Filmkritik: Spotlight

Spotlight

© Paramount

Hallo Filmfreunde,

passend zur in Kürze anstehenden Oscar-Verleihung 2016 startet diese Woche der Krimi-Thriller „Spotlight“ in den deutschen Kinos. Der Film ist für nicht weniger als sechs Goldjungen nominiert, darunter auch in der Kategorie „Bester Film“. Ob „Spotlight“ zurecht so sehr im Scheinwerferlicht steht, erfahrt ihr hier in meiner Kritik:

 

Spotlight

Thriller/Drama, 2016

Mit Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Rachel McAdams

Kurzinhalt und Trailer:

Spotlight“ ist der Name des Investigationsteams des Boston Globes, das 2001 einer Story um einen Priester nachgeht, der einen Jungen sexuell missbraucht haben soll. Während die Journalisten zunächst von einem Einzelfall ausgehen, erkennen sie im Laufe ihrer Nachforschungen, dass die katholische Kirche über Jahre hinweg von unzähligen Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen wusste und diese systematisch vertuschte.

 

Meine Gedanken zum Film:

Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen spannend und interessant. „Spotlight“ ist sicherlich kein Film, der dem Fingernägel kauenden Zuschauer das Adrenalin durch den Körper schießen lässt. Dazu ist das Erzähltempo zu langsam, die Charaktere bieten zu wenig Identifikationspunkte und Handlung und Ausgang der Geschichte sind den meisten Zuschauern bereits bekannt. Und dennoch ist der Film alles andere als Langweilig. Aber der Reihe nach…

Spotlight Team

© Paramount

Der Film erzählt die wahre Geschichte des „Spotlight“-Teams und dessen Beteiligung an der Aufdeckung des wahrscheinlich größten Kirchenskandals der jüngeren Vergangenheit. Dabei konzentriert sich der Film fast ausschließlich auf die Recherchearbeit der Reporter, die zum Großteil aus Opferbefragungen, Archivdurchforstungen und Aktenlektüre besteht. Auf unerwartete Plot-Twists wartet man dabei logischerweise vergeblich. Immerhin weiß der Zuschauer, im Gegensatz zu den Hauptfiguren, bereits von Beginn an über die Tragweite des Skandals Bescheid und ist daher über die Erkenntnisse der Journalisten nicht sonderlich überrascht. Allerdings liegt der vordergründige Anspruch des Films nicht darin den Zuschauer zu unterhalten. Viel mehr geht es darum, die journalistische Arbeit der Reporter zu zeigen, die sowohl gegen einige bürokratische und gesetzliche Widerstände, als auch gegen einen erschreckenden Mangel an Kooperationsbereitschaft seitens der Kirche und eine ausgeprägte Kultur des Wegschauens anderer handelnden Personen, kämpfen müssen.

Spotlight Recherche

Das Durchforsten von Akten sollte zur Recherche dazu gehören © Paramount

 

Spotlight“ ist demnach eher ein Krimi als ein Thriller, da die Täter, deren schockierenden Verbrechen und selbst das Ergebnis der Ermittlungen von Anfang an bekannt sind und die investigative Arbeit zur Überführung der Täter im Mittelpunkt steht. Konsequenterweise setzt sich dieser Fokus auch im Hinblick auf die wichtigsten Hauptfiguren fort. Zwar ist der Cast mit u.a. Michael Keaton, Mark Ruffalo, Liev Schreiber und Rachel McAdams zum Teil hochkarätig besetzt. Dennoch verzichtet der Film auf störende Nebenhandlungen, die vom Kernthema ablenken könnten. Der Zuschauer erfährt nur das Nötigste über den Hintergrund der Charaktere. Die heutzutage fast schon obligatorische Liebesgeschichte findet man genauso wenig wie die Geschichte eines amerikanischen Helden, der sein eigenes Glück im Sinne der Wahrheit und Gerechtigkeit opfert. Dass nun Mark Ruffalo und Rachel McAdams ausgerechnet für ihre dem Thema untergeordnete Darbietung für den Oscar als beste/r Nebendarsteller/in nominiert wurden, erscheint beinahe schon paradox.

Spotlight Opfer

Rachel McAdams ist für den Oscar der besten Nebendarstellerin nominiert. © Paramount

Die beschriebene Inszenierung des Films führt nun dazu, dass „Spotlight“ nicht das ist, was der Kinozuschauer per se als „spannend“ bezeichnen würde. Kritiker und Spötter könnten behaupten, „Spotlight“ wäre nichts anderes als einer Gruppe von Reportern über zwei Stunden beim Telefonieren und Recherchieren zuzusehen. Das wäre zwar ziemlich überspitzt, im Kern aber nicht unbedingt völlig daneben.

Und dennoch ist „Spotlight“ ein durchaus sehenswerter und vor allem wichtiger Film. Nicht zuletzt weil er daran erinnert, warum die Medien oft auch als „4.Gewalt“ bezeichnet werden, die kontrollieren und darüber berichten, ob Gesetzen und moralischen Werten Rechnung getragen wird. Gerade in einer turbulenten Zeit, in der es um Flüchtlingswellen, Finanzkrisen, Terrorängste und Nationalsozialismus geht, müssen die Medien diese Funktion wahrnehmen. Stattdessen sieht es in der aktuellen Medienlandschaft häufig so aus, als sei gründliche und langfristige Recherche zu einem überteuerten und überbewerteten Luxusgut verkommen. Plakative Schlagzeilen und individuelle Täter- und Opferporträts sind unterhaltsamer und verkaufen sich besser als seriös recherchierte Hintergrundinformationen, die mehr als nur an der Oberfläche kratzen.

Fazit:

Wie eingangs erwähnt, gibt es einen Unterschied zwischen spannend und interessant. „Spotlight“ ist zwar nicht „spannend“ im Sinne von unterhaltsam. Allerdings hat das Medium Film nicht nur den Anspruch das Publikum zu unterhalten, sondern auch gesellschaftliche Missstände, Strömungen und Entwicklungen darzustellen. „Spotlight“ kommt dieser Aufgabe nach, indem der Film zum einen die grausamen Verbrechen der katholischen Kirche offen und sachlich thematisiert und für eine breite Masse an Kinozuschauern zugänglich macht. Zum anderen erinnert der Film aber auch daran, wie seriöser Journalismus aussehen sollte und welche Verantwortung die Medien in der heutigen Zeit haben. Auch das macht für mich einen guten und „interessanten“ Film aus und rechtfertigt auf jeden Fall zumindest eine Nominierung für den „Besten Film“ des Oscar-Jahres.

 

Wie seht ihr das? Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

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15 Antworten zu “Filmkritik: Spotlight

  1. Ich fand deine Rezension interessant. Man merkt, dass du dich mit dem Film schwer getan hat. Dennoch hat er dich nicht losgelassen, was sicher für den Film spricht. Vielleicht ist der Film nicht spannend im herkömmlichen Sinne. Spannend finde ich die Frage, die du aufwirfst: was soll Film sein? Unterhaltsam oder von Bedeutung. Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen☺

    Gefällt 2 Personen

    • Das mit schwer tun würde ich so nicht ganz sagen. 😉 Im Gegensatz zu einigen anderen Zuschauern, die ihrer Langeweile hörbar Ausdruck verliehen, war ich keinesfalls enttäuscht. Nur muss man eben wissen, worauf man sich einlässt. Der Trailer ging doch eher in eine etwas actionlastigere Richtung.

      Und um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht der Meinung, dass ein Film immer von Bedeutung sein MUSS. Mad Max hat die Nominierung genauso verdient, weil er einfach mega unterhaltsam ist. Ich denke nur, dass Bedeutung/Relevanz oder wie auch immer AUCH etwas wert sein sollte 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Ich bin bei der Frage ebenfalls zwiegespalten. In der Regel muss ein Film für mich zu allererst unterhaltsam sein. Wenn ich ehrlich bin, gehe ich doch ins Kino, um unterhalten zu werden Wenn er darüber hinaus etwas zu bieten hat, um so besser. Und dann gibt es diese besonderen Filme, die anders sind … ☺

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  2. Ich komm gerade aus dem Kino^^ ich fand den Film fesselnd, weil er mich interessiert hat. Meine Begleiter hingegen sind fast eingeschlafen… kritik folgt 😉

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  3. Kann ich so unterschreiben. 🙂 Ist kein Film zum mehrmals anschauen. Kommt deshalb nicht in meine Sammlung. Aber fand Spotlight trotzdem durchaus sehenswert und interessant.

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  4. Dank deiner Retension, gebe ich dem Streifen doch noch eine Oskar Chance. Leider beeindruckt mich der Trailer bis heute nicht, obwohl das Thema an sich wirklich sehr interessant/ soannend ist. Ich verbinde Spotlight merkwürdigerweise ständig mit „Steve Jobs“.

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  5. Deine Rezension ist gut geschrieben und ich verstehe auch was du damit ausdrücken willst. Jedoch fehlt mir in deinem Fazit, ob der Film nun sehenswert ist oder nicht. Lohnt es sich, ihn im Kino anzuschauen?

    Interessant finde ich deine Aussagen in Bezug auf die Eigenschaften eines Films und das neben Unterhaltung auch Informationsgehalt, Thematik usw. eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen.

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    • Erst mal danke 🙂
      So eindeutig konnte/wollte ich das mit der Kinoempfehlung nicht schreiben.
      Mit der Aussage „Auch das macht für mich einen guten und „interessanten“ Film aus und rechtfertigt auf jeden Fall zumindest eine Nominierung für den „Besten Film“ des Oscar-Jahres.“ habe ich ja schon gesagt, dass ICH den Film auf jeden Fall sehenswert fand. Allerdings kann ich auch die Leute verstehen, die beim Verlassen des Kinos meinten: „Das Thema ist heikel. Aber muss man das in so einen lahmen Film verpacken?“. Ich denke es hat wie so oft etwas mit der Erwartungshaltung an den Film zu tun. Man muss sich darauf einstellen, was der Film ist zeigen will.

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  6. Jupp, das mit dem Spannend und Interessant habe ich auch bei mir erwähnt. Als „Film“ ist „Spotlight“ halt wirklich nicht unterhaltend… aber wer möchte das schon bei so einer Story??? Die ist wirklich interessant und packend genug…

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  7. Die Einordnung Krimi/Thriller finde ich geglückt, so ein Subgenre wie den „politischen Thriller“ aus den 1970ern gibt es ja nicht mehr.

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