Filmkritik: The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

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© Sony Pictures

Hallo Filmfreunde,

spätestens seit Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ haben Haie bei Film- und Badefans nicht den besten Ruf. Umso beliebter scheinen sie hingegen bei Filmemachern und deren Publikum zu sein. Immerhin sind die Räuber der Meere ein oft genutztes Motiv in Werken wie „Open water“, „Deep Blue Sea“ oder auch die Trash-Reihe „Sharknado“. Diesen Sommer schickt sich Regisseur Jaume Collet-Serra an, mit „The Shallows“ den nächsten Hai-Horror-Thriller in die Kinos zu bringen. Ob der Film etwas taugt, erfahrt ihr hier in meiner Kritik.

Kurzinhalt und Trailer:

Nancy (Blake Lively) surft alleine an einem verlassenen Strand. Als sie plötzlich von einem Weißen Hai angegriffen wird, kann sich die durchtrainierte Blondine vorerst auf einem Felsen im Meer in Sicherheit bringen. Doch obwohl sie nur wenige hundert Meter von der rettenden Küste entfernt ist, wird der Weg dorthin zum ultimativen Willenstest. Ein nervenaufreibender Kampf um Leben und Tod beginnt…

(Quelle: Offizielle deutsche Seite zum Film)

 

Meine Gedanken zum Film:

In der heutigen Kinolandschaft findet man Originaldrehbücher und -stoffe nicht mehr allzu oft. Bekommt man dann in einem solchem Film dann auch noch eine Frau in der Hauptrolle präsentiert, muss man in Zeiten der Gender- und Geschlechterdiskussionen rund um die neuen (weiblichen) Ghostbusters beinahe schon von einer Rarität sprechen.

In „The Shallows“ spielt nun Blake Lively die (menschliche) Hauptrolle und läuft dabei zu Höchstform auf. In der kurzen Einführung zu Beginn des Films, erfährt der Zuschauer nur das Nötigste über die junge Frau. Nach einem schweren Schicksalsschlag befindet sich die Protagonistin Nancy auf einer Art Selbstfindung und sucht deshalb eine einsame Bucht auf, zu der sie eine persönliche Verbindung hat. Mit ihrer schauspielerischen Leistung trägt Lively den Film dann fast im Alleingang. Mit Freude, Schmerz, Verzweiflung, aber auch Hoffnung, Willensstärke und Überlebenstrieb packt sie einiges an Emotionen und Eigenschaften in ihre Figur, mit der der Zuschauer von der ersten Minute an mitfiebert.

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Blake Lively zeigt sich körperlich und schauspielerisch in Topform. © Sony Pictures

Ein bisschen aufdringlich setzt Regisseur Collet-Serra dann auch Livelys optische Vorzüge in Szene, wenn sie sich beispielsweise in Zeitlupe in die Wellen wirft oder ihr Bikinihöschen zurecht zupft, sodass der (zugegebener Maßen ansehnliche) Po zum Vorschein kommt. Und auch die durch den Surfanzug in Form gepressten Brüste sind einige Male in Nahaufnahme zu bestaunen. Das wird zwar vor allem die männlichen Kinobesucher nicht weiter stören. Allerdings hätte der Film dies auch nicht wirklich nötig gehabt.

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Da kommt Urlaubs-Feeling auf, oder? © Sony Pictures

Denn neben Blake Lievly sieht auch das Setting dank einer guten Kameraarbeit unglaublich gut aus. Schöne Landschaftsbilder wechseln sich mit Zeitlupenaufnahmen von brechenden Wellen ab und das Wechselspiel zwischen Über- und Unterwasseraufnahmen ist wirklich gelungen.

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Tolle Bilder sowohl über als auch unter Wasser © Sony Pictures

Obwohl die Handlung sich ausschließlich auf die Bucht und größtenteils auf die kleine Felseninsel beschränkt, auf die sich Nancy retten konnte, ist der Film durchgehend spannend. Das liegt vor allem daran, dass der Zuschauer bereits weiß, dass in der paradiesischen Idylle eine Gefahr in Form des gefürchteten Hais lauert. Collet-Serra gelingt es, einen spannenden Mix aus Szenen zu kreieren, in denen der Hai nur als Schatten oder teilweise zu sehen ist und Einstellungen in denen er in voller Pracht zu bestaunen ist. Zwar erscheint der Hai in diesen Szenen 1-2 Meter zu groß und wuchtig, dafür wirken Körperform und Bewegungen sehr realistisch.

Filme in denen Menschen auf gefährliche und schlechtgelaunte Raubtiere treffen, stehen häufig vor der grundlegenden Frage, ob sie auf ein trashig-blutiges Action-Gemetzel setzen oder ein eher realitätsnahes Szenario präsentieren wollen. Im Falle von „The Shallows“ entschied man sich für die zweite Option und produzierte einen spannenden Thriller, der sich lange Zeit an die eigene Vorgabe hält, sein „Monster“ in realistischen und natürlichen Verhaltensweisen agieren zu lassen.

Es ist übrigens ausgesprochen interessant, wie viele Hai-Experten man unter Kinobesuchern und Filmkritikern so findet. Immer wieder trifft man bei der Besprechung von „The Shallows“ auf Stimmen, die dem Film mangelnden Realismus vorwerfen und kritisieren, dass der Film ein völlig falsches Bild des weißen Hais zeichnet. Hai würden nämlich in der Natur dies und das niemals tun und würden sich prinzipiell ganz anders verhalten als im Film gezeigt. Das ist insofern interessant, als dass Wissenschaftler, die sich seriös auf das Studium des großen weißen Hais spezialisiert haben, immer wieder betonen, dass sie nach wie vor so gut wie nichts über diese Tiere wissen und es lediglich (zum Teil widersprüchliche) Theorien zum Verhalten der Meeresräuber gibt.

Im Film wird der Hai nämlich nicht wie vorgeworfen als Menschen fressende Killermaschine dargestellt. Die Tatsache, dass das Tier in Nancys Nähe bleibt und diese umkreist, wird aus menschlicher Sicht möglicherweise als „Belauern“ oder „strategisches auf die Flut Warten“ interpretiert. Allerdings liefert der Film eine für mich als Hai-Laien plausible Erklärung dafür, warum sich der Hai überhaupt in der Bucht herumtreibt und vor allem dort bleibt. So weit ich weiß, sind Haie anatomisch darauf angewiesen, ständig in Bewegung zu bleiben. Auch dass Haie in der Realität (aus welchen Gründen auch immer) Menschen angegriffen haben, soll schon vorgekommen sein und ist daher nicht unbedingt unrealistisch und im Kontext des Films leicht zu erklären. Allerdings sollte man sich natürlich auch vor Augen alten, dass es sich bei „The Shallows“ um einen Hollywood-Film und keine BBC Dokumentation handelt.

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Nancy will nicht als Haifutter enden © Sony Pictures

Leider schwächelt das Drehbuch dann in den letzten 20 Minuten deutlich und wirft vieles über Bord, was der Film vorher an Realismus und Nachvollziehbarkeit aufgebaut hat. Es wirkt fast so, als wüsste Drehbuchautor Anthony Jaswinski nicht so recht, wie er die Geschichte ohne Trash-Showdown zu Ende bringen soll. Denn das große Finale steht in Sachen Realismus im krassen Gegensatz zum Rest des Films. Man halte sich beispielsweise vor Augen, dass Michael Phelps, mit 28 olympischen Goldmedaillen und zahlreichen Bestzeiten der wohl schnellste Schwimmer aller Zeiten, im Wasser auf eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 7km/h kommt. Ein weißer Hai kommt bei der Jagd auf Spitzenwerte von 40km/h. Ob eine dehydrierte und schwerverletzte Surferin da im Wasser eine Chance hätte? Wenn dann der Hai auch noch anfängt Metall durchzubeißen, kann das eigentlich nur übertrumpft werden, in dem das Ungeheuer unter Wasser im Stile eines Dinosauriers einen markerschütternden Zornesschrei von sich lässt. Letzteres könnte allerdings auch ein unglücklicher Soundeffekt gewesen sein.

 

Fazit:

Trotz des leider ziemlich trashigen Finales ist „The Shallows“ ein spannender Thriller mit tollen Bildern und Effekten und einer groß aufspielenden Blake Lively in der Hauptrolle. Möglicherweise handelt es sich sogar um den besten und seriösesten Hai-Thriller seit Spielbergs Klassiker 1975.

 

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Weitere Meinungen zum Film:

Thomasthomasius

Die Nacht der lebenden Texten

Filmchecker (7/10)

Marks Filmblog (1/5)

Filmspleen

Der Filmtipp (8/10)

Going to the movies (8/10)

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16 Antworten zu “Filmkritik: The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

  1. Ich hatte es vor…und war aber wegen der mittelmässigen Kritiken etwas skeptisch..zuviel schlechte Tierhorror in letzter Zeit…Wobei für mich noch nicht mal der Realismus im Vordergrund stehen würde sondern die Spannung…ist halt ein Film und keine Doku..wie Du es ja sagtest…aber ich denke er wird dann doch wieder auf die Ausleihliste gesetzt….jetzt bin ich neugierig…LG

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  2. Okay, du hast mich überzeugt. Ich werde den wohl doch gucken. So ein bisschen interessiert hatte der Film mich ja schon, blöd fand ich nur, dass man gefühlt wieder die komplette Handlung in den Trailer gepackt hat. Aber gut… ich bin mal gespannt…

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  3. Wenn die Haie nicht im Supermarkt schwimmen oder durch die Luft fliegen,bin ich ja schon sehr zufrieden. Hollywood hat wirklich ein seltsam gestörtes Verhältnis zu Haien.

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  4. Ehrlich gesagt kenne ich lediglich den Testbiss eines Hais bei dem er eben seine Beute auf seine Tauglichkeit testet.. Dass dieser Biss eben schon mal tödlich endet… Dumm gelaufen. Wir Menschen sind eben einfach zu zart.

    In Anbetracht dessen, dass ich erst einen Hai-Film gesehen habe (abgesehen von Dokumentationen) und dieser Sharknado war kann ich the Shallows eher schwer einschätzen 😀
    Aber Sharknado war eine herrlich schreckliche-absurde Nummer

    Aber vor welchem Hai ich weit aus mehr Angst hätte als vor dem weißen Hai wäre der Koboldhai. Dagegen ist der Filmprotagonist ein Karnickel

    Gefällt mir

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