Filmkritik: Das Glück an meiner Seite

Das Glück an meiner Seite

Drama; 2014

mit Hilary Swank, Emmy Rossum

Hallo Filmfreunde,

nachdem ich neulich mit „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ über einen grandiosen Film um das Leben einer Alzheimer Patientin berichtet habe, steht auch schon das nächste Drama um eine unheilbare Krankheit auf dem Kinoprogramm. Als ich zum ersten mal von „Das Glück an meiner Seite“ hörte, fühlte ich mich spontan an den französischen Film „Ziemlich beste Freunde“ erinnert. Ob er dem Vergleich mit den beiden genannten Klasse-Filmen standhält, erfahrt ihr hier:

Trailer und Kurzinhalt: Die an ALS erkrankte Kate (Hilary Swank) engagiert die chaotische Studentin Bec (Emmy Rossum) als ihre neue Pflegerin. Obwohl die beiden auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, lernen sich die Frauen während der Arbeit näher kennen und helfen sich gegenseitig ihr Leben zu bewältigen.

Meine Gedanken zum Film: Nicht zuletzt durch die „Ice Bucket Challenge“ im Sommer/Herbst 2014 ist die Nervenkrankheit ALS in aller Munde. Und auch wenn es möglicher Weise unfair ist so etwas zu unterstellen, könnte man das Gefühl bekommen, dass hier ein Film krampfhaft versucht auf der Eiskübel-Welle mit zu reiten. Filme über Menschen, deren Leben sich krankheitsbedingt auf dramatische Weise ändert, bieten oft emotionale Ankerpunkte für den Zuschauer, da sie zeigen, dass man sein Schicksal nicht immer selbst in der Hand hat. Dazu braucht es jedoch ein lebensnahes Setting, Protagonisten „zum Anfassen“, die Identifikationspunkte bieten und eine mehrperspektivische Darstellung der jeweiligen Krankheit. All das sucht man jedoch in „Das Glück an meiner Seite“ größtenteils vergeblich. Aber der Reihe nach… Während der ersten Hälfte des Films fühlt man sich tatsächlich stark an den bereits erwähnten „Ziemlich beste Freunde“ erinnert. Obwohl grundlegende Motive der erfolgreichen Tragikomödie aus dem Jahr 2012 übernommen werden, teilt „Das Glück an meiner Seite“ jedoch nicht den fröhlichen, lebensbejahenden Grundton des französischen Vorbilds. Viel mehr schlägt Regisseur George C. Wolfe hier eher pessimistische und tragische Töne an. Dazu stellt er an diversen Stellen des Films unsichtbare Warnschilder und Wegweiser auf, die den Zuschauer durch den Film lotsen sollen. „Achtung: Hier wird gezeigt was Kate früher gerne gemacht hat. Jetzt zeige ich, dass das nicht mehr geht.“ Oder: „Achtung: Jetzt zeige ich gleich, dass alle Freunde sich von einem abwenden, wenn man eine so schlimme Krankheit hat.“ Auf eine differenzierte Darstellung der Krankheit und deren Folgen für die Patientin und deren Umfeld wird allerdings weitestgehend verzichtet. Vielmehr zwängt der Film dem Zuschauer die Stimmungen und Befindlichkeiten der Figuren auf, verurteilt statt zu informieren und verwendet bei der Zeichnung seiner Figuren bevorzugt schwarz und weiß. Vor allem die Nebenfiguren verkommen dabei zu Stereotypen. Und selbst die beiden Hauptfiguren wirken, obwohl von Hilary Swank und Emmy Rossum eigentlich nicht schlecht gespielt, unnatürlich und künstlich aufeinander abgestimmt. Trotz der vielen negativen Kritikpunkte, muss man dem Film zu Gute halten, dass er es zum Ende hin doch schafft den Zuschauer emotional zu berühren. Zumindest waren im Kino vereinzelte, Tränen unterdrückende Schniefer zu hören und beim Rausgehen einige gerötete Augen zu sehen. Allerdings lässt sich dieser Effekt hauptsächlich auf die gute, alte Erfolgsformel „Kitschige Phrasen, die man im echten Leben niemals sagen würde + traurige Klaviermelodie = Tränenfänger“ zurückführen, die man bereits aus zahlreichen Nicholas Sparks oder Cecilia Ahern Verfilmungen kennt.

[Edit: Nach Fertigstellung dieses Artikels habe ich festgestellt, dass es sich bei dem Film tatsächlich um eine Romanverfilmung handelt. Allerdings nicht von Nicholas Sparks, sondern der Autorin Michelle Wildgen. Regisseur George C. Wolfe hat übrigens mit „Das Lächeln der Sterne“ tatsächlich schon mal einen Sparks Roman verfilmt…]

Fazit: Auch wenn Direktvergleiche zwischen Filmen oft hinken, so muss man doch festhalten, dass „Das Glück an meiner Seite“ eine ziemliche Enttäuschung ist. Der Film verfügt weder über Charme und Gefühl von „Ziemlich beste Freunde“, noch über die Emotionalität und den offenen Umgang mit der zu Grunde liegenden Thematik wie z.B. „Still Alice“. Wer auf so etwas hofft, wird bitter enttäuscht. Wer hingegen ein Schablonen-Drama mit einer Prise Kitsch und Romanatmosphäre sehen möchte, könnte durchaus auf seine Kosten kommen.

Meine Wertung: Note 4-5

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3 Antworten zu “Filmkritik: Das Glück an meiner Seite

  1. Das war genau das, was ich auch dachte – „Abklatsch von Ziemlich beste Freunde“. Dass das da nicht dran kommen würde, hatte ich schon befürchtet…

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