Filmkritik: Trumbo

Trumbo

© Paramount

Hallo Filmfreunde,

habt ihr schon mal den Namen Dalton Trumbo gehört? Ich bis vor kurzem jedenfalls nicht. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Drehbuchautoren wie er trotz großer Erfolge selten den Ruhm von Regisseuren oder gar Schauspielern einheimsen. Im Biopic „Trumbo“ schlüpft Bryan Cranston in die Rolle des gefragtesten Hollywood-Autors der 1940er und -50er Jahre, der auf Grund seiner politischen Gesinnung verfolgt und an der Ausführung seiner Arbeit gehindert wurde. Ob das der Stoff für einen guten Film ist, erfahrt ihr hier:

Trumbo

Drama/Biopic; 2015

Mit Bryan Cranston

Kurzinhalt und Trailer:

Dalton Trumbo (Bryan Cranston) ist in den 1940er Jahrem als erfolgreicher Drehbuchautor ein gefragter Mann in Hollywood. Als bekennender Kommunist gerät er jedoch ins Visier des „Komitees für unamerikanische Umtriebe“ und wird zum Opfer einer modernen Hexenjagd.

Meine Gedanken zum Film:

Regisseur Jay Roach liefert mit „Trumbo“ einen Film, der anhand des Einzelschicksals der Titel gebenden Figur die gesellschaftlichen und politischen Zustände im Amerika zur Zeit des Kalten Krieges porträtiert. Als potentielle Agenten der Sowjet Union wurden Mitglieder der kommunistischen Partei von den Medien und der Regierung zu Verrätern und Staatsfeinden ernannt. Kommunistischen Schauspielern, Regisseuren und Autoren wurde vorgeworfen, in ihrer Kunst ideologisches Gedankengut zu verbreiten, das den nationalen Gedanken und die Identität Amerikas bedrohen könnte. Um dem entgegen zu wirken, setzte man jene Künstler auf eine sog. „Schwarze Liste“. Die renommierten Verlage und Studios hatten natürlich kein Interesse daran, mit den Vaterlandsverrätern dieser Liste in Verbindung gebracht zu werden und verzichteten in der Folge darauf, diese weiterhin zu beschäftigen und zu veröffentlichen.

Als einer dieser betroffenen Künstler kämpft Dalton Trumbo um sein Recht auf politische Freiheit und seiner Arbeit nachgehen zu dürfen. Dieser juristische Kampf und die Welle der Anfeindungen seitens der Bevölkerung gegen ihn, treiben Trumbo zunehmend in den finanziellen Ruin und stellen für die gesamte Familie eine Zerreißprobe dar. Vor allem die sich verändernden Beziehungen zu seiner ältesten Tochter Niki (Elle Fanning) und Ehefrau Cleo (Diane Lane) werden im Laufe der Handlung dargestellt.

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Trumbos Beziehung zu seiner Tochter ist nicht immer harmonisch. (c) Paramount

Da Trumbo als Drehbuchautor Teil des Filmbusiness ist, erhält der Zuschauer an einigen Stellen des Films einen Blick hinter die Kulissen der nicht immer glänzenden Traumfabrik. Es geht um die Rolle der großen Studios, die sich für positive PR und finanzielle Erfolge gesellschaftlichem und politischen Druck beugen und gute Filme, Schauspieler und Autoren den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Außerdem geht es um die Macht des Films, gesellschaftliche Strukturen und Strömungen zu verändern oder zu prägen. Gerade im Hinblick auf die diesjährigen Oscars ist dieses Thema auch heute wieder brandaktuell. Am Auftreten großer Namen wie John Wayne (David James Elliott) und Kirk Douglas (Dean O’Gorman), die beide eine kleine aber wichtige Rolle im Film und der Geschichte spielen, wird deutlich, dass das Medium Film (und Kunst im Allgemeinen) häufig eng mit dem soziokulturellen und politischen Zeitgeschehen verbunden ist.

Der Film vermischt mehrere Aspekte zu einer komplexen Geschichte und pendelt dabei ständig zwischen Hollywood-Satire, persönlichem Charakterdrama und politisch-historischem Portrait hin und her. Dabei gelingt es jedoch nicht immer alle diese Aspekte zu einem stimmigen großen Ganzen zusammen zu führen. Der Film wirkt an einigen Stellen überladen und wenig fokussiert, was hier und da zu unnötigen Längen führt. So ist beispielsweise die Episode um Trumbos Gefängnisaufenthalt zwar gut inszeniert und zeigt, wie die unschuldige Hauptfigur erniedrigt und seiner Lebenszeit beraubt wird. Allerdings führt dieser Einschub in der Folge ins Nichts und hätte aus narrativer Sicht deutlich kürzer und präziser in den Film eingebaut werden können.

Diese Überfrachtung zeigt sich zum Teil auch in den auftretenden Figuren. So spielt beispielsweise Helen Mirren ihre Rolle als hinterlistige Kolumnistin Hedda Hopper, die durch ihre Artikel Angst und Hass in der Bevölkerung schürt, gewohnt gut und glaubwürdig. Dennoch wartet man den gesamten Film vergeblich darauf, dass ihre Figur für die Handlung relevant wird.

Helen Mirren

Helen Mirren macht eigentlich immer eine gute Figur. Allerdings hätte sie es in diesem Film nicht wirklich gebraucht. (c) Paramount

Neben Bryan Cranston, der seiner Figur Dalton Trumbo sowohl Witz und Eloquenz, als auch an Besessenheit grenzende Eifer und Egoismus verleiht, wissen u.a. auch John Goodman als kerniger Independent-Studio Boss und die bereits erwähnten Ella Fanning und Diane Lane in ihren Rollen zu gefallen.

Fazit:

Trumbo“ verbindet ein gelungenes Biopic über einen der erfolgreichsten Drehbuchautoren mit einem spannenden Portrait der Traumfabrik Hollywood zur Zeit des Kalten Krieges. Neben dem persönlichen Charakterdrama um Dalton Trumbo, unterhält der Film mit interessanten Anekdoten rund um große Stars der damaligen Zeit wie John Wayne oder Kirk Douglas, zurückliegende Oscar-Verleihungen, sowie Entstehungsgeschichten zu noch heute unvergessenen Klassikern wie „Spartacus“. Trotz einer gewissen thematischen und inhaltlichen Überfrachtung, handelt es sich bei „Trumbo“ um einen durchaus sehenswerten Film, der mehrere Genreelemente miteinander verknüpft.

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Weitere Meinungen zum Film:

Kriminalakte

Filmsalon

Popcornfilme (8/10)

Wessels Filmkritik

Audio\visuell (4,5/6)

Viewlist (9/10)

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3 Antworten zu “Filmkritik: Trumbo

  1. Da stimm ich dir zu. Ich fand auch die Darstellung von Douglas und Wayne richtig toll 😀 insbesondere der Charakter des Dukes wurde sehr gut eingefangen.

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  2. Der Film steht längst auf meiner Liste. Leider läuft er in keinem der Kinos in der Nähe 😕 Kleinstadt eben.

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  3. Den will ich auch unbedingt noch sehen. Zu Trumbo kann ich auch immer nur wieder und wieder seine einzige Regie-Arbeit empfehlen. Basierend auf seinem eigenen Roman hat er einen der besten Antikriegsfilme aller Zeiten gedreht: „Johnny got his gun“. Der Film ist echt beklemmend und sehr, sehr gut!!!!

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