Filmkritik: Selma

Skandal! Rassismus in Hollywood!

Zumindest war das die Reaktion einiger Kritiker, nachdem bekannt wurde dass „Selma“ nur für zwei Oscars nominiert wurde. Als bester Film und den besten Filmsong. Und das obwohl Regisseurin Ava DuVernays als erste Afroamerikanerin für den begehrten Preis hätte nominiert werden können. Auch David Oyelowo in seiner Rolle als Martin Luther King blieb in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ ohne Beachtung. Dass letztes Jahr „12 years a slave“ als bester Film ausgezeichnet wurde, ist wohl schon wieder in Vergessenheit geraten.

Ich lasse jetzt mal die Hautfarbe der Künstler außen vor und betrachte „Selma“ wie jeden anderen Film auch. Was ich darüber denke lest ihr hier.

Selma

Drama/Biopic, 2014

Kurzinhalt und Trailer

1965 plant der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King (David Oyelowo) im Kampf für ein gleichberechtigtes Wahlrecht der schwarzen Bevölkerung einen Protestmarsch von Selma nach Montgomery. Dabei muss die Bewegung Widerstände aus der Politik, dem Polizeiapparat und der weißen Bevölkerung überwinden.

Meine Gedanken zum Film:

Obwohl sich der Film vordergründig um das Leben und Wirken des Martin Luther King dreht, handelt es sich bei „Selma“ eigentlich nicht um eine klassische Biographie. Die wichtigsten geschichtlichen Punkte, die man zwangsläufig mit King verbindet (seine berühmte „I-have-a-dream“-Rede und seine Ermordung 1968) spielen im Film keine Rolle. Stattdessen geht es ausschließlich um den genannten Protestmarsch und dessen politische Zusammenhänge und Folgen.

Die wenigen Szenen die den Privatmann King in den Mittelpunkt stellen, fand ich zum Teil doppeldeutig. Auf der einen Seite wird versucht einen amerikanischen Helden möglichst menschlich zu zeigen. Auf der anderen Seite wirkt es manchmal so, als wollte der Film ein wenig am Lack eines Idols kratzen. Im Film wird King nämlich nicht nur als Hoffnung spendender Anführer, sondern auch als Mann, der seine Krawatte nicht ohne seine Frau binden kann, als Ehebrecher und berechnender Politiker dargestellt, der seine Leute sehenden Auges in Gefahr bringt, um die nötige Aufmerksamkeit für seine Sache zu bekommen.

All das spielt jedoch wie gesagt nur eine Nebenrolle und wird beinahe beiläufig in den Film hinein gedrückt. Der Kern des Films ist die erschreckend realistische Darstellung der bedrohlichen Situation der farbigen Bevölkerung in den 1960er Jahren. Unvorstellbare Gewalt und Ungerechtigkeit werden unverblümt gezeigt und durch reale Archivaufnahmen untermalt. Gleichzeitig erhält der Zuschauer einen Einblick hinter die Kulissen der politische Machtkämpfe, zwischen denen kein Raum und keine Zeit für Fragen der Gleichberechtigung blieb.

Dabei hält der Film sich meines Wissens durchaus an historische Fakten. Umso unpassender wirken dann einzelne Szenen, in denen FBI-Direktor J. Edgar Hoover relativ offen Präsident Johnson vorschlägt den politischen Gegner King zu liquidieren.

Auch erzähltechnisch weist Selma ein paar Mängel auf. So könnte dem Film für Zuschauer ohne oder mit nur wenig Hintergrundwissen an einigen Stellen schwer zu folgen sein, wenn Nebenfiguren wie Malcom X ohne weitere Erklärungen urplötzlich auftauchen und in der nächsten Szene wie selbstverständlich bereits tot sind.

Das sind jetzt ziemlich viele Mängel, wenn ich mir das so durchlese. Und trotzdem fand ich den Film auf keinen Fall schlecht! Die Brisanz liegt ganz einfach an der erschreckenden Aktualität des Themas Rassismus nicht nur, aber vor allem in Amerika. Viel zu präsent sind noch die Szenen aus Ferguson, wo ein unbewaffneter farbiger Jugendlicher durch Polizeigewalt getötet wurde und das Ganze letztendlich folgenlos blieb. Die Gewaltdarstellungen im Film gehen dem Zuschauer direkt ins Mark. Gleichzeitig erinnern sie auch daran, dass Rassismus nach wie vor in manchen Gesellschaftsschichten und Lebensbereichen durchaus allgegenwärtig ist. Ob das auf die Oscarverleihung zutrifft, lasse ich mal dahin gestellt.

Fazit:

„Selma“ wird alleine von seiner brisanten Thematik rund um das Thema Rassismus und Gleichberechtigung getragen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer. Ich glaube jedoch, dass der Film auch ohne die Figur des Martin Luther King diesen Effekt gehabt hätte und bin deshalbvon „Selma“ als Biopic nicht überzeugt. Trotzdem lohnt sich eine Sichtung als kleine Nachhilfestunde in amerikanischer Geschichte und als gesellschaftskritisches Drama durchaus.

Als besten Film des Jahres sehe ich „Selma“ aber beim besten Willen nicht. Und auch die eingangs erwähnten Nichtnominierungen in anderen Kategorien kann ich durchaus nachvollziehen.

Meine Wertung: Note 3-4

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Eine Antwort zu “Filmkritik: Selma

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