Nazi-Bashing auf dem Festival des Deutschen Films – Gesehen: „Heil“

Hallo Filmfreunde,

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© X Verleih

wie ihr vielleicht wisst, halte ich mich mit persönlichen Standpunkten und Meinungen jenseits des Themenbereichs Film und Kino hier auf meinem Blog doch eher zurück. Nun habe ich zum Abschluss des Festivals des deutschen Films einen Film gesehen, dessen Besprechung ohne persönliche Einschübe wohl gar nicht auskommen kann. Die Rede ist von Dietrich Brüggemanns Film „Heil“, in dem Neonazis ordentlich parodiert und verunglimpft werden.

Sollten sich unter meiner bescheidenen Leserschaft also Nazis befinden, würde ich euch bitten diesen Artikel nicht weiterzulesen, mir auf sämtlichen Kanälen zu entfolgen und euch dann zu verpissen. Vielen Dank und allen anderen viel Spaß 🙂

Inhalt und Trailer:

Der gefeierte afrodeutsche Autor Sebastian Klein (Jerry Hoffmann) ist auf Lesereise in der ostdeutschen Provinz und wird von den ortsansässigen Neonazis standesgemäß begrüßt: mit einem Schlag auf den Kopf. Sebastian verliert prompt sein Gedächtnis und plappert alles nach, was man ihm sagt. Nina (Liv Lisa Fries), Sebastians hochschwangere Freundin in Berlin, ist in höchster Aufregung. Kurzerhand fährt sie nach Prittwitz und setzt sich zusammen mit dem Dorfpolizisten Sascha (Oliver Bröcker) auf die Fersen ihres Freundes. Der ist in der Hand der rechten Kameraden und ihres Anführers Sven (Benno Fürmann) und fühlt sich pudelwohl. Feixend tingelt er durch die Talkshows und drischt die Parolen, die Sven ihm einflüstert. Ein „Schwarzer“, der gegen Integration wettert – die Öffentlichkeit ist aus dem Häuschen. Und Sven sieht sich endlich auf dem Weg zum Meinungsführer. Bei seiner Angebeteten, der Nazibraut Doreen (Anna Brüggemann), kann er damit aber nicht punkten. Die will Taten sehen. Historische Taten. Und so rüstet Sven seine Leute zum großen Showdown.

 

Meine Gedanken zum Film:

Nazi-Bashing ist natürlich eine tolle Sache. Alleine deswegen verdient der Film meiner Meinung nach eine gewisse Beachtung. Nun könnte man natürlich mahnend den Finger heben und anmerken, dass Nazis ein ernstes Problem unserer Gesellschaft sind, das unsere Werte und Freiheit bedroht und deswegen nicht zur allgemeinen Belustigung verharmlost werden sollte. Meiner Meinung nach ist Humor über rechtes Gedankengut jedoch dann angemessen, wenn eindeutig klar wird, dass ÜBER Nazis gelacht wird und nicht aus Sympathie MIT ihnen.

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Die Nazis haben Probleme mit der Orthografie… #WeitBauer © X Verleih

Heil“ ist als Film so überzogen und vollgepackt mit Klischees und Stereotypen, dass dieses fatale Missverständnis zu keiner Sekunde im Raum stehen könnte. Die haarlosen Terroristen (denn genau das sind Nazis) werden viel zu offensichtlich als minderbemittelte Idioten dargestellt, die Probleme mit der Decodierung der geschriebenen Sprache zeigen und sich beim Verteidigen der deutschen Werte große Sorgen um ihre Facebook-Likes machen. Das ist an einigen Stellen durchaus lustig, wenngleich der Humor des Films größtenteils in einem sehr dunklen Schwarzton daherkommt und dem Zuschauer das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt.

Doch nicht nur Nazis bekommen ihr Fett weg. Auch die linke Szene, der Verfassungsschutz, die Polizei und die Medien kommen wegen ihres Umgangs mit rechter Gewalt in „Heil“ nicht gut weg. Alles in allem bekommt man mit „Heil“ einen Film mit lobenswerter Botschaft, der Neonazis demaskiert und den Umgang mit rechten Inhalten, Parolen und Verbrechen scharf kritisiert. So sehr man Dietrich Brüggemann für die Idee seines Films loben kann, muss man die Umsetzung des Werks leider sehr kritisch betrachten. Denn vor allem was das Drehbuch angeht, ist „Heil“ phasenweise richtig schlecht. Wie in der Filmbeschreibung oben ersichtlich wird, geht es in erster Linie um den afrodeutschen Sebastian, der von den Nazis entführt und für deren Zwecke eingespannt wird. Mit fortlaufender Handlung rückt jedoch Sebastians Figur immer mehr in den Hintergrund, um dann fast schon vergessen plötzlich wieder aufzutauchen. Auch die Liebesgeschichte zwischen Sebastian und Nina, die später noch durch das Auftauchen einer Ex-Freundin verkompliziert wird, will sich überhaupt nicht passend in die Handlung einfügen.

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© X Verleih

Insgesamt ist der Film inhaltlich viel zu überladen und unrund. Hier wäre sicherlich weniger mal wieder mehr gewesen. Trotzdem kann man sich „Heil“ als politisches Statement irgendwann im TV anschauen. Denn auch ein schlechter Film, der uns zeigt wie scheiße Nazis doch eigentlich sind, hat ganz sicher seine Berechtigung.

Liebe Grüße,

Euer Ma-Go

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4 Antworten zu “Nazi-Bashing auf dem Festival des Deutschen Films – Gesehen: „Heil“

  1. Ich denke so ein Film muss auch mal sein, sehen will ich ihn noch auf jeden Fall, denn „Das Leben des Brian“ ist sicherlich sehr viel subtiler, letzt endlich allerdings auch Satire und eine der besten der Filmgeschichte…

    Und es nützt auch nicht das Problem Neo-Nationalsozialismus zu umschiffen, nur weil man Angst hat… Hilft nämlich auch nicht, siehe Harry Potter…

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  2. Ein toll geschriebener Beitrag, absolut nachzuvollziehen was du da sagst. Der Trailer ist etwas wirr und vollgepackt. Mich interessiert der Film auch und wenn er im TV läuft versuche ich ihn mir anzusehen.

    Mich interessiert allerdings, wieso der Film nicht mehr Beachtung bekommen hat und wieso man nichts davon gesehen hat? Keine Trailer, Plakate oder sonst was. Der Film schreit doch förmlich wieder nach den alten deutschen Sittenwächtern.

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    • Vielen Dank. Ich weiß auch nicht, warum man so wenig von dem Film gesehen und gehört hat. Immerhin ist er bereits vor einem Jahr in einige Kinos gekommen. Die Filmförderung ist hier bei uns schon manchmal schwer nachzuvollziehen. Wobei man in diesem Fall fairer Weise sagen muss, dass der Film vielleicht einfach zu schlecht war, als das er das Publikum überzeugt hätte. Manchmal reicht eine gute Botschaft allein dann doch nicht.

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      • Da gebe ich dir absolut recht.
        Aber auch schlechte Filme haben ihre Daseinsberechtigung.

        Und wenn man sich anschaut wie oft schlechte Filme gefördert werden, Dann hättet man auch diesen unterstützen können.

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