Filmkritik: Die Vorsehung

 

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© Concorde

Hallo Filmfreunde,

kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut und euch fragt, warum ein eigentlich guter Schauspieler sich für so etwas hergeben muss? So ging es mir nämlich bei „Die Vorsehung“ mit Sir Anthony Hopkins. Was der Film sonst noch so zu bieten hat (oder auch nicht), erfahrt ihr hier in meiner Kritik:

 

Die Vorsehung

Mystery-Thriller; 2015

Mit: Anthony Hopkins, Colin Farrell, Abbie Cornish, Jeffrey Dean Morgan

Kurzinhalt und Trailer:

Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) und seine Partnerin Katherine Cowles (Abbie Cornish) arbeiten beim FBI und ermitteln in einer laufenden Mordserie. Da sie keine Spur haben und nicht wissen, wie sie den Täter stoppen sollen, holen sie sich Hilfe bei Dr. Clancy (Anthony Hopkins). Dieser hat mit seinen seherischen Fähigkeiten schon häufiger mit dem FBI zusammengearbeitet. Bald müssen die Ermittler feststellen, dass der Mann, den sie suchen, ebenfalls über Fähigkeiten verfügt und mit seinen Morden einer selbst auferlegten Berufung folgt…

Meine Gedanken zum Film:

Eigentlich bietet die erzählte Geschichte in „ Die Vorsehung“ eine solide Grundlage für einen packenden Mystery-Thriller. Und tatsächlich erinnert der Film ein wenig an eine Mischung aus David Finchers „Sieben“ und Anthonys Hopkins Paradefilm „Das Schweigen der Lämmer“. Zusätzlich wird das Ganze um übernatürliche Elemente erweitert. Was zunächst als vielversprechende Mixtur erscheint, misslingt auf der Leinwand dann aber auf ganzer Linie.

Im Zentrum der Geschichte steht die Figur des John Clancys (Anthony Hopkins), der vor wenigen Jahren seine Tochter verloren und seitdem mit seiner Tätigkeit beim FBI abgeschlossen hat und zurückgezogen seine Tage verbringt. Warum der knapp 80-jährige Hopkins eine Tochter Mitte 20 haben soll, ist zwar nicht plausibel, für die Handlung aber auch nicht weiter wichtig.

Neben Hopkins ermitteln Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish. Wobei Cornishs Figur der Agentin Cowles sich im Laufe des Films als die deutlich wichtigere erweist. Bei ihr handelt es sich um ein toughe Frau, die sich streng an Fakten hält und der Kooperation mit Clancy zu Beginn skeptisch gegenüber steht. Diese Haltung gibt sie jedoch bereits nach nur wenigen Minuten Laufzeit ohne sonderlichen Grund wieder auf, sodass eine Art Vater-Tochter Beziehung zwischen den beiden entsteht. Vielleicht liegt es an der deutschen Synchronisation, dass Cornishs Dialoge oft unterkühlt, lustlos und ihre Figur damit sogar manchmal wenig intelligent wirkt.

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Die Ermittler jagen den geheimnisvollen Killer

Als vierte wichtige Figur im Film sehen wir Colin Farrell als gejagten Serienmörder Charles Ambrose. Auch wenn Farrell auf dem Kinoplakat groß neben Anthony Hopkins zu sehen ist, taucht er letztendlich im Film erst sehr spät und auch nur sehr kurz auf. Wie der Trailer bereits verrät, verfügt auch Ambrose über übernatürliche Fähigkeiten, was ihn dem FBI stets einen Schritt voraus sein lässt. Für den Spannungsbogen der Handlung wäre es wohl besser gewesen, dieses Detail nicht bereits im Trailer zu verraten, sondern es als möglichen Twist zurück zu halten. Während die Ermittler nämlich noch im Dunklen tappen und darüber rätseln, wie es der Mörder schafft, so viele Details über die Opfer und die Ermittlungen zu kennen, wissen wir als Zuschauer von Anfang an schon viel mehr und warten im Prinzip nur darauf, dass auch bei den Protagonisten endlich der Groschen fällt.

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Colin Farrell spielt als Serienkiller mit dem FBI

Nach und nach erfahren wir mehr über das Motiv und den Plan des Killers, der den Zuschauer vor eine grundlegende moralische Frage stellt. Allerdings bekommen wir kaum Zeit diese für uns zu beantworten, da Dr. Clancy das großzügiger Weise für uns übernimmt. Dabei scheint gerade dieser in den Plänen seines Gegenspielers eine wichtige Rolle zu spielen. Ohne zu viel zu verraten, wirkt jedoch auch das sehr unglaubwürdig und hätte wahrscheinlich besser funktioniert, wenn Farrell und Hopkins die Rollen getauscht hätten.

Doch damit nicht genug. Denn nicht nur Trailer, Figuren und Teile der Handlung sind eher schwach. Auch die visuelle Gestaltung des Films mit z.T. wilden Kamerafahrten, wo eigentlich gar nichts passiert, unnötiger Bullet-Time Sequenzen und Clancys psychedelisch gestaltete Visionen sind zwar nicht schlecht gemacht, wirken aber zuweilen willkürlich und nur des Effektes wegen eingesetzt. Noch schlimmer verhält sich mit dem Einsatz der Filmmusik, die mal laut, mal leise, mal klassisch, mal elektronisch einsetzt und abrupt wieder verstummt wo es gerade passt oder auch nicht. Auf diese Weise präsentiert sich der gesamte Film als ein zusammengestückeltes Etwas aus einigen guten, aber auch einer Menge schlechter Ideen.

 

Fazit:

Insgesamt ist „Die Vorsehung“ eine große Enttäuschung. Zugegebener Maßen liegt dies zum Großteil auch am Trailer, der den Film um ein großes Spannungselement beraubt. Story, visuelle Gestaltung und Filmmusik wirken oft vollkommen unpassend und schlecht aufeinander abgestimmt. Von daher ist der Film wirklich nur für Genre-Fans zu empfehlen. Es bleibt die Frage, warum ein Mann wie Sir Anthony Hopkins sich im Alter noch für so etwas hergibt.

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Bildquelle: Concorde Filmverleih

 

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11 Antworten zu “Filmkritik: Die Vorsehung

  1. Das ist ja einer der Gründe, warum ich mir fast nie Trailer angucke. Aber auch generell muss man ja sagen, dass es Filme heute nicht mehr so haben, mit dem Spannungsaufbau. Eigentlich weiß man als Zuschauer oft schon alles nach 5 Minuten und darf dann halt zugucken, wie die Protagonisten stundenlang brauchen, um dieses Wissen eben auch zu erlangen. Sonderlich spannend ist das nun mal selten.
    Dabei ist es natürlich durchaus möglich, genau dieses Mittel zu nutzen, um Spannung zu erzeugen. Ein simples Beispiel wäre ja die Hitchcock-Bombe unterm Tisch, von der nur der Zuschauer weiß. Aber irgendwie kriegt man sowas ja heute nicht mal mehr ansatzweise hin.
    Stattdessen wird, wie du schon sagst, um des Effekts Willen jede Menge Tricktechnikscheiße in jeden Film geklatscht, damit durch die ganzen tollen Bilder darüber hinweggetäuscht werden kann, dass die Geschichte letztlich absolute Grütze ist.
    Kommt heute leider viel zu oft vor, weshalb mir das Film gucken auch lange nicht mehr so viel Spaß macht, wie es das mal getan hat.

    Gefällt 2 Personen

  2. Glück im Unglück… Mehr Taschgeld für bessere Filme gespaart 😀 Allerdings ist es Schade, dass Filme immer wieder an „Basis“-Dingen scheitern

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  3. Pingback: Die 10 schlechtesten Filme 2015 | Ma-Go Filmtipps

  4. Wenn ein Trailer durch Spoiler den ganzen Filmgenuss ruinieren kann, ist es kein guter Film. Ein guter Film würde trotz der Vorkenntnis über Wendungen funktionieren. Tolles Beispiel: ‚Bambi‘. Jeder weiß, dass Bambis Mutter bei der Hälfte stirbt, dennoch ist diese Stelle jedes Mal aufs Neue bewegend und erschütternd.
    Deshalb war ich – um auf Deinen Kommentar zu antworten – von ‚Sieben‘ nicht besonders begeistert. Es ist wie ‚Schweigen der Lämmer‘ ein ganz guter, aber nicht überragender Thriller, der bei einer zweiten Sichtung viel verliert, da die finale Wendung nur noch erwartet wird.

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  5. Der Cast verspricht eigentlich einiges. Schade. Kommt nicht auf meinen Zettel. 🙂

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