine Verleumdungsklage ein. Da es das britische Rechtssystem in solchen Fällen fordert, dass nicht Kläger sondern der/die Angeklagte die Beweislast trägt, liegt es nun an Lipstadt und ihren Anwälten zu beweisen, dass der Holocaust tatsächich stattgefunden hat und Irving wissentlich Fakten gefälscht oder zumindest voreingenommen interpriert hat.

Verleugnung“ ist auf Grund seiner doch recht konventionellen Erzählweise, ähnlich wie „Spotlight“ im letzten Jahr, vielleicht nicht unbedingt der spannendste, aber für mich auf jeden Fall einer der wichtigsten Filme des Kinojahres 2017.

Am Beispiel des geschilderten Falls zeigt der Film sehr deutlich und eindringlich, was es heißt angemessen und verantwortungsvoll mit sogenannten Fakten umzugehen. Gerade in Zeiten, in denen populistische Spinner angesagt sind wie schon lange nicht mehr und es auch ein Großteil der journalistischen Zunft mit der Wahrheit nicht mehr ganz so genau zu nehmen scheinen, setzt der Film ein deutliches Zeichen.

Im Laufe der Verhandlung wird dem Zuschauer mittels diverser Beweise häppchenweise aufgezeigt, wie Irving in seinen Arbeiten Fakten und Daten miteinander vermischt, für seine Thesen unpassende Aspekte ignoriert, Zitate und Dokumente aus ihrem Kontext reißt und an manchen Stellen einfach lügt.

Geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen kann man unterschiedlich interpretieren. Über Flüchtlingspolitik, Terrorgefahr und andere brisante Themen muss man offen diskutieren. Es wäre nicht nur falsch, sondern auch naiv und ignorant dies nicht zu tun. Aber eine Sache macht „Verleugnung“ ganz klar deutlich. An den Fakten gibt es nichts zu rütteln. Die Rede- und Meinungsfreiheit ist ein teures Gut, dass es unbedingt zu bewahren gilt. Alternative Fakten sind aber keine Meinung. Alernative Fakten sind Fälschungen und Lügen! Und darauf hat man meines Wissens kein Recht.

Zur Urteilsverkündug wirft der Film dann noch eine weitere interessante Frage auf. Inwieweit ist es möglich Menschen wie David Irving für ihr Verhalten verantwortlich zu machen? Denn bei aller Antipathie, die der Zuschauer der Figur entgegen bringen kann, beiben Irvings Motive unklar. Er scheint seine Parolen nicht aus populistisch-politischen Gründen in die Welt zu posaunen, um sich selbst dadurch einen Vorteil zu verschaffen. Erschreckenderweise scheint es bei ihm um eine tief verwurzelte und ernst gemeinte Überzeugung zu gehen. Selbst nach dem verlorenen Prozess, aus dem er als Lügner und Geschichtsfälscher hervor geht, ist sich Irving keiner Schuld bewusst und zeigt sich kein Stückchen geleutert. Auch wenn das Ergebnis dasselbe ist, stellt sich die Frage ob es einen Unterschied macht, ob jemand mit Absicht Fakten manipuliert, um Leserzahlen zu erhöhen oder Wählerstimmen zu gewinnen, oder ob er tatsächlich seiner unmoralischen und einfältigen Überzeugung Gehör verleiht.

 

„Verleugnung“ startet am 13.04. im Kino

 

Filmdaten:

Genre: Drama/Thriller

Mit: Rrachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson

Jahr: 2016

Land: USA/GB

Regie: Mick Jackson

Länge: 109 min

OT: Denial

 

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6 Antworten zu “Film: Verleugnung – Über die Redefreiheit und alternative Fakten

  1. „Denial“ hat mir auch richtig gut gefallen. Es ist wichtiger Film, den man sich anschauen sollte. Als ich mir den Film angeschaut habe, gab es den Begriff „alternative Fakten“ noch nicht – erschreckend wie sich unser Selbstverständnis für eine Wortwahl in so kurzer Zeit geändert hat.

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  2. Wie ich auch schon bei Spotlight gesagt habe, manche Themen verlangen einfach nach einer nüchternen Erzählweise. Jedes Sensationalisieren würde den Film, die Erzählung schwächen und unehrlich/nicht wahrhaftig wirken lassen. Ich habe Verleugnung zwar nicht gesehen, kann mich an den realen fall aber halbwegs erinnern und denke, dass das definitiv so ein Fall ist.
    Und Du hast völlig recht, „alternative Fakten“ (können wir sie bitte wieder Lügen nennen?) haben Hochkonjunktur. Und die idiotische, britische Gesetzgebeung zur Verleumdung wird seit Jahren von allerlei Spinnern (entschuldigung, alternativen Faktenschöpfern) als Waffe gegen internationale Skeptiker und Journalisten eingesetzt. Denn steht es auf englisch im internet, kann es in UK geklesen werden, folglich kann man auch da klagen.
    Der Film wäre schon der Besetzung wegen Pflicht aber dank der Thematik wird er wohl wirklich „wichtig“. So wenig ich das Wort auch mag.

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    • Da muss ich jetzt aber mal nachfragen. Wie alt bist du denn, wenn du dich daran erinnern kannst? 😉

      Der Vergleich zu Spotlight kam mir auch direkt in den Sinn. Deswegen habe ich das auch im Text kurz erwähnt. Wenn du die Möglichkeit hast, schau dir den Film auf jeden Fall an!

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      • Ooooh, so wahnsinnig alt! 😉
        Nein, ich habe vor ein paar Jahren nen Artikel dazu gelesen, wahrscheinlich erinnere ich mich nur an den.
        Aber ist der Fall nicht von 2000 oder so? Das war doch gerade gestern (ich sage das, als jemand der 1997 tatsächlich letztes Jahr als „vor Kurzem“ umschrieben hat)!

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