Filmkritik: 10 Cloverfield Lane

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© Paramount

 

Hallo Filmfreunde,

knapp acht Jahre nach dem Überraschungserfolg „Cloverfield“ kommt nun leise, still und heimlich und ohne große Ankündigung „10 Cloverfield Lane“ ins Kino. Wie genau die beiden Filme zusammenhängen sollen, wurde im Vorfeld nicht erklärt. Ob es sich lohnt „10 Cloverfield Lane“ anzuschauen, warum er bei Filmfans garantiert Kontroversen auslösen wird und ob man vorher „Cloverfield“ gesehen haben sollte, erfahrt ihr hier in meiner Kritik.

Kurzinhalt und Trailer:

Michelle (Mary Elizabeth Winstead) wacht nach einem Autofall gefesselt in einem Bunker auf. Dort erfährt sie von ihrem mutmaßlichen Entführer Howard (John Goodman), dass die Menschheit durch einen nuklearen Angriff größtenteils ausgelöscht wurde und Leben nur noch innerhalb des Bunkers möglich sei. Michelle jedoch zweifelt am Geisteszustand ihres „Retters“ und plant die Flucht nach draußen.

Meine Gedanken zum Film:

Wer sich regelmäßig auf Filmblogs oder -webseiten rumtreibt, wird zwangsläufig schon einmal über die Phrase „Der Film funktioniert umso besser, je weniger man im Vorfeld darüber weiß“ gestolpert sein. Selten war dieser Satz jedoch so wahr wie im Fall von „10 Cloverfield Lane“. Deshalb werde ich im Folgenden ausschließlich auf den Film als Einzelwerk eingehen und eventuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu „Cloverfield“ außer Acht lassen. Am Ende des Artikels werde ich dann noch kurz erklären, warum es nicht notwendig ist „Cloverfield“ gesehen zu haben und ich sogar ausdrücklich davon abrate.

10 Cloverfield Lane“ ist ein kammerspielartiger Thriller, der gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt und mit hervorragenden Schauspielern aufwartet. Mary Elizabeth Winstead spielt dabei die Protagonistin Michelle, die sich nach einem Unfall in einem klassischen Dilemma wieder findet. Auf der einen Seite der Bunkertür findet sie das scheinbar sichere Überleben in Abhängigkeit des undurchsichtigen und bedrohlich wirkenden Howard, der von Minute zu Minute immer unheimlicher zu werden scheint. Jenseits der verriegelten Tür wartet eine angeblich lebensbedrohende, radioaktiv verstrahlte Welt, an deren Existenz Michelle jedoch starke Zweifel hat. Winstead gelingt es dabei über den gesamten Film die Gefühle und Gedanken ihrer Figur auszudrücken und den Wandeln ihrer Figur vom anfangs passiven Opfer zur selbstbestimmten Heldin glaubwürdig zu spielen.

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Michelle wird von Howard festgehalten. © Paramount

Getragen wird der Film jedoch eindeutig von der starken Darbietung des Hollywood- (und physischen) Schwergewichts John Goodman, dessen Figur Howard ständig zwischen fürsorglicher Vaterfigur, cholerischem Tyrann und paranoidem Verschwörungstheoretiker hin und her pendelt. Gerade in der klaustrophobischen Enge des Bunkers wirken Goodmans Aktionen mal amüsant, dann aber auch wieder grotesk und sogar bedrohlich. Auf Grund Howards Unberechenbarkeit und einem cleveren Skript, kann sich der Zuschauer bis zur großen Auflösung nie sicher sein, ob sich Michelle in Howards Gegenwart nun in Gefahr befindet, oder ob die wahre Bedrohung jenseits der Tür auf sie wartet.

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Howard platzt schnell der Kragen © Paramount

Und dann kommt irgendwann die Auflösung, die das Publikum spalten wird und das große Problem des Films darstellt. Wie bereits erwähnt soll der Film zwar keine unmittelbare Fortsetzung zu „Cloverfield“ und dennoch irgendwie damit verbunden sein. Da der Film bis hier hin jedoch rein gar nichts mit dem Film von 2008 zu tun hat, gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Keine Sorge, ich werde nicht verraten welche der beiden am ehesten zutrifft.

Möglichkeit 1: In der finalen Auflösung wird der Bezug zu „Cloverfield“ deutlich und es besteht tatsächlich eine Gefahr außerhalb des Bunkers. In diesem Fall wäre die große Wendung jedoch für Kenner des Films von 2008 total vorhersehbar.

Möglichkeit 2: In der finalen Auflösung kommt heraus, dass keine Gefahr außerhalb des Bunkers besteht, oder zumindest keine, die in Verbindung mit den Ereignissen in „Cloverfield“ steht. In diesem Fall hätte der Film nichts mit dem Schwesterfilm (oder wie man es auch immer bezeichnen will) zu tun und der Zuschauer wäre einer dreisten Lüge auf den Leim gegangen, was vermutlich zu großem Ärger unter einigen Kinobesuchern führen dürfte.

Der Film wurde übrigens unter dem Arbeitstitel „The Cellar“ produziert, u.a. um im Vorfeld eine (mögliche) Verbindung zu „Cloverfield“ zu verschleiern. Ich bin aus den genannten Gründen der Meinung, dass dieser (oder ein anderer neutraler) Titel, der keine (mehr oder weniger direkte) Verbindung der beiden Filme suggeriert, dem Film wesentlich besser zu Gesicht gestanden hätte. Allerdings würde das Ende auch losgelöst von der Verbindung zu „Cloverfield“ das Publikum spalten. Mir persönlich hat es gefallen. Aber das werden viele wohl komplett anders sehen.

 

Fazit:

10 Cloverfield Lane“ ist grundsätzlich ein spannender Thriller mit tollen Hauptdarstellern, den es auf jeden Fall zu sehen lohnt. Allerdings sollte man den Film komplett losgelöst von „Cloverfield“ betrachten und keine Fortsetzung, Vorgeschichte oder Parallelhandlung ala „The Purge“ und „The Purge – Anarchy“ erwarten. Wer „Cloverfield“ gar nicht erst kennt, wird trotz eines kontroversen Endes auf seine Kosten kommen.

 

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

 

Weitere Meinungen zum Film:

Going to the movies (8/10)

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23 Antworten zu “Filmkritik: 10 Cloverfield Lane

  1. Gute Review zu einem schwer zu besprechenden Film.
    Ich finde das Cloverfield im Titel aber durchaus passend und sehe da auch durchaus Parallelen zu CLOVERFIELD – nur eben keine Inhaltlichen, aber strukturell sehe da einem durchaus verwandten Streifen. 🙂

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  2. Ich sehe ihn mir entweder morgen oder am mittwoch an. Bin gespannt-wie ein ausgeleiertes gummiband „Teil 1“ fand ich grausahm.

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  3. Sehr gute Kritik. Der Film ist bisher komplett an mir vorbei gegangen. Auch den ersten Teil kenne ich nicht. Ich versuche gerade meine bessere Hälfte davon zu überzeugen, dass wir den Film sehen müssen. Ich berichte wie es an Ende ausgegangen ist.

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  4. Gobi hat’s gesehen, der Luftschacht und Winsteads Beteiligung an Die Hard 4 (und dem anderen da …) hatten wir gemeint. 😀
    Unsere Seite gibt leider noch keine gute Plattform für Kurzkritiken her – wir sind da noch am deichseln. Bis dahin beschränken die sich leider auf Facebook. :/

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  5. Es ist schon ein Vorteil, dass es kein Found Footage Film….Der erste Teil…nun ja….muss ich nicht noch mal haben….aber der 2. wäre schon wegen John zur Wahl gestanden…und Deine Kritik klingt seht gut…also auf die -Zu-Sehen-Liste gepackt…:-)

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  6. Endlich mal ein Film, den ich im Kino gesehen habe, über den ich eigentlich nichts wusste. Das hat bei mir, glaube ich, noch zusätzlich zu sehr viel Spaß an diesem Film geführt. Passiert ja leider auch viel zu selten, dass man mal unvoreingenommen ins Kino geht 😀

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  7. Tja, so unterschiedlich können die Auffassungen sein ;). Die lange Twitter-Diskussion vorhin hat’s ja schon angerissen, die inhaltlichen Verbindungen mögen vage und konstruiert sein, im Subtext ist da jedoch durchaus eine Verwandtschaft zwischen den Cloverfields, die ich auch recht deutlich zu erkennen finde. „The Celler“ war übrigens nicht der Arbeitstitel, um die Verbindung zu verschleiern, sondern der Titel eines Projektes von Regisseur Trachtenberg, das zunächst völlig losgelöst von irgendwelchen „Cloverfield“-Zusammenhängen entstand.

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  12. Ich fand den so abnormal Ranzig ´´damals´´. Von a bis z zum einschlafen, bzw. von A bis Y zum einschlafen, Z (das Ende) war ja ein grausamer Zustand für die Augen. 😀

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