Filmkritik: Für immer Adaline

AdalineHallo Filmfreunde,

seit ein paar Tagen läuft „Für immer Adaline“ in den deutschen Kinos. Ein Liebesdrama, das sich eines ewig jungen Motivs bedient. Der ewigen Jugend. Ob sich der Film meiner Meinung nach zu sehen lohnt, erfahrt ihr hier:

Für immer Adaline

Liebesdrama, 2015

Mit: Blake Lively und Michiel Huisman

Kurzinhalt und Trailer:

Nach einem Autounfall im Jahr 1935 muss die 29-jährige Adaline Bowman (Blake Lively) feststellen, dass sie nicht mehr altert. Um ihr Geheimnis zu wahren, kann sie langfristig keine Beziehungen mehr zu Menschen aufbauen und vereinsamt mehr und mehr. Bis sie eines Tages den attraktiven Ellis (Michiel Huisman) kennenlernt und sich zu ihm hingezogen fühlt.

Meine Gedanken zum Film:

Das Motiv der ewigen Jugend oder des ewigen Lebens ist ein bereits sehr oft behandeltes Thema. Oft geht damit die Frage einher, ob es sich dabei denn nun eigentlich um einen Fluch oder um einen Segen handelt. Im Falle von Adaline ist zunächst letzteres Fall. Die ewig junge Hauptfigur ist der Meinung, dass Liebe, ohne eine gemeinsame Zukunft und dem gemeinsamen Altwerden, einem nur das Herz bricht und somit Leid und Schmerz über sie bringt. Um eben dies zu vermeiden, entsagt sich Adaline der Liebe und pflegt auch kaum Freundschaften. Lediglich zu ihrer Tochter, die mittlerweile selbst eine alte Frau ist, hält sie regelmäßig Kontakt. Diese versucht als Stimme der Romantik und Hoffnung ihre Mutter bei jeder Gelegenheit dazu zu überreden, sich dem Leben zu öffnen und der Liebe eine Chance zu geben. Die Frage stellt sich, ob Adaline aber nicht eigentlich Recht hat und sich selbst vor ihren Gefühlen schützen sollte. Aber ist ein Leben ohne Liebe überhaupt lebenswert? Und gehören Schmerz und Verlust nicht ebenfalls zum Menschsein dazu?

Mutter-Tochter-Gespräch. Das links ist übrigens die Tochter.

Mutter-Tochter-Gespräch. Das links ist übrigens die Tochter.

Für immer Adaline“ ist also ein modernes Märchen, in der eine verfluchte Prinzessin bis in alle Ewigkeit nach der großen Liebe sucht, die sie niemals erfahren kann. Wie in jedem Märchen, ist dann auch hier Logik und Vernunft natürlich fehl am Platz. Trotzdem fragt man sich schon, warum Adaline, nur weil sie alt ist (oder besser gesagt schon lange lebt), sich an jedes Detail der Weltgeschichte erinnern kann oder mehrere Fremdsprachen fließend beherrscht.

Ebenso merkwürdig wirkt die Liebesgeschichte zwischen Adaline und Ellis, welcher rein gar nichts über seine Angebetete weiß, von ihr immer wieder abgestoßen wird und dennoch von der großen Liebe zu ihr spricht. Okay, es mag sein, dass ich einfach nicht mitreden kann, weil mir so etwas in der Form selbst noch nie passiert ist. Aber die Geschichte plätschert nun einmal ziemlich gemächlich vor sich hin. Sie weist ihn ab, gibt sich einen Ruck und geht auf ihn zu, weist dann ihn aber wieder ab, um dann doch wieder die Nähe zu ihm zu suchen. Der Zuschauer schaut sich das an, ermüdet und fragt sich, warum der gute Ellis so naiv einer Frau hinterher jagt, von der er absolut nichts weiß und die er nicht mal ansatzweise kennt. „Das ist eben Liebe“ werden nun die Romantiker(innen) sagen und das lasse ich mir auch gerne noch gefallen. In Rückblicken wird jedoch deutlich, dass genau dieses Verhalten Adalines bereits zuvor bei anderen Männern zu genau der gleichen Situation geführt hat. Das erscheint mir dann allerdings schon fragwürdig.

Zwischen Adaline und Ellis knistert es. Oder doch nicht? Oder doch?

Zwischen Adaline und Ellis knistert es. Oder doch nicht? Oder doch?

Eine weitere Frage, die man sich stellen kann ist, ob man mit einer Lebenszeit von über 100 Jahren, auch wenn man im Körper einer 29-jährigen Frau steckt, sich immer noch von (körperlich) gleichaltrigen angezogen fühlt. Ist eine Frau mit der Lebenserfahrung von 100 Jahren wirklich interessiert an einem jungen Mann, der noch relativ orientierungslos und planlos in sein Leben hineinlebt? Oder geht es in der Liebe in erster Linie doch um Körperlichkeiten?

Für immer Adaline“ bietet wie ihr seht in der Tat (unfreiwillig?) einige interessante Punkte zum Nachdenken und Diskutieren. Die eigentliche Liebesgeschichte ist jedoch recht zäh und ermüdend und hat außer hübschen Bildern und Hauptfiguren eigentlich nicht viel zu bieten. Das ändert sich dann etwas in der zweiten Hälfte des Films, wenn Harrison Ford auf den Plan tritt und die Handlung dann doch eine dramatische Wendung nimmt und Adalines Geheimnis aufzufliegen droht.

Adaline schlägt William im Trivial Pursuit. Der ahnt: Mit dieser Frau stimmt etwas nicht!

Adaline schlägt William im Trivial Pursuit. Der ahnt: Mit dieser Frau stimmt etwas nicht!

Mein Fazit:

Für immer Adaline“ ist ein modernes Märchen, das emotional lange Zeit nicht viel zu bieten hat. Gute und attraktive Schauspieler/innen alleine reichen eben auch in Liebesgeschichten nicht aus, um den Zuschauer zu fesseln. Auch wenn die Gefühlsebene eher unberührt bleibt, ist es am Zuschauer sich Gedanken über Adalines grundsätzliches Dilemma zu machen und sich in die Situation hineinzudenken. Leider fällt das bei zu viel Kitsch und Ungereimtheiten oftmals recht schwer.

Meine Wertung: Note 4 (In Sternen 4/10)

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Vielen Dank!

Bildquelle: Lionsgate Entertainment

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12 Antworten zu “Filmkritik: Für immer Adaline

  1. Optisch ist der Film interessant, wenn ich mich auch -nicht nur in dieser Hinsicht- an Benjamin Button erinnert fühle. Story und Cast finde ich weniger spannend und fühle mich durch Deine Kritik bestätigt.

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  2. Das klingt nach einer klassischen Liebesgeschichte, von der Handlung her (ich hab den Film noch nicht gesehen) erinnert es mich an „Die Frau des Zeitreisenden“, wo der männliche Protagonist unfreiwillig immer wieder Zeitsprünge macht. Ich glaube, bei Liebesmelodramen darf man nicht zu sehr hinterfragen, warum sich A in B unsterblich verliebt und sich durch nichts davon abbringen lässt. Klar, im richtigen Leben hat man meistens früher oder später die Schnauze voll davon, wenn jemand einen dauernd wie Dreck behandelt oder sich nicht entscheiden kann.

    Ich hab’s allerdings auch schon mal erlebt, dass mich jemand ständig mit Vorwürfen und Misstrauen bombardiert und nicht an sich herangelassen hat, als er mich hatte und als mir das zu doof wurde und ich mich trennte, war ich plötzlich die Frau seines Lebens, ohne die er nicht leben kann, bla-sülz.

    Wenn man sich die Literaturgeschichte mal anguckt, scheine ich nicht die Einzige zu sein, die auf so jemanden getroffen ist, der nur das interessant und begehrenswert findet, was er nicht sicher in den Händen hält: „Die Leiden des jungen Werther“, „Romeo und Julia“, „Pygmalion“, … um nur einige zu nennen.

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    • Ja das stimmt schon. Aber es geht ja nicht nur um den Jagdinstikt und etwas haben zu wollen, das schwer zu packen ist. Es geht ja auch darum zu wissen, WAS man jagt und begehrt. Und das ist bei Adaline überhaupt nicht der Fall. Außerdem ist sie wirklich hübsch, aber dass mehrere Männer in verschiedenen Jahrzehnten in ihr die große Liebe sehen, ohne irgendwas über sie zu wissen… ich weiß nicht. Vielleicht bin ich einfach nicht empfänglich für solche Filme. 😀

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      • Kann schon sein 🙂 Ich glaube, für Leute mit einem ausgeprägten Jagdinstinkt, die vielleicht auch ein wenig bindungsscheu sind, sind die Objekte der Begierde tatsächlich nur so lange reizvoll, wie sie möglichst unbekannt und rätselhaft sind. Denn dann können die „Jäger“ ihr Idealbild auf das unbekannte Wesen projizieren und können es anbeten, ohne Gefahr zu laufen, dass es mit der Realität kollidiert und sie ihre Illusionen und Träume bezüglich ihres Ideals aufgeben müssen. Der Pygmalion-Mythos illustriert das finde ich ganz gut. Werther kennt Charlotte im Grunde auch überhaupt nicht, sie haben einen gemeinsamen Literaturgeschmack, aber mehr weiß er eigentlich gar nicht und will er auch gar nicht wissen. Ich wette, wenn sie zusammengekommen wären, hätte Werther sich nach ein paar Monaten zu Tode gelangweilt und hätte sich ein anderes Opfer für seine Liebesschmacht gesucht. Genauso wie ich bezweifle, dass Romeo und Julia so leidenschaftlich in Liebe zueinander entbrannt wären, wenn ihre Eltern gesagt hätten, Ach wie schön, herzlich Willkommen in der Familie Schwiegersohn/-tochter. Aber wenn man so an tragische Liebesschnulzen herangeht, macht man sich das ganze Vergnügen kaputt 😀

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      • „Na gut, ich sehe es ja ein. Der Film war trotzdem lahm“, sagte er und stampfte schmollend mit dem Fuß auf den Boden 😀

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  3. Jop du gehörst definitiv zu „allen anderen“ 😉
    Ich denke für immer Adaline ist ein Film, den man nicht hinterfragen sollte, weil er dann seinen Reiz verliert. Er spricht halt eine ganz bestimmte Zielgruppe an und für alle anderen ( 😛 ) ist er halt nichts.

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  4. Für mich muss zunächst ein Film, nicht der Abgleich unserer Realität sein. Ich schätze Filme, die mich zum Nachdenken bringen, an eigene Gefühle erinnern, oder einen Anstoß geben für eine mir noch nicht gestellte Frage oder eine vergessene Frage. So sehe ich diesen Film. Ja, nicht großartig, jedoch durchaus sehenswert, weich, traurig, romantisch, mit einer Botschaft. Warum er jemanden liebt, den er noch nicht kennt? die Frage habe ich mir im Film nicht gestellt. Im RL wäre ich nicht unbedingt der Typ dazu, doch es hat mich nicht gestört und ist für mich ein Bild für eine Entscheidung fern einer Kenntnis und nah am Herzen. Auch das kann Liebe werden und sein.

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    • Hallo!
      Da sagst du natürlich viel Richtiges. 🙂
      Wie ich bereits sagte, vielleicht bin ich einfach zu sehr „Kopfmensch“, als ich mich auf solche Filme einlassen könnte. Wobei ich Filme wie z.B. „P.S: Ich liebe dich“ sehr ansprechend fand 😛

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