Filmkritik: El Clan

El Clan

© Prokino

Hallo Filmfreunde,

2015 war mit „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ ein argentinischer Film bei Filmfans in aller Munde und auch an den Kinokassen überraschend erfolgreich. Sogar eine Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film konnte der Film verbuchen. Nun kommt mit „El Clan“ bereits der nächste Film aus Argentinien in die deutschen Kinos. Ein Film, der auch ohne Oscar-Nominierung den Kassenerfolg von „Wild Tales“ übertreffen konnte. Ob der Film zu überzeugen weiß, erfahrt ihr hier:

El Clan

Thriller/Drama; 2016

Mit Guillermo Francella, Peter Lanzani

Kurzinhalt und Trailer:

Die Puccios wirken nach außen hin wie eine ganz gewöhnliche argentinische Familie. Sie gehen regelmäßig zur Kirche, fegen gewissenhaft die Straße und genießen in ihrer Nachbarschaft großes Ansehen. Niemand weiß jedoch, dass im Haus der Familie entführte Geiseln festgehalten, gefoltert und getötet werden, um ein stattliches Lösegeld von den Angehörigen zu erpressen.

Meine Gedanken zum Film:

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und stellt einen interessanten Mix aus Entführungsthriller und Familiendrama dar. Der Fall der Puccios schlug seinerzeit in Argentinien hohe Wellen und ist wohl vielen Argentiniern noch heute präsent. Allerdings dürfte diese Voraussetzung bei den wenigsten Zuschauern hier zu Lande gegeben sein, sodass der Film hier etwas an seiner Relevanz und Wirkung verliert.

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Die Puccios – Eine ganz normale Familie? © Prokino

Trotzdem ist der Film keineswegs langweilig. Die Entführungsszenen sind spannend und der Kontrast zwischen dem alltäglichen Familienleben und dem kalten, skrupellosen Umgang mit den Geiseln ist schockierend wirksam herausgearbeitet. Vor allem Guillermo Francella strahlt mit seiner Darstellung des Familienoberhauptes und Strippenziehers Arquimedes Puccio durchgängig eine bedrohliche, gleichzeitig aber auch einnehmende Atmosphäre aus.

Arquimedes legt großen Wert auf familiäres Miteinander und sieht das Entführen, Morden und Erpressen als ein Art Familienunternehmen, in dem vor allem sein zweiter Sohn Alejandro seinen Platz finden soll. Alex hingegen hegt mit der Zeit Zweifel an den Machenschaften seines Vaters und verfolgt eigene Ziele und Wünsche. Der daraus resultierende Konflikt zwischen Vater und Sohn bildet dabei den Kern des Films. Alex befindet sich in dem Dilemma, zwischen dem moralisch Richtigen und der Loyalität zu seinem Vater wählen zu müssen. Leider wird dieser Konflikt an den entscheidenden Stellen zu selten packend inszeniert und dramatisch aufgearbeitet.

Clan

Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist angespannt © Prokino

In vereinzelten Rückblenden erfährt der Zuschauer auch ein wenig über Arquimedes militärische Vergangenheit und die politischen und sozialen Rahmenbedingungen, in denen die Geschichte spielt. Allerdings sind diese Szenen ohne grundlegende Kenntnisse über den Falklandkrieg und die politische Situation Argentiniens in den 1980er Jahren z.T. schwierig einzuordnen und zu verstehen. Denn der Film erzählt nicht nur die Geschichte der Familie Puccio und deren Verbrechen. Viel mehr dient dieser konkrete Einzelfall als ein historisches Portrait eines Landes im Wandel von einer Diktatur zur Demokratie, in dem Korruption und Kriminalität an der Tagesordnung standen.

Fazit:

El Clan“ ist ein solides Thriller-Drama, mit starken Schauspielern und einer unfassbaren, weil wahren Geschichte einer scheinbar normalen Familie, hinter deren Türen grauenhafte Verbrechen begangen wurden. Auf Grund der Bekanntheit des Falls rund um die Familie Puccio lässt sich nachvollziehen, warum der Film in Argentinien ein derartiger Erfolg wurde. Allerdings lässt sich diese Wirkung und Faszination auf ein internationales Publikum ohne Kenntnis des Falls und der politischen Hintergründe nur teilweise übertragen.

 

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Weitere Meinungen zum Film:

Filmexe: 7/10

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2 Antworten zu “Filmkritik: El Clan

  1. Pingback: Kritik: El Clan | filmexe

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