Ein neues Filmgenre ist geboren: Die Verarschung! (Oder nicht?)

Hallo Filmfreunde,

immer öfter lese ich im Zusammenhang mit Filmen von einem scheinbar neuem Genre: der Verarschung. Oft auch als Verarsche bezeichnet, erfreut sich diese moderne Terminologie der Filmanalyse stetig wachsender Beliebtheit und hat sogar als Sub-Genre Einzug in klassische Gattungen der Filmkategorisierung gehalten. So bezeichnen einige Experten die Scary Movie-Reihe als durchaus amüsante Horrorfilm-Verarschung oder Hot Shots! – Die Mutter aller Filme als herausragendes Beispiel der Kriegsfilm-Verarschung. Birdman (oder die Unverhoffte Macht der Hollywood-Verarschung), Mein Frau, die Spartaner und Ich, Date Movie, Superhero Movie, Nicht noch ein Teenie-Film, Kickass oder Schrei, wenn du weißt was ich letzten Sommer am Freitag, den 13. getan habe. All das sind (mehr oder weniger) populäre Beispiele von Filmen, die getrost in die Kategorie Verarschung eingeordnet werden können.

Als alter Traditionalist halte hier nun ein flammendes Plädoyer für altgediente Begriffe, die leider in Vergessenheit zu geraten drohen. Aber Vorsicht: Alles Verarschung Satire…

Irgendwann habe ich mal etwas von dem Begriff PARODIE gehört. Gibt man diese Buchstabenfolge bei einer bekannten freien Enzyklopädie ein, erhält man folgende Begriffserklärung:

„Eine Parodie (griechisch παρῳδία parōdía „Gegenlied“ oder „verstellt gesungenes Lied“) ist eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung.“

Moment mal! Das ist doch das Gleiche wie eine Verarschung, oder? Ist Die Pute von Panem nicht eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung des Welterfolgs Die Tribute von Panem? Und bedeutet das etwa, dass es sich bei dem Film gar nicht um eine Verarschung, sondern eine Parodie handelt? Man muss es fast befürchten.

Wenn wir uns nun in einem Anflug von Altersmilde dazu breitschlagen lassen, die Verarschung zumindest als Synonym für den ausgedienten Begriff Parodie zuzulassen, sollten wir wenigstens einen etwas differenzierteren Blick auf das Ganze wagen.

Denn eine Verarschung ist nicht immer gleich eine Verarschung. The Expendables sind meines Erachtens nämlich keine „verspottende Nachahmung“ der alten Actionhelden und -filme der 1980er Jahre. Ebenso wenig ist Tarantinos Django unchained eine Western-Verarschung. Diese Filme ehren die alten Vorlagen und stellen diese als ursprüngliche Inspirationsquelle heraus. Da diese Originale oft nicht mehr zeitgemäß sind, haben die genannten Pseudo-Verarschungen oftmals einen eher amüsanten Grundcharakter. Allerdings wehre ich mich dagegen jedes kleine Augenzwinkern gleich als „verarschen“ zu deuten. In Fällen wie diesen ist der Begriff Verarschung also nicht nur artikulatorisch unschön, sondern sogar schlicht und ergreifend falsch.

Nun werden die weniger eloquenten (schon wieder so ein schweres Wort) Verarschungs-Verfechter fragen: „Aber wie sollen wir denn Django unchained denn dann bezeichnen? Ein richtiger Western ist es ja wohl nicht. Also muss es eine Western-Verarschung sein!“

Kleiner Tipp: Wenn wir noch mal die oben bereits genannte Enzyklopädie zu Rate ziehen und den Begriff HOMMAGE eintippen, erhalten wir folgende Beschreibung:

„Als Hommage werden vor allem alle Verweise gesehen, die im Rahmen eines künstlerischen Werks gegeben werden und jemanden hervorheben, dem der Künstler besondere Anregungen für sein Werk verdankt. Oft sind Kunstwerke als Ganzes explizit als Hommage entworfen.“

Na klingelt da was? Wie wäre es also mit einer Western-Hommage, statt einer Verarschung?

Fassen wir das also noch mal kurz zusammen:

Parodie = Ein Film, der einen oder mehrer andere Filme, so wie spezifische Genre-Merkmale verspottet

Hommage = Ein Film, der sich auf bereits bekannte Werke bezieht und sie als Inspirationsquelle ehrt. Das geht auch mit einem Augenzwinkern 😉

Verarschung = Ein kläglicher Versuch von ahnungslosen Leuten Filme zu beschreiben, die entweder eine Parodie, eine Hommage oder sogar eine stinknormale Komödie sind.

Ich erkläre hiermit nun der Verarschung als Filmgenre offiziell den Krieg und rufe alle Filmfreunde auf das auch zu tun. Teilt diesen Beitrag unter dem Hashtag Say No To Verarschung und helft dabei diesen Unfug einzudämmen! Tod der Verarschung! Teilen, rebloggen, kommentieren auf allen Kanälen!

Vielen Dank für eure Unterstützung.

#saynotoverarschung

Liebe verarschende Grüße,

Ma-Go

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11 Antworten zu “Ein neues Filmgenre ist geboren: Die Verarschung! (Oder nicht?)

  1. Welcher Arsch nutzt denn ,,Verarschung“ um ein Genre zu beschreiben? Also ehrlich mal…

    Übrigens interessant, Dein kurzer Absatz zur Hommage – die hat sich ja als Genrebegriff im Gegensatz zur Parodie nie so wirklich herausgebildet. Aber meiner Meinung nach muss eine Hommage auch gar nicht als solche bezeichnet werden, denn sonst müsste man ja nahezu jeden Film, der heutzutage erscheint, als Hommage angeben.

    Klar ist ein „Django Unchained“ natürlich sehr gezeichnet von den klassischen Merkmalen, aber so ein Tarantino macht das natürlich auch immer sehr extrem. Aber jeder Film hat halt irgendwo ein Element, das man schon von älteren Filmen dieses Genres kennt. Von daher muss man die Hommage mMn nicht als solche deklarieren – außer höchstens in ganz krassen Fällen (Django Unchained fällt für mich persönlich da noch nicht ganz drunter, geht aber schon sehr eindeutig in diese Richtung – ich denke da nur an die Szene mit Franco Nero).

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  2. Ja stimmt schon. Aber google mal Filmverarsche. Ich glaube das waren knapp 50 000 Treffer. Zugegebener Maßen überwiegend Forumbeiträge. Aber trotzdem…
    Prinzipiell sehe ich das auch so, dass man nicht alles mit dem Label Hommage/Parodie oder sogar Satire versehen muss. Aber wenn man einen Verweis zu einem anderen Werk/Genre deutlich machen will, dann doch lieber mit „Fachbegriffen“ als mit dem Scheißwort Verarsche 😉

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  3. Das war mir bislang nicht aufgefallen, dass so viele Parodien und Hommagen als „Verarschungen“ bezeichnet werden. Ich kann deinen Ärger aber absolut nachvollziehen. Der Begriff wird seinem Gegenstand nicht annähernd gerecht.

    Weitere Stilmittel/Subgenres, die sich auf andere Filme oder Genres in komischer oder auch nichtkomischer Art und Weise beziehen, sind zum Beispiel das Reboot (Altbekanntes wird neu erzählt, z. B. die Batman-Trilogie von Christopher Nolan) oder der Remix (altbekannte Versatzstücke werden neu gemischt). Dass alles irgendwie schon mal da war und es nichts wirklich Neues gibt, man Altbekanntes aber neu darstellen kann, ist wiederum ein Grundgedanke der Postmoderne.

    Ganz so intellektuell muss es aber nicht werden, ich denke, mit Hommage und Parodie kommt man weit genug, um allgemeinverständliche Filmkritiken zu schreiben. (Ich find deinen Blog übrigens super 🙂 )

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  4. Verarschung verbinde ich eher mit Kindersprache. Persiflage ist wohl das adäquate Wort.

    Kick-ass ist übrigens keine Parodie.

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  6. Wirklich interessanter Artikel. Ich selbst hab ja auch schon über 250 Filmkritiken geschrieben und ich erinnere mich nicht daran jemals das „V-Wort“ verwendet zu haben. Ich verwende lieber Begriffe wie „Klamauk“ oder „Absurdität“ um zu erklären, dass „sich der Film selbst auf die Schippe nimmt“ (auch ein guter Ausdruck). Verarsche kenne ich eher von Youtube-Videos, wo Filme wie HERR DER RINGE neu vertont werden oder in einen anderen Kontext gesetzt werden.

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