Filmkritik: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Hallo Filmfreunde,

jedes Jahr wenn die Oscar-Verleihung näher rückt, beschleicht mich auf’s Neue das Gefühl, dass die AMPAS mit voller Absicht nur Filme nominiert, die mir nicht gefallen und ich dann mal wieder wie der absolute Banause da stehe. Im letzten Jahr waren das Gravity (oje…), American Hustle (naja…), Dallas Buyers Club (ok, aber der beste Film des Jahres?) und Nebraska (#gähn#).

Am Dienstag habe ich nun also „The Imitation Game“ gesehen, der immerhin für nicht weniger als 8 Oscars nominiert ist. Darunter auch in der Kategorie „Bester Film“. Ob ich mich zur Abwechslung damit mal anfreunden kann, erfahrt ihr hier.

Inhalt und Trailer:

Während des zweiten Weltkrieges arbeitet der brillante Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) für das britische Militär an einer Möglichkeiten das deutsche Verschlüsselungssystem ENIGMA zu knacken, um dadurch an strategische Informationen zu kommen.

The Imitation Game erzählt auf drei Zeitebenen Abschnitte aus dem Leben Alan Turings. Die erste Ebene spielt im Jahre 1951. Der Krieg ist vorbei und die Hauptfigur gerät ins Visier der örtlichen Polizei. Im Verhör berichtet die Hauptfigur rückblickend von seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkrieges (Ebene 2). In weiteren Rückblicken auf die dritte Ebene erfahren wir dann mehr über Alans Kindheit und die auf Grund seiner sozialen Unzulänglichkeiten schwierigen Schulzeit.

Diese Erzählweise und die vielfach gelobte Leistung Benedict Cumberbatchs verleihen der Hauptfigur die nötige Tiefe, die es braucht um eine persönliche Lebensgeschichte für den Zuschauer überhaupt interessant zu machen.

Generell bewegt sich der Film fast über die gesamte Dauer auf einem schmalen Grad zwischen emotionalem Drama und einem Spionage-Thriller. Allerdings legt die letzte halbe Stunde des Films dann den Schwerpunkt eindeutig auf das persönliche Schicksal der Hauptfigur nach Kriegsende, sodass ich den Film dann doch eher der Kategorie Drama zuordnen würde. Mir persönlich hat dieser Mix sehr gut gefallen, da mich ein reiner Codeknacker-Thriller wahrscheinlich weniger interessiert hätte und die Geschichte um Alan Turing alleine dann vielleicht doch nicht packend genug gewesen wäre.

Eine wahre Geschichte. Oder zumindest zum Teil…

Wie bereits erwähnt ist Benedict Cumberbatchs facettenreiches Spiel wirklich hervorzuheben. Allerdings drängte sich mir die Frage auf, in wie weit der Film als Biopic tatsächlich die Person Alan Turing darstellt. In manchen Szenen erschien mir die Figur konstruiert und unstimmig. Zu sehr schwankt der geniale Mathematiker zwischen berechnender Arroganz und dann wieder fast schon autistischer Eingeschränktheit im Umgang mit seiner Umwelt. Natürlich sorgt Turings Hilflosigkeit gegenüber Ironie und Sarkasmus im Sheldon-Cooper-Style für einige amüsante Momente. Trotzdem wirkte es manchmal so, als ob diese Szenen extra eingefügt wurden, um dem Zuschauer zu helfen diesen Menschen zu mögen. Hätte man einen schlicht und ergreifend unsympathischen, weil perfektionistischen und arroganten Wissenschaftler gezeichnet, hätte der Film womöglich nicht seine gewünschte Wirkung auf den Zuschauer gehabt. Wie dem auch sei, dieser kleine Schliff am Protagonisten funktioniert ausgesprochen gut.

Unerklärlicher fand ich dann schon die Figur von Alans Mitarbeiterin Joan Clarke (Kiera Knightley), die eigentlich nur dafür da ist, dem sozial überforderten Alan im Umgang mit seinen Kollegen zu helfen und die obligatorische Liebesgeschichte einzubauen. Nachdem ich in meiner letzten Kritik (Der Große Trip – Wild) ein bisschen was zu feministischen Motiven erzählt habe, muss ich sagen dass der kleine Einwurf der begabten Frau in der Männerwelt Wissenschaft und Militär hier nicht so recht in den Film passen wollte. Ich gebe zu, dass ich nicht unbedingt tiefgründig recherchiert habe. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass die Person Joan Clarke außerhalb des Films auch eine so große Rolle gespielt hat. Zumindest wirkt die ganze Figur und deren Rolle im Film doch sehr konstruiert und irgendwie deplatziert.

Die große Stärke des Films war für mich das umfassende Gesamtpaket. Natürlich steht im Mittelpunkt des Films wie oben beschrieben das Schicksal und die Lebensgeschichte von Alan Turing. Nebenbei packt The Imitation Game jedoch noch ein paar historische Einblicke und Kritik an der damaligen aber auch der heutigen Gesellschaft oben drauf. Was mich zum Beispiel sehr zum Nachdenken angeregt hat, war die Information, dass Turings Wirken beim Militär, die Entschlüsselung des Enigma-Codes und die daraus resultierenden Folgen über 50 Jahre lang geheim gehalten wurden. Es lässt sich nur darüber spekulieren was im Jahre 2051 vielleicht alles zum 11. September und den darauf folgenden Anti-Terror-Kriegen aufgedeckt wird, wenn die Militärakten irgendwann veröffentlicht werden sollten…

Fazit:

The Imitation Game ist ein sehr gelungener Film, der einige interessante Aspekte zu einem tollen Gesamtpaket zusammenfasst. Leider an manchen Stellen etwas konstruiert und zu sehr auf Zuschauerreaktion zielend. Ich kann jedenfalls die Oscar-Nominierung zur Abwechslung mal nachvollziehen. Auch wenn es für den großen Wurf nicht reichen wird 😉

Meine Wertung: Note 2

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8 Antworten zu “Filmkritik: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

  1. Danke für die Meinung! Bin mal gespannt, wenn es sich einrichten lässt, würde ich den schon gerne im Kino schauen…

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  3. Sehr lesenswerter Bericht! (Ich habe ihn trotz schlechter Sicht und Deiner Wahl von „Schwarz auf Dunkelgrau“ interessiert bis zum Ende gelesen – meine Augen sind wohl doch nicht mehr, was sie mal waren….)

    Mir hat der Film zwar als Unterhaltung auch gut gefallen, allerdings haben mich die vielen „Geschichtsfälschungen'“ irritiert. Ich finde es unverantwortlich gegenüber der Volksbildung (ich finde kein besseres Wort dafür), wenn die Historie so abweichend oder schlicht unwahr dargestellt wird. Für die nächsten 40 Jahre werden die Menschen denken, Turing habe einen sowjetischen Spion gedeckt…. Das ist schon ein starkes Stück!

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2015/01/the-imitation-game-ein-streng-geheimes.html

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    • Erst mal danke für deinen Kommentar 🙂 Ich denke dass du mit „Schwarz auf Dunkelgrau“ die Schrift auf dem Hintergrund meinst? Letzteren hätte ich jetzt als blau bezeichnet. Aber wir streiten uns jetzt nicht über Farben 😛 Um ehrlich zu sein bist du der erste, der das Design anspricht. Was ja nicht heißen muss, dass du Unrecht hast. Ich werde mich da mal umhören und über eine Alternative nachdenken.

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  6. Ich wollte mal kurz und knapp ein paar Links zu deiner Kritik hierlassen. 🙂

    Zur Rolle von Joan Clarke: http://de.wikipedia.org/wiki/Joan_Clarke#Filmische_Rezeption

    Meine Filmkritik zu dem Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/01/30/the-imitation-game-2014/

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    • Danke für die Links. Auch wenn ich beide schon kenne 😉 Was ich in meinem Artikel über Joan Clarke geschrieben habe, nehme ich gerne zur Hälfte zurück. Wobei ich dabei bleibe, dass sie im Film schlecht dargestellt wird. Ich finde nach wie vor nicht dass sie da richtig rein passt. Und laut dem Wikipedia-Artikel war ihre Beziehung zu Turing ja auch gar nicht so wie im Film dargestellt wird. Aber im Film kann man sich ja auch nicht in allen Aspekten an die Realität halten 😉 Wobei Imitation Game für ein Biopic schon extrem von den „wahren Begebenheiten“ abweicht.

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