Filmkritik: Die fünfte Welle

Welle

© Sony Pictures

 

Hallo Filmfreunde,

ein aktueller Trend in Hollywood ist es ja, sog. Young-Adult Literatur in mehrteiligen Filmreihen für ein breites Publikum auf die Leinwand zu bringen. „Die Tribute von Panem“, „Maze Runner“ oder auch „Die Bestimmung“ sind die bekanntesten Beispiele dafür, wie dieses Konzept funktioniert. Ob es sich bei „Die fünfte Welle“ um den Auftakt der nächsten Erfolgsgeschichte handelt, erfahrt ihr hier in meiner Kritik:

Die fünfte Welle

Science Fiction/Action

Mit Chloe Grace Moretz, Maika Monroe, Alex Roe

Kurzinhalt und Trailer:

In einer dystopische Welt wurde ein Großteil der Menschheit in bisher vier Angriffswellen von Aliens vernichtet. In dieser Kulisse macht sich die Schülerin Cassie (Chloë Grace Moretz) auf den Weg, ihren verschwundenen Bruder zu finden, während die fünfte Welle bevorsteht, die die endgültige Auslöschung der menschlichen Rasse zum Ziel hat.


Meine Gedanken zum Film:

Da die wesentlichen Eckpfeiler der Handlung bereits im Trailer präsentiert werden, verliert der Film keine Zeit und startet direkt in medias res. Der Zuschauer begleitet die bewaffnete Heldin Cassie (Chloe Grace Moretz) beim Durchstreifen der dystopischen Welt. Dabei zeigt sich ein menschenleeres Bild der Zerstörung, gezeichnet von verlassenen Autos und zerstörten Gebäuden. In einer Begegnung mit einem Überlebenden, oder einer Person die sich dafür ausgibt, erkennen wir, dass Cassie in dieser Welt niemandem vertrauen kann und bereit ist sich im Ernstfall zu verteidigen. Diese Atmosphäre ist aus vergleichbaren Szenarien, wie etwa den ersten Staffeln der Erfolgsserie „The Walking Dead“ bekannt und funktioniert auch hier hervorragend.

In verschiedenen Rückblicken erfährt der Zuschauer dann mehr über die bisherigen vier Angriffswellen und Cassies Hintergrund. Dies geschieht recht zügig und ohne zusätzliche Erklärungen, was manche Zuschauer eventuell stören könnte, aus meiner Sicht jedoch ganz gut funktioniert. Neben der packenden Atmosphäre in den ersten 45 Minuten des Films, ist hier auf jeden Fall auch Chloe Graze Moretz positiv hervorzuheben, die in der Hauptrolle eine wirklich gute Figur macht.

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Chloe Graze Moretz versucht ihren Bruder und den Film zu retten © Sony Pictures

Leider war es das dann auch schon, was man positives über „Die fünfte Welle“ sagen kann. Denn ab dem Punkt, an dem Cassie von ihrem Bruder getrennt wird und sich auf die Suche nach ihm begibt, bricht der Film ohne Vorwarnung und vollkommen unnötiger Weise in sich zusammen. Ab diesem Punkt teilt sich der Film in zwei parallele Handlungsstränge auf. Erschreckender Weise lässt sich dabei nicht bestimmen, welcher dieser beiden Teile alberner, belangloser und unsinniger ist.

Es folgt eine Teenie-Liebesgeschichte, inklusive Bilder eines attraktiven Jünglings beim Holzhacken und Nacktbaden im See, die Ausbildung von Kindersoldaten auf einer Militärbasis und Kriegshandlungen zwischen Menschen und Aliens.

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Cassie und Evan kommen sich näher © Sony Pictures

Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass die Hauptrollen in der Romanvorlage von Rick Yanceys von Kindern und Jugendlichen besetzt werden. Allerdings passt das hier überhaupt nicht zu dem ernsten und düsteren Anfang des Films. Es wirkt einfach nur lächerlich, dass eine Armee von Kindern eine übermächtige Armee von Aliens auch nur ärgern soll. Wenn dann auch noch eine Gothic-Göre (Maika Monroe) auf den Plan tritt (Zeit für Make-Up muss auch im Zeichen der eigenen Ausrottung sein) , die wegen ihrer Außenseiterrolle in der Schule zu wissen glaubt, was es heißt zu überleben und mit sämtlichen Hightech-Waffen umgehen und auch noch einen Einsatztrupp befehligen und neue Soldaten ausbilden kann, ist der Gipfel der Albernheit erreicht.

Auch visuell kann der Film leider nicht so Recht überzeugen. Denn während die apokalyptischen Szenarien atmosphärisch noch punkten können, reicht die Qualität der visuellen Effekte von „ganz passabel“ bis zu „eher mies“. Während vom Himmel fallenden Flugzeuge noch recht gut aussehen, sieht man den am Computer generierten Tsunami-Wellen an, dass sie eben am Computer generiert wurden. Am schlimmsten wirkt jedoch die Gestaltung der Kampfszenen zwischen den „Soldaten“ und den Aliens, die im Film kreativer Weise „Die Anderen“ genannt werden. Dank modernster Militärtechnologie lassen sich die Gegner anhand grün und rot leuchtender Markierungen erkennen. Diese Optik erinnert mehr an ein Videospiel als an einen Film. Dass neben den Körpern der Anderen keine Gesundheitsanzeige und ein Fähigkeitsrang angezeigt wird, ist auch schon alles. Vielleicht ist dieser Mangel an technischer Ausstattung und Können auch der Grund, weshalb im gesamten Film keine Aliens zu sehen sind. Denn mit Außerirdischen in dieser Qualität wäre der Film wohl vollkommen ins Lächerliche abgedriftet.

So haben es die Hauptfiguren und die Zuschauer also mit Aliens zu tun, die ein menschliches Äußerliches angenommen haben und somit nicht mehr zwischen Freund und Feind unterschieden werden kann. Leider nutzt der Film dieses Element der Spannung zu keiner Sekunde. Dank Dialogen des Schemas „Woher weiß ich, dass du kein Anderer bist?“ – „Du kennst mich. Ich bin ich.“ – „Ja, ok. Also was machen wir?“ weiß der Zuschauer eigentlich zu jedem Zeitpunkt wer auf welcher Seite steht und wem man getrost vertrauen kann.

Auf diese Weise wird der Film mit jeder Minute schwächer und mündet irgendwann in ein Finale, dass eben so unverhofft endet wie es begonnen hat. Selbstverständlich nicht ohne vorher ein vor Kitsch triefende Ode an die Liebe abzufeuern und ein mal kurz die Moralkeule zu schwingen, die so hell leuchtet wie das Laserschwert von Luke Skywalker persönlich, damit auch der letzte im Publikum erkennt, was der Film uns am Ende noch für eine Botschaft aufdrücken möchte.

 

Fazit:

Insgesamt passt der Film hinten und vorne nicht zusammen und lässt sich keiner eindeutigen Zielgruppe zuordnen. Er kombiniert eine kitschige Teenie-Romanze ala „Twilight“ mit klassischen Science-Fiction Elementen und typischen Merkmalen der zur Zeit beliebten „Young Adult“ Filmen und verpackt dies in einer düsteren Endzeit Atmosphäre im Stile von „The Walking Dead“. Ein Genre-Mix, der den Film nach einem wirklich guten Beginn in einer (fünften) Welle der Unstimmigkeit absaufen lässt. Das Ende lässt keinen Zweifel daran, dass der Film auf weitere Fortsetzungen ausgelegt ist. Allerdings ist es sehr fraglich, ob es diese jemals produziert werden. Mich persönlich würde das stark wundern…

P.S. Geht es nur mir so, oder ergibt die Tagline auf dem Plakat keinen Sinn? „Wir kämpfen zurück“. Auf englisch gibt es den Ausdruck „We fight back“. Aber auf deutsch? Ich finde das klingt total falsch…

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

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16 Antworten zu “Filmkritik: Die fünfte Welle

  1. Dein Review bestätigt komplett den Eindruck, den mir schon die Trailer vermittelt haben. Werd ich mir definitiv nicht angucken. Bezüglich deines PS: Scheint mir eine typische Fehlübersetzung zu sein. Richtig wäre: Wir schlagen zurück.

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  2. Seit Kick-Ass zieht für mich der Name Chloe Grace Moretz schon, aber das war mir dann doch einfach zu Teenie-Liebesdrama. Hast du Sils Maria gesehen? Ich bisher noch nicht, die Kritiken waren aber recht angetan und Bella… äh, Kristen Stewart soll auch gut spielen 😉

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  3. Da ich das Buch kenne, hatte ich eh nicht geplant, den Film zu sehen. Aber schön, das meine Vermutungen bestätigt wurden. 🙂

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  4. Ein Hoch auf die Bücherliebe… Ach ja, ein weiterer Film der nicht nur Lebenszeit verschwendet sondern auch wertvolle Gelder… Was sagt das nun über Hollywood aus? Young-Adult-Filme meiden?

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  5. Leider haben sich die befürchtungen bestätigt , dass dieser Film eher was für den Rtl2 Nachmittag ist.Nach dem Trailer habe ich mir gestern 15.01.2015 im Kino mehr versprochen.
    Leider wie schon ausführlich beschrieben , dümmpelt der Film dann nur noch iwann vor sich hin und man hofft das noch iwas spannendes passiert.
    Storry leider sehr flach und der Typ mit seinem Helfersyndrom nervt einfach iwie nur.
    An eine Fortsetzung glaube ich auch eher nicht.Aber jeder soll sich dazu sein eigenes Urteil bilden doch denke ich , dass Geld fürs Kino kann man sich für bessere Filme aufheben

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  6. Wir haben den Film ganz ähnlich gesehen. Deine Vergleiche zu den anderen Filmen bzw. Serien (Twilight, The Walking Dead, etc.) finde ich sehr treffend. Ich persönlich fand es sehr verstörend, dass ich so an Bella und Edward zurück erinnert wurde. Das hat einfach null gepasst.
    Ach und die Tagline – keine Ahnung was „Wir kämpfen zurück“ bedeuten soll. Das hab ich mich auch schon gefragt.

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  7. „eine kitschige Teenie-Romanze ala “Twilight”“

    Ooooh mein Gooooooott :O ‚Ich glaube ich will den Film nicht mehr sehen xD

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  8. Langsam wünscht man sich doch echt, dass sie mit solchen Filmen aufhören würden… aber bis sie nicht das neue „Tribute von Panem“ oder „Twilight“ gefunden haben, wird das wohl auch noch ziemlich lange so weitergehen…

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  9. Oh no. Babelfish lässt grüßen. Ich hätte den Titel auch übersetzt mit: Wir schlagen zurück

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