Filmkritik: About a Girl

Hallo Filmfreunde,

coverimmer wenn ein deutscher Film mit einem englischen Titel in die Kinos kommt, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Warum müssen die Macher sich bei der Namensgebung der englischen Sprache bedienen? Wird hier zu vertuschen versucht, woher der Film eigentlich kommt? Oder orientiert man sich einfach so stark an Hollywood-Vorlagen, dass man auch gleich den Titel von dort übernehmen kann? Oder hat der Film so wenig zu bieten, dass man beim Zuschauer falsche Assoziationen hervorrufen muss? Denn so viel sei gesagt: „About a Girl“ hat jedenfalls nichts mit Nick Hornbys Bestseller „About a Boy“ zu tun. Ob der Film trotzdem sehenswert ist, erfahrt ihr hier:

About a Girl

Drama/Komödie; 2014

Mit: Jasna Fritzi Bauer, Sandro Lohmann, Heike Makatsch

Kurzinhalt und Trailer:

Die 14-jährige Charleen (Jasna Fritzi Bauer) beschließt eines Tages aus einer Laune heraus, sich umzubringen. Dieses Vorhaben misslingt jedoch und Charleen muss wohl oder übel in therapeutische Behandlung. Dort lernt sie den Außenseiter Linus (Sandro Lohmann) kennen, mit dessen Hilfe sie erkennt, dass das Leben eigentlich doch ganz lebenswert sein kann.

Meine Gedanken zum Film:

Coming-Off-Age-Filme sind ja immer so eine Sache für sich. Sie müssen versuchen, die Probleme von Kindern und Jugendlichen, auf die Erwachsene rückblickend oft nur müde lächelnd herabsehen, mit einer angemessenen Ernsthaftigkeit, emotionaler Tiefe und lebensbejahenden Grundstimmung darzustellen. Natürlich gehört die Pubertät und das Erwachsenwerden zu unserem Leben dazu. Doch macht es Sinn, echte Probleme des Lebens, oder zumindest bestimmter Lebensphasen, in Geschichten zu erzählen, die lebensferner gar nicht sein können? Anhand von Figuren, die so absurd und skurril sind, dass man im echten Leben erst mal auf Abstand zu ihnen gehen würde?

About a Girl“ gelingt es eine lebensbejahende Botschaft zu vermitteln: „Ja, das Leben kann auch schön sein.“ Das ist jedoch auch schon das einzige Positive, das ich zu diesem Film berichten kann. Im Film geht es um Liebe, Freundschaft und Familie und dass manchmal erst etwas Schlimmes passieren muss, damit man enger zusammenrückt und sich auf das wirklich Wichtige im Leben besinnt. Sehr schöne Motive und Themen, die jedoch so banal und lebensfern abgearbeitet werden, dass es einen als Zuschauer nicht nur kalt lässt, sondern teilweise sogar richtig ärgert.

Die Familie rückt zusammen

Die Familie rückt zusammen

Im Mittelpunkt der Handlung steht der missglückte Selbstmordversuch der Hauptfigur Charleen. Natürlich ist die Pubertät für Teenager unter Umständen eine schwierige Zeit. Aber Selbstmord aus Langeweile, Rebellion oder einer Laune heraus? In der zehnten Klasse nahm sich eine meiner Schulkameradinnen das Leben. Allerdings nicht einfach nur so, weil alles scheiße und doof war, oder weil sie Aufmerksamkeit erhaschen wollte. Das arme Mädchen hatte ernste Probleme. Im Film wirkt es allerdings so, als wären Suizidversuche oder -gedanken bei Teenagern das Ergebnis unausgelasteter und genervter Teenie-Gören wie Charleen, die einfach keine Lust darauf haben erwachsen zu werden. Das nervt und macht die Hauptfigur von der ersten Szene an unsympathisch.

Linus zeigt Charleen, dass man auch Spaß haben kann

Linus zeigt Charleen, dass man auch Spaß haben kann

Dabei machen die beiden jungen Schauspieler Jasna Fritzi Bauer und Sandro Lohmann einen eigentlich ganz guten Job. Ihre Figuren und Dialoge sind einfach nur zu schlecht geschrieben. Jetzt mal Hand auf’s Herz: Bin ich der einzige, der in seiner Jugend nicht im Regen rumstand und sich dabei eingebildet hat Musik aus dem Himmel zu hören? Der nicht Bilder von toten Tieren in einem Fotoalbum gesammelt hat? Der nicht ziel- und grundlos lachend über eine Wiese gerannt ist?

Ähnlich schwach sind an vielen Stellen auch die Dialoge. Auf dem Papier wirken Textzeilen wie „Glaubst du es gibt einen Himmel?“ – „Vielleicht sind wir schon längst da?“ bestimmt sehr hoffnungsvoll, warm und philosophisch. Auf der Leinwand wirken sie jedoch oft auswendig gelernt und unecht.

Fazit:

Ihr merkt, ich bin kein Freund von Coming-Of-Age-Filmen. Aber diesen hier fand ich, trotz eines wirklich sehr gelungenen Soundtracks, auf Grund der schlecht geschriebenen Figuren und Dialogen und einer emotional (für mich) schwer nachvollziehbaren Handlung, richtig mies und langweilig. Kitsch und seichte Unterhaltung gehören natürlich zu diesem Genre dazu und haben sicher auch ihre Berechtigung. Bei „About a Girl“ ist es aber einfach zu viel und zu wenig zur gleichen Zeit. Bei Filmen, die in erster Linie die Gefühle des Zuschauers ansprechen, kommt es natürlich immer darauf an, dass man sich mit dem Gesehen identifizieren und sich in die Situation hineindenken und -fühlen kann. Mir und meinen beiden Begleiterinnen fiel das jedoch mehr als nur schwer. Wem das jedoch gelingt und wer sich für ähnlich geartete Filme begeistern kann, wird sicherlich auch an „ About a Girl“ seine Freude haben.

Mein Wertung: Note 4-5 (In Sternen 3/10)

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Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr?

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Vielen Dank!

Bildquelle: die film gmbh

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3 Antworten zu “Filmkritik: About a Girl

  1. Ich fand den Film gut gemacht. Toll, dass in einem deutschen Film auch der Glaube Platz findet, wenn auch oberflächlich. Die Oma war klasse. Für mich, als Förderer eines offenen Jugendtreffs könnte ich mir den Film hilfreich vorstellen. Dass um der political-correctness-willen auch in diesem Film eine gute Freundschaft zwischen Mädchen mit der Schwulenszene in Verbindung gebracht werden muss, halte ich nicht für politisch korrekt (wenn man bedenkt, dass es einen verschwindend geringen Prozentsatz in der Bevölkerung betrifft und dieses Phänomen wissenschaftlich mehr als prägungsorientiert – nicht genetisch – belegt wird). Auch halte ich es für Jugendliche in diesem Alter mit ihren Orientierungsschwierigkeiten nicht für hilfreich.

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