Filmkritik: Jane got a gun

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Hallo Filmfreunde,

wer meinen Artikel „Sexismus in Hollywood – Oder können Frauen keine Helden sein?“ gelesen hat weiß, dass das Thema Frauenrollen in Filmen eines ist, das mich interessiert und mir am Herzen liegt. Dementsprechend habe ich mich auch auf den Neo-Western „Jane got a gun“ gefreut, da dieser endlich mal wieder eine emanzipierte Heldin auf die Leinwand zu bringen verspricht. Was der Film letztendlich taugt, erfahrt ihr in meiner Kritik:

 

Jane got a gun

Neo-Western/Romanze; 2015

Mit: Natalie Portman und Joel Edgerton

Kurzinhalt und Trailer:

New Mexico, 1871. Jane Hammond (Natalie Portman) lebt mit Mann und Tochter abgeschieden auf einer kleinen Farm. Als ein Angriff der gefürchteten Bishop-Bande droht, beschließt Jane ihre Familie und ihr Zuhause zu beschützen und es mit den Gangstern aufzunehmen. Dazu holt sie sich Hilfe beim Ex-Soldaten Dan Frost (Joel Edgerton), mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit verbindet.

Meine Gedanken zum Film:

Manchmal steht die Produktion eines Films von Anfang an unter keinem guten Stern. Schaut man sich die Entstehungsgeschichte zu „Jane got a gun“ etwas genauer an, grenzt es fast schon an ein Wunder, dass es der Film überhaupt in die Kinos geschafft hat. Oscar Preisträgerin Natalie Portman (Black Swan) stand schon ziemlich früh als Hauptdarstellerin fest. Um sie herum ging es aber ziemlich turbulent zu. Ihr letztendlicher Filmpartner Joel Edgerton war nämlich ursprünglich für die Rolle des Schurken John Bishops vorgesehen, während Michael Fassbender den Verbündeten Dan Frost spielen sollte. Fassbender sprang jedoch kurzfristig wieder ab, Edgerton wechselte die Rolle und Jude Law übernahm die frei gewordene Rolle des Gangsters. Als nächstes warf die ursprüngliche Regisseurin Lynne Ramsay nach Streitigkeiten mit den Produzenten die Brocken hin und wurde von ihrem männlichen Kollegen Gavin O’Connor ersetzt. Nachdem die Regisseurin von Bord gegangen war, wollte auch Jude Law nicht mehr mitmachen, kündigte und wurde durch Bradley Cooper ersetzt. Aber auch der sollte nicht lange zum Cast gehören und stieg nach kurzer Zeit ebenfalls aus, sodass letztendlich ein kaum wieder zu erkennender Ewan McGregor in der Rolle des John Bishops zu sehen ist.

Jane 3

Ja, der Halunke mit dem Schnurrbart ist Ewan McGregor.

Dass schlechte Vorzeichen nicht zwangsläufig in einen schlechten Film münden müssen, beweist nun „Jane got a gun“. Gavin O’Connor liefert einen spannenden, wenngleich nicht gerade typischen, Western mit einer tollen Hauptdarstellerin in der rauhen Atmosphäre des Wilden Westens. Natalie Portman überzeugt in der Hauptrolle als Jane und präsentiert uns eine vielschichtige weibliche Hauptfigur. Jane ist auf der einen Seite eine fürsorgliche Mutter und Ehefrau, ergreift aber andererseits wenn nötig auch die Initiative, um für ihr Recht einzustehen und ihre Familie zu beschützen. Dass sie sich dafür Hilfe bei ihrem Ex-Geliebten Dan Frost (Joel Edgerton) holt, ist in Anbetracht der drohenden Gefahr kein Zeichen von Schwäche, sondern kann als ausgeprägter Realitätssinn gesehen werden.

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Dan übt mit Jane für den Ernstfall.

Das Zusammenspiel zwischen Portman und Edgerton klappt eigentlich gut und man spürt eine Spannung zwischen ihren Figuren. Allerdings rückt mit fortlaufender Dauer immer mehr Dan Frost in den Mittelpunkt des Geschehens. Er präpariert Janes Haus für den drohenden Angriff, übt mit ihr Schießen, hegt Groll gegen ihren Ehemann und tötet nahende Gangster, um seine Geliebte zu beschützen, während Jane selbst dabei eine immer passivere Rolle einnimmt. In mehreren Rückblenden erfahren wir dann mehr über Jane und Dans gemeinsame Vergangenheit und wie Jane an ihren jetzigen Mann geraten ist. Durch diese Einschübe entwickelt sich der Film im Grunde beinahe unbemerkt zu einer Liebesgeschichte zweier Menschen, die durch die historischen und gesellschaftlichen Umstände der damaligen Zeit getrennt wurden. Das lenkt zwar ab von der eigentlichen Rahmenhandlung, dem Konflikt mit der Bishop-Bande, verleiht den Charakteren aber die nötige Tiefe und Profil, um den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Jane 2

Wirkungsvoller Kontrast: Die hübsche Natalie Portman und die rauhe Western-Szenerie.

Leider verpasst es der Film sich von anderen Genre-Vertretern abzuheben, indem er die Rolle seiner Hauptfigur als starke Frau in der von Männern beherrschten Welt des Wilden Westens noch stärker in den Mittelpunkt rückt. Jane ist zwar durchaus eine vielschichtige und charakterstarke Frau, was es in diesen Tagen im Kino leider nur sehr selten zu sehen gibt. Dennoch wird durch die eingebaute Liebesgeschichte ihre eigene Abhängigkeit von Männern sehr deutlich. Diese mag mit den historischen Gegebenheiten der Zeit in Verbindung stehen und damit durchaus realistisch sein. Dennoch kratzt dieser Umstand am Bild einer emanzipierten Heldin, das der Film hätte zeichnen können und den Zuschauern in Trailern eigentlich sogar versprochen hat.

Fazit:

Auch wenn „Jane got a gun“ nicht wie erhofft die versprochene Heldin auf die Leinwand bringt, handelt es sich bei dem Film dennoch um eine spannende Liebesgeschichte um zwei tolle Hauptfiguren, die im untypischen Gewand eines Westerns daher kommt.

 

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Bildquelle: Square One
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13 Antworten zu “Filmkritik: Jane got a gun

  1. Also ich freue mich auf diesen Film seit Anbeginn des ersten Teaser ebenso wie auf Joy. Das werden (hoffentlich) geniale Film besuche… Brauche ich auch mach Mr. Holmes…

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  2. Ich bin überhaupt kein Wester Fan und daher auch nicht von diesem Film. Für mich war das eine langweilige Dreiecks-Beziehung gepresst in einen Western, wo es zwangsläufig noch eine „Schießerei“ geben musste.
    Natalie Portman, wie du geschrieben hast, übernimmt einen guten vielseitigen Charakter, kann aber den Film trotzdem damit nicht tragen.

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  3. Frohes Neues! 🙂

    Ich weiß nicht so recht, ob ausgerechnet Western der richtige Hintergrund für starke Frauenfiguren sind. Zu der Zeit, die das Setting nun einmal voraussetzt, war das Geschlechterverhältnis doch ausgeprägt genug, um nur einen sehr engen Rahmen zu lassen, damit der Film noch ein Western bleibt und nicht zu einem Film mit Westernkostümen zu werden. Ich frag mich dann auch, ob es wirklich krampfhaft in jedem Genre starke Frauen braucht. Nicht, weil ich starke Frauenfiguren nicht mögen würde, sondern weil es zu manchen Konstellationen einfach nicht passt. Western lassen hier immerhin noch ein gewisses Maß an Freiraum, aber ich finde eher die Gegenwart oder Zukunft passender, als sich an der Vergangenheit zu orientieren. Bin mal gespannt, wann es die erste starke Ritterin in einem Mittelalterfilm (nicht Fantasy, Mittelalter!) geben wird, ungeachtet der Idiotie der Sache…

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    • Ja ich weiß, was du meinst. Und deshalb kreide ich es dem Film auch nicht an, dass Jane eigentlich gar nicht die Badass-Lady (ala Furiosa) ist, die man dem Trailer nach erwarten könnte. Die Rolle der Frau bewegt sich hier dann eben doch in realistischen (weil historisch belegten) Bahnen. So wie in “Homesman” übrigens auch.

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  5. Wir benötigen gute Geschichten, diese ist eine Schlaftablette und net
    die Genderumkehr, das auch eine Frau ballern kann und prügeln, ist
    nun so toll, das ich das sehen muss.
    Nach dem Kradftheldenwaibchen folgt die Heldenschwuchtel dann kommt
    der Transgender James Bond und dann ein Robotter der rollen kann aber
    gerne lesbisch wäre.. ja und?
    Hollywood taucht gerade in ein noch abgestandeners Wasser und wir
    werden noch weniger Geschichten sehen,dafür aufgewärmte Stereotype.
    Wenn das so weiter geht, hat 0 8 15-Kino verloren!
    Dieser Film reicht als RTL_2 Wiederholung und ist schon fast so flatline wie
    Joko+Klass.. weild das ist KOmasaufen mit co2…:)

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    • Hi.Ich bin mir nicht sicher, ob ich aus deinem Kommentar schlau werde. Ich schließe jetzt einfach mal, dass du die Handlung des Films eher langweilig fandestOder wolltest du dir den Film von vorne rein nicht ansehen? Und was hat es bitte mit dem „Transgender Bond“ und der „Heldenschwuchtel“ zu tun. Gerade letzteres finde ich doch ziemlich unpassend und unverständlich.

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  6. Liebe Edwina, ich muss gestehen, mir erschließt sich die Botschaft deines Kommentars auch nicht so ganz. Habe ich das richtig verstanden? Du mochtest den Film nicht, weil du ihn:
    a) langweilig fandst?
    b) eine Frau darin schießt und sich prügelt und sich das für eine Dame deiner Meinung nach nicht geziemt? (Frage: Warum schaust du dir einen Film namens „Jane got a Gun“ – zu Deutsch: „Jane hat sich eine Waffe besorgt“ – an, wenn du keine schießenden Frauen magst?)
    c) du nun einem Slippery-Slope-Argument zufolge befürchtest, dass nach einer schießenden Frau als nächstes ein homosexueller Mann ein Leinwandheld werden könnte, in der Folge ein Transgender-Mensch James Bond spielte und als nächste „Katastrophe“ ein rollender Roboter mit Unsicherheit bezüglich seiner sexuellen Neigung als Figur in einem Film auftauchte? Und du all das (Homosexuelle, Transgender, …) nicht magst?

    Dann wird es für mich noch verwirrender, vielleicht magst du mich da aufklären? Also: Hollywood macht nur noch langweiligen Kram, der vor Klischees nur so strotzt, und das findest du doof? (Frage: Was hat das mit dem Film „Jane got a Gun“ zu tun?)
    Daraufhin befürchtest du, wird das 08/15-Kino dem Untergang geweiht sein? Aber ich dachte, du magst keinen langweiligen Durchschnittskram?

    Am Ende war ich schließlich völlig raus. Du fandest den Film jetzt nicht mehr nur langweilig, sondern niveaulos und auf RTLII-Niveau? Und vergleichst ihn mit Joko+Klaas, die aber bei ProSieben sind? Und was ist denn bloß „Komasaufen mit co2“? CO2 ist ein Gas, Kohlendioxid, das kann man nicht saufen, nur einatmen. Allerdings fällt man dann auch erst ins Koma und stirbt später, wenn man nicht rechtzeitig behandelt wird.

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