Filmkritik: #Zeitgeist

#Zeitgeist

Drama; 2014

mit u.a. Adam Sandler, Jennifer Garner, Ansel Elgort

Hallo Filmfreunde,

gestern habe ich im Rahmen einer Sneak Preview den Film „#Zeitgeist“ gesehen. Auch wenn der Film bereits vor einigen Monaten in ausgewählten Kinos angelaufen ist, habe ich mich entschieden meine Gedanken zu diesem Film zu teilen. Denn so viel sei gesagt: Auch wenn der Name Adam Sandler bei einigen spontanen Brechreiz auslöst, ist #Zeitgeist auf jeden Fall einen Blick wert.

Kurzinhalt und Trailer

Anhand einer Gruppe von miteinander verbundenen Personen zeigt der Film das Leben im Zeitalter des Internets und sozialer Netzwerke.

Meine Gedanken zum Film

In mehreren (mehr oder weniger) zusammenhängenden Geschichten erzählt der Film von Problemen und Phänomen der modernen Gesellschaft. Themen wie Online-Gaming und Internetpornographie werden genauso behandelt wie Magersucht bei Teenagern, überbesorgte „Helikopter-Eltern“, eheliche Tristesse, Scheidungen und der Umgang von Jugendlichen mit den sozialen Netzwerken ala Facebook und Co.

Klingt viel? Ist es auch. Und genau darin liegt auch der große Schwachpunkt des Films. Die genannten Probleme sind zwar alle realistisch dargestellt und durch die Medien für den Zuschauer präsent. Thematisch versucht der Film jedoch zu viele Fäden zu einem großen Ganzen zusammen zu führen. Obwohl #Zeitgeist mit einer Länge von knapp zwei Stunden eine ordentliche Laufzeit aufweist, reicht diese einfach nicht aus, um die Figuren mit Leben zu füllen und deren vorhandenen Charakterentwicklungen nachvollziehbar zu machen. Beinahe alle der für die Handlung relevanten Figuren verkommen dabei zu Stereotypen, die lediglich ihren Zweck erfüllen sollen eines der genannten Probleme mit sich herum zu tragen.

Trotzdem handelt es sich bei #Zeitgeist um einen Film, über den man sich nach der Sichtung seine Gedanken macht und darüber spricht. Allerdings ging es mir auf Grund der schwachen Figuren im Film so, dass ich mir keinen einzigen Namen merken konnte und immer auf Figuren-Hülsen wie „Das Cheerleader-Girl“, „Die kleine Magersüchtige“ oder einfach „Der Adam Sandler“ zurück greifen musste. Was mir persönlich an #Zeitgeist sehr gut gefällt ist die Tatsache, dass er nicht wie man vielleicht vermuten könnte das Internet und alles was damit zusammenhängt verteufelt. Alle Probleme, die im Film thematisiert werden drehen sich um die Punkte Entfremdung, Isolation und die Unfähigkeit miteinander zu sprechen und sich zuzuhören. Es geht um die grundlegenden Frage, ob die digitale Vernetzung der Grund dafür ist, dass wir uns im realen Leben von Freunden und Familien entfremden, oder ob die Entfremdung aus anderen Gründen stattfindet und Menschen versuchen dies in der virtuellen Welt auszugleichen. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht so, als ob der Film den neuen Medien die Schuld an den Problemen unserer Gesellschaft geben möchte. Schaut man jedoch genauer hin, so sieht man, dass es sich keineswegs um eine allgemeine Medienschelte handelt. Denn die Probleme die den Charakteren im Film zu schaffen machen entstehen in der Regel im realen Leben und dort finden sie niemanden, der für sie da ist oder mit dem sie darüber sprechen können.

Ja, die frustrierte Ehefrau lernt über ein Online-Portal für frustrierte Ehepartner einen ebenfalls frustrierten Ehemann kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Die ursächliche Frustration rührt jedoch nicht aus dem Internet, sondern aus der zwischenmenschlichen Beziehung mit ihrem Ehemann, mit dem sie allerdings nicht über ihre Unzufriedenheit spricht.

Das magersüchtige Mädchen, das sich in fragwürdigen Foren Tipps zur noch schnelleren Gewichtsreduktion holt, erhält weder von Freunden noch in ihrer Familie die Unterstützung die sie bräuchte.

Passend zum Film habe ich neulich auf Facebook einen dieser neunmalklugen Sprüche gelesen:

„Den verschwommenen Rand um das Smartphone
nennt man übrigens Leben.“

Ich gebe ja zu, dass die Zeit in der meine Augen auf mein Handy oder meinen Monitor gerichtet sind, vor allem seit ich diesen Blog habe, extrem angestiegen ist. Trotzdem wehre ich mich dagegen mich als Opfer der bösen Medien zu sehen. Wenn ich beispielsweise an der Bushaltestelle stehe und warte, ist es aus meiner Sicht produktiver die neuesten Tweets meiner Blogger-Kollegen zu lesen, als den vorbei fahrenden Autos beim Abbiegen zuzusehen. Und dennoch wage ich zu behaupten, dass ich mich von meinen Freunden und meiner Familie nicht entfremdet habe oder sogar isoliert bin. Natürlich birgt das Internet „Gefahren“ aber es bietet eben auch unfassbare Möglichkeiten. Allerdings bedarf es um sich im virtuellen Raum zurecht zu finden ein gewisses Maß an reflektierender Auseinandersetzung mit sich selbst und den Inhalten mit denen man sich beschäftigt. Das gilt im Übrigen genauso für das Leben im realen Raum. Man kann darüber streiten, ob Shows wie „Germany’s next Topmodel“ überhaupt für Mädchen im Alter von 10 bis 12 geeignet sind. Absolut verantwortungslos halte ich es hingegen, wenn man sein Kind einem solchem Programm aussetzt und nicht mit ihm darüber spricht. Viele Erwachsene sind leider selbst entweder total abgestumpft, desinteressiert oder orientierungslos, sodass gerade Teenager und Kinder keine adäquaten Verhaltensmuster (weder für das reale noch für das virtuelle Leben) mehr an die Hand bekommen. Bevor das hier jedoch in einen sozialkritisch-pädagogischen Exkurs ausartet, möchte ich zum Schluss noch kurz eine kleine Anekdote zum Besten geben.

Neulich in einem Cafe setzte sich ein Paar an den Nachbartisch, das ich irgendwo in der Altersklasse 40-50 einordnen würde. Nachdem die beiden ihre Bestellung aufgegeben hatten, widmete sich der Herr seiner Zeitung, während die Dame einen Roman aus ihrer Handtasche kramte. So saßen die beiden da ohne ein einziges Wort miteinander zu wechseln oder ihre Umwelt zu beachten. Am liebsten wäre ich zu ihnen rüber gegangen und hätte gesagt: „Entschuldigen Sie bitte. Der verschwommene Rand um das Papier ihrer Lektüre nennt man übrigens Leben.“ Ich habe das dann doch gelassen, weil das Vibrieren meines Smartphones mich auf eine Facebook Benachrichtigung aufmerksam machte.

Fazit:

Der Film dreht sich um mehrere sehr interessante Themen, die zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen. Leider wird dabei zu viel Inhalt in den Rahmen gepresst, was auf Kosten der Figuren geht. Die stereotype Darstellung der Protagonisten verhindert eine emotionale Bindung des Zuschauers zur Handlung. Hier wäre weniger wahrscheinlich mehr gewesen.

Meine Wertung: Note 3-4

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5 Antworten zu “Filmkritik: #Zeitgeist

  1. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Jason Reitman einen neuen Film hat. Kommt gleich auf die Watchlist. Der deutsche Titel ist ja auch wieder schräg im Vergleich zu Men, Women & Childen.

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    • „Juno“ fand ich weniger gut, „Up in the air“ hingegen ziemlich. „Thank you for smoking“ irgendwo dazwischen. #Zeitgeist genauso. Zum Titel: Hier handelt es sich um einen der seltenen Fälle, wo der deutsche Verleih-Titel vielleicht sogar besser passt als das Original. Viel Spaß mit dem Film.

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  2. Ein wirklich toller Film. Ich habe ihn im Kino gesehen und gemocht. Zwar wird er am Ende meines Erachtens dann doch etwas „klassisch“, aber die erste Hälfte ist ein tolles Spiegelbild unserer modernen Gesellschaft. Und das mit Adam Sandler 😉

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  3. Pingback: Mein Kinojahr: März | Ma-Go Filmtipps

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