Filmkritik: Ex Machina

Ex Machina

Sci-Fi; 2015

mit Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac

Hallo Filmfreunde,

können Maschinen ein Bewusstsein entwickeln? Und wenn ja, sollten wir als Spezies dann tatsächlich eine solche künstliche Intelligenz erschaffen, die unsere eigene Existenz irgendwann bedrohen könnte? Diese Fragen sind freilich kein neues Themenfeld in Science-Fiction Filmen oder Romanen. Trotzdem habe ich mit großer Vorfreude auf den Film „Ex Machina“ gewartet, der sich mit eben dieser Thematik befasst. Was ich nach der Sichtung davon halte, erfahrt ihr hier:

Kurzinhalt und Trailer:

Der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt in einer Lotterie ein einwöchiges Meet-And-Greet mit High-Tech-Genie Nathan (Oscar Isaac), in dessen streng geheimer Forschungseinrichtung. Dort erfährt Caleb, dass Nathan eine künstliche Intelligenz namens Ava (Alicia Vikander) entwickelt hat. Beim Versuch Avas Bewusstsein zu ergründen kommen sich Mensch und Maschine schnell näher als geplant.

Meine Gedanken zum Film:

Die meisten SF-Filme, die ich in jüngerer Vergangenheit gesehen habe, waren imposante und bildgewaltige Leinwandwerke voller Raumschiff- und Roboterschlachten, sowie atemberaubender Effekte und Landschaftsdarstelllungen. Ex Machina grenzt sich deutlich von dieser Art Filmen ab. Es handelt es um ein eher ruhiges, atmosphärisches Kammerspiel, dass ohne großes Action-Getöse und mit lediglich 4 Personen/Robotern auskommt. Die Handlung beschränkt sich mit Nathans Forschungseinrichtung zum Großteil auf einen einzigen Schauplatz.

Aber Vorsicht! Einen klugen Film zu schauen macht einen ebenso wenig klug, wie das Schauen eines eher sinnfreien Kawumm-Effekt Streifens zu einem debilen Brutalo. Beide Arten des Science-Fiction Kinos haben ihre Vorzüge und können durchaus unterhaltsam sein. Allerdings sollte man von Ex Machina eben keine opulenten Effekte oder Actionsequenzen erwarten, nur weil das SciFi-Etikett drauf klebt. Viel mehr zeichnet sich der Film durch wirklich starke Dialoge und einem dynamischen Beziehungsgefüge zwischen den Figuren im Laufe der Handlung aus.

Ex Machina ist so wie Science Fiction im klassischen Sinne sein sollte. Es werden technologische Möglichkeiten aufgezeigt und weiter gedacht und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen dargestellt. Dabei stellt der Film wie eingangs bereist erwähnt grundlegende philosophische und anthropologische Fragen. Auch wenn diese nicht eindeutig beantwortet werden, wird der Zuschauer zumindest dazu gezwungen über bestimmte Thematiken nachzudenken: Ist es für uns Menschen erstrebenswert auf künstlichem Wege intelligentes Leben zu erschaffen? Oscar Isaac überzeugt in seiner Rolle als moderner Doktor Frankenstein, der sich in dem Erschaffen seiner Kreatur dem menschlichen Gotteskomplex hingibt. Auf die Frage, wozu er überhaupt eine KI erschaffen will, antwortet er lapidar: „Du würdest es doch auch tun, wenn du es könntest.“ Und in der Tat die Vorstellung einen Hausroboter zu bauen, der meinen Haushalt schmeißt und gleichzeitig mit mir sozial interagiert ist durchaus reizvoll. Doch ab wann spricht man einer künstlichen, von Menschen erschaffenen Intelligenz „Menschlichkeit“ und die damit einhergehenden Rechte zu? Oder bleibt eine Maschine, auch wenn sie Wünsche, Träume und Bedürfnisse entwickelt, am Ende nur zusammengeschweißtes Metall?

„Die Maschine“ im Film heißt Ava und wird von Alicia Vikander gespielt. Die Schwedin vollzieht dabei einen schwierigen Spagat zwischen kaltem Computer auf zwei Beinen und einer sensiblen und einsamen (Roboter)Frau. Obwohl sich der Zuschauer nicht sicher sein kann, was bei ihr programmiertes Verhalten und was tatsächlich eigener Wille und Emotionen sind, entwickelt man trotz der unterschwelligen Bedrohung, die von ihr ausgeht, Mitleid mit der in der Einrichtung gefangenen Ava.

Domhnall Gleeson macht mit seiner Rolle als Caleb einen soliden Job, fällt jedoch neben dem starken Oscar Issac und noch besseren Alicia Vikander ein wenig ab. In einigen Szenen während der täglichen Sitzungen, in denen er Ava interviewt, um ein mögliches vorhandenes Bewusstsein zu erkennen, wirkt Caleb ziemlich naiv und plump. Nichtsdestotrotz wird an seiner Figur deutlich, dass man auch bei uns Menschen nicht genau sagen kann, welche Handlungen aus einem eigenem Antrieb oder Bedürfnis resultieren und welche das Ergebnis einer subtilen Manipulation durch äußerer Reize sind.

Fazit:

Ex Machina ist ein großartiger Film, der zum Nachdenken anregt und voller kluger Ideen und Dialoge steckt. Ich persönlich hätte mir hier und da ein wenig mehr erzähltechnische Finesse gewünscht. Auch wenn der Film zu keiner Zeit langweilig oder zäh wird, verläuft die Handlung doch sehr geradlinig dem Finale entgegen und verzichtet dabei auf überraschende Wendungen. Letztendlich gleicht der Film diesen Umstand jedoch durch tolle Schauspieler und Charaktere aus, deren Beziehung und Machtverhältnis zueinander sich stetig entwickeleln und verändern.

Meine Wertung: Note 2

Was sagt ihr zum Film?

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20 Antworten zu “Filmkritik: Ex Machina

  1. Schön, auch von dir eine Kritik zum Film zu lesen, die – wie ich finde – dem Streifen gerecht wird und die Thematik recht klar darstellt.

    Was halte ich vom Film: In Ergänzung dessen, was du bereits geschrieben hast, fand ich das Thema menschliche Zuneigung/Liebe, dass ja sehr deutlich nicht nur angeschnitten wird, ziemlich spannend – denn in dieser Sparte glaubt sich der Mensch der Maschine ja vermutlich ewig überlegen.

    Was mich hingegen gestört hat war das Ende: Nicht nur was es recht unbefriedigend, sondern mir außerdem auch zu sehr auf Fortsetzung gedreht…

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    • Vielen Dank! Ich fand das Ende insofern enttäuschend, da ich bis zum Schluss mit einem Hammer-Twist gerechnet hatte. Z.b. dass Nathan am Ende die KI ist, die Caleb einfach nicht als solche erkennen konnte. Das meinte ich auch im Artikel mit „erzähltechnische Finesse“ 😉

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  2. Wirklich gut geschrieben! Ich hätte auch große Lust auf den Film. Mich würde nur interessieren, wie viel Moralkeule in dem Film steckt, ob es eine Message gibt und ob die subtil eingearbeitet oder mit dem Holzhammer reingehauen wurde?

    (lieber Marco, danke auch für deine E-Mail! Ich hatte nie vor, meinen Blog aufzugeben aber hatte derletzt wenig Zeit ins Kino zu gehen geschweige denn darüber zu schreiben, wegen Studium und vor allem wegen meinem eigenen hoffnungslosen künstlerischen Schaffensdrang, der mir die Zeit stiehlt, in der ich eigentlich vor der Glotze/Leinwand sitzen sollte ;). Ich werde trotzdem versuchen möglichst bald wieder was zu schreiben, denn es motiviert unglaublich, wenn Leser/Mitblogger so viel Interesse zeigen wie du!)

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    • Hey! Was die Moralkeule angeht, kann man nicht sagen, dass es eine eindeutige Message gibt. Ein bisschen subtile Kritik an Konzernen wie Google und eben viel Stoff zum Nachdenken.
      Vielleicht schaffst du es ja doch noch ins Kino. Auf jeden Fall schön mal wieder von dir zu hören 😉

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  3. Danke für den Beitrag – der macht auf jeden Fall Lust auf mehr! Scheint also wieder ein ziemlich offener Film zu sein, was eine etwaige Moral angeht. Fand ich damals bei American Sniper ja auch so und das gefiel mir auch. Werde ich also doch auf jeden Fall gucken müssen, dass ich den Film mal sehe!

    Die Thematik mit der Bedrohung und so weiter, die Du anführst, erinnert mich jetzt spontan irgendwie doch an „Der Tag, an dem die Erde still stand“…hmm…noch ein Grund mehr, sich den hier anzugucken! 😉

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  4. Super Rezension. Da würde ich fast komplett zustimmen – bis auf die Bemerkung zum Twist. Den fand ich gerade wegen seiner Einfachheit unerwartet. Ich hatte nämlich schon von Anfang an erwartet, dass Caleb oder Nathan eine KI ist. Aber ansonsten würde ich dir absolut zustimmen.:-)

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  5. Auch eine schöne Kritik! Und ja, hallo, wir sind uns tatsächlich einig! 😀

    Allerdings fand ich auch das Ende gut, gerade weil es offen war. Meiner Meinung nach macht Garland das aber nicht, um hier eine Hintertür für eine Fortsetzung offen zu lassen. Ich hoffe, er wird mich nicht eine Besseren belehren – ich finde, es sollte bei einem Stand-Alone bleiben.

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  6. Pingback: Mein Kinojahr: April | Ma-Go Filmtipps

  7. Hört sich gut an. Merke ich mir für diese Woche vor 🙂

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  8. Wir haben den Film in einer unseren letzten Sendungen besprochen ( http://www.nerdtalk.de/12461-nerdtalk-sendung-390/ ) und fanden ihn so wie du echt gut. Sehr düster, trotz der Moderne und an vielen Stellen auch geradezu metaphorisch. Lars hat sogar eine Reise durch die Menschen-Zeit entdeckt und so die große Menschseins-Parallele gezogen.

    Der Film gibt echt viel!

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  9. Fand den Film sehr gelungen , das Ende fande ich nicht enttäuschend aber habe bis zu letzt gehofft das Ava ihren Befreier es dankt und mitnimt.

    Ob er es anschließen beräut hat die KI frei gelassen zu haben ?

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