Filmkritik: The Gift

Hallo Filmfreunde,

The Gift

mit „The Gift“ kommt am 26.11.2015 ein Film in die Kinos, dessen Trailer zwar neugierig macht, aber auch wenig Neues verspricht. Umso überraschender sind die vielen guten Kritiken, die man im Vorfeld so zu lesen bekommt. Ob es sich bei „The Gift“ auch für mich um eine der positiven Überraschungen des Kinojahres handelt, erfahrt ihr hier in meiner Kritik.

The Gift

Thriller, 2015

Mit: Jason Bateman, Joel Edgerton, Rebecca Hall

Kurzinhalt und Trailer:

Simon (Jason Bateman) und Robyn (Rebecca Hall) treffen beim Einkaufen auf Gordo (Joel Edgerton), einen alten Schulkameraden Simons. Dieser beginnt dem Paar spontane Besuche abzustatten und Geschenke zu hinterlassen. Während Simon und Robyn Gordos Verhalten zunächst als unbeholfenen aber liebenswerten Versuch des Anfreundens deuten, wird ihre neue Bekanntschaft recht schnell aufdringlich und unheimlich, sodass das Paar versucht den Kontakt abzubrechen. Gordo hat jedoch gar kein Interesse daran, sich neue Freunde zu suchen…

Meine Gedanken zum Film:

Wer nach Sichtung des Trailers einen gruseligen Home-Invasion Thriller erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Denn Regisseur Joel Edgerton, der im Film gleichzeitig auch die Rolle des Gordo übernimmt und das Drehbuch zum Film schrieb, überzeugt bei seinem Regiedebüt mehr durch erzähltechnische Raffinesse als mit atmosphärischer Spannung.

 

Aber der Reihe nach. Der Film entwickelt sich zunächst in eine vorhersehbare Richtung, die wir aus diversen anderen Werken bereits kennen: Ein nettes Paar, in diesem Fall verkörpert von Rebecca Hall und Jason Bateman, wird von einem unheimlichen Typen (wie bereits erwähnt: Joel Edgerton) zu Hause heimgesucht und die Situation gerät außer Kontrolle.

Ab diesem Punkt entwickelt sich der Film dann jedoch anders als man denkt. Durch ein äußerst geschicktes Story-telling und eine scheibchenweise Einführung der Protagonisten, gelingt es hier ständig Zweifel beim Zuschauer zu sähen und dessen Haltung zu den Figuren zu hinterfragen. Nach und nach erfährt man aus Gesprächen zwischen den drei Hauptfiguren beinahe beiläufig mehr über Gordos Vergangenheit und fragt sich zwangsläufig, ob dieser vielleicht nicht doch ein ganz netter Kerl ist.

Gordo

Gordo the Weirdo

Ein funktionierender erzähltechnischer Kniff ist dabei, dass die Geschichte zum Großteil aus Robyns Sicht erzählt wird, obwohl es sich ja eigentlich um die Beziehung und die gemeinsame Vergangenheit der beiden Männer geht. Da Robyn viel Zeit alleine zu Hause verbringt, kommt es zu einigen wirklich unheimlichen Szenen, bei denen man als Zuschauer ganz schön ins Schwitzen gerät. Denn in die Angst, sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen zu können, kann sich wahrscheinlich jeder selbst hineinfühlen. In diesen Szenen arbeitet Edgerton gekonnt mit dem Einsatz und Auslassen von genretypischen Jump-Scares. Dennoch kann man sich auch hier mit der Zeit nie ganz sicher sein, ob überhaupt eine reale Gefahr existiert, oder ob Robyn sich auf Grund privater Probleme und der ständigen Einsamkeit in etwas hineinsteigert.

Simon says

Simon und Robyn haben schon bessere Tage erlebt

Denn während immer mehr Zweifel an Gordos Absichten aufkeimen, entwickelt sich gleichzeitig Simon (Jason Bateman) mit fortlaufender Filmdauer zu einem richtig unsympathischen Zeitgenossen, der sein Umfeld und auch seine Frau richtiggehend tyrannisiert und ein eher unschönes Geheimnis mit sich herum zu tragen scheint. Der Grad zwischen Stalker-Opfer und Mobbing-Täter wird dabei zunehmend schmaler. Jason Bateman kennt man ja eigentlich eher aus lustigen oder zumindest eher netten Rollen. Auch wenn er den arroganten Widerling nicht unbedingt schlecht gibt, wird das wahrscheinlich nicht seine Paraderolle werden.

Trotz eines eher gemächlichen Erzähltempos bleibt der Film dank seiner interessanten Figurenkonstellation und vielen Wendungen fast durchgängig spannend, wobei die eine oder andere Länge dann doch auszumachen ist. Gerade zum Ende hin, hätten die Fäden konsequenter zusammengeführt werden können. Die Auflösung ist zwar im Gesamtbild stimmig, schafft es aber nicht so recht den perfekten Abschluss darstellen. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Jeder von uns kennt wohl die Situation, wenn man Menschen aus seiner Vergangenheit trifft. Man tauscht Nummern aus und verspricht unverbindlich sich bei Gelegenheit zu melden, hofft aber bereits beim Aussprechen dieser Worte, dass es dazu nie kommt. Was aber tun, wenn der andere tatsächlich darauf anspringt und den Kontakt sucht? Wie bricht man taktvoll und ohne Vorschlaghammer den Kontakt ab, ohne sich gegen den eigenen Willen in eine unangenehme Beziehung zu begeben? Situationen wie diese sind nicht ganz einfach zu lösen. Vor allem wenn der jeweils andere ernsthaftes Interesse an einer echten Freundschaft hat. Allerdings geht so etwas natürlich nicht auf Knopfdruck.

Neben diesen eher alltäglichen Fragen zeigt der Film auch, wohin ein harmloses Geläster oder ein Witzchen auf Kosten eines anderen führen kann. Verhalten sich Menschen wie Gordo, die wir als sonderbar oder verrückt empfinden, vielleicht aus einem bestimmten Grund so wie sie es tun? Im Film erleben wir hautnah wie wir als Zuschauer ziemlich voreilig, ohne die Hintergründe oder Gordos Person genauer zu kennen, uns auf Simons schlagen und Gordos Rolle als verrückten Stalker akzeptieren.

Fazit:

Joel Edgerton liefert mit „The Gift“ ein überraschend überzeugendes Regiedebüt ab. Eine sehr gut erzählte Geschichte und eine dynamische Entwicklung der Figuren und deren Beziehungen untereinander helfen dem Film über gelegentliche inhaltliche Schwächen hinweg. Unter dem Strich ist „The Gift“ weniger ein Home-Invasion Thriller um einen verrückten Stalker, sondern eher ein Thriller/Drama um Vertrauen, Ehrlichkeit und den rücksichtsvollen Umgang mit anderen Menschen.

Meine Wertung: Note 2/3 (In Sternen 7/10) 

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Bildquelle: Paramount
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13 Antworten zu “Filmkritik: The Gift

  1. Den habe ich auch schon gesehen (Review folgt nächste Woche 😉 ), aber ich war durchaus sehr, sehr positiv überrascht. Vor allem damit, dass es eben kein doofer Stalker-Thriller ist, sondern ziemlich überrascht… ein sehr cooler Film!!!

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  3. Hab ich mir vorgemerkt. 🙂 Leider gibts in der Schweiz noch keinen Starttermin 😦

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  5. Ich fand ihn insgesamt sogar noch besser als du. Man muss halt mit der richtigen Einstellung rangehen und sich eben eher auf ein Psychothriller einstellen. Aber die suptile Spannung und der Grusel in der ersten Hälfte und die Intelliganz in der zweiten haben mir extrem zugesagt. Hab ihn in meiner Liste der besten Filme 2015 aufgenommen.
    Gerade für ein Regiedebut meiner Meinung nach absolut lobenswert.

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  6. Bei mir gibt’s dazu inzwischen auch eine Kritik. Zwar mit einer etwas anderen Sicht auf den Film, aber interessanterweise mit einer ähnlichen Gesamtwertung. 😉

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  7. Hier der Link zur Kritik: https://hurzfilm.wordpress.com/2016/02/12/kritik-the-gift/

    Und zum Ende des Films: Stichwort „Vaterschaftstest“ Das klärt aus Sicht von Simon nicht alles, aber er ist ja – wie wir zu diesem Zeitpunkt bereits wissen – sowieso ein Egomane…
    ^^^^ Diesen Hint am besten nach dem Lesen aus meinem Kommentar löschen. 😉

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    • Aber selbst wenn er einen Vaterschaftstest machen würde und dieser beweisen würde, dass Simon der Vater ist, würde das noch lange nicht heißen, dass Gordo Robyn nicht doch vergewaltigt hat. Was auf jeden Fall auch schlimm wäre. Von daher basiert der Psycho-Terror nicht nur auf der Schwangerschaft.
      Mal ganz zu schweigen davon, dass er Robyn psychisch schaden würde, wenn er es ihr sagt.

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  8. Ja, das könnte natürlich trotzdem sein, aber ist das etwas, was Simon besonders mitnehmen würde? Die Beziehung ist am Ende und abgesehen davon scheinen im andere Menschen sowieso relativ egal zu sein. Und er könnte den Test auch heimlich machen lassen.

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  9. Pingback: The Gift | Marks Filmblog

  10. Pingback: The Gift - @Mark8031

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