Filmkritik: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

Still Alice

Drama, 2014;

mit Julianne Moore, Alec Baldwin, Kristen Stewart

Hallo Filmfreunde,

ich weiß nicht ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich bin großer Julianne Moore Fan. Die Frau könnte ein verstaubtes Schuhregal spielen und würde mir wahrscheinlich sogar in dieser Rolle gefallen. Für ihre Leistung in Still Alice hat sie nun endlich den überfälligen Oscar für die beste weibliche Hauptrolle bekommen. Und das auch völlig zu Recht! Meine Gedanken zu Still Alice lest ihr hier:

Kurzinhalt und Trailer

Die 50-jährige Alice Howland (Julianne Moore)  ist eine angesehene Linguistik Professorin, Ehefrau und Mutter von drei Kindern. Als sie ihre Alzheimer Diognose erhält, beginnt für sie ein aussichtsloser Kampf gegen eine schnell fortschreitende Krankheit und die damit einhergehenden Folgen.

Meine Gedanken zum Film:

Nach meiner kleinen Laudatio auf Julianne Moore dürfte es wenig überraschen, dass ich mich dem allgemeinen Lob für deren Leistung in diesem Film anschließe. Ein bisschen schade fand ich, dass der übrige, zum Teil hochkarätige, Cast über der gesamten Film ziemlich blass bleibt. Das liegt zum einen daran, dass Julianne Moore ihre Kollegen mit ihrer Leistung in den Schatten stellt. Zum anderen aber daran, dass der Film sich fast ausschließlich auf die Patientin Alice und vor allem den rasanten Fortlauf der Alzheimer Krankheit konzentriert. Wie die einzelnen Familienmitglieder mit der Diagnose umgehen und wie sie sich beim Umgang mit ihrer erkrankten Mutter/Frau fühlen wird lediglich angedeutet. Gerade weil eines der Kinder ebenfalls das für die Krankheit ursächliche Gen in sich trägt, wäre hier die Mutter-Kind-Beziehung als Folge der (möglichen) gemeinsamen Krankheit interessant gewesen.

Ich muss zugeben, dass ich nach der Sichtung des Trailers und allem was ich bisher über den Film gehört hatte etwas überrascht war, wie wenig „lebensbejahend“ der Film letztendlich war.  Still Alice zeichnet sich weniger durch einen sonderlich komplexen Plot aus, als viel mehr durch aneinander gereihte Momente von Hoffnung und Freude, aber eben doch viel mehr Orientierungslosigkeit, Verzweiflung, Angst und Trauer. An einem Punkt des Films entgegnet Alice auf die Aussage ihres Mannes, sie habe doch in letzter Zeit einige gute Tage gehabt, die berechtigte Frage: „Gut im Vergleich zu was?“ Natürlich gibt es im Film Momente, in denen Alice glücklich ist. Zum Beispiel wenn sie ihre Tochter während einer Theateraufführung auf der Bühne sieht. Doch selbst diese Momenten werden von der Krankheit entstellt, da Alice kognitiv nicht mehr in der Lage ist dem Stück inhaltlich zu folgen.

Der Trailer lässt durch nett anzuschauende Szenen wie Strandspaziergänge mit der Tochter, ein gemeinsames Weihnachtsessen mit der Familie, ein Baby auf dem Arm und einer emotionalen Rede („Ich muss nicht leiden, ich muss kämpfen!“) einen sehr viel positiveren (oder auch kitschigeren Film) vermuten, als Still Alice tatsächlich ist.

Versteht mich nicht falsch, der Film ist extrem emotional und ich rate jedem eine Packung Tempos mit ins Kino zu nehmen. Nur sollte man auf keinen Fall ein seichtes Dramalein ala „Honig im Kopf“ erwarten. Abgesehen von einer an Alzheimer erkrankten Hauptfigur haben diese Filme nämlich so gut wie nichts gemeinsam. Still Alice ist realistisch und zeichnet ein viel ernsteres Bild der Krankheit und die Folgen für die Betroffenen.

Abgesehen von den strapazierten Tränendrüsen hat mich Still Alice auch zum Nachdenken angeregt. Zum einen macht der Film wieder mal deutlich, dass Krankheiten wie Alzheimer jeden, unabhängig seines Bildungsniveaus und Hintergrunds, treffen können. Außerdem stellt sich die Frage nach der Pflege eines Betroffenen. Ich weiß nicht, ob ich ein Familienmitglied in der letzten Phase der Krankheit selbst betreuen könnte und wollte oder ob ein Pflegeheim nicht für alle Beteiligten das Beste wäre. Ebenso wenig wüsste ich, was ich als Patient selbst in so einem Fall wollte. Wie im Film deutlich wird, ist es unvorstellbar schwer zu entscheiden ob man für einen geliebten Menschen verantwortlich ist oder selbst weitermachen sollte/muss und in wie weit ein Betroffener das Gefühl hat eine Last für seine Familie zu sein.

Eines der wichtigsten Motive im Film ist Alice‘ Verlust der eigenen Persönlichkeit. Doch wann hört eine Person auf der Mensch zu sein, den man einst geliebt hat? Wenn er einen nicht mehr erkennt sich aber noch an gemeinsame Urlaube erinnert? Wenn er verlernt hat zu sprechen? Oder bleibt Alice unabhängig ihres Geisteszustandes und der damit einhergehenden Veränderungen ihrer Person am Ende still Alice?

Mein Fazit:

Still Alice ist ein extrem trauriges und berührendes Drama mit einer herausragenden Julianne Moore in der Hauptrolle, dass das Leben mit einer viel zu wenig ernst genommene Krankheit thematisiert. Emotional schwieriger Stoff, der eine Weile an einem haften bleibt und zum Nachdenken anregt.

Meine Wertung: Note 1-2

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11 Antworten zu “Filmkritik: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

  1. Habe den Film heute im Kino gesehen. Kann dir in deiner Kritik eigentlich nur beipflichten, was Julianne Moore hier teilweise auf die Leinwand bringt sorgt einfach nur kompromisslos für Gänsehaut und Tränen in den Augen.
    Hab einen ähnlichen Fall in näherer Umgebung und teilweise ist es erschreckend zu sehen, wie genau der Film den Ton und die Problematiken der Krankheiten aufzeigt.
    Super Ding, sollte man sich aber ungedingt in der richtigen Erwartungshaltung und Situation ansehen.

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  4. Bei deiner Rezension würde ich dir zu 100% zustimmen. „Still Alice“ gehört wirklich zu den besten Filmen zum Thema Alzheimer, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Ziemlich realistisch, aber auch ziemlich traurig.

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  5. Sehr gut getroffen würde ich sagen 🙂
    Besser kann man es nicht ausdrücken

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  9. Schöne Review, deckt sich quasi komplett mit meiner Meinung, sogar bis hin zu dem Tipp mit den Taschentüchern 😀

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