Filmkritik: True Story – Spiel um Macht

Hallo Filmfreunde,

556367dea1c04das letzte Mal, dass James Franco und Jonah Hill gemeinsam für einen Film vor der Kamera standen, war im katastrophalen „Das ist das Ende“, der auf meiner Liste der schlechtesten Filme der letzten Jahre ziemlich weit oben rangieren dürfte. In „True Story – Spiel um Macht“ versuchen die beiden es nun deutlich ernster. Ob der Film meiner Meinung nach besser als die letzte Zusammenarbeit ist, erfahrt ihr hier:

True Story – Spiel um Macht

Thriller/Drama; 2015

Mit James Franco, Jonah Hill

Kurzinhalt und Trailer:

Michael Finkel (Jonah Hill) wird als Journalist gefeuert und steht vor dem beruflichen Ruin. In seiner Notlage erfährt er zufällig, dass der Straftäter Christian Longo (James Franco), der angeblich seine Frau und drei Kinder ermordet haben soll, sich auf der Flucht als Michael Finkel ausgegeben hat. Der echte Finkel wittert die Story seines Lebens und nimmt Kontakt zum inhaftierten Longo auf, um mehr über ihn und seine Taten zu erfahren.

Meine Gedanken zum Film:

True Story“ basiert auf dem biographischen Roman „True Story: Murder, Momoir, Mea Culpa“ des Journalisten Michael Finkel und damit auf wahren Begebenheiten. Der Film pendelt dabei zwischen einem persönlichen Drama um einen Mann, der zwischen der eigenen Moral und seiner journalistischen Verantwortung gegenüber der Wahrheit steht und einem Justiz-Thriller um Schuld, Unschuld, Wahrheit und Schein.

Dabei setzt der Film jedoch viel zu sehr auf das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Hauptdarstellern. Während Jonah Hill seinen Part wirklich gut spielt und ein facettenreiches Profil seiner Figur präsentiert, wirkt James Franco als manipulativer Soziopath und mutmaßlicher Kindermörder zum Teil fehlbesetzt. Immer wieder schaut er mit halb geschlossenen Augen entrückt und wie unter Drogen aus der Wäsche und schafft es damit nur selten den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Longo erzählt dem Journalisten Finkel seine Geschichte.

Longo erzählt dem Journalisten Finkel seine Geschichte.

Bereits beim ersten Treffen zwischen den beiden Hauptfiguren wird deutlich, dass der angeklagte Longo nicht zu durchschauen ist und wenn überhaupt nur einen Teil der Wahrheit preisgibt. In den darauf folgenden Sitzungen verzichtet der Film jedoch darauf, dem Zuschauer weitere Puzzleteile hinzulegen. Auf direkte Fragen Finkels, ob Longo tatsächlich schuldig ist und was in der fragwürdigen Nacht wirklich passiert ist, antwortet der Beschuldigte mit einem ausweichendem „Ich kann das jetzt nicht“ oder starrt mit dem bereits erwähnten Blick wortlos in die Kamera. So plätschert der Film dann vor sich hin, ohne dass der Zuschauer neue Erkenntnisse über die tatsächliche Sachlage erhält. Hier und da werden ein paar mysteriöse Hinweise eingebaut, die jedoch im Nichts verlaufen und der Film konzentriert sich weiterhin auf kammernspielartige Dialoge zwischen Hill und Franco, die den Zuschauer konsequent im Dunkeln tappen lassen.

Finkel versucht die Wahrheit über Longo und dessen Familie herauszufinden.

Finkel versucht die Wahrheit über Longo und dessen Familie herauszufinden.

Trotz des sehr gemächlichen Erzähltempos und der dramaturgischen Mängel, bleibt man jedoch stets bei der Sache, weil man letztendlich wissen will, was es denn nun mit Longo und dem grausamen Mord an dessen Familie auf sich hat. Ist er selbst ein traumitisiertes Opfer? Oder hat er wirklich seine Familie auf grausamste Weise getötet? Versucht er jemanden zu decken? Und welche Rolle spielt Michael in der ganzen Sache? So fiebert man dann dem großen Twist (und der damit einher gehenden finalen Auflösung) entgegen, der jedoch leider ausbleibt. Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Warum das Alles? Warum gibt sich Longo als Finkel aus? Warum die Geheimniskrämerei? Was war Longos Plan?

Die Schlussszene des Films und die Infotafeln vor dem Abspann legen nahe, dass die Quintessenz des Films in dem eingangs erwähnte Dilemma um moralische Vertretbarkeit und journalistischem Aufklärungsdrang liegen soll. Ist es richtig, einen (mutmaßlichen) Kindermörder als liebenden und verzweifelten Familienvater zu skizzieren, auch wenn diese Beschreibung zu 98% der Zeit zutreffend ist? Und sollte man verurteilten Straftätern ein Sprachrohr anbieten und ihnen die Möglichkeit geben, öffentlich über ihre Taten und ihre Hintergründe zu sprechen und somit unter Umständen berühmt und populär zu werden? Diese Thematik liegt wie ein Schleier allgegenwärtig über dem Film, wird jedoch nie wirklich thematisiert oder in den Vordergrund gerückt. Dabei hätte eine reflektierende Behandlung dieses Themas in „True Story“ sicherlich ihren Platz gefunden und dem Film inhaltlich sehr gut getan.

Fazit:

True Story – Spiel um Macht“ ist trotz der erzähltechnischen Schwächen und einem eher deplatzierten James Franco durchaus spannend und bringt den Zuschauer fast über die gesamte Laufzeit zum Mitdenken und Interpretieren der Hauptfiguren. Umso enttäuschender ist am Ende dann die Erkenntnis, dass es sich bei dem Film um ein wenig durchdachtes und nicht zusammenpassen wollendes Werk handelt, dass die falschen Schwerpunkte setzt und ohne richtigen dramaturgischen Höhepunkt seinem Ende entgegen plätschert.

Meine Wertung: Note 4 (In Sternen: 4/10)

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Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr?

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Vielen Dank!

Bildquelle: Fox Deutschland
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9 Antworten zu “Filmkritik: True Story – Spiel um Macht

  1. Schade, ich hatte mir eigentlich mehr verhofft…

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  2. Ich hab den Film leider in der OV gesehen und daher nicht verstanden 😦
    Ich hab immer noch so ein positives Gefühl gegenüber des Films, tu mich aber schwer den Film wirklich als gut zu bezeichnen…
    tu mich daher auch seit Wochen schwer mit meiner Kritik…

    Gefällt 1 Person

  3. Ich konnte ja vor allem nicht ausblenden, dass Jonah Hill und James Franco im RL gute Kumpels sind… Das hat für mich gar nicht funktioniert. Und, ja, auch ich fand Franco eigentlich schwächer als Hill, obwohl ich ihn viel lieber mag als Hill (auch für mich eher ein rotes Tuch) und auch schon in anderen Filmen und auf der Bühne; (Übertragung vom Broadway ins Kino) richtig gut fand.

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  4. Was habt ihr denn alle gegen Jonah Hill? Ich finden den klasse 🙂

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