Filmkritik: Ich und Earl und das Mädchen

Me and Earl and the dying girl

Hallo Filmfreunde,

mit Coming-Of-Age Filmen werde ich ja oftmals nicht so richtig warm. Nun kommt aber mit „Ich und Earl und das Mädchen“ ein Film in die Kinos, der auf dem diesjährigen Sundance Film Festival sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis abgeräumt hat. Damit tritt er in die Fußstapfen des grandiosen „Whiplash„, der letztes Jahr ebenfalls beide Preise eingeheimst hat und für mich eines der ganz großen Highlights des laufenden Kinojahres war. Ob „Ich und Earl und das Mädchen“ da mithalten kann, erfahrt ihr hier:

Ich und Earl und das Mädchen

Coming-Of-Age/Dramedy; 2015

Mit: Olivia Cooke, Thomas Mann

Kurzinhalt und Trailer:

Greg (Thomas Mann) ist ein einzelgängerischer Teenager, der abgesehen von seinem Kumpel Earl (RJ Cyler) nichts von sozialen Kontakten hält. Als seine Mitschülerin Rachel (Olivia Cooke) an Leukämie erkrankt, wird Greg von seiner Mutter dazu überredet, Zeit mit dem sterbenden Mädchen zu verbringen und es etwas aufzuheitern. Bald kommen die beiden sich näher und Greg lernt eine wichtige Lektion über Freundschaft und das Leben.

Meine Gedanken zum Film:

Wenn das eine rührende, romantische Geschichte wäre, würden wir wild rumknutschen mit dem Feuer von 1000 Sonnen. Aber das ist keine rührende, romantische Geschichte“, hören wir Greg als Off-Stimme im Film und Trailer sagen. Ein dezenter Hinweis darauf, dass der Film kein klischeehafter 08/15 Streifen sein will, sondern das wahre Leben präsentiert soll.

Wenn „Ich und Earl und das Mädchen“ ein schablonenartiger Coming-Of-Age Film wäre, würde er vor Niedlichkeit triefen, vor schrulligen Charakteren platzen und Dialoge beinhalten, die wir alle im echten Leben noch nie geführt oder auch nur belauscht hätten. Ironischer Weise trifft all das auf „Ich und Earl und das Mädchen“ zu.

Im Kern geht es um die Beziehung zwischen Greg und Rachel, die sich zunächst nichts zu sagen haben, sich dann aber doch recht schnell näher kommen. Ringsherum ranken sich Nebenfiguren, wie zum Beispiel ein weißer Pseudo-Gangster, der scheinbar nicht sprechen kann und alle seiner Äußerungen in gerappter Form ausdrücken muss, ein hipper Lehrer, der in seiner Pause mit einzelgängerischen Schülern abhängt oder Rachels Mutter, die Greg näher kommt als es diesem angenehm wäre. Selbstverständlich gibt es auch noch den Typ „Schöne Ballkönigin“, die für die Geschichte keinen ersichtlichen Nutzen hat und die von Greg als Elch beschrieben wird, der unabsichtlich kleine Streifenhörnchen wie ihn zertrampelt. Das mag vielleicht eine kreative Metapher sein. Dass aber jeder Auftritt des Mädchens durch eine animierte Szene mit Knetfiguren unterlegt werden muss, nervt spätestens ab dem zweiten Mal.

Ich und Earl und das Mädchen“ macht gerade in den ersten 80 Minuten das falsch, was aus meiner Sicht die meisten Filme des Genres falsch machen. Er versucht das Leben in all seinen Facetten zu präsentieren und verliert sich dabei in kreativem Spielereien und lebensfernen Figuren. In dieser (viel zu langen) Phase sieht sich der Film als liebevolle Highschool-Komödie, in der zufällig eine der Hauptfiguren Krebs hat und quetscht möglichst viele witzige, knuffige und skurrile Bilder in diesen Rahmen.

Das sterbende Mädchen, Greg und Earl. Das ist kein Spoiler. Im Original heißt der Film nämlich

Das sterbende Mädchen, Greg und Earl. Das ist kein Spoiler. Im Original heißt der Film nämlich „Me and Earl and the dying girl“…

Positiv zu erwähnen sind dabei jedoch auf jeden Fall die beiden Hauptdarsteller Olivia Cooke und Thomas Mann, die es trotz der beschriebenen Mängel schaffen, ihren Figuren die notwendige Tiefe zu verleihen. Vor allem Olivia Cooke als Rachel gelingt es, den Zuschauer für sich zu gewinnen und mit ihr mitzuleiden zu lassen und sorgt gerade zum Ende des Films für große Emotionen. Ebenso gelungen ist die musikalische Untermalung der emotionalen Szenen.

Im letzten Drittel wandelt sich der Film dann von der belanglosen Komödie hin zum ergreifenden Krebs-Drama. Das ist dann auch die Phase des Films, in der die Balance zwischen Liebe, Freundschaft und Hoffnung auf der einen Seite und Krankheit, Tod und Verzweiflung auf der anderen absolut stimmt und den Zuschauer packt. Hier können die bereits gelobten Hauptdarsteller endlich zeigen, was sie können und rühren die Zuschauer zu Tränen. Taschentücher gehören also beim Kinobesuch zur Grundausstattung.

Fazit:

Ich und Earl und das Mädchen“ ist lange Zeit ein belangloser Coming-Of-Age Film von der Stange, der durch zu viel Klimbim und Schnickschnack sein eigentliches Potential vergeudet und auch von sehr guten Hauptdarsteller/innen nicht gerettet werden kann. Zum Ende hin wandelt sich der Film (leider zu spät) von einer Highschool-Komödie zum emotionalen Krebsdrama, das den Zuschauer ergreift und zu Tränen rührt.

Meine Wertung: Note 4 (In Sternen 4/10)

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr? Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und Like.

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Vielen Dank!

Bildquelle: Fox
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17 Antworten zu “Filmkritik: Ich und Earl und das Mädchen

  1. „Greg (Thomas Mann) ist ein einzelgängerischer Teenager, der von seinem Kumpel Earl (RJ Cyler) nichts von sozialen Kontakten hält.“
    Fehlt da ein Wort wie zum Beispiel „abgesehen“ ?

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  2. Sag mal warum reden wir noch einmal miteinander ;D Ich fand den Film genial 😀 Liegt aber daran dass 1. Ich Comming of Age liebe und 2. glaub mir manche Charaktere sind aus dem gar nicht so „kreativ“, ich rede da aus Erfahrungen^^

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    • Na vielleicht, weil ich trotz meines fragwürdigen Filmgeschmacks super-charmant, einfühlsam und witzig bin? *blinzel*
      😀
      Wir waren zu viert im Film. Drei davon fanden ihn echt kacke. In Noten: 4 (ich), 5 und 6. Eine Person gab eine 1 😉

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      • Klarer Fall von Falsche Freunde! ^^
        Aber wenn man nichts mit dem Genre anfangen kann, warum geht man dann ins Kino?

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      • a) Weil „man“ die Hoffnung hat, dass hinter den Film mehr Drama als verkünstelte Komödie stecken könnte. Hätte ja sein können, bei den Vorschusslorbeeren.
        b) Weil „man“ einem/r Freund/in einen Gefallen machen will (oder schuldet)
        c) Weil „man“ hin und wieder in die Sneak geht.
        d) Weil „man“ dazu eingeladen wird und gerade nichts Besseres zu tun hat.

        😀 Das wären Gründe, die mir spontan einfallen.

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  3. Hmm… schade, den Trailer fand ich ja eigentlich recht interessant… naja, dann warte ich vielleicht noch ein bisschen damit 😀

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  4. Pingback: Unfassbar vage Kino-Previews: KW 47 | haltstop

  5. Wo ist der Dislike Button? 😉 Ich fand den Film Klasse (8/10). Aber ja für einmal dürfen wir ja mal anderer Meinung sein. 😉

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  6. Fand den auch eher lau 🙂

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