Filmkritik: Unknown User

Hallo Filmfreunde,

UNKNOWN USER Hauptplakatnach meiner Kritik zu „It Follows“, folgt nun direkt der nächste Horrorfilm, der diesen Sommer in aller Munde ist. Die Rede ist von „Unknown User“, einem Film, der in der Tat im Hinblick auf seine Machart etwas Besonders ist und dennoch die Kritiker spaltet. Was ich zum Film zu sagen habe, erfahrt ihr hier:

Unknown User

Horrorthriller, 2014

Mit: Shelley Henning, Moses Storm, Heather Sossaman

Kurzinhalt und Trailer:

Sechs Freunde erhalten während einer gemeinsamen Skype-Session eine Nachricht von einer verstorbenen Mitschülerin. Natürlich will diese nicht nur gemütlich plaudern, sondern hat ihre eigenen Pläne mit den ehemaligen Freunden…

Meine Gedanken zum Film:

Die Story des Films ist wahrlich nicht neu. Eine verstorbene Person kommt in übernatürlicher Form zurück, um sich an jenen zu rächen, die ihr Unrecht getan oder sogar ihr Ableben mit zu verantworten haben. Dazu bedarf es einer Gruppe Teenager, die einer nach dem anderen auf mysteriöse und z.T. grausame Art und Weise den Weg ins Jenseits antreten müssen.

Unfriended_gallery_02

Bei dem bildlosen User handelt es sich um den Account der toten Laura.

So flach und einfallslos die Story daher kommt, so innovativ und durchdacht ist die Aufmachung dieses Horror-Thrillers. So erlebt der Zuschauer den kompletten Film in Echtzeit aus der Sicht auf den Desktop der Hauptfigur. Alle der für die Handlung relevanten Figuren tauchen lediglich via ruckelnder Webcams in geöffnetem Skype-Fenstern oder als unsichtbare Chatpartner in diversen Messenger-Diensten auf.

Auf Grund der in Echtzeit gedrehten z.T. echt langen Sequenzen, sah das Drehbuch einen hohen Improvisationsanteil der Schauspieler vor. Die Umsetzung dieser Idee gelingt allerdings nur zum Teil. Hier und da wirken die Schauspielerleistungen etwas laienhaft und unbeholfen, was jedoch der durchgängigen Spannung keinen Abbruch tut. Die Figuren selbst sind durch die Bank unsympathische Gören und Widerlinge, sodass man als Zuschauer eigentlich nicht mit ihnen mitfiebert und um deren Leben bangt.

Paradoxer Weise ist „Unknown User“ der einzige Horrorfilm, den ich kenne, bei dem man als Zuschauer eher mit dem Monster, oder hier eher dem Geist, sympathisiert und den Tod der lebenden Hauptfiguren wohlwollend zur Kenntnis nimmt.

Bei dem Geist handelt es sich um die vor einem Jahr verstorbene Laura, eine Mitschülerin der chattenden Protagonisten. Was wir als Zuschauer bereits zu Beginn erfahren ist, dass Laura auf einem Youtube-Video in denkbar unpässlicher Lage zu sehen ist und in Folge dessen das Opfer einer ziemlich üblen Cybermobbing-Welle wurde. Aus Scham und auf Grund des psychischen Drucks nimmt sich Laura selbst das Leben, wobei auch ihr Suizid als Video den Weg ins Netz findet. Bald wird klar, dass auch die sechs Skype-Freunde nicht ganz unbeteiligt waren. Nach und nach deckt die tote Laura intime Geheimnisse ihrer ehemaligen Freunde auf, spielt diese gegeneinander aus und rächt sich natürlich auf blutige Art und Weise an jedem, der sich über sie zu Lebzeiten lustig gemacht hat.

Unfriended_gallery_03

Der Film ist also nicht nur ein weiterer Teenie-Slasher, sondern transportiert auch eine Botschaft und lässt einen Hauch von Gesellschaftskritik erkennen. Zugegebenermaßen macht „Unknown User“ dies wenig subtil und eher mit dem Vorschlaghammer und wirkt dabei wie ein Plakat, das man häufig in Schulen sieht: „Mobbing ist gemein und doof.“ Dennoch ist dieser Ansatz für einen Horrorfilm sehr löblich.

Ein interessantes Detail fand ich noch, dass in der deutschen Kinoversion alle Bildschirme, Programme, Fenster und Dialogfelder mit viel Liebe zum Detail auf deutsch übersetzt und umgestaltet wurden und dass auf nervige Untertitel verzichtet wird. Erstaunlich und vollkommen unverständlich finde ich hingegen die Altersfreigabe ab 12. Auch wenn der Film mit seiner Thematik rund um das genannte Phänomen des Cybermobbings und den vielen „neuen Medien“ vielleicht eine eher jüngere Zielgruppe anspricht, enthält der Film doch ein paar heftige Darstellungen von Gewalt, die ja z.T. auch schon im Trailer präsentiert werden. Stichwort: Küchenmixer…

Fazit:

Unknown User“ ist ein inhaltlich wenig origineller, dafür aber innovativ und klasse umgesetzter Horrorfilm. Mit 80 Minuten Laufzeit schaut er sich sehr kurz und knackig und macht überraschender Weise wirklich Spaß. Auch phasenweise schwächelnde Schauspieler tun der Spannung keinen Abbruch. Auf jeden Fall ein sehenswerter Film.

Meine Wertung: Note 2-3 (In Sternen: 7/10)

Interessanter Beitrag? Dann liken, folgen und kommentieren nicht vergessen 🙂

Habt ihr den Film gesehen oder habt es vor? Wie fandet ihr ihn oder was erwartet ihr?

Alle bisher auf dieser Seite veröffentlichten Filmkritiken gibt es hier. Um keine neuen Kritiken und Filmtipps zu verpassen, einfach auch hier auf Facebook folgen.

Vielen Dank!

Bildquelle: Universal
Advertisements

16 Antworten zu “Filmkritik: Unknown User

  1. Bist auf einem Horror-Trip? 😉 da hätte ich jetzt echt nicht mit einer positiven Kritik gerechnet!

    Gefällt 1 Person

  2. Dann tippe ich mal auf Ant-Man 😉

    Gefällt 1 Person

  3. christianneffe

    Hat mich jetzt nochmal darin bestärkt, ihn mir anzusehen, wenn auf DVD verfügbar ist. Danke 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: In eigener Sache: Öffentliche Hinrichtung eines Trolls | Ma-Go Filmtipps

  5. Mir Gefällt dein Kommentar sehr gut. Natürlich nicht 100% objektiv, aber das ist auch nicht unbedingt Sinn der Sache. Mich interessiert sehr die Thematik und die grusel Elemente des Films, weswegen ich nicht mit hohen Erwartungen in den Film gehe.
    Zugegeben dein Kommentar ist einer der Positivsten, jedoch beziehst du dich eben eher auf die Thematik und die Umsetzung und kritisierst nicht gleich, weil es kein neuer, super, mega Film ist, der in die Weltgeschichte eingeht.
    Außerdem in den Film gehe ich heute sowieso und dank deines Kommentars hab ich nicht zu viel Angst, dass ich mich 80 Minuten durchquälen muss.
    Die FSK Einschränkung war mir schon beim Trailer Rätselhaft, aber vom Prinzip her liegt es in der Verantwortung der Eltern, was das Kind sehen darf.
    Mit 12 hätte ich mich bestimmt dafür interessiert in den Film zu gehen, um mich „Erwachsen“ zu fühlen. Trotzdem denke ich, dass ich bestimmt danach etwas verstört wäre. Zwar kann ich gut bei Horrorfilmen distanzieren, da ich mir denke „ist ein Film“, „das nimmt eine Kamera auf“ (auch wenn das hier weniger zutrifft, aber ich denke du weißt was ich meine).
    So jetzt genug Geschwafel

    Danke für deinen guten, hilfreichen, nicht zu langen Kommentar.

    Bis dann

    P.S.: vllt solltest du was an deiner Website, was das Layout angeht arbeiten ^^(Hintergrundfarbe und Blaue Schrift harmonieren nicht so)
    Hoffe du nimmst mir die Kritik nicht übel.

    Gefällt 1 Person

  6. Meine 1. Reaktion nachdem ich den Film geguckt habe: WTF? XD

    Also die Alterseinschränkung ist wirklich viel zu niedrig. Meiner Meinung nach ist es auch mehr ein Horror-Psycho Film…
    Die Horror Szenen sind verdammt gut und es sind nicht zu viele. Mehr der Konflikt zwischen den Personen ist das interessante. Wer spielt wen warum so aus. Der Film hat sehr viel Potential, welches auch gut genutzt wurde.

    Am Anfang des Films zieht sich das ganze noch, weil es so leise ist und es passiert auch nicht viel… gehört natürlich dazu, aber hier hätte man sich kürzer fassen können. Während der richtigen Handlung bleibt die Spannung bestehen und bis zur letzten Sekunde nimmt sich es nichts… was Kritik wie Lob ist… auf der einen Seite bleibt die Spannung konstant (gut) auf der anderen Seite fehlt so DER Höhepunkt (schlecht).

    Man kann natürlich sagen der Akzent liegt auf (Achtung Spoiler) dem Tod von Blairs Freund, weil danach eine gewisse Leichtigkeit zu erkennen ist, denn man denkt sich, es stirbt keiner mehr und auch Laura ist jetzt zufrieden und erleichtert… nur die Frage ist, ob das reicht und ob die anderen Tode zuvor die Spannung nicht schon zu hoch getrieben hat.

    So mein persönliches Fazit ist, dass ich den Film sehr sehr mag und ich ihn empfehle, man muss nur offen dafür sein und darf keinen mega, super, in die Filmgeschichte eingehenden Film erwarten.
    Für die Kategorie Horror zu empfehlen, FSK etwas fehlgeschlagen und die Thematik bezieht sich auf ein wichtiges, aktuelles Thema.

    Gefällt 1 Person

  7. auch hier muss ich wiedermal ein negativen kommentar hinterlassen.
    der film ist so stark behindert,sry für die ausdrucksweise…aber ich hasse es wenn mein lieblingsgenre so derartig mit füßen getreten wird.die story lutscht des todes,wieder ne nette grundidee,umsetzung war müll. die ganzen töne (skype,msg,fb),haben mich nach 30 minuten schon so aggresiv gemacht….der war langweilig des todes,finde ich verdammt schade!,aber er reiht sich nahtlos ein…in eine reihe voller krütze was die letzten releases des genres betrifft.

    Gefällt mir

  8. So Film geschaut. Meine Wertung 6 von 10 Punkten. Gewöhnungsbedürftig da alles aus Sicht des Desktops passiert. Aber durchaus spannend gemacht. Nicht unbedingt ein Film fürs Kino aber für einen gemütlichen Popcorn Abend allemal.

    Gefällt mir

Ja, hier darfst du gerne etwas schreiben. Trau dich! :)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s