Filmkritik: The Gunman

The Gunman

Actionthriller; 2015

Mit: Sean Penn

Hallo Filmfreunde,

für einen funktionierenden Actionfilm braucht man in der Regel nur einen ehemaligen Agenten/Söldner/Cop, der aus dem Ruhestand gerissen einen letzten Auftrag erfüllen muss. Im Idealfall ist der Held der Geschichte auf irgendeine Weise persönlich in die letzte Mission involviert, da er ein Familienmitglied, eine Frau oder sonst jemanden aus dem engeren Bekanntenkreis retten muss. Neuerdings scheinen sich als Hauptfiguren vor allem ältere Herren bewährt zu haben, die (wie z.B. Liam Neeson in seinen letzten gefühlt 20 Filmen) noch mal so richtig auf die Kacke hauen wollen. Ob und wie weit sich „The Gunman“ davon abhebt, erfahrt ihr hier:

Kurzinhalt und Trailer:

Der ehemalige Auftragskiller Jim Terrier (Sean Penn) wird Jahre nach einem erfolgreichen Attentat auf einen kongolesischen Politiker von seiner Vergangenheit eingeholt. Unglücklicher Weise gerät auch seine Ex-Freundin (Jasmine Trinca) zwischen die Fronten und ins Visier der Männer, die Terrier auf der Spur sind.

Meine Gedanken zum Film:

Wenn man sich die – zugegebener Maßen sehr kompakt zusammengefasste – Handlung des Films so anschaut, sieht „The Gunman“ zunächst mal tatsächlich wie ein 08/15 Action-Thriller aus dem Hollywood-Discounter aus. Allerdings ist der Film sichtlich bemüht, ein paar neue Impulse und Ideen einzustreuen. Es ist jedoch kein großes Geheimnis was sich hinter der Phrase „sichtlich bemüht“ verbirgt…

Der Film nimmt sich in den ersten 45 Minuten viel Zeit den Hintergrund und die charakterliche Entwicklung Terriers zu beleuchten. Das Problem dabei ist, dass die Hauptfigur dadurch letztendlich kein Stück sympathischer wird oder der Zuschauer sogar mit ihr mitfiebert. Während in vergleichbaren Filmen wie „Taken“ (wie „The Gunman“ auch unter der Regie von Pierre Morel) die Hauptfigur ein hehres Ziel verfolgt, wie z.B. den Schutz seiner Familie, sucht man einen solchen Antrieb in „The Gunman“ vergeblich. Denn im Grunde dreht sich der Film nur darum, dass ein ehemaliger Söldner, der unzählige Menschen auf dem Gewissen hat, herausfinden will wer es auf ihn abgesehen hat, damit er seine Widersacher erwischt bevor diese ihn erwischen.

Die Action- und Kampfszenen sind dabei zwar nichts Besonderes, aber gut umgesetzt und Sean Penn zeigt sich vor allem körperlich trotz seines Alters in bestechender Form. Allerdings sagt es oft auch einiges über einen Film aus, wenn Dusch- und Oben-Ohne-Szenen der Hauptfigur als Highlight aufgezählt werden müssen.

Insgesamt schwankt der Film irgendwo zwischen konventionellem Actionstreifen und etwas anspruchsvollerem Polit-Thriller und verliert dabei an einigen Punkten komplett die Orientierung. Einige gute Ansätze verpuffen wirkungslos oder wirken sogar kontraproduktiv. Gerade als Beispiel für letzteres sei auf einen nicht weiter katalogisierten Hirnschaden hingewiesen, der zu Beginn des Films bei Jim Terrier diagnostiziert wird. Dieser wirkt sich in Form von extremen Schwindel und sogar Schwächeanfällen aus, immer wenn sich Terrier enormen Stress ausgesetzt sieht. Oder anders gesagt: Immer dann, wenn der Film für seine Dramaturgie künstlich Spannung aufbauen muss. Da überkommt den Helden in den ungünstigsten Momenten die beinahe Ohnmacht, um dann Minuten später gleich zwei professionelle Killer auszuschalten und gekonnt zu entkommen.

Neben diesen inhaltlichen Eigentoren schafft es der Film auch nicht mit einer sichtlich angestrebten moralischen und politischen Botschaft zu punkten. Auf der einen Seite werden verstörende Bilder der chaotischen Verhältnisse im Kongo gezeigt, auf der anderen Seite mit Jim Terrier einer der Schuldigen als Held des Films in den Mittelpunkt gerückt. Überhaupt wird mit dem Thema Schuld und Sühne in „The Gunman“ sehr fragwürdig umgegangen. So antwortet Terriers Ex-und-dann-doch-wieder-Freundin auf die Frage was sie in ihrem neuen Mann sieht, dass sie mit Sex und der Ehe versucht ihre Schuld bei ihm zu begleichen. Immerhin hat er auf sie aufgepasst, als Jim plötzlich abgetaucht war. Kann man als moderne Frau ja ruhig mal so machen. Außerdem scheint es wie in Jims Fall vollkommen in Ordnung zu sein ein paar Brunnen zu bauen und entspannt im Meer zu surfen, um die zahlreichen Morde und Attentate vergessen zu machen. Gerade das Ende des Films lässt den Zuschauer dann doch mit einem dicken Fragezeichen auf der Stirn zurück.

Fazit:

The Gunman“ ist unter dem Strich ein 08/15 Action-Thriller, der krampfhaft versucht mehr zu sein als eben dies. Eine fragwürdige Moral und inhaltliche Ansätze, die bereits im Keim kläglich ersticken, lassen den Film bei diesem Versuch auf ganzer Linie scheitern. Ein einfacher brachialer Actionfilm mit fliegenden Fäusten und knatternden Gewehren wäre hier wohl die bessere Option gewesen.

Meine Wertung: Note 4

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3 Antworten zu “Filmkritik: The Gunman

  1. Bei solchen Filmen mit solchen Schauspielern frag ich mich dann wieder…“Haben die es wirklich nötig, bei so einer Sache mitzumachen?“, aber dann denke ich mir, dass jeder gerne Geld für ein bisschen belanglose Arbeit bekommt…aber zum Glück (in diesem Fall) vertragen Images von Schauspielern ja durchaus mal ein paar durchschnittliche Filme.

    Vielen Dank übrigens, dass Du eine meiner Figureneigenschaften in meinem eigenen Drehbuch als „künstlich Spannung aufbauen“ hinstellst, toll! Jetzt muss ich mir ja was anderes einfallen lassen! 😉

    Gefällt 1 Person

    • Du arbeitest an einem Drehbuch? Da musst du mir bei Gelegenheit genaueres berichten! Die Sache mit dem Hirnschaden hätte ja schon interessant werden können. Als das im Film eingeführt wurde, dachte ich. „Oh cool! Das wird mal was anderes.“ Aber WIE das dann eingesetzt wurde war halt ärgerlich. Ich habe keinen Zweifel daran, dass du das smarter handhabst 😉

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  2. Pingback: Mein Kinojahr: April | Ma-Go Filmtipps

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