Interpretation: Das Ende von Birdman

Hallo Filmfreunde,

auch wenn der Film mir insgesamt nicht so richtig gefallen wollte, habe ich mir einige Gedanken zum Ende von Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit gemacht. Da dieser Artikel ein einziger Spoiler ist, solltet ihr jetzt nur weiterlesen, wenn ihr den Film bereits gesehen habt und auch ihr euch gefragt habt, was da am Ende eigentlich passiert sein könnte.

Am Ende des Films drängen sich dem Zuschauer die offensichtlichen Fragen auf: Ist Riggan gesprungen? Ist er gestorben? Oder kann er am Ende doch fliegen? Und wenn nicht, warum schaut seine Tochter Sam am Ende erst nach unten und dann lächelnd Richtung Himmel?

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Um meine Interpretation aufzubauen, gehe ich zurück an den Anfang. Ganz an den Anfang, noch vor die Eröffnungs-Yoga-Szene. Da stand nämlich dieses Eröffnungszitat:

“And did you get what you wanted from this life, even so?
I did.
And what did you want?
To call myself beloved, to feel myself
beloved on the earth.”

Dieser Wunsch nach Liebe ist das Hauptmotiv des Films und stellt gleichzeitig den Hauptgrund für Riggans Scheitern da. Irgendwann im Film fällt der Satz (ich glaube von Riggans Ex-Frau), dass Riggan Liebe mit Anerkennung und Bewunderung verwechselt. Die Hauptfigur verliert sich hier in dem verzweifelten Streben vom Publikum, den Kritikern, seiner Familie und der ganzen Welt geliebt zu werden. Die Tatsache dass seine Frau einen seiner Filme nicht mag, interpretiert er als Mangel an Liebe zu ihm.

Um seinem Wunsch näher zu kommen, entwickelt Riggan die Vorstellung er sei etwas Besonderes. Er ist nicht nur doppelt so talentiert wie der Iron Man Robert Downey Jr., sondern er hat sogar echte Superkräfte! Diese Vorstellung ist das Produkt einer Schizophrenie, mit deren Hilfe Riggan sich seine eigene Realität erschafft, in der er es einfach verdient hätte mehr bewundert zu werden als andere Schauspieler. Spätestens nach der Flug-Über-New-York-Szene wird jedoch klar, dass diese Kräfte nicht real sind, sondern lediglich in Riggans Vorstellung existieren. Damit ist meiner Meinung nach er erste Teil der Ausgangsfragen beantwortet: Nein, er kann am Ende nicht wirklich fliegen!

Wir halten bisher fest: Das Hauptthema ist das Streben nach Liebe, Anerkennung und Bewunderung und wir haben eine schizophrene/psychotische Hauptfigur, die sich ihre eigene Realität erschafft, um dieses Ziel überhaupt erreichen zu können.

Eine der wichtigsten Szenen des Films ist für mich, als Riggan auf dem Dach des Gebäudes steht und (in seiner Realität) in die Tiefe springt, um frei wie ein Vogel(mensch) über den gewöhnlichen Menschen zu fliegen. Obwohl Riggan von Beginn an von seinen Superkräften überzeugt war, versuchte er bis hierhin stets die Stimme in seinem Kopf (Birdman=Wahnsinn) zu ignorieren und zum Schweigen zu bringen. Als er sich vom Dach stürzt, gibt er sich desillusioniert von den bisherigen Ereignissen des Films symbolisch seinem Wahnvorstellungen vollkommen hin. Oder einfacher gesagt: An der Stelle dreht er vollkommen durch.

In diesem Wahn beschließt er im Anschluss dann den Selbstmord vor dem Publikum auf der Bühne. In meiner Filmkritik zum Film habe ich bereits die Kameraführung und vor allem das Fehlen der (sichtbaren) Schnitte erwähnt. Besonderes letzteres wird jetzt wichtig. Dieses technische Mittel ist einfach zu offensichtlich und bemerkenswert eingesetzt, als dass sie nichts bedeuten könnte. Bis zu dem Zeitpunkt als Riggan den Abzug drückt, lief zumindest für die Wahrnehmung des Zuschauers die Eröffnungsszene ohne Unterbrechung einfach durch. Der erste Schnitt ist dann das plötzliche Ende. Zwar nicht das Ende des Films, aber doch mehr als nur das Ende einer epischen Szenen. Meiner Meinung nach ist er das Ende Riggans Leben, der bei seinem Selbstmordversuch tatsächlich stirbt und sich nicht wie im Folgenden erklärt, lediglich die Nase abschießt.

Die anschließende Krankenhaus-Sequenz ist wie so Einiges davor lediglich das Produkt Riggans Psyche. Im Augenblick seines Todes entwickelt der Sterbende ein Szenario, in der er sein Ziel erreicht hat. Seine Frau ist bei ihm an seinem Krankenbett, sein Freund und Manager ist stolz auf ihn, er hat unzählige Twitter und Youtube Follower uns selbst die böse Kritikerin Tabitha schrieb eine Lobeshymne auf sein Werk. Das Stück ist nicht nur gut, sondern Riggan hat nebenbei mit seinem “super-realistic theater“ sogar ein neues Genre entwickelt, dass das bis dahin blutleere Business wiederbelebt hat. Wow. Noch dazu bekommt er endlich die Blumen, die er sich am Anfang des Films gewünscht hat und nicht die von ihm gehassten Rosen. Ende gut, alles gut. Und dieses mal kann ihn kein Taxifahrer oder nerviger Anwalt in die Realität zurück reißen. In dieser Welt kann er dann aus dem Fenster springen und fliegen. Als dann auch noch seine Tochter Sam, die zuvor die Stimme der Tristesse und der Bedeutungslosigkeit repräsentierte, ihn dann so sieht und stolz zu ihm aufblickt, ist sein Glück vollkommen.

Oberflächlich betrachtet handelt es sich also um ein klassisches Hollywood-Happy-Ending, in dem jeder sein Ziel erreichen und Frieden finden kann. Meiner Meinung nach ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Riggan stirbt am Ende durch seine eigene Hand und ist gescheitert. Das paradiesische Ende des Films stellt lediglich die letzte Fantasie im Augenblick des Sterbens eines Verrückten dar.

Was sagt ihr zu dieser Interpretation? Ich denke es gibt noch etliche andere Sichtweisen, die mich natürlich auch brennend interessieren würden. Also ran an die Kommentare!

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69 Antworten zu “Interpretation: Das Ende von Birdman

  1. Pingback: Filmkritik: Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit | Ma-Go Filmtipps

  2. Danke für die ausführliche Darstellung und Interpretation des grossen Endes. Sehr interessant der Gedanke, dass der angeblich fehlgeschlagene Suizid doch erfolgreich“ war.

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  3. Der Film ist sehr gut. Alleine Edward Norton ist es wert, ein weiteres Mal ins Kino zu gehen. Daneben natürlich noch die sensationelle Kamera, ein wahrer Genuss. Mit dem Ende hatte ich Schwierigkeiten, es sinnvoll und schlüssig einzuordnen. Es war dann doch zu offensichtlich, dass das grosse Finale auf der Bühne nicht nur in einer kosmetischen Operation münden kann. Der ausführliche Beitrag von Dir (auch eine sehr gute Rezension zum Film an sich) hat mir sehr geholfen, mit dem Schluss „zu leben“. Top Film, sehr guter Kommentar. Für beide 5 Sterne … 😉

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    • Mir war nicht ganz klar, welche Rolle Edward Norton für die Handlung spielen sollte. Ja, die Szenen mit ihm waren unterhaltsam. Aber irgendwie wusste ich nicht worauf das Ganze rauslaufen sollte. Mein ertser Gedanke war, dass die Figuren (wie im Theater) Allegorien für irgendwas sein sollen. Allerdings hab ich nicht rausgefunden wofür 😛

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  4. Natascha Jungwirth

    Interessante Betrachtung. Riggan entwickelt im Laufe des Films tatsächlich eine zunehmend schizophrene Persönlichkeit. Wird dem Zuseher zunächst der Eindruck vermittelt Riggan hätte tatsächlich Superkräfte (er kann Dinge bewegen und in Brand stecken), so merkt man bald, dass dies nur Einbildungen sind. Seine Vorstellungen personifizieren sich bis zum Ende des Film (am Anfang hört man nur Birdmans Stimme, am Ende sieht man ihn hinter Riggan). Die Wahnvorstellungen steigern sich mit Riggans wachsenden Stress bezüglich der nahenden Premiere des Theaterstücks. Riggan ist sich seiner Wahnvorstellungen durchaus bewusst. Daher denke ich, dass er am Höhepunkt (der Premiere) tatsächlich Schluss machen möchte mit all seinen Unzulänglichkeiten. Er will den ultimativen Showdown. Er schießt und obwohl er jetzt nach all den Jahren wieder im Mittelpunkt steht und sein Ziel erreicht hat, erweist er sich wieder als Looser, denn er vermasselt es. Schießt sich die Nase ab. Und trotzdem tut es seinem Triumph keinen Abbruch. Er war ja gut. Er hat es allen bewiesen (Lobeshymnen auf seine Darstellung in der Pause). Jetzt hat er es geschafft. Er kann tatsächlich fliegen. Auch ohne Birdman (er sagt ihm im Badezimm der Toilette, dass er sich zum Teufel scheren soll). Nein, ich glaube nicht, dass er stirbt. Er fliegt davon und lässt die oberflächliche, kurzlebige Welt hinter sich und schlussendlich entpuppt sich die Geschichte doch als Märchen. Im Übrigen stellt für mich die Rolle Ed Nortons den klassischen Gegenpart zu Riggan dar. Er ist dessen Herausforderer, jünger, durchgeknallt ein begnadet Broadway-Darsteller, der offensichtlich jene Eigenschaften und Talente besitzt, die Riggan an sich selber vemisst. Und ja, alleine wegen Ed Nortons Darbietung würde ich mir den Film glatt noch einmal ansehen.

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    • Hallo Natascha. Erst mal danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich verstehe deine Sichtweise und habe auch darüber nachgedacht, ob das vielleicht sogar die schlüssigere Interpretation sein könnte. Allerdings habe ich irgendwie das Gefühl, dass diese Lesart (oder besser Sehart) nicht so ganz in das Gesamtbild des Films passen würde. Zu oft macht sich der Film über die Traumwelt Hollywood und die 08/15 Plots der Mainstream-Filme lustig. So ein letzten Endes Happy Ending wäre ja dann auch ziemlich Hollywood-mäßig. Und genau das wollte der Film ja nicht, oder?

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  5. Wow. Für mich ist das super hergeleitet. Danke sehr für die Perspektivenöffnung.

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  6. Ich denke dass Riggan selbstmord begehen wollte, seine ruhe vor dem ende der premiere, das gespräch mit seiner frau, ich glaube er schon dort gemerkt, dass es nicht das ist, deswegen ignoriert man hauptsächlich die darbietung bei der tatsächlichen Premiere, weil es nach all den jahren, nicht das ist, und dennoch muss zwangsläufig dieses Ende sein. Im Spital wird das total ignoriert, als er im spiegel sieht dass er eigentlich nichts hat, fängt er wirklich an zu glauben dass er eigentlich Birdman ist, deswegen kommt birdman am schluss auf dem klo so klein vor…und dann öffnet er das fenster und will wie ein Vogel losfliegen, und springt, seine Tochter sieht den Leichnam unten, und dreht durch und bei ihr fängt dann das auch an.

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    • deswegen der titel, die macht der ahnungslosigkeit, im spital lässt man ihn allein, trotz seiner shizophreni und suizidgefahr, ein krasser fall der täglich irgendwo realität ist, verpackt in einem theater im theater. Wie Tolstoi selbst schrieb,“mehr als die Liebe will ich den Ruhm“, nur hier treffend aus dem film zitiert „er verwechselt Liebe mit Anerkennung“

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      • Danke für deinen Kommentar! Das könnte natürlich auch sein. Einziger Knackpunkt: Wieso sollte die Tochter jetzt auch durchdrehen und das Ganze bei ihr von vorne anfangen? Das kann ich mir nicht so ganz vorstellen 😉

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  7. Hallo Ma-Go, Weil Schizophrenie vererbbar ist, darüber hinaus, ist sie selbst auch ein „Sozialfall“. Im nachhinein, nach einigen Gedanken auch dank deinem Kommentar verstehe ich den Film besser als zuvor und muss gestehen, er ist ziemlich krass, und wage zu behaupten dass sehr viele Menschen das auch kennen, auch ich, der Ruhm, die Anerkennung, die Drang nach etwas zu streben sich zu verwirklichen, Erfolg haben, einen Namen haben, und auf der anderen Seite das Leben selbst, die wichtigen Dinge, wie die eigene Familie usw. Das interessante am Film ist, dass der Zuschauer selbst in diesem Spiel reingerückt wird, wo man das offensichtliche nicht erkennt obwohl man es sieht, den an sich ist die Geschichte sehr klar und direkt. Grüessli aus den Alpen 🙂

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  8. Ja ich denke auch, dass das (fast) jeder irgendwo kennt. Manche schreiben Artikel zu einem Film und gehen insgeheim davon aus, dass ihre Meinung wichtig genug ist, dass es jemand tatsächlich liest 😛
    Und natürlich freut man sich dann auch über Kommentare, Likes usw.
    Mir geht es übrigens auch oft so, dass ich Filme besser verstehe, wenn ich Kommentare/Kritiken von anderen Lese und dann darüber diskutiere. Deswegen auch noch mal danke an dich dafür! Du bist herzlich eingeladen meinem Blog hier zu folgen und auch in Zukunft über den ein oder anderen Film zu plaudern.
    Liebe Grüße,
    Ma-Go

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  9. Dankeschön für die Interpretation und die damit verbundenen Ansätze, die hier auch in den Kommentaren noch fortgeführt wurden. Ich sitze gerade an meiner Filmkritik für Birdman und habe echt Probleme den Film zu besprechen ohne zu spoilern, gerade das Ende macht es schwer. Mit Deinen Gedanken zum Finish kann ich mich aber richtig gut anfreunden, weil sie irgendwie genau in der Bild passen, dass ich vom Film habe.
    LG, Micha

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  10. Ich habe einen etwas anderen Ansatz als Ma-Go, ich denke, Riggagga versucht krampfhaft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, sich in allem von dem, wofür Birdman steht, zu distanzieren. Liebe spielt dabei für ihn sicherlich eine große Rolle, aber vor allem auch Kontrolle. Er versucht, das Geschehen zu beeinflussen, in dem er Z. B. dafür sorgt, den ungewungewollten Schauspieler loszuwerden. Nur ist er eigentlich immer nur Spielball, schafft es weder in seiner Beziehung noch bei seiner Familie in seinem Stück nonoch bei seinen Schauspielern wirklich etwas zu erreichen. Als Mike dazukommt, verschärft sich die Situation, weil dieser sich völlig seiner Kontrolle entzieht. Birdman steht für ihn für Kontrolle und Macht, er gibt sich der Illusion hin, er hat die Macht, Dinge zu bewegen. Je mehr der Druck sich erhöht, desto präsenter wird Birdman, die einzige Möglichkeit für ihn, noch die geringste Illusion über Kontrolle zu haben. Aber damit ist er auch nur ein Spielball von Birdman. Das wird ihm klar, deswegen will er sich umbringen, nur geschieht diese Entscheidung mehr oder weniger aus dem Affekt. Es misslingt, und deswegen entscheidet er sich noch einmal ganz bewusst dafür. Niemand kontrolliert ihn, er nimmt endgültig sein Leben in die Hand, schickt Birdman ‚zum Teufel ‚. Die Endszene mit seiner Tochter iinterpretiere ich so, dass sie wie er den Vogelschwarm am Himmel sieht und versteht, dass er seine Freiheit gefunden hat, sei es auch im Tod.

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    • Hi kaolivia,

      das klingt zugegebner Maßen plausibel. Was mich interessieren würde ist, wie die kurzen Einschübe der Quallen und der Feuerbälle deutest? Für mich waren die beiden Punkte aus einem mir noch unbekannten Grund der Startpunkt und das Ende (also der Tod) von Riggans Untergang. Wobei ich noch nicht dahinter gekommen bin was das mit diesen beiden Motiven auf sich haben könnte.

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  11. Den Feuerball interpretiere ich als den hell strahlenden Stern (Star), der sich auf seinem Zenit befindet, und quasi gar nicht anders kann, als zu erlöschen. Auf Riggan übertragen bedeutet das wohl, dass er genau weiß, dass er nie so gut, nie so intensiv war, wie im Angesicht seines Todes, und somit nur ‚verglühen‘ kann, also nie wieder so gut sein wird. Damit ist er dann wieder in der Tretmühle um Liebe, Anerkennung, Bewunderung und (der nicht vorhandenen) Kontrolle über das eigene Leben. Das hat er als Birdman schon einmal erlebt, deswegen die Einspielung des Feuerballs zu Beginn des Films. Er steht also vom Prinzip wieder am Anfang. Das möchte er aber nicht mehr, und entscheidet sich diesmal bewusst anders. Er entscheidet, was mit seinem Leben passiert, er wird nicht mehr gelebt. Mit den Quallen weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht stehen sie für Behinderung, Runterziehen, am Vorankommen hindern. Und als krasser Gegensatz zu den luftigen Höhen des Feuerballs. Vielleicht halten sie ihn auch am Boden. Bin mir da aber auch nicht so ganz sicher. Wie siehst Du das?

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    • Der Gedanke mit dem „shining star“ gefällt mir! Das passt auch richtig gut. Zu den Quallen hab ich auch keine 100% schlüssige Idee. Vielleicht sollen sie einfach ein Kontrast zum hellen Stern sein. Schleimig, gestrandet, nutzlos und unbeachtet. Das würde zumindest passen. Deine Interpretation ist somit jetzt meine zweitliebste (nach meiner). Der letzte Knackpunkt an deiner Theorie ist für mich die Deutung der allerletzten Szene mit der Tochter, die nach oben schaut. Auch wenn ich verstehe wie du die Szene siehst, kann ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen, dass eine Tochter im Moment der Trauer (sie sieht ihren Vater unten tot auf der Straße liegen) erkennt, dass ihr Vater durch den Selbstmord frei ist und den Teufelskreis des Aufstiegs und Fallens durchbrochen hat. Trotzdem eine insgesamt gute Theorie. Danke dafür 🙂

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  12. Danke für eure Interpretationen. Die haben mir ganz neue Einsichten eröffnet.
    Ich wollte noch etwas zu den Quallen los werden:
    Riggan beichtet ja seiner Frau, dass er schon einmal versucht hatte sich umzubringen. Damals versuchte er sich zu ertränken, was misslang, weil das Wasser voller Quallen war. Die Quallen haben ihn sozusagen vor seinem (vermeintlich) ersten Selbstmord „gerettet“. Die tot am Strand liegenden Quallen könnten nun also dafür stehen, dass eben keine erneute Rettung mehr zu erwarten ist. Was meiner Meinung nach wiederum dafür spricht, dass Riggans Leben wirklich im Theater (mit Ende des langen Kamerashots) endet.

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    • Gute Idee! Das könnte durchaus sein. Nur warum wurden sie dann am Anfang des Films auch schon mal eingeblendet? Foreshaddowing? Immerhin wurde bei den Proben am Anfang auch schon davon gesprochen, dass eine Figur sich selbst in den Kopf schießen wollte und damit keinen Erfolg hatte…

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  13. Danke, für diese wertvolle Interpretation.
    In dem Film ist 2 mal die Rede von Ikarus, dessen WachsFlügel von der Sonne geschmolzen werden und der ins Wasser abstürzt.
    Ikarus könnte der Schlüssel für den Birdman (=Größen-Wahnsinn), für den Feuerball und das Meer sein. Aber das ist nur so eine These.

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    • Hallo Doris.
      Schön dass du mit dem Artikel etwas anfangen konntest. An die Ikarus-Erwähnung kann ich mich gar nicht erinnern. Aber das passt natürlich genau da rein. Wer so nah wie Riggan an der Sonne fliegt, muss zwangsläufig tief fallen…

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  14. Wow, absolut gelungender Beitrag und Interpretation! Vielen Dank dafür. Ich denke auch, dass der Schnitt am Ende den Tod von Riggan symbolisiert. Kann mich mit deiner Interpretation zu 100% anfreuden.

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  15. PS: Irgendwie seltsam konnte dir Birdman insgesamt nicht so richtig gefallen. Du scheinst dir ja richtig viele Gedanken darüber gemacht zu haben. 😉

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  16. Pingback: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) | Gobi's Lifestyle BLOG

  17. Ein kleiner Kommentar zu der Frage was denn Herr Norton im Film gesucht hat, neben dem sehr unterhaltsamen Faktor den ich ihm auch zu schreibe. Der Film zeigt vor allem die schnelllebigkeit des Theaters, broadways und der Schauspieler. In jeder Szene in der Mike auftaucht wird immer dasselbe Thema angesprochen: Realismus – er benötigt den echten sex, die echte Waffe und den echten Alkohol um zu funktionieren, um das Schauspiel darzustellen. Das wird auch unterstrichen durch seine Aussage: „Auf der Bühne bin ich ehrlich, sobald die Show vorbei ist Lüge ich“ (sinngemäß übernommen).
    Was sind deine Gedanken dazu? Halte sehr viel von der Interpretation, vielleicht sogar die einzige, die ich sehr teilen konnte. Respekt dafür.

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    • Erst mal danke für den Kommentar und die lobenden Worte. Das was du da über Mike schreibst macht durchaus Sinn. Ich bin mir aber immer noch nicht so ganz sicher, was ich von dieser Figur halten soll. Gerade die Szenen auf dem Dach (Wahrheit oder Pflicht) fand ich ziemlich öde.

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  18. Also erst einmal vielen Dank für die tolle Interpretation, habe ähnliche Gedankengänge auch schon auf anderssprachigen Websites verfolgen können. Ich bin ganz deiner Meinung, dass dieses Happy Endung überhaupt nicht zu dem Film bis zu diesem Zeitpunkt gepasst hat, einfach weil er die Standardabläufe der Hollywoodproduktionen heutzutage auf die Schippe nimmt. Für mich würde auch der Punkt, dass es zu Beginn in einem Gespräch um einen anderen Schauspieler geht (kann mich leider nur noch grob erinnern) ,der sich ebenfalls beim Versuch sich umzubringen lediglich die Nase abschießt, weil er ja nichts richtig könne, für deine Interpretation sprechen, da es zu Riggan passt sich eben diese Geschichte für sich selbst auszumalen. Allerdings habe ich mir selbst die Frage gestellt, ob das alles nicht ein bisschen weit hergeholt ist und Sam, die bekanntermaßen drogenabhängig war bzw. noch ist, am Ende nicht einfach durch den Selbstmordversuch ihres Vater total zugedröhnt war und schlicht und ergreifend unter Halluzinationen leidet, wegen denen sie in der Schlussszene nicht ihren toten Vater auf dem Bürgersteig liegen sieht, sondern fröhlich durch die Lüfte gleiten. Vielleicht ist das aber zu plump 😉

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  19. Möglicherweise sieht seine Tochter auch deshalb zum Himmel, weil sie weiß, wo ihr Vater jetzt ist? Wäre auch ne denkbare Möglichkeit.
    Dennoch finde ich zugegebenermaßen deine Interpretation schlüssiger. Denn wenn ihr Vater tatsächlich auf dem Boden liegen würde, würde eine so sensible und emotional unstabile Persönlichkeit wie seine Tochter doch zumindest eine Träne vergießen.
    Ich hatte schon bei der Szene, als er dann über die Dächer von NewYork flog, den Gedanken, dass er jetzt springt. Alleine die Tatsache, dass der Film noch länger als 10 Minuten ging bestätigte mir, dass er es jetzt noch nicht tun wird.
    Als er dann auf die Bühne ging baute sich in mir eine solche innere und kaum sichtbare Spannung auf, einfach sensational! ich glaube, man kann den Schluss sehr gut so deuten, wie du das getan hast! Danke dafür!

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  20. Definitiv eine interessante Sichtweise, mit der man sich durchaus anfreunden kann. In meiner Fantasie hat es zwar nur zum „endlich ist er (in seinem Tod) frei, so frei wie ein Vogel“ gereicht, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto stimmiger wirken deine Ausführungen. Dafür dass du mit dem Film nicht so gut klarkamst, ist das echt sauber. Danke dafür!

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  21. Hab noch eine Idee zu den Quallen: Er erzählt seiner Frau doch, dass diese ihn das letzte Mal quasi vom Suizid abgehalten haben, als er sich im Meer ertränken wollte. Dieses Mal liegen sie jedoch ausgedörrt im Sand und konnten ihn somit nicht mehr wie zuvor im Wasser davon abhalten. Dies also als Symbol für seinen tatsächlichen Selbstmord. Was meint Ihr dazu?

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  22. Ich glaube dein Artikel fasst meine Interpretation des Endes perfekt zusammen. Im Kino hab ich nach dem Selbstmord schon gedacht, dass es das endgültige Ende sei und war daher über alles, was danach kam nur noch verwundert. Also habe ich mich gefragt, wieso das so war. Und bin dabei zu dem gleichen Schluss gekommen. Der Selbstmord ist geglückt und alles danach ist eine „Übergangsphase“. Also Körper schon tot, aber die Seele muss noch den so lang ersehnten Frieden finden, bevor sie endgültig „davon fliegen“ kann.

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  23. Wow, tolle Interpretationen hier. Danke an alle fürs Gedankenteilen!

    Mir kam es teilweise so vor, als würde das Stück, das auf der Bühne gespielt wurde, auch dahinter ablaufen. Nicht nur Riggan, der sich und sein Leben selbst spielt, auch die anderen. Zum Beispiel fängt Mike etwas mit Sam an, was Riggan ja dann kurz vorm Ende sieht und buchstäblich „rauswirft“ und im „Regen stehen lässt“. Er verliert und ist damit auch hier „draußen“, als er eine rauchen geht. Er muss sich durchkämpfen, um wieder auf die Bühne zu kommen und sich dabei ebenso buchstäblich „nackig machen“.

    In dem Stück bzw. dieser Schuss-Szene auf der Bühne verschmilzt Riggan mit der Figur. Er ist der Betrogene, der Gehörnte – wenn zwar nicht von seiner Geliebten, so doch aber von seiner Tochter, deren Liebe er gern (zurück) erobern würde.

    Soweit ich mich jetzt erinnere, hörten damit auch die starken Szenen von Mike auf. Sein Hauptpart war hier vorbei, weil Riggan auch auf diesem Gebiet machtlos war und seine Tochter bzw. das Geschehen nicht kontrollieren konnte.

    Außerdem wendet sich Riggan auf der Bühne dem Publikum direkt zu und berichtet von einem Unfall, wo das Opfer seine Frau nicht sehen konnte, weil der Verband im Weg war. Irgendwas mit Augenlöchern, Kopf nicht drehen können, usw.

    Als Riggan am Ende genauso im Krankenhaus liegt, ist er eine Parallele zu der auf der Bühne beschriebenen Person.
    Außerdem sieht er mit dem Gesichtsverband maskiert aus – wie der alte Birdmann, oder ein anderer Superheld, was zu der Interpretation von Ma-Go passt.

    Ich denke, die toten Feuerquallen bedeuten, was viele hier schon geschrieben haben: sie haben nun keine Macht mehr, können weder helfen noch erneut verbrennen.

    Nun hoffe ich, dass ich einigermaßen verständlich aufschreiben konnte, was mir so durch den Kopf geht 😉

    Was ich mich noch gefragt habe: was hatte es mit der einen Schauspiel-Partnerin-Geliebt auf sich bzw. diesem schwanger-nicht-schwanger-Wechselspiel?

    Liebe Grüße,
    Nikki

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    • Hallo Nikki,
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Was es mit Riggans Affäre auf sich hatte, wusste ich auch nicht so recht. Ebenso wenig habe ich verstanden, warum Riggans Ex-Frau und eben die Affäre plötzlich in der Gaderobe anfangen rum zu knutschen 😀 Manchmal ist wohl eine Zigarre einfach eine Zigarre. Nichts weiter 😉

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  24. Waren das nicht die beiden Schauspiel-Kolleginnen, die knutschen? Also Riggans Geliebte und Mikes Geliebte? Hier könnte der Machtkampf der Männer auf einer anderen (sexuellen) Ebene weiter ausgetragen werden. Den Mike dann später gewinnt, weil er etwas mit der Tochter (unerreichbar für Riggan) anfängt.

    Ich glaube übrigens, dass in diesem Film nur sehr, sehr wenige „Zigarren“ gibt 😉

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  25. Pingback: Birdman oder die unverhoffte Macht der AhnungslosigkeitDer Filmtipp

  26. Als Idee zur Interpretation der Schlussszene: vlt. liegt er seit dem Schuss auf der Bühne im Krankenhaus im Koma. Er liegt im Bett und stellt sich alles nur vor (neue Nase, aufstehen aus dem Bett…), da er zuvor von dieser Geschichte gehört hat. Dass seine Tochter aber am Bett sitzt und ihm vorliest, ist real.

    Man könnte auch das aus dem Fenster springen übertragen sehen, dass er in Wirklichkeit in diesem Moment gestorben ist. Seine Tochter kommt zurück und bekommt im ersten Moment einen Schreck, da er aber eh nur noch an Maschinen angeschlossen war, sieht sie es es nach dem kurzen Moment als eine „Erlösung“ für ihn.

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  27. Diego Iglesias Dias

    Ich fand den Film 10/10 und die ganze Geschichte erinnert mich an einen anderen Film… Vlt. Weisst du welchen ich meine 🙂 deine Vermutung zum Ende ist Wahrscheinlich richtig, denn das selbe dacht ich mir auch und eine andere logische erklärung konnte ich nicht finden. Ich wusste auch ganz genau das der Film so enden wird (auf den Selbstmord bezogen) denn den Film den ich meinte ist „Black Swan“ und eigentlich ist die „Botschaft“ dahinter die selbe…. Das man sich nicht kaputt machen sollte um „perfekt“ zu sein. Ich weiss nicht ob du Black Swan gesehen hast, dort ging es einfach um Balett und die Hauptdarstellerin wollte die PERFEKTE Show liefern, machte sich nach und nach kaputt und hatte auch ständig Haluzinationen und am Ende wie im richtigen Schwanensee starb sie und zwar durch Selbstmord… Sie dachte zwar sie würde ihre Vertretung töten war aber wieder einbildung… Und kurz bevor sie starb sagte sie noch „endlich bin ich Perfekt“ oder so was ähnliches… Passt irgendwie :)) also war sehr vorhersehbar fand es aber trotzdem interessant….

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    • Hallo Diego,
      schön, dass dir der Film gefallen hat und dass wir uns bei der Interpretation einig sind 🙂
      „Black Swan“ habe ich auch gesehen und gebe dir Recht. Parallelen zwischen den beiden Filmen sind durchaus erkennbar. Übrigens hat mir „Black Swan“ auch nicht gefallen. 😛
      Ich würde mich freuen bald mal wieder was von dir zu einem anderen Film zu hören. Also folgen und mitdiskutieren 🙂
      Liebe Grüße,
      Ma-Go

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  28. Wie wär’s denn damit, dass birdman schon in der Szene gestorben ist wo er auf dem Dach stand und mit Anlauf runtersprang. Alles danach ist somit nur geträumt à la „repoman“, wo der Film auch schon in der Mitte eigentlich zu Ende war.

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    • Das hatte ich mir zunächst auch überlegt. Aber wie würdest du dann das Ende interpretieren? Ich finde diesen Schnitt, nach dem Selbstmord auf der Bühne so auffällig, dass ich denke DORT ist das Ende.

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    • Diego Iglesias Dias

      Auch eine gute Idee, aber denke es eher weniger.
      Da er ja ständig mehr haluzinationen hatte und das halt somit der „Höhepunkt“ war.

      Mit dem Taxifahrer wollten die Filmmacher darauf hindeuten das er sich alles nur eingebildet hat.

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  29. Hi,
    eine nette Interpretation.
    Ich habe mir das etwas anders zusammen gereimt. Der Schnitt auf der Bühne ist für mich der Punkt an dem sein Wahn die Oberhand gewonnen hat (davor hat er seine Wahnvorstellungen nur selber wahrgenommen und vor anderen verborgen, aber mit dieser Aktion mit der geladenen Waffe vor dem Publikum war die Grenze überschritten[SCHNITT!]).
    Das im Krankenbett ist also meiner Meinung nach passiert.
    Die Reaktion der Tochter auf seinen anschließenden Suizid aus dem Fenster verstehe ich so, dass sie ähnlich wie ihr Vater psychisch Labil ist und große Stücke darauf hält was die öffentliche Meinung angeht (Mediales Echo/Anerkennung=~Liebe), das sieht man schon als Riggan Thomson halb nackt (=Würdelos) über den Time Square geht und sie ihm anschließend Stolz davon berichtet wie viele Views er dafür innerhalb von paar Stunden auf YouTube bekommen hat. Eine ähnliche Szene gibt es dann noch am Krankenbett als sie ihm erzählt, dass er nun nach seinem „Nasenschuss auf der Bühne“(=Geschmacklos) einen Twitteraccount hat und schon zig tausend Follower darauf vereint; Zitat von ihr: „Das ist wahre Macht!“.
    Das lässt nur einen Schluss zu, nämlich als sie aus dem Fenster guckt und ihren Vater leblos am Boden sieht, dass es ihr Vater geschafft hat mit dieser Aktion (=ungesetzlicher moralischer Akt) ein gigantisches mediales Echo zu generieren! Und deshalb der Blick gen Himmel, da er für sie dadurch zu Legende aufgestiegen ist, zu der man aufsieht.

    Na was sagt ihr zu meiner Interpretation? Plausibel? 🙂 Mir gefiel der Film sehr gut. Endlich mal wieder ein Film der das Prädikat „Bester Film“ wirklich verdient hat.

    Gruß Denis

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    • Hallo Denis!

      Erst mal vielen Dank für dein Lob und deinen Kommentar. Deine Interpretation find ich zum Großteil auch plausibel. Gerade was das Verhalten der Tochter angeht, kann ich deinen Gedanken folgen und halte das für wirklich denkbar. Das mit DEM Schnitt kann ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen. Wie bereits erwähnt sehe ich die von dir erwähnte Grenze bereits bei Sprung vom Dach überschritten. Trotzdem ist deine Idee auch eine plausible Interpretation 🙂

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  30. Im Drehbuchstudium haben wir beigebracht bekommen, dass die Hauptfigur am Ende des Films etwas gelernt haben muss. Sie ist praktisch ein Gegenstück zu der Figur am Anfang, der Loser ein Held und der Held ein Loser. Birdman macht es nicht leicht ihn zu interpretieren. Doch wenn ich dieses Wissen anwende, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass nicht Riggan, der Loser, sondern Birdman, „der Held“ am Ende des Films das zeitliche segnen muss. Also ja, der Schnitt am Ende des Films steht für einen Tod, aber es ist Birdmans, nicht Riggans. Birdman steht für das Ego im Menschen, den Wunsch alle anderen zu überragen. Als er sich die Nase abschießt, lässt er es verstummen. Birdman sitzt nichts sagend und miesepetrig auf der Toilette, er hat keine Macht mehr über Riggan. Das Bild am Ende ist Märchen, bleibt der Tonalität des gesamten Films aber treu und ist wunderschön, denn jetzt ist Riggan frei. Frei vom peinigenden Konflikt seines Egos mit der Außenwelt.

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    • Hallo Colin,

      guter und plausibler Ansatz. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, was ich von dieser „Gegenstück“ Theorie halten soll. Ich denke gerade an Filme wie „Nightcrawler“ oder „Taxi Driver“, bei denen diese These auf die jeweiligen Helden (oder auch Antihelden) nicht zwingend zutrifft, oder? 🙂

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  31. Ich denke, dass Gyllenhaal am Anfang des Films der typische Verlierer ist, der nichts hat. Am Ende hat er bereits ein gutes Nachrichtennetzwerk aufgebaut, das auf dem Weg ist zu einem kleinen Imperium von dem er sehr gut leben kann. Auch hier hat eine Entwicklung stattgefunden. Das Schöne an Filmen wie Birdman ist ja, dass man sie von vielen Seiten betrachten kann. Es ist die Message, die ich für Birdman haben möchte. Riggan war bereits vor der Handlung des Films an dem Punkt sich umzubringen. Hätte er das im Film geschafft, hätte er nichts dazu gelernt, er war bereits an diesem Punkt. Die Entwicklung der Beziehung zur Tochter am Ende im Krankenhaus wäre nicht real. Die Geschichte wäre für mich mit einem vorzeitigen Tod auf der Bühne unrund. Die Message wäre pessimistisch. Die Aussage wäre, dass es aufgrund seiner eigenen Rückwärtsgewandheit nur die einzige Lösung des Konflikts für ihn geben kann sich umzubringen. Das möchte ich nicht glauben 🙂 Vergleicht man den Birdman mit dem Ego eines Menschen, so lässt sich dieses nie völlig auslöschen. Aber man kann das Ego zum schweigen bringen. Und wie ich bereits erwähnt habe würde ich die Schlussszene genau so interpretieren. Riggan lässt seine Vergangenheit los und kann nun „tatsächlich“ fliegen. Das ist eine Interpretation, die für mich Sinn macht und die sich für mich vörwärtsgewandt und positiv anfühlt. Die Interpretation mit dem vorzeitigen Tod lässt sich jedoch deswegen nicht ausschließen.

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  32. Ich möchte mal an Denis‘ Sicht der (übertrieben gesagt) mediengeilen Tochter anknüpfen und eine weitere Idee einbringen:
    Riggan starb nicht auf der Bühne bei der Premiere. Durch den Schuss auf sich selbst hat er sein alter Ego Birdman aber eliminiert bzw. zum Schweigen gebracht (by the way: Schizophrenie ist keine Persönlichkeitsspaltung!). Deshalb saß Birdie so klein auf dem Klo im Patientenzimmer.
    Nun bringt sich Riggan dennoch um – hat ja alles erreicht, was er noch einmal erleben wollte.
    Er fällt und stirbt. Nun kommt die Tochter rein, sieht ihn tot und dann plötzlich sieht sie etwas, dass ihr sehr viel Freude macht, nach den Youtube- und Twitter- und Facebook-Erfolgen: ein riesiges Plakat oder diese elektronischen Leuchtreklamen von ihrem Vater als Held, Star, Comeback des Jahres o.ä. Oder eventuell das Plakat von Birdman 4 😀

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    • Hallo Tobi,

      auch dir danke für deinen Kommentar. Leider liegt der Film mittlerweile ziemlich lange zurück. Ich muss ihn mir demnächst erst noch mal im TV anschauen und werde dann eure Ideen überprüfen. Klingt zumindet mal logisch, was du da schreibst 😉

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  33. Hmm, interessante Interpretation! Meine sieht allerdings ein wenig anders aus; meine Theorie ist, dass Riggan auf der Bühne „Riggan“ erschießt, sodass am Ende nur noch „Birdman“ existiert. In der letzten Szene fliegt er, jetzt nur noch als „Birdman“ (die Persönlichkeit „Riggan“ wurde ausradiert) gen Himmel. „Riggan“ ist tot, „Birdman“ lebt. Zugleich zeigt dies auch noch, dass, selbst wenn ein Schauspieler stirbt, sein Vermächtnis (in diesem Fall „Birdman“) auf ewig leben wird.

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  34. Gebe Ihnen mit Ihrer Interpretation vollkommen Recht. Ein weiteres Indiz, was ihre These untermauert, ist eine Szene, die extrem kurz nach Riggans Selbstmord zu sehen ist. Hier sieht man wenige Sekunden lang einen Strand, an den eine große Anzahl Quallen geschwemmt wurde. In einem vorherigen Dialog mit seiner Frau beichtet Riggan ihr, dass er versucht hatte, sich selbst zu ertränken, dies allerdings aufgrund der Quallen im Wasser nicht möglich gewesen sei. Diese sind nun, da an den Strand gespült, für ihn in seinem Vorhaben sein Leben zu nehmen nicht mehr störend.

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    • Vielen Dank für den zustimmenden Kommentar! Auf meiner Seite darf man die Höflichkeiten aber gerne bei Seite schieben und ein kollegiales „du“ verwenden. Das mit den Quallen dachte ich mir auch schon. Aber haben Sie/du auch eine Idee, was es mit dem Feuerball/Komet auf sich haben könnte?

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  35. Bin zu 100% bei Dir. Waren auch meine Gedankengänge. Alles andere macht für mich keinen Sinn. Guter Film. G ute Interpretation. Danke.

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  36. Pingback: Ma-Go Filmtipps feiert Geburtstag! | Ma-Go Filmtipps

  37. Eine richtig richtig gute Interpretation.

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      • Ich finde das gerade das das schöne an Birdman ist. Man kann so viel dort hinein interpretieren, ohne dass der Film einem irgendwelche Einschränkungen gibt.
        Meine Meinung zu Edwart Nortons Rolle ist folgende: Eine Thematik im Film ist defintiv das Showgeschäft selbst und die Tatsache, dass Riggan diesem entwachsen ist. Und Edward Norton verkörpert das neue Showgeschäft. Er ist arrogant, total selbstüberzeugt und treibt das method acting übers Ziel hinaus. Und Edward Norton (=Das neue Showbusiness) ist etwas, was Riggans Theater fast scheitern lässt.
        Ist nun alles nicht so toll ausgedrückt und am Handy geschrieben, aber so in etwa sehe ich das. Ich muss mir auch nochmal einen Aspekt das Films rausgreifen und ihn interpretieren.
        Kannst ja mal bei mir auf der Jahresbestenliste vorbei schauen, da hab ich schon ein bisschen was über den Film geschrieben 🙂 Hab meinen Blog gerade, nach einer langen pause aus persönlichen Gründen, wieder aufgenommen. Du warst damals einer meiner ersten follower 🙂 und wie gesagt, gut ab für die Interpretation

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      • Den Gedanken zu Nortons Figur finde ich gut. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich mittlerweile nur noch dunkel an den Film erinnere. Wie du vielleicht in meiner Kritik zum gelesen hast, war ich ja nicht so begeistert davon 😉
        Wo finde ich denn diese Bestenliste?

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  38. Schöner Beitrag 🙂
    Ich fand auch, dass der Selbstmord viel eher zum Film gepasst hätte als das Happy Ending im Krankenhaus. Ich bin aber gar nicht auf die Idee gekommen, dass das im Krankenhaus auch nur Einbildung ist. So gesehen finde ich deine Interpretation sehr schlüssig und würde mich anschließen 🙂

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  39. Hallo, etwas sehr spät aber ich habe den Film erst gestern gesehen. 🙂 Ich wollt trotzdem noch meine Gedanken da lassen. Grüße mb!
    ____________

    Es wäre ein klares Statement gewesen, wäre nach dem Schuss auf der Bühne schicht gewesen. Er wäre gestorben für das woran er geglaubt hat. Wider aller Kritik von außen und durch sich selbst hätte er sein Werk vollendet und wäre zum Tragödien-Star geworden. Denn sein Stück und seine Arbeit war ja tatsächlich gut. Er hätte aber auch den Zuschauer (uns) mit erschossen, das kann man machen, aber zum Filmende hin hinterlässt das eine unschöne Nachwirkung wenn der Held einfach nur stirbt. Und was wäre es für eine Aussage gewesen? Hollywood tötet? Wer zu sehr an seine Träume glaubt wird sich selbst zerstören? Damit hätte der Film aber keinen Oskar bekommen. Ich will damit Iñárritu keine Oskar-Geilheit unterstellen, sondern loben das er weiter geht. Ich meine es war also eine dramaturgische Entscheidung diese Szene noch/so zu drehen. Ich denke ihm war wichtig noch den Erfolg des Ganzen und die damit verbundenen medialen Ereignisse zu zeigen. Und aber auch dieses Ende absichtlich eben so undefiniert zu lassen, das sich jeder das Ende darunter vorstellen kann, das er möchte.

    Mein Hirn möchte ein gutes Ende und ich war auf der Suche nach einer schlüssigen Antwort dafür, was der Grund ist warum ich auf deine Interpretation gestoßen bin. Die ich echt gut fand, außer das er tot ist. Denn ich frage mich was die Szenen im Krankenhaus für einen inhaltlichen Wert hätte, wenn er auf der Bühne eigentlich gestorben ist?! Die Krankenhaus Szene macht für mich, wenn er tot ist, keinen Sinn.

    Nach viel hin und her und zusammen mit all den Antworten hier passt für mich folgendes..

    Nach zu viel Alkohol und einer Nacht auf der Treppe wird Riggan von Birdman geweckt, aufgebaut und schließlich zum Großangriff überredet. Woraufhin Riggan vom Dach springt, ne Runde fliegt und wie neu geboren vor dem Theater landet. Birdman hat aber vom 4ten Teil des Filmes geredet und nicht davon dieses Stück weiter auf zu führen! Während der Premiere ist dann irgendwann Pause. In dieser trifft er seine Ex-Frau in der Garderobe. Er liegt auf dem Tisch und sagt ihr dann das diese Stimme die er immer wieder höre all die Jahre tatsächlich recht hatte. Schwer zu deuten was er damit meint. All das macht für mich aber nur Sinn wenn er eigentlich gar nicht sich erschießen will. Ich glaube das er eigentlich zuerst Mike erschießen will. Er ist der allmächtige Birdman und schreibt dieses Stück live auf der Bühne um. Doch im Moment auf der Bühne, bleibt er in seiner Rolle und spricht die geübten Worte. Er fängt dabei wahnwitzig an zu Kichern. Denn er merkt das auch das Umschreiben auf der Bühne nichts daran ändern wird, das er „nichts“ ist. Das im Gegenteil, diese Aktion in noch tiefer fallen lassen wird. Aus diesem lächerlichen Moment heraus macht er dann die Peng-Peng Geste. Zu erst zu Mike, dann zur Kritikerin, welche ja vorn in der ersten Reihe sitzt. Er gibt dem Hass nicht nach. Doch letztlich bleibt ihm dann für die Vollendung seiner Uraufführung nur noch der Schuss mit der echten Waffe. Die Zwischenszene aus Kapelle, Meteor und Quallen verstehe ich einfach als Läuterung. Und ich glaube das diese Bilder etwas urtümliches symbolisieren sollen und es dabei weniger um verstehen als fühlen geht. Wieder erwacht brauch Riggan um fliegen Birdman da nach nicht mehr, obgleich dieser natürlich trotzdem noch weiter existiert (Ego). Ich denke auch das seine Tochter ihn fliegen sieht und somit die Erste ist, die seine Fähigkeiten sehen kann bzw. versteht.

    Denn in einem hatte Birdman immer recht, darin das Riggan viel besser ist, als das was er von sich selber glaubte. Einfach weil er nicht sich selber sondern den Menschen um ihn herum glaubt hat, bzw. deren Bestätigung haben wollte. Es heißt „The Unexpected Virtue of Ignorance“. Also die unerwartete Wirkung von Ignoranz. Ignoranz von anderen gegenüber Neuem und Ignoranz bzw. Misstrauen der eigenen Fähigkeiten. Im deutschen heißt es „Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“. Was eher das Bild eines ahnungslosen aber absolut begnadeten Neulings beschreibt welcher unwissentlich meisterliches schaft.

    Noch eine Anmerkung:
    Ich finde das er bis zum Schuss auf der Bühne auf jeden Fall gelebt hat. Nach seinem Rundflug landet er zwar vor dem Theater, aber ihm rennt ein Taxifahrer nach der noch Geld haben will. Er ist voll in seinem Wahn, aber am leben und nutzt eigentlich Autos.

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  40. Pingback: In eigener Sache: Bye-Bye Filmkritik! | Ma-Go Filmtipps

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