Das Duell: Captain Book vs. Movie Man

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Nachdem der liebe Kerzengeist von Haltstop in seinem Artikel „Der Schizo-Schowdown: Buchverfilmungen“ die Frage aufgeworfen hat, wie weit Buchverfilmungen von der literarischen Vorlage abweichen dürfen (oder auch nicht), habe auch ich mir zu diesem Thema mal so meine Gedanken gemacht.

Da ich nur alle Schaltjahre mal ein Buch lese, kenne ich, wenn eine Buchverfilmung ins Kino kommt, in 99% der Fälle die Vorlage nicht. Meistens weiß ich zunächst noch nicht mal, dass es sich um eine Verfilmung handelt. Aus diesem Grund würde ich mich also nicht unbedingt als Experte der Materie bezeichnen und gebe die Frage an meine hoffentlich belesenen Leser weiter: Wie sind eure Erfahrungen mit Buchverfilmungen? Und was ist EURER ERFAHRUNG NACH in der Regel besser? Habt ihr passende Beispiele?

Hier meine (überschaubaren) Erfahrungen und Gedanken:

„Der Film ist ok, aber nicht mal halb so gut wie das Buch!“

Sätze wie diesen habe ich gefühlt schon 1 Million mal gehört. Woran das liegt? Keine Ahnung. Vielleicht ist es einfach schick zu betonen, dass man das Buch kennt. Oder es wirkt intellektueller, wenn man das Printmedium dem digitalen Widersacher vorzieht. Vielleicht haben die Leseratten auch zu wenig Phantasie, um die eigene Vorstellung des Gelesenen auf das vorgesetzte Bild zu übertragen. Nach dem Motto: „Der Film ist doof. Ich hab mir Edward irgendwie anders vorgestellt.“ Ich weiß es nicht.

Fakt ist aber, dass ich noch NIE jemanden hab sagen hören. „Der Film ist viel besser als das Buch!“ Das macht ja eigentlich auch Sinn. Denn wer schaut sich schon die Verfilmung eines beschissenen Buches an?

Auch wenn ich nicht viele Beispiele kenne, würde ich wahrscheinlich immer das Medium Film vorziehen. In erster Linie aus dem Grund, dass ich nur sehr ungern Romane lese. Aber natürlich auch aus Zeit gründen. Ich habe vor Jahren „The Remains of the day“ von Kazuo Ishiguro gelesen. Ein nette Satire über einen englischen Butler, der nach einem strengen Verhaltenscodex lebt und damit auf einiges verzichtet was das Leben lebenswert macht. Im Herbst seines Lebens stellt er sich dann die Frage, ob er nicht vielleicht doch etwas verpasst haben könnte. Etwas später habe ich dann den Film „Was vom Tage übrig bleibt“ mit Anthony Hopkins gesehen. Natürlich war der Film relativ langweilig, weil ich nach Lektüre der Vorlage ja schon wusste, was passieren wird und worum es geht. Wenn ich jetzt eine Empfehlung aussprechen müsste ,wäre das jedoch eindeutig der Film. Dieser ist zwar mit einer Laufzeit von über zwei Stunden relativ lang. Allerdings hat das Lesen des Romans wesentlich länger gedauert. Die Story war jedoch in beiden Fällen gleich.

Man könnte jetzt die Frage stellen: Warum macht man das überhaupt? Einen Film anschauen, wenn man die Handlung und damit das Ende schon kennt? In meinem Fall war ein Buch-Film-Vergleich Thema einer Hausarbeit. Viele andere Leute sind einfach Fans und ziehen sich einfach alles rein was den jeweiligen Titel im Namen trägt. Und sonst?

Ebenso seltsam finde ich es, wenn man nach Schauen eines Films auch noch das Buch liest. Will ich wirklich wissen, ob der Film alles aus der Vorlage umgesetzt hat? Und wie? Für mich ist die Antwort ganz klar nein. Aber natürlich habe auch ich das schon gemacht. Zum Beispiel mit Shutter Island. Allerdings zeitlich so weit versetzt, dass ich beim Lesen einiges vom Plot bereits wieder vergessen hatte. Allerdings sind mir beim Lesen ständig Mark Ruffalo und Leonardo DiCaprio vorm geistigen Auge aufgtaucht.

So lieber Leser, jetzt bist du dran. Wie sind deine Erfahrungen mit Buchverfilmungen. Welche waren gut, welche schlecht? Hast du es schon mal erlebt, dass ein Film dir besser gefallen hat als seine Vorlage? Erleuchte das Dunkel meines Unwissens und lass deinen Kommentar da 😉

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12 Antworten zu “Das Duell: Captain Book vs. Movie Man

  1. Shutter Island ist eines meiner Lieblingsbeispiele für eine gute Buchverfilmung und imo auch die beste Dennis Lehane Verfilmung. Ghostwriter, von Robert Harris, ist auch sehr gelungen.
    Für mich gibt es eigentlich nur die Reihenfolge, erst das Buch und dann der Film.

    Imo darf sich der Regisseur so viele Freiheiten mit der Vorlage erlauben wie er möchte, hauptsache es entsteht dabei ein guter Film. Wenn es ein schlechter Film wird hat man zusätzlich die Fans verärgert.
    Der Anspruch der Buchfans ist meistens auch ziemlich hoch.

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    • Das mit dem Anspruch denke ich auch. Bei Gone girl habe ich einige gehört, die nach dem Film jetzt auch noch das Buch lesen wollen. Was ja ok ist. Ich würde das aber nicht machen. Auf jeden Fall danke für den Beitrag 🙂

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  2. Ich habe das Gefühl, dass Büchermenschen, wenn sie über eine Verfilmung urteilen, die Beschaffenheit des Mediums Film einfach nicht checken. Storytelling in Filmen funktioniert nunmal ganz anders.
    Durch die bewegten Bilder erfährt man beim Film die unmittelbare Vision des MAchers. Bei Büchern ist das anders, da wird die Fantasie des Lesers nur in die gewollte Richtung gelenkt und der bildlichen Repräsentation der beschriebenen Ereignisse in der Vorstellung des Lesers (die aber vermutlich auch eher automatisch zusammengesetzt wird, weil beim Lesen eines Wortes auch sofort auf das bildliche Konzept des Wortes im Gehirn zugegriffen wird) sind theoretisch keine Grenzen gesetzt. Wenn die Interpretation, die der Film dann liefert, einem nicht zusagt, kann das einem den ganzen Film versauen- wenn man sich nicht vorher von den eigenen Erlebnissen mit dem Buch frei macht.
    Filme sind dagegen in ihrer Visualisierung des Stoffes eingeschränkt (zumindest Nicht-Animationsfilme). Von den Grenzen der Tricktechnik, vom Budget, von logistischen Gegebenheiten beim Dreh, vom Talent der Schauspieler…! Ich finds trotzdem unheilmlich interessant, ein Buch vor dem Film zu kennen (was aber zirka nie vorkommt).
    Ich bevorzuge Filme, weil man sie zusammen mit anderen Leuten sehen kann. Dann hat jeder ungefähr das Gleiche erlebt und dieses Erlebnis teilt man dann und das ist toll und so 🙂

    sorry für den langen Aufsatz, mir ist halt viel eingefallen

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  3. Bei Filmen, die besser als die Bücher sind, wäre mir gerade eben „Der Hobbit“ eingefallen. 🙂 Ist natürlich viel zu lange gestreckt worden, es kommt viel Kram vor, der im Buch vielleicht nur mit einem halben Satz erwähnt wurde (z.B. der letzte gesamte Film), wenn überhaupt, und ob man das ganze überhaupt vergleichen kann, da es sich um ein Kinderbuch und Filme für die Allgemeinheit handelt, weiß ich nicht genau.
    Ich fand die Charaktere im Film auf jeden Fall viel interessanter sympathischer, da vieles im Buch nur in Nebensätzen abgetan wurde, wenn es denn überhaupt vorkam. Beispiel Thorin & Bilbo, um deren Freundschaft es ja größtenteils ging oder Fili & Kili, die im Buch vielleicht einen Satz sagen dürfen, um dann am Ende zu sterben.
    Wenn man das Buch als Kind gelesen hat (hab ich nicht), lässt sich vielleicht darüber streiten, ob alles, was noch in die Filme geworfen wurde, um etwas größeres draus zu machen, wirklich nötig war, aber da ich das Buch nur schnell vorher gelesen habe, um den Film schauen zu können, kann ich da nicht mitreden. 🙂 Mir gefielen die Filme jedenfalls besser und wenn ich jetzt nochmal das Buch lese, werde ich nicht nur an die Schauspieler denken, sondern auch an das, was mir in den Filmen besser gefiel.

    Meistens lese ich eher die Bücher und finde dann später heraus, dass es einen Film dazu gibt. Ich stelle mir alle Charaktere nur vage vor und freue mich darum oft drüber eine andere Version von ihnen zu sehen (auch wenn es sein kann, dass sie meiner eigenen Vorstellung gar nicht entspricht/ich mich erst dran gewöhnen muss) zu sehen, was jemand anderes aus einer bestimmten Szene macht, etc. Darum schau ich mir solche Filme gerne an. 🙂 Und wenn mir die Filmversion nicht gefällt, ich das Buch aber liebe, kann ich ja immer noch dazu zurückkehren und den Film schnell vergessen.
    Umgekehrt lese ich wirklich vorher gerne das Buch, bevor ich mir einen Film ansehe, der darauf basiert. (Gone Girl z.B. und ich konnte an beidem etwas finden, am Buch UND am Film, gerade weil beide so anders aufgebaut werden mussten. In einem Film ist es schwerer einer Person in den Kopf zu schauen, als in einem Buch) Klar, damit „versaue“ ich mir vielleicht die Überraschung, aber irgendwie hab ich immer das Gefühl, dass ich dadurch ein wenig mehr verstehe, als vielleicht gezeigt wird. Unglücklich machen, kann es aber natürlich auch, wenn irgendwas weggelassen oder geändert wurde…

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  5. Manchmal werden auch nur durchschnittliche Bücher verfilmt, und dann ist die Verfilmung noch mal deutlich schlechter. *hustEragonhust* 😉
    Ansonsten, ja, ich bin der falsche Ansprechpartner, ich lese ja deutlich mehr, als dass ich Filme schaue, da ist meine Antwort von vornherein klar. :mrgreen:

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  6. Pingback: Welcher Film ist die gelungenste Verfilmung einer literarischen Vorlage? | Ma-Go Filmtipps

  7. Beschissene Bücher verfilmen…da wäre aber mal was….da hätten die noch mal eine Chance…aber da je die Geschmäcker verschieden sind….dabei fällt mir ein….eine gute Frage wenn mal wieder nach Hypebüchern gefragt wird…..Eat, Prey, Love (beschissen wäre hier übertrieben)….das Buch hab ich abgebrochen – das Gebete ging mir auf die nerven…allerdings hab ich es noch nicht geschafft den Film zu schauen….Aber durch Julia würde ich das schon machen….irgendwann….Ich gehöre auch zu den Menschen, die nach einem guten Film, gerne zu Amazon stürzen um zu schauen ob es das Buch gibt…ich kaufe es zwar nicht immer….aber bin versucht….ich denke es liegt daran, dass man noch kein Abschied nehmen will…ich weiss es nicht….da meist wirklich der Vergleich Buch vs Film schlechter wird…nicht immer aber meistens….

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