Filmkritik: Plötzlich Papa

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© Tobis

Hallo Filmfreunde,

nach ein paar Ausflügen nach Hollywood ist Omar Sy nun wieder in einem französischen Film zu sehen. Ob er damit an seinen größte Erfolg „Ziemlich beste Freunde“ (2011) anknüpfen kann, erfahrt ihr hier.

In „Plötzlich Papa“ spielt Omar Sy den Playboy und Partylöwen Sam, der es ordentlich krachen lässt und das Leben in vollen Zügen genießt. Eines Tages taucht unverhofft Sams flüchtige Affäre Kristin (Clémence Poésy) auf, drückt dem überrumpelten Papa das gemeinsame Baby in den Arm und verschwindet wieder.

 

In der Folge entwickelt sich eine rührselige Tragikomödie, in der der zunächst überforderte Vater versucht die Verantwortung für das Kind abzugeben, um es letztendlich dann doch zu behalten und aufzuziehen. Omar Sy spielt wie bereits in „Ziemlich beste Freunde“ den lebensfrohen, extrovertierten Chaoten mit großem Herzen und verleiht seiner Figur damit eine Menge Charisma und sympathische Ausstrahlung. Womit die Stärken des Films zum Großteil auch schon abgedeckt wären.

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© Tobis

Denn auch wenn die Story hier und da mit einer unerwarteten Wendung überraschen kann, bleibt selbst Sys Figur größtenteils blass und eindimensional. Eine Verwandlung vom Playboy zum Vater bleibt aus. Sams Charakter verändert sich auch in neuer Rolle kaum. Er lebt relativ verantwortungslos und schafft für seine Tochter eine Welt ohne Regeln voller Spaß und Action. Da sich die Handlung überwiegend in London abspielt und Sam selbst nach acht Jahren kaum englisch spricht und versteht, übernimmt seine Tochter Gloria (Gloria Colston) die Rolle der Dolmetscherin und hilft ihrem Vater dabei, ihr gemeinsames Leben zu organisieren. Die 12-jährige Gloria Colston gibt hier ihr ein bemerkenswertes Filmdebüt, in dem sie ihren Film-Papa Omar Sy phasenweise sogar in den Schatten stellt.

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Trotz seiner beiden gut aufspielenden Hauptdarsteller funktioniert „Plötzlich Papa“ jedoch hinten und vorne nicht. Das liegt zum einen daran, dass Handlungen und Verhaltensweisen der Figuren nicht immer glaubwürdig und nachvollziehbar sind. Zum anderen zündet der Humor des Films nur an sehr wenigen Stellen. Running-Gags wie Sams dauergeiler homosexueller Kumpel Bernie (Antoine Bertrand) oder Sams bereits erwähnte sprachliche Unzulänglichkeiten nerven bereits nach kurzer Zeit. Einzelne Nebenfiguren wie Gorias Schulleiterin oder Lehrerin beispielsweise wirken eher unglaubhaft als wirklich lustig.

Mögliche Geschlechterrollen und Erziehungsmodelle werden bestenfalls angekratzt und die Story wirkt ab der zweiten Hälfte teilweise arg konstruiert und oberflächlich. Am Ende des Films steht ein Mann, der anfangs sein Leben zu genießen wusste, und dann durch seine Tochter lernte das Leben zu genießen. Als wäre in den zwei Stunden dazwischen nichts Relevantes passiert.

Fazit:

Der Film ist nicht langweilig, aber auch alles andere als gut. Auch wenn die beiden Filme lediglich den Hauptdarsteller gemein haben und ein Vergleich deshalb nur bedingt Sinn macht, ist „Plötzlich Papa“ zwei Klassen schwächer als „Ziemlich beste Freunde“.

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24 Antworten zu “Filmkritik: Plötzlich Papa

  1. …ist „Plötzlich Papa“ zwei Klassen schwächer als „Ziemlich beste Freunde“

    Dafür müsste es eine neue Kategorie geben… Versuche gerade den Filmschrottplatz zu überreden, „Ziemlich beste Freunde“ mit aufzunehmen 😉

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    • Echt? Wieso das denn?

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      • Das hat mehrere Gründe. Erst einmal der Klischee-Schwarze und der Klischee-Reiche. Klar. Ein reicher Mensch mit Beeinträchtigung ist immer ein dankbareres Anschauungsobjekt. Warum sich mit den Schwierigkeiten der „Normalos“ abgeben, die aber jeden enzelnen Tag so viel cooler als dieser Typ sind. Was hatte der Mann für Probleme? Sex? Hätte der Film keinen ernsten Anspruch gehabt, wäre ja auch alles gut. Aber es war eben auch Drama und da konnte ich das so gar nicht ernst nehmen. Es war wieder das gewöhnliche „Oh guck mal. Dem muss ich den Hintern abwischen!“ Das ist ja mal was ganz neues.

        Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll…

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      • Ich verstehe was du meinst. Aber das meiste war doch (glaube ich) wirklich so (oder so ähnlich) zwischen den beiden. Habe ich zumindest mal gelesen.
        Was den Quoten-Schwarzen angeht hast du hingegen absolut Recht!
        Darüber hatte ich nich damals auch geärgert. Der echte Pfleger kam ja irgendwo aus Nordafrika. Marokko könnte sein.

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      • Wie so oft ist die wahre Geschichte sehr viel ernster, der Kriminelle sehr viel krimineller und gar nicht so nett und der Gelähmte depressiv. Es ist OK, das etwas zu glätten. Wirklich. Aber mir schlugt das so auf den Magen. Ich würde gern mal einen Film sehen, in dem diese Gefühle, die dort aufkommen auch präsentiert werden. Und zwar ungeschönt. Hier hatte ich immer den Eindruck, dass etwas ganz und gar nicht richtig ist. Aber vielleicht hat der mich auch auf dem falschen Fuß erwischt und ich kenne den Arbeitsbereich sehr gut. Da hat man auch noch mal einen anderen Blick drauf.

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      • Dieses Arbeitsbrreich-Phänomen kenne ich. Übrigens ging das bei mir so bei „Plötzlich Papa“. Aber ich will nicht zu sehr auf den Inhalt eingehen.

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      • Dein Kommi ist untergegangen. Sorry.

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  2. Ich habe auf „Gefällt mir“ geklickt, obwohl es eigentlich „Gefällt mir nicht“ heißen sollte.
    Ich erkläre kurz: Dein Artikel ist wieder einmal sehr gut geschrieben und ich kann mir ziemlich genau vorstellen, was du genau meinst.
    Allerdings wollte ich den Film im Kino sehen und werde es jetzt nicht tun. (

    (An dieser Stelle muss ich mich bedanken, dass ich nicht in einen Film gehen werde, der mich unter Umständen nur enttäuscht hätte.)

    Ich mochte den Trailer und ich finde „Ziemlich beste Freunde“ extrem gut. Ich hatte die Hoffnung, dass dieser Streifen ähnlich amüsant und unterhaltsam ist.
    Offensichtlich ist dem nicht so.
    Danke für deine Empfehlung… oder eben nicht.

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    • Mein lieber Zack 🙂
      Ich freue mich natürlich, dass du meine bescheidene Meinung als Grundlage für deine Kino Entscheidung nimmst. Aber das ist mir dann doch ein bisschen viel Verantwortung 😀 😀 😀
      Lies dir mal ein paar andere Kritiken durch. Bei letterboxd habe ich z.b. gesehen, dass der Film recht hohe Bewertungen bekommen hat.

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      • Du hattest mir mal „10 Cloverfield Lane“ empfohlen und auch deinen Artikel zu „Eden Lake“ fand ich extrem gut. Am Ende haben beide Filme bei mir nicht gezogen. Vielleicht sollte ich immer genau das Gegenteil davon tun, was du empfiehlst?! 😀

        Spaß bei Seite. Ich schätze deine Meinung und auch die aller anderen Blogger, die bei mir im Reader sind. Jetzt habe ich aber deinen Artikel schon gelesen und egal was ein anderer Blog sagt, in meinem Kopf sitzt der kleine Mann der immer wieder folgenden Satz sagt: „Bei Ma-Go steht aber, dass er schlecht ist.“

        Wie soll ich diese Stimme ausschalten? Mein Bauch sagt, dass ich dir in diesem Fall mal vertrauen sollte (so wie anderen beiden Male).

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  3. War ja klar, dass du jetzt wieder die Eden-Lake-Karte ausspielst 😀
    Aber was soll ich sagen? Dann spar dir dein Geld. Im Januar laufen ja noch ein paar andere interessante Filme 😉

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  4. Also Moment Mal. Stereotype bei Komödien sind neu? Das gehört sich aber wirklich nicht. „Ziemlich beste Freunde“ behauptet doch gar nicht, ein Sozial-Drama zu sein, oder habe ich den Ton falsch verstanden? Der Film ist pure comedy – oder würde sich jemand an den Stereotypen von „Manche mögen’s heiß“ stören – nicht alle Gangster sind gemein…

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  5. Du Sau, in deiner Tweet-Box rechts steht ja direkt, wie du ihn fandest. Ob wir damit noch quitt sind, ich weiß nicht. Muss besser aufpassen, muss besser aufpassen, muss besser aufpassen.

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  6. Hi, ich habe den Film auch geschaut und muss ebenfalls sagen, dass meine Erwartungen viel höher waren und mir irgendwie ein richtiger Höhepunkt gefehlt hat. Liebe Grüße😁

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  7. Pingback: Das Krimijahr 2017 | inge09

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