Filmkritik: Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Drama/Satire

Nach The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben letzte Woche, stand nun gestern mit Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit der nächste bei den diesjährigen Oscars hoch im Kurs stehende Film auf dem Programm. Ohne zu viel vorweg zu nehmen kann ich sagen, dass dieser Film ziemlich speziell ist und ich erst mal darüber nachdenken musste, was ich von diesem Streifen halte. Zu welchem Ergebnis ich gekommen bin erfahrt ihr hier. Riggan Thompson (Michael Keaton) war in den 1990er Jahren in seiner Rolle als Superheld „Birdman“ ein gefeierter Hollywood-Star. Heute ist der Ruhm verblasst und der gefallene Schauspieler kämpft um seine Karriere, Ruhm und Anerkennung. Dabei setzt er seine ganze Hoffnung auf ein Broadway-Stück, das er allen Widrigkeiten zum Trotz auf die Bühne bringen will. Da es mir offen gestanden schwer fällt meine Gedanken zu diesem Film in nachvollziehbarer Form aufzuschreiben, werde ich in diesem Fall eine Liste mit ausgewählten Aspekten des Films erstellen, die ich relevant fand. 1) Michael Keaton Nominiert für den Oscar als bester Hauptdarsteller, spielt der gute Michael hier tatsächlich beeindruckend gut. In wie weit der Film das Leben und die Karriere des Michael K. widerspiegelt lässt sich schwer beurteilen. Einige Parallelen lassen sich jedoch offensichtlich ausmachen. Nach seiner Rolle als Batman, ging es mit Keatons Karriere nicht mehr wirklich weiter und man konnte ihn (wenn überhaupt) nur in kleineren Rollen sehen. In Batman Birdman spielt er nun den nach Anerkennung und Ruhm lechzenden Riggan, an dem der Zuschauer die dunklen Seiten Hollywoods und dessen Umgang mit seinen vergessenen Stars hautnah erlebt. 2) Werkzeugeinsatz (Kamera, Schnitt und Musik) Hierbei handelt es sich für mich um DEN großen Pluspunkt des Films. Obwohl ich in meinen sonstigen Kritiken eher selten auf solche technische Aspekte eingehe, müssen sie hier einfach positiv erwähnt werden. Der Film kommt nämlich eigentlich mit einem einzigen (sichtbaren) Schnitt aus, der dann meiner Meinung nach auch bedeutend für die abschließende Interpretation des Films ist. Durch das Fehlen der Schnitte, greift der Film auf wirklich coole Tricks und Effekte zurück, um zum Beispiel Zeitsprünge und Szenenwechsel zu vollziehen. Ebenso bemerkenswert ist die dynamische Kameraführung, die die Figuren stets begleitet und umkreist, sodass der Zuschauer das Gefühl hat mittendrin zu sein. Während der Szenen wird fast im gesamten Film auf den Einsatz von Musik verzichtet. Lediglich bei einem Schauplatzwechsel oder einem der genannten Zeitsprünge wird ein live eingespieltes Drumm-Fill eingebaut, das ein wenig an eine Umbaupause erinnert. 3) Unterhaltungsmaschine Hollywood vs. Künstlerisches Theater Neben dem persönlichen Drama um einen alternden Star, ist Birdman aber auch (oder vor allem) eine Satire auf das Showbusiness und das kommerzielle Hollywood. Die eingestreuten Spitzen gegen den Fortsetzungswahn und gehypte Schauspieler sorgen hier und da für Schmunzler. Allerdings wirken sie an manchen Stellen aber auch überheblich. Der Film zeigt an einigen Stellen, dass er sich vom Einheitsbrei Hollywoods abheben will und unterstreicht mehrfach seinen eigenen künstlerischen und kulturellen Anspruch. Das ist erst mal nicht schlimm. Allerdings gerät der Zuschauer so in die unangenehme Lage sich als ‚Mainstream-Konsument“ outen zu müssen, wenn er Birdman nicht mag. Nach dem Motto: „Hier ist jetzt mal ein gescheiter Film. Wenn euch der nicht gefällt, schaut euch halt Transformers oder so einen Scheiß an.“ Und genau da setzt auch meine letztendlich doch ziemlich negative Kritik an. Denn bei aller Kunst und Ausdrucksform braucht ein Film am Ende doch eine ansprechende Geschichte. Und die fehlte mir total. Die Quadrataugenrunde kam in ihrem Artikel zu diesem Film zu einem Fazit, dem ich leider nur zur Hälfte zustimmen kann:

„Iñárritu ist mit Birdman ein intelligenter Film gelungen, der den Zuschauer mit einer guten Geschichte hervorragend unterhält und gleichzeitig die Cineasten mit seiner Inszenierung in den seinen Bann zieht.“

Ja, der Film ist auf Grund seiner zahlreichen Andeutungen, Anspielungen und Metaphern, die dem Zuschauer nicht „Beachte mich! Ich bin eine METAPHER!!!“ ins Gesicht brüllen, durchaus intelligent. Und ja, die herausragende Inszenierung (Hauptdarsteller Michael Keaton, Kamera, Musik…) zieht wohl alle Cineasten in seinen Bann. Aber Birdman hat mich leider mit seiner „guten Geschichte“ auf keinen Fall und auf keinster Weise hervorragenden unterhalten. Um ehrlich zu sein, fand ich ihn sogar brutal langweilig. Ob Riggans Stück Erfolg hat, ob er tatsächlich Superkräfte hat und ob er noch mal ein großes Hollywood-Comeback (vielleicht sogar erneut als Birdman?) startet war mir letztendlich egal. Zu trocken und zäh war die Story und zu theatralisch und gleichzeitig aussagelos die Dialoge. Fazit: Es sei noch ein mal betont: Künstlerisch und Filmtechnisch ist Birdman ein echter Knaller. Inhaltlich hat er mich jedoch zu keiner Zeit gepackt. Mir kam es so vor, als wäre die Geschichte irgendwo zwischen der ganzen Kunst verloren gegangen. Wenn ich mich mit „Kunst“ auseinandersetze, sind technische und gestalterische Mittel schön und gut. Am Ende finde ich es entscheidend, dass mir das Gesehene, Gelesene oder Gehörte schlicht und ergreifend gefällt und ich es mir nicht schön analysieren muss. Leider war bei Birdman letzteres der Fall. Übrigens: Das Ende des Films wurde auf diversen Seiten von einigen Zuschauern zerrissen. Andere fanden es (wie den gesamten Film auch) genial. Da es der absolute Mega-Spoiler wäre sich jetzt an dieser Stelle darüber auszulassen, verwerfe ich meine Gedanken dazu auf einen eigenen Artikel (hier). Für die, die den Film noch schauen möchten sei gesagt, dass das Ende des Films ordentlich Diskussionsstoff bietet und Interpretationsspielraum lässt. Ob man das nun mag oder nicht muss jeder für sich entscheiden 😉

Meine Wertung: Note 4

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11 Antworten zu “Filmkritik: Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

  1. Gute Kritik, die ich absolut teile!
    Aber: Edward Norton wurde zu meinem Bedauern gar nicht von dir erwähnt. Ich fand ihn als einzige Figur in dem Film interessant! Er hat ein bisschen Dynamik in die langatmige Handlung gebracht. (Und ich seh ihn einfach gern, wie ich ganz subjektiv zugeben muss. Dabei sei auch die Halb-nackt-Szene erwähnt, die dem Film auch nicht schadet… 😉

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  2. Theresa! Du sexistisches Ding! Du sollst doch die künstlerische Aussage des Films betrachten und nicht nackte Tatsachen. tststs…

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  6. Na, endlich mal jemand, der gegen den Kritiker-Mainstream anredet und sagt, wie es ist: der Film ist langweilig. Und damit lautet die Endnote: Thema verfehlt. Ich bin ein großer Fan von Edward Norton und Naomi Watts, Inarritus bisheriges Oeuvre fand ich auch sehr stark. Aber hier hat er sich verrannt. Wirr und konfus, unkomisch, platt, meta um des meta-sein willens. Wie man die Zerrissenheit zwischen Theater und Filmwelt gepaart mit surrealen Elementen auf Film bannt, haben die Coen-Brüder mit Barton Fink gezeigt. Inarritu gelingt dies nicht. Ich habe jedes Bierholen als Pause genossen und habe den Film mehr aus Höflichkeit zu Ende geguckt.

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    • Endlich mal jemand, der mit mit einer Meinung ist 😀 „Meta um des meta-sein willens“ –> gefällt mir! Wie gesagt, handwerklich ein super Film. Aber leider ohne Inhalt…
      Ich lade dich übrigens herzlich ein meinem Blog hier zu folgen und auch in Zukunft fleißig mit zu diskutieren 😉

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  7. Das ist schade wenn man so hin- und hergerissen ist. Aber bei so einem Film ist es klar, dass so manch einer auf der Strecke bleiben _muss_. Dazu ist er eben zu speziell geraten und es braucht Glück, um von ihm angetan zu sein. Deine Kritik an der im Film genannten Kritik kann ich nachvollziehen. Allerdings war ich mit den ganzen (technischen) Spielereien, den Darstellern und der Geschichte zu fasziniert, um mich davon stören zu lassen. Schade dass es dir nicht so erging.

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  8. Sehr treffende Kritik. Auch mir fehlt der Aspekt Edward Nortons, da er einen Großteil zur Handlung beiträgt, hätte da gerne deine Meinung zu gewusst.
    Ansonsten hier meine Kritik: https://shalimasfilmweltenkritik.wordpress.com/2015/05/03/birdman-oder-die-unverhoffte-macht-der-ahnungslosigkeit/

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  9. Ich kam, bezüglich der Handlung, zu einem anderen Fazit als Du und doch hatte das letztlich keinen Einfluss auf meine Gesamtwertung. Mehr dazu hier:
    https://filmkalender.wordpress.com/2015/02/28/birdman-2/

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